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Zwischen Zoll und ZukunftKupferboom trotz Preisrisiken: Gunnison produziert, Arctic Minerals erkundet

Der Kupferpreis setzt auf eine Zukunft mit mehr Rechenzentren, Stromnetzen und Elektrofahrzeugen. Doch hohe Metallkosten dämpfen Teile der Industrie, während US-Zollrisiken zugleich den Handel verzerren. Damit wächst das Risiko einer Preiskorrektur trotz langfristiger Angebotsengpässe.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 13 min
Titelbild: picture alliance / Construction Photography / Photosh / Oliver Llaneza Hesse

Der Kupferpreis näherte sich 2026 zeitweise der Marke von 15.000 USD je Tonne. Mit diesem Anstieg wuchsen allerdings auch die Zweifel, ob die gegenwärtige Marktlage solche Bewertungen rechtfertigt. Bergbaukonzerne warnen vor Engpässen in späteren Jahren, während manche Analysten zunächst mit Überschüssen rechnen. Beide Einschätzungen können zutreffen, weil sich die aktuellen Preise bereits an den Erwartungen für das kommende Jahrzehnt orientieren.

Bergbaukonzerne planen mit knapperem Kupfer

Neue Kupferminen lassen sich nicht binnen weniger Quartale erschließen. Wer künftig mehr fördern will, muss häufig Jahre vor dem ersten Verkauf investieren. Entsprechend langfristig sind die Strategien großer Bergbauunternehmen angelegt.

Ein Beispiel dafür ist der geplante Zusammenschluss des internationalen Bergbaukonzerns Anglo American ISIN GB00BTK05J60 WKN A41BF3 mit Teck Resources ISIN CA8787422044 WKN 858265 aus Kanada. Beide wollen ihre Kupferaktivitäten in einem größeren Unternehmen bündeln. Dahinter steht auch die strategische Bedeutung langfristig verfügbarer Lagerstätten.

Beim australischen Rohstoffkonzern BHP ISIN AU000000BHP4 WKN 850524 überholte Kupfer nach Konzernangaben im August erstmals Eisenerz als wichtigsten Gewinnbeitrag. An der Börse fand die stärkere Ausrichtung auf das Metall ebenfalls Zuspruch. Aktien von BHP und dem US-Bergbauunternehmen Freeport-McMoRan ISIN US35671D8570 WKN 896476 legten laut der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times seit Jahresbeginn im Kurs um etwa ein Viertel bis ein Drittel zu.

Solche Kursgewinne spiegeln allerdings Erwartungen an viele kommende Jahre wider. Über die Frage, ob der heutige Kupferpreis durch den kurzfristigen Verbrauch gerechtfertigt ist, sagen sie wenig aus.

Neue Minen entstehen nur langsam

Auf steigende Preise können Produzenten nicht einfach mit höheren Fördermengen reagieren. Nach einer Studie des Finanzdatenanbieters S&P Global vergehen von der Entdeckung einer Kupferlagerstätte bis zum Produktionsbeginn durchschnittlich 17 Jahre. Erkundung, Genehmigungen und Bau beanspruchen erhebliche Zeit, während die benötigten Investitionen lange vor den ersten Einnahmen anfallen. Auch bestehende Bergwerke stoßen beim Ausbau ihrer Förderung häufig an Grenzen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet für 2035 eine Angebotslücke von rund 25 % bei neu gefördertem Kupfer. Maßstab ist der prognostizierte Primärbedarf im Vergleich zur erwarteten Förderung aus bestehenden und angekündigten Bergbauprojekten. Diese Projektion beschreibt ein mögliches künftiges Defizit, während der Markt gegenwärtig durchaus ausreichend versorgt sein kann.

Kathleen Quirk, Vorstandschefin von Freeport-McMoRan, rechnet deshalb langfristig mit wachsendem Bedarf, erwartet allerdings keinen gleichmäßigen Anstieg. Auch Anglo-American-CEO Duncan Wanblad sieht Unterstützung für den Preis, solange die erwartete Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bestehen bleibt. Kurzfristige Überschüsse und spätere Engpässe sind daher durchaus miteinander vereinbar.

Den Unterschied zwischen beiden Zeithorizonten betont auch Loic Jonchery, leitender Metallhändler beim Handelsunternehmen Centallion. Für die gegenwärtige Marktlage hält er Kupfer für teuer. Zugleich stellt sich aus seiner Sicht die Frage, ob das Preisniveau ausreicht, um die langfristig benötigten Förderinvestitionen anzustoßen.

Noch bevor neue Minen gebaut werden können, müssen Explorationsunternehmen Größe, Metallgehalt und Ausdehnung möglicher Lagerstätten untersuchen. Die Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Entscheidung, ob weitere Investitionen in die Entwicklung wirtschaftlich sinnvoll erscheinen.

Arctic Minerals erkundet Kupfervorkommen in Schweden

In der Region Dalsland im Südwesten Schwedens entwickelt das Explorationsunternehmen Arctic Minerals ISIN SE0024172779 WKN A411LJ das Kupfer-Silber-Projekt Hennes Bay. Das vollständig unternehmenseigene Lizenzgebiet deckt rund 414 Quadratkilometer ab.

Für den Bereich Dingelvik liegt seit März 2025 eine erste Ressourcenschätzung nach dem internationalen JORC-Standard vor. Die als "abgeleitet" eingestufte Mineralressource umfasst 55,39 Mio. Tonnen mit durchschnittlich 1,0 % Kupferäquivalent, darunter 447.000 Tonnen enthaltenes Kupfer und 36,99 Mio. Unzen Silber.

Im September 2026 schloss Arctic Minerals ein erstes Bohrprogramm mit zwölf Bohrlöchern und insgesamt 4.187 Metern ab. Zehn Bohrungen durchteuften nach Unternehmensangaben sichtbare Kupfermineralisierung, teilweise bis zu 600 Meter von historischen Bohrungen entfernt. Besonders auffällig war ein Abschnitt von 64,4 Metern mit 1,3 % Kupferäquivalent bei Henneviken. Darin enthalten waren 1,7 Meter mit 3,18 % Kupferäquivalent. Diese Werte berücksichtigen neben Kupfer auch den Silbergehalt.

Begleitend zum Bohrprogramm wurden geophysikalische Untersuchungen aufgenommen. Erste Genehmigungsarbeiten begannen im Juni. Arctic Minerals will damit die Voraussetzungen für die weitere Bewertung und mögliche Entwicklung von Hennes Bay schaffen. Bis zu einer wirtschaftlichen Förderung sind allerdings noch zusätzliche Ressourcenarbeiten, technische Studien, Genehmigungen und Investitionen erforderlich.

KI-Ausbau verändert den Kupferverbrauch

Neue Rechenzentren benötigen große Mengen Kupfer für Leitungen, Stromverteilung und technische Anlagen. Auch der Ausbau von Stromnetzen, die Elektromobilität und andere Elektrifizierungsprojekte erhöhen den Verbrauch. Besonders die Investitionen in künstliche Intelligenz haben zuletzt die Erwartungen an die Nachfrage verändert.

Der Rohstoffhändler Trafigura schätzt den zusätzlichen Kupferbedarf durch Rechenzentren für 2026 auf rund 350.000 Tonnen. Gemessen am weltweiten Jahresverbrauch von etwa 28 Mio. Tonnen entspricht das rund 1,25 %. Noch 2023 trugen Rechenzentren nach Einschätzung von Trafigura praktisch nichts zum Wachstum der globalen Kupfernachfrage bei.

Der Zuwachs ist also erheblich, fällt gemessen am Gesamtmarkt aber weiterhin begrenzt aus. Im Szenario der geltenden und angekündigten Politik erwartet die IEA bis 2040 insgesamt rund sieben Millionen Tonnen zusätzliche jährliche Kupfernachfrage. Einen wesentlichen Anteil daran haben Stromnetze und neue Technologien. Der längerfristige Mehrbedarf reicht damit deutlich über die künstliche Intelligenz hinaus.

Allerdings wächst der Verbrauch nicht in allen Bereichen gleichermaßen. Graeme Train, Leiter der Metall- und Mineralienanalyse bei Trafigura, beobachtet bereits erste Gegenbewegungen. Demnach hätten hohe Preise die Nachfrage in anderen Wirtschaftsbereichen geschwächt und dadurch einen Teil des zusätzlichen Verbrauchs der Technologiebranche ausgeglichen.

Offen ist außerdem, wie viele der angekündigten Rechenzentren tatsächlich gebaut werden. Steigende Finanzierungskosten könnten einzelne Vorhaben verzögern. Solange Kabel und Anlagen noch nicht bestellt sind, schlagen sich entsprechende Investitionspläne auch nicht vollständig im tatsächlichen Kupferverbrauch nieder.

US-Zollrisiken verändern Verteilung der Lagerbestände

Auch die Lagerhaltung erschwert derzeit die Einschätzung der weltweiten Versorgungslage. Große Kupfermengen befinden sich inzwischen in amerikanischen Lagerhäusern, während das über die Metallbörsen verfügbare Angebot in anderen Regionen entsprechend geringer ausfällt.

Ende Oktober lagen rund 90 % des in den Lagerhausnetzen der London Metal Exchange (LME) und der US-Terminbörse Comex erfassten Kupfers in den USA. Zwei Jahre zuvor waren es lediglich etwa 20 %. Wesentlich zu dieser Verschiebung beigetragen hat die Unsicherheit über mögliche amerikanische Importzölle.

Die handelspolitischen Maßnahmen erfassen bislang allerdings unterschiedliche Kupferprodukte. Seit August 2025 erheben die USA Einfuhrzölle von 50 % auf bestimmte halbfertige Kupferprodukte und kupferintensive Folgeprodukte. Raffiniertes Kupfer in Kathodenform blieb von diesen Abgaben ausgenommen.

Für raffiniertes Kupfer steht jedoch eine mögliche Ausweitung im Raum. Die amerikanische Regierung hatte Zollsätze von 15 % ab Januar 2027 und 30 % ab Januar 2028 zur Prüfung gestellt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters war darüber im September noch keine Entscheidung gefallen. Unter dem Eindruck dieser Unsicherheit verlagerten Händler vorsorglich erhebliche Mengen in die USA. Sie wollten möglichen Handelsbeschränkungen zuvorkommen und ihre Lagerpositionen entsprechend absichern. Dadurch fehlte das Metall zeitweise in anderen Regionen, obwohl es dem Weltmarkt nicht dauerhaft entzogen war.

Die Vereinigten Staaten sind zugleich stark auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Nach Schätzungen des US Geological Survey, einer wissenschaftlichen US-Bundesbehörde, lag die Nettoimportabhängigkeit bei raffiniertem Kupfer 2025 bei rund 57 % des rechnerischen Verbrauchs. Neue Einfuhrabgaben könnten daher die heimische Förderung begünstigen, zugleich aber die Materialkosten amerikanischer Industrieunternehmen erhöhen.

Regional knappe Lagerbestände erlauben deshalb keinen unmittelbaren Rückschluss auf ein weltweites Produktionsdefizit. Hinzu kommt, dass die erfassten Börsenlagerbestände ohnehin nur einen Ausschnitt des insgesamt verfügbaren Kupfers abbilden.

Sollte die Gefahr neuer Zölle entfallen, könnten Lagerhalter ihre Positionen auflösen und Bestände wieder in andere Regionen verlagern. Die australische Finanzgruppe Macquarie sieht darin ein erhebliches Risiko für den Kupferhandel. Eine solche Umverteilung könnte regionale Preisaufschläge abbauen und zusätzlichen Druck auf den Markt ausüben.

Gunnison Copper baut die heimische US-Produktion aus

Die amerikanische Importabhängigkeit erhöht zugleich das Interesse an Kupferprojekten, die das Metall direkt im Inland produzieren und verarbeiten. Zu diesen Unternehmen gehört Gunnison Copper ISIN CA4028801088 WKN A40TP4, ein kanadisch börsennotierter US-Kupferproduzent und Projektentwickler. Das Unternehmen betreibt im südlichen Kupfergürtel Arizonas die Johnson-Camp-Mine und entwickelt weitere Lagerstätten im Cochise Mining District.

Im September 2026 erreichte Johnson Camp nach Unternehmensangaben die kommerzielle Produktion. Bereits im August waren dort rund 1,3 Mio. Pfund Kupferkathoden hergestellt worden. Die Mine wird nun schrittweise auf ihre jährliche Nennkapazität von bis zu 25 Mio. Pfund hochgefahren. Dabei arbeitet Gunnison mit Nuton zusammen, einem Technologieunternehmen des Bergbaukonzerns Rio Tinto. Das Kupfer wird direkt am Standort zu hochreinen Kathoden verarbeitet, sodass keine zusätzliche Verhüttung im Ausland erforderlich ist.

Wesentlich größer ist das geplante Gunnison-Projekt im selben Bergbaudistrikt. Eine im März 2026 abgeschlossene vorläufige Wirtschaftlichkeitsbewertung sieht während der ersten 15 Betriebsjahre eine durchschnittliche Produktion von jährlich 174 Mio. Pfund Kupfer vor. Geplant sind ein Tagebau, Haufenlaugung und die Herstellung von Kupferkathoden am Standort. Der in der Studie errechnete Nachsteuer-Kapitalwert liegt bei rund zwei Milliarden USD, basierend auf einem Kupferpreis von 4,60 USD je Pfund.

Für die Entwicklung sind allerdings noch weitere technische Untersuchungen und Genehmigungen erforderlich. Im September reichte Gunnison einen Antrag zur Änderung des bestehenden Rekultivierungsplans ein. Das Unternehmen strebt die notwendigen Genehmigungen und eine mögliche Investitionsentscheidung bis Mitte 2028 an. Die bisherige wirtschaftliche Bewertung ist vorläufig und berücksichtigt teilweise abgeleitete Mineralressourcen. Die geplanten Fördermengen und die Wirtschaftlichkeit muss nun der weitere Entwicklungsverlauf bestätigen.

Analysten zweifeln an der Bewertung des Kupfers

Auch unabhängig von der amerikanischen Handelspolitik hält Macquarie weltweite Angebotsüberschüsse in den kommenden Jahren weiterhin für möglich. Nach Einschätzung von Analystin Alice Fox lässt sich das hohe Preisniveau durch die kurzfristigen Marktgrundlagen nur begrenzt erklären.

Den zusätzlichen Kupferbedarf der Technologiebranche stellt die Bank grundsätzlich nicht infrage. Sie verweist jedoch auf Umsetzungsrisiken bei geplanten Rechenzentren: Sind optimistische Nachfrageannahmen bereits im Preis enthalten, können Verzögerungen entsprechend starke Auswirkungen auf den Kupferpreis haben.

Ein von der Financial Times zitierter Investor hält einen Rückgang um bis zu 1.000 USD je Tonne gegenüber dem bisherigen Höchststand für denkbar. Andere Marktteilnehmer verweisen auf Inflation, höhere Finanzierungskosten und die amerikanische Staatsverschuldung als zusätzliche Risiken. Diese Einschätzungen unterscheiden sich jedoch und ergeben keine einheitliche Marktprognose.

Ein wesentlicher Grund für die abweichenden Prognosen sind unterschiedliche Zeithorizonte. Kurzfristig beeinflussen vor allem die industrielle Nachfrage und die Verteilung der Lagerbestände den Kupferpreis. Über die Versorgung in späteren Jahren entscheiden dagegen Investitionen, neue Förderkapazitäten und die Entwicklung bestehender Bergwerke.

Zwischen KI-Investitionen, Zollpolitik und Förderengpässen

Für die weitere Preisentwicklung ergeben sich mehrere gegenläufige Möglichkeiten. Werden weniger KI-Rechenzentren gebaut als erwartet, könnte der Kupferverbrauch in diesem Bereich hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben. Lockern sich zugleich die amerikanischen Zollrisiken, könnten bislang in den USA konzentrierte Bestände wieder auf andere Märkte gelangen. Bei anhaltend starker Elektrifizierung dürfte die Nachfrage hingegen weiter zunehmen. Verzögerungen beim Bau neuer Minen und Probleme in bestehenden Betrieben könnten das verfügbare Angebot dann knapp halten.

Für Anleger und Produzenten kommt es deshalb wesentlich darauf an, kurzfristige Marktverhältnisse und langfristige Investitionserfordernisse auseinanderzuhalten. Denn auch ein Rohstoff mit guten langfristigen Wachstumsaussichten kann zwischenzeitlich zu teuer sein.

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