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Die Cashflow-FrageMilliarden für Rechenzentren belasten Alphabets Finanzen

Der Google-Mutterkonzern Alphabet verdient operativ mehr und profitiert vom Cloudboom. Doch der Ausbau der KI-Rechenzentren drückt den freien Cashflow ins Minus. Zugleich bringen neue Suchformate bislang weniger Werbeerlöse und belasten das Kerngeschäft.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / APA-Images / Fotokerschi / Werner Kerschbaumm

Der US-Technologiekonzern Alphabet ISIN US02079K3059 WKN A14Y6F hat seinen Umsatz im dritten Quartal 2026 um 25 % auf 127,6 Mrd. USD gesteigert. Dennoch verlor die Aktie am Donnerstag im frühen US-Handel zeitweise rund 13 %. Für Ernüchterung sorgten verfehlte Analystenerwartungen und ein negativer freier Cashflow von 9,07 Mrd. USD.

Das operative Ergebnis legte gegenüber dem Vorjahr um 30 % auf 40,6 Mrd. USD zu, blieb damit aber unter den von Analysten erwarteten 43,2 Mrd. USD. Auch der Umsatz verfehlte die Prognosen knapp. Der auf die Stammaktionäre entfallende Gewinn sank um ein Viertel auf 26,2 Mrd. USD. Wesentlich dafür waren Bewertungsverluste auf Beteiligungen von rund 8,7 Mrd. USD. Nach Angaben von Finanzchefin Anat Ashkenazi entfiel der größte Teil davon auf einen nicht realisierten Verlust bei der Beteiligung am Raumfahrtunternehmen SpaceX ISIN US84615Q1031 WKN A42D4F.

Google-Suche wächst, verdient aber weniger mit KI

Im wichtigsten Werbegeschäft stiegen die Erlöse aus der Google-Suche um zwölf Prozent auf 63,35 Mrd. USD. Damit blieb das Geschäft hinter den Analystenerwartungen zurück. Im Vorquartal hatte es noch ein Wachstum von 17 % erreicht.

Nach Angaben von Alphabet wächst die Zahl der Suchanfragen so schnell wie seit fünf Jahren nicht mehr. Zugleich verändert künstliche Intelligenz die Art der Nutzung. Im sogenannten AI-Mode beantwortet Google Fragen im Dialog statt mit einer klassischen Ergebnisliste. Die Anfragen sind durchschnittlich dreimal so lang wie bei der herkömmlichen Suche. Bei jeder fünften werden Spracheingaben, Bilder oder Dokumente verwendet. Laut Alphabet kommt der überwiegende Teil dieser Anfragen zur bisherigen Nutzung hinzu.

Die neuen Suchformate bringen bislang allerdings geringere Werbeeinnahmen ein und bremsen damit das Umsatzwachstum. Als wichtigsten Grund für dessen Abschwächung gegenüber dem Vorquartal nannte Vertriebschef Philipp Schindler jedoch Wechselkurseffekte. Auch die unterschiedliche Entwicklung einzelner Werbebranchen spielte eine Rolle.

Google baut deshalb die Werbeangebote in der KI-gestützten Suche und in den Kurzantworten AI Overviews aus, zunehmend auch außerhalb der USA. Mit den neuen Funktionen will der Konzern Nutzer an seine Suche binden und zusätzliche Anfragen gewinnen. Zugleich arbeitet Alphabet daran, diese Angebote ähnlich ertragreich zu vermarkten wie die herkömmliche Suche.

Das Cloudgeschäft wächst deutlich schneller

Mit KI-Diensten, klassischen Cloudangeboten und dem Verkauf spezialisierter KI-Chipsysteme erzielte Google Cloud einen Umsatz von 30,7 Mrd. USD. Das entspricht einem Wachstum von 103 %. Das operative Ergebnis der Sparte erreichte 11,1 Mrd. USD. Auch die Profitabilität hat sich erheblich verbessert. Die operative Marge der Cloudsparte stieg innerhalb eines Jahres von 23,7 auf 36,2 %. Das Geschäft erwirtschaftet damit bereits beträchtliche operative Gewinne, während Alphabet gleichzeitig massiv in zusätzliche Kapazitäten investiert.

Für die weitere Entwicklung spricht der hohe Auftragsbestand. Ende September bezifferte Alphabet die noch ausstehenden vertraglich vereinbarten Cloudumsätze auf 561 Mrd. USD. Gut 55 % davon sollen nach Unternehmensschätzung innerhalb der kommenden 24 Monate als Umsatz verbucht werden. Das verbessert die Planbarkeit künftiger Einnahmen. Die daraus erzielbaren Gewinne hängen allerdings auch davon ab, zu welchen Kosten Alphabet die vertraglich zugesagten Leistungen erbringt.

Verkauf eigener KI-Systeme beansprucht Liquidität

Zu den Kunden gehört der KI-Entwickler Anthropic, der Rechenkapazitäten von Google nutzt. Alphabet erschließt außerdem einen weiteren Absatzweg: Spezialisierte Rechensysteme auf Basis seiner für KI-Berechnungen entwickelten TPU-Prozessoren (Tensor Processing Units) werden inzwischen auch für Rechenzentren anderer Unternehmen angeboten. Google kann seine KI-Technik damit verkaufen, ohne sämtliche dafür benötigten Gebäude selbst errichten zu müssen.

Finanziell unterscheidet sich dieser Vertrieb allerdings vom klassischen Cloudbetrieb. Nach Vertragsabschluss beschafft Alphabet zunächst die Komponenten und baut Lagerbestände auf. Die entsprechenden Kundenzahlungen folgen erst mit der Auslieferung und Abrechnung der Systeme. Der wachsende Absatz beansprucht somit zunächst liquide Mittel, bevor die Einnahmen vollständig eingehen.

Auch bei den Margen bestehen Unterschiede. Wie profitabel der Verkauf kompletter TPU-Systeme im Einzelnen ist, veröffentlicht Alphabet bislang nicht. Hinzu kommen Kosten für zugekaufte Rechenkapazitäten, die kurzfristig auf die Rentabilität drücken dürften. Solche zusätzlichen Kapazitäten benötigt der Konzern, weil die Nachfrage schneller wächst als das eigene Angebot.

Investitionen in Rechenzentren steigen weiter

Für Anlagen und Ausrüstung gab Alphabet von Juli bis September 51,36 Mrd. USD aus. Im zweiten Quartal waren es noch 44,92 Mrd. USD. Der überwiegende Teil fließt in die technische Infrastruktur für künstliche Intelligenz, darunter Server und Rechenzentren.

Rund 65 % der technischen Infrastrukturinvestitionen entfielen auf Server und Netzwerkausrüstung, die gewöhnlich über etwa sechs Jahre abgeschrieben werden. Rechenzentren haben dagegen Abschreibungsdauern von sieben bis 40 Jahren. Diese Zusammensetzung ist wirtschaftlich relevant: Die Kosten der kürzerlebigen Technik müssen vergleichsweise schnell in der Gewinnrechnung berücksichtigt werden.

Mit dem Ausbau steigen deshalb künftig auch die Abschreibungen und laufenden Betriebskosten. Alphabet verweist insbesondere auf zusätzliche Energiekosten der Rechenzentren. Selbst bei weiterem Umsatzwachstum können diese Ausgaben die operativen Margen begrenzen.

An seiner Investitionsplanung von 195 bis 205 Mrd. USD für das Gesamtjahr hält Alphabet fest. Am oberen Ende dieser Spanne wären für das vierte Quartal rechnerisch noch rund 73 Mrd. USD möglich. Für 2027 stellte die Unternehmensführung sogar einen deutlichen weiteren Anstieg der Investitionen in Aussicht.

Sondereffekte verschärfen das Cashflow-Minus

Im dritten Quartal brachte das laufende Geschäft 42,29 Mrd. USD an Zahlungsmitteln herein. Die Sachinvestitionen überstiegen diesen Betrag jedoch, sodass der freie Cashflow erneut negativ ausfiel. Bereits im Vorquartal hatte das Minus 5,86 Mrd. USD betragen. Analysten hatten für das jüngste Quartal lediglich mit einem Fehlbetrag von rund 2,7 Mrd. USD gerechnet.

Die Verschlechterung geht allerdings nicht ausschließlich auf die hohen Infrastrukturinvestitionen zurück. Eine Zahlung von 5,2 Mrd. USD für eine EU-Kartellstrafe aus dem Jahr 2018 verringerte den Mittelzufluss. Außerdem beanspruchte der Aufbau von Lagerbeständen für KI-Chipsysteme zusätzliche Mittel. Mit den zunehmenden Systemverkäufen verschiebt sich ein Teil der Zahlungseingänge in spätere Perioden.

Trotzdem verfügt Alphabet weiterhin über erhebliche Finanzreserven. Ende September lagen die Barmittel und marktgängigen Wertpapiere bei 265,1 Mrd. USD. Davon entfielen allerdings 90,4 Mrd. USD auf börsengehandelte Unternehmensbeteiligungen, deren Marktwert schwanken kann. Gleichzeitig standen langfristige Finanzschulden von 125,1 Mrd. USD in der Bilanz.

Über die vergangenen zwölf Monate blieb der freie Cashflow mit 19,7 Mrd. USD positiv. Eine akute Liquiditätsknappheit besteht damit nicht, doch die laufenden Investitionen schränken den finanziellen Spielraum zunehmend ein.

Alphabet nimmt neue Schulden auf und verkauft Aktien

Allein im dritten Quartal nahm Alphabet durch die Ausgabe neuer unbesicherter Anleihen netto 28,7 Mrd. USD ein. Über ein bereits bestehendes Aktienverkaufsprogramm flossen dem Konzern weitere rund 12,4 Mrd. USD zu.

Im Juni hatte das Unternehmen ein Eigenkapitalprogramm von bis zu 84,75 Mrd. USD vorgestellt. Vorgesehen waren Aktien, wandelbare Vorzugsinstrumente, eine Privatplatzierung und mögliche spätere Aktienverkäufe. Die Gesamtsumme bezeichnete somit ein mehrteiliges Programm und keine einzelne, bereits vollständig durchgeführte Emission.

Allerdings dient nicht jeder Teil dieser Kapitalmaßnahme unmittelbar der Finanzierung neuer Rechenzentren. Ein Aktienverkaufsprogramm über bis zu 40 Mrd. USD soll laut Emissionsunterlagen vorrangig eine veränderte Abwicklung von Steuerpflichten bei Mitarbeiteraktien ermöglichen. Die übrigen Emissionserlöse können unter anderem für den Ausbau der KI-Infrastruktur verwendet werden.

Über die unmittelbaren Finanzierungsmaßnahmen hinaus hat Alphabet erhebliche langfristige Verpflichtungen übernommen. Künftige Abnahmeverpflichtungen bezifferte der Konzern auf 924 Mrd. USD, weitere Leasing- und ähnliche Verpflichtungen auf 152 Mrd. USD. Zusammen ergibt das mehr als eine Billion USD.

Dabei handelt es sich um vertragliche Höchstwerte, deren Zahlungen sich über mehrere Jahre verteilen, nicht um sofort fällige Beträge. Variable Vertragsbedingungen können die tatsächliche Belastung reduzieren. Dennoch binden solche Vereinbarungen langfristig erhebliche Mittel. Die wirtschaftliche Bedeutung einer möglichst hohen Auslastung der neuen Infrastruktur wächst entsprechend.

Zwei Technologiekonzerne mit unterschiedlicher Cashflow-Bilanz

Auch der US-Software- und Cloudkonzern Microsoft ISIN US5949181045 WKN 870747 investiert massiv in Rechenleistung. Für das Ende September abgeschlossene Quartal meldete das Unternehmen Investitionsausgaben einschließlich Finanzierungsleasing von 45,2 Mrd. USD. Das entsprach einem Anstieg von 30 % gegenüber dem Vorjahr.

Der freie Cashflow verringerte sich bei Microsoft um 27 %, blieb mit 18,63 Mrd. USD aber deutlich positiv. Wegen unterschiedlicher Geschäftsmodelle, der Behandlung von Leasingverträgen und einzelner Sondereffekte sind die Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar. Dennoch unterscheiden sich die finanziellen Auswirkungen des KI-Ausbaus bei beiden Konzernen derzeit erheblich.

Alphabet muss dabei zwei wirtschaftliche Herausforderungen bewältigen. Das Cloudgeschäft soll zunehmend genügend Erträge erwirtschaften, um die hohen Infrastrukturkosten zu decken. Gleichzeitig arbeitet Google daran, seine neuen KI-Suchangebote ähnlich gewinnbringend zu vermarkten wie das etablierte Werbegeschäft.

Sollte die Alphabet-Aktie den Donnerstag mit einem Verlust von mehr als 9,77 % beenden, wäre dies laut CNBC ein Rekord. Seit dem Börsengang 2004 hätte es keine stärkere negative Kursreaktion auf Quartalszahlen gegeben. Ein endgültiger Schlusskurs lag zum Berichtszeitpunkt noch nicht vor.