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Investor WocheFed und EZB pausieren, Anthropic IPO offiziell, Gunnison Copper kommt an NYSE, Alphabet und Intel rauschen ab, Microsoft überzeugt

Amazon, Microsoft und Alphabet melden allesamt starkes Cloud-Wachstum, was an der Börse jedoch sehr unterschiedlich ankommt. Broadcom arrangiert ein 63 Mrd. USD schweres Finanzierungspaket für Anthropic. Oracle sieht 30 Mrd. USD freien Cashflow in 2029. BrandPilot AI startet einen Testlauf im Einzelhandel, Virtuix sichert sich das 27. US-Patent.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 14 min
Titelbild: Verumo, KI generiert

Marktentwicklung

Die Notenbanken handelten wie erwartet, Impulse kamen deshalb vorwiegend aus der laufenden Berichtssaison. Der Markt achtet sehr genau auf den Pfad zum Cashflow aus den gewaltigen KI-Investitionen und beginnt, in diesem Sinne ein Gewinner-Verlierer-Regime auszubilden. Die Handelswoche endet als Risk-Off-Trade mit US-Bondrenditen unter 5 %, Gold deutlich unter 4.000 USD, Silber unter 50 USD und Bitcoin unter 78.000 USD. Durch Gewinne zum Wochenauftakt sehen die Wochenperformances der großen Indizes weniger schlimm aus, als die zweite Wochenhälfte vermuten lässt: Der NASDAQ-100 verliert auf Wochensicht 2 %, der S&P-500 0,5 % und der DAX kann sogar um mehr als 2 % zulegen. Der EUR/USD bleibt unter 1,12.

Top-Meldungen

Fed und EZB pausieren – wahrscheinlich bis Dezember

Die Fed beließ den Leitzins in der Spanne von 3,75 bis 4,00 %. Die Entscheidung fiel mit 10 zu 2 Stimmen. Lisa Cook und Beth Hammack stimmten für eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Auch die EZB ließ die Zinsen unverändert: Der Einlagenzins bleibt bei 2,50 %. Parallel kündigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihren vorzeitigen Rücktritt zum 7. Februar 2027 an. Auf beiden Seiten des Atlantiks gelten Zinserhöhungen im Dezember als sehr wahrscheinlich.

Euro-Inflation steigt auf 3,8 %

Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 % (nach 3,2 % im August) und damit deutlich über dem 2-Prozent-Ziel. In Deutschland sank die Inflation im Oktober stärker als erwartet auf 2,8 % (von 3,3 % im September), die Kerninflation fiel auf 2,1 % – unter anderem dank des wieder eingeführten Tankrabatts. Für die Eurozone insgesamt wird hingegen ein Anstieg auf rund 3,9 % erwartet.

Anthropic reicht S-1 ein und legt starke Halbjahreszahlen vor

Anthropic reichte am 26. Oktober 2026 das für ein IPO erforderliche S-1-Formular ein und legte erstmals die Zahlen offen, die Anleger brennend interessieren. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 erreichte 16,286 Mrd. USD, nach 1,163 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum – ein Anstieg um rund das 14-Fache. Das zweite Quartal brachte 11,555 Mrd. USD und den ersten operativen Gewinn von 974 Mio. USD. Der operative Verlust im Halbjahr schrumpfte auf 693 Mio. USD (von 2,1 Mrd. USD).

Der ausgewiesene Nettoverlust von 80,748 Mrd. USD stammt größtenteils (72,4 Mrd. USD) aus nicht-zahlungswirksamen Wertberichtigungen bei Wandelanleihen. Der operative Cashflow lag bei plus 3,9 Mrd. USD, die Barmittel und kurzfristigen Anlagen bei 131,7 Mrd. USD.

Gunnison Copper startet ADR-Handel an der NYSE American

Gunnison Copper ISIN CA4028801088 WKN A40TP4 startete am 26. Oktober 2026 mit ADRs an der NYSE American unter dem Ticker GUNN (Verhältnis 1 ADR = 30 Stammaktien).

Die Johnson-Camp-Mine in Arizona produziert fertige Kupferkathoden mit einer Kapazität von bis zu 25 Mio. lb pro Jahr und beliefert unter anderem den US-Verteidigungssektor und AWS. Das größere Gunnison-Projekt weist in der PEA eine potenzielle Jahresproduktion von etwa 175 Mio. lb über 21 Jahre aus.

Craig Hallworth, Präsident und CEO von Gunnison Copper, kommentierte: "Unser Börsengang an der NYSE American bringt unsere Geschichte direkt in den Fokus der US-Investorengemeinschaft und verbindet unsere Kapitalmarktpräsenz mit unseren Produktionsstandorten und den Regionen, in denen wir enormes Wachstumspotenzial sehen."

Broadcom arrangiert 63-Mrd.-USD-Finanzierungspaket für Anthropic

Broadcom ISIN US11135F1012 WKN A2JG9Z arrangierte ein 63-Mrd.-USD-Finanzierungspaket, mit dem ein Special-Purpose-Vehicle Broadcom-Chips und Netzwerkausrüstung kauft und an Anthropic verleast. Der Senior-Anteil liegt bei etwa 43,5 Mrd. USD (arrangiert von Bank of America, Citigroup und Morgan Stanley). Blackstone übernimmt den 19,5 Mrd. USD schweren Junior-Teil. Die Lieferungen sollen ab 2027 beginnen.

Alphabet verzeichnet starkes Cloud-Wachstum, Aktie verliert zweistellig

Alphabet ISIN US02079K3059 WKN A14Y6F steigerte im dritten Quartal den Umsatz um 25 % auf 127,6 Mrd. USD, verfehlte aber die Erwartungen leicht. Google Cloud verdoppelte sich auf 30,7 Mrd. USD (+103 %), Google Services wuchsen auf 96,3 Mrd. USD. Die Capex erreichte den Rekordwert von 51,4 Mrd. USD, der operative Cashflow lag bei 42,3 Mrd. USD – der Free Cashflow drehte auf minus 9,1 Mrd. USD. Der operative Gewinn betrug 40,6 Mrd. USD (Marge ~32 %), der Nettogewinn 26,2 Mrd. USD bzw. 2,12 USD je Aktie. Die Jahres-Capex-Guidance bleibt bei 195–205 Mrd. USD. Die Aktie gab zweistellig ab und verlor auf Wochensicht knapp 13 %.

Microsoft übertrifft mit starkem Azure-Wachstum die Erwartungen

Microsoft ISIN US5949181045 WKN 870747 steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 19 % auf 92,3 Mrd. USD. Azure erreichte 33,2 Mrd. USD (+48 %), Microsoft Cloud 63,9 Mrd. USD (+30 %). Der operative Gewinn lag bei 45,9 Mrd. USD (+21 %), der Nettogewinn bei 36,6 Mrd. USD. Die Commercial Remaining Performance Obligation stieg auf 677 Mrd. USD (+73 %). Die Cash-Capex verdoppelte sich auf rund 39,4 Mrd. USD, der Free Cashflow sank auf etwa 18,6 Mrd. USD. Für das Folgequartal erwartet Microsoft Azure-Wachstum von 49–50 % und einen Gesamtumsatz von 96–97,1 Mrd. USD. Die Aktie legte zunächst deutlich zu, gab ihre Gewinne aber wieder ab und lag am Freitagabend auf Wochensicht gut 1 % im Minus.

Oracle skizziert Weg zu positivem Free Cashflow ab FY28

Oracle ISIN US68389X1054 WKN 871460 skizzierte auf dem Investor Day den Weg zu positivem Free Cashflow in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 und mindestens 30 Mrd. USD im Jahr 2029. Die Capex soll in FY27 und FY28 ihren Höhepunkt erreichen und danach sinken. Zusätzliche Kapitalaufnahmen bis FY30 werden auf 20 Mrd. USD begrenzt (je 10 Mrd. USD Eigen- und Fremdkapital). Für FY30 peilt das Unternehmen über 225 Mrd. USD Umsatz, eine operative Marge von mehr als 40 % und ein Non-GAAP-EPS von über 21 USD an. Im FY26 lag der Free Cashflow bei minus 23,7 Mrd. USD.

BrandPilot AI startet bezahlten Testlauf bei großem US-Einzelhändler

BrandPilot AI ISIN CA1053241073 WKN A40FP4 wurde von einem großen US-Einzelhändler aus dem Bekleidungs- und Haushaltswarensektor mit Jahresumsatz von über 1,3 Mrd. USD und einem monatlichen Digital-Werbebudget im Millionenbereich für einen 30-tägigen bezahlten Testlauf seiner KI-gestützten Werbeoptimierung ausgewählt. Der Fokus liegt auf der Identifikation verschwendeter Medienausgaben und ineffizientem Traffic. Eine längerfristige Zusammenarbeit ist nicht garantiert.

Amazon meldet Rekordmarge bei AWS-Wachstum von fast 40 %

Amazon ISIN US0231351067 WKN 906866 steigerte den Umsatz um 12 % auf 201,9 Mrd. USD. Das Segment AWS wuchs mit 39,3 % auf 46,0 Mrd. USD – dem schnellsten Tempo seit fast fünf Jahren – und erreicht eine annualisierte Run-Rate von 184 Mrd. USD. Der operative Gewinn kletterte auf 28,1 Mrd. USD (Rekordmarge 13,9 %). Der Free Cashflow der letzten zwölf Monate drehte auf minus 42,4 Mrd. USD, getrieben von massiven AI-Investitionen. Für das vierte Quartal erwartet Amazon 240–247 Mrd. USD Umsatz, die Cash-Capex für 2026 soll bei rund 220 Mrd. USD liegen. CEO Jassy sieht AWS-Wachstum von über 40 % in 2027 und 2028. Die Aktie gab zeitweise deutlich nach, konnte einen Teil der Verluste aber wieder aufholen. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,4 %.

Intel-Aktie bricht nach schwacher Guidance um über 20 % ein

Intel ISIN US4581401001 WKN 855681 steigerte im dritten Quartal den Umsatz um 21 % auf 16,51 Mrd. USD. Data Center & AI legte um 78 % auf 7,3 Mrd. USD zu, während Client Computing um 5 % auf 8,1 Mrd. USD zurückging. Das bereinigte EPS erreichte 0,52 USD. Für das vierte Quartal prognostiziert Intel nur 15–16 Mrd. USD Umsatz und 0,25 USD bereinigtes EPS. Das Management erwartet eine anhaltende PC-Schwäche mindestens bis ins erste Halbjahr 2027. Die PC-Auslieferungen sollen 2026 um etwa 12 % und 2027 um weitere 10 % sinken. Die Aktie brach infolge des Ausblicks um mehr als 20 % ein, auf Wochensicht beträgt das Minus 27 %.

Virtuix Holdings sichert sich 27. US-Patent

Virtuix Holdings ISIN US92835U1016 WKN A41H19 hat vom US-Patentamt (USPTO) die Notice of Allowance für sein 27. US-Patent erhalten. Das Patent schützt proprietäre Schuhwerk-Technologie, die die Bewegung und den Grip auf omnidirektionalen Laufbändern verbessert. Das Portfolio umfasst nun 27 erteilte US-Patente (plus fünf anhängige Anmeldungen) und deckt alle Kernbereiche der Full-Body-Simulation ab – Hardware-Design, Motion-Tracking und Content-Integration.

Unter der Lupe

Huntington Ingalls: Der größte unabhängige US-Militärschiffbauer ist nach der Korrektur günstig bewertet

Huntington Ingalls Industries ISIN US4464131063 WKN A1JE8X hat in dieser Woche zweistellig zugelegt. Mit 318 USD ist das Papier jedoch noch weit vom Hoch bei 444 USD entfernt. Im Chart scheint sich ein Ende des seit Februar laufenden Abwärtstrends abzuzeichnen.

Der Grund für den deutlichen Kursgewinn in dieser Woche waren die Quartalszahlen. Der Umsatz stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 10,8 % auf 3,5 Mrd. USD, die operative Marge verbesserte sich um 2 Prozentpunkte auf 7 %, was einen Gewinn von 246 Mio. USD ergab. Dank eines Großauftrags der US-Marine über 14 Atom-U-Boote erhöhte das Management seine Umsatzprognose für den Schiffbau im Jahr 2026 auf 10,5 bis 10,7 Mrd. US-Dollar.

HII ist der größte unabhängige Militärschiffbauer der USA und ein zentraler Partner der US-Marine. Das Unternehmen entstand 2011 durch die Abspaltung der Schiffbauaktivitäten von Northrop Grumman. Es gliedert sich in drei Segmente: Newport News Shipbuilding (Virginia) baut als einzige Werft nukleare Flugzeugträger der Gerald-Ford-Klasse und ist einer von nur zwei Standorten für nukleare U-Boote (Virginia- und Columbia-Klasse). Ingalls Shipbuilding (Mississippi) fertigt Oberflächenkampfschiffe wie Arleigh-Burke-Zerstörer und amphibische Landungsschiffe. Das dritte Segment, Mission Technologies, liefert unbemannte Systeme, C5ISR, Cyber und KI-gestützte Lösungen und Services für die Streitkräfte.

Die größte Stärke ist die nahezu monopolartige Position im nuklearen Schiffbau und der daraus resultierende, breite ökonomische Burggraben. Der Auftragsbestand ist mit zuletzt 86,2 Mrd. USD hoch und sichert laut Management rund 90 % des erwarteten Schiffbauumsatzes bis 2030 ab. Die Nachfrage ist durch die laufende Modernisierung der US-Flotte und die Priorisierung großer Überwasser- und Unterwasserplattformen absehbar gesichert.

Die Schwächen liegen ähnlich wie die Stärken in der Natur der Sache. Die Abhängigkeit vom US-Verteidigungshaushalt und der Marine ist hoch, Schiffbauprojekte sind langwierig und anfällig für Verzögerungen und Kostenüberschreitungen.

Ein Blick auf die Bewertung: Das Forward KGV liegt bei rund 14,7, das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) bei knapp 2,3 und die Dividendenrendite bei knapp 2 %. Morningstar sieht den fairen Wert bei 382 USD. Die durch das Wall Street Journal befragten Analysten sehen das Kursziel im Median bei knapp 358 USD. Es gibt sechs Kaufempfehlungen bei 3× overweight und 9× hold.

Grafik der Woche

Lulas Wahl löst Börsencrash in Brasilien aus

Die Grafik zeigt den scharfen Einbruch des brasilianischen Aktienmarkts in den Tagen nach der Stichwahl am 25. Oktober 2026. Luiz Inácio Lula da Silva sicherte sich mit rund 51,8 % der Stimmen eine knappe Wiederwahl gegen Flávio Bolsonaro (48,2 %). Die Märkte hatten zuvor stark auf einen Sieg des rechten Kandidaten gesetzt – Vorhersagemärkte wie Polymarket und Kalshi sahen die Chancen für Bolsonaro zeitweise bei rund 80 %.

Am 26. Oktober brach der Ibovespa um 13,9 % ein – der stärkste Tagesverlust seit März 2020. Intraday fiel der Index zeitweise um mehr als 17 %. Der Real verlor zeitweise über 11 % gegenüber dem Dollar. In Dollar gerechnet war der Einbruch des Marktes deshalb noch stärker: Der iShares MSCI Brazil ETF (EWZ) schloss mit einem Minus von 19,8 % und verlor zwischenzeitlich bis zu 26 %.

Besonders bemerkenswert ist die statistische Extremität dieser Bewegung. Laut einer Berechnung des Dienstes TKL lag der durchschnittliche Tagesgewinn des EWZ über die letzten 20 Jahre bei lediglich +0,04 % bei einer Standardabweichung von 2,36 %. Der Rückgang von 19,8 % entspricht damit einem 8,4-Standardabweichungs-Ereignis. Unter der Annahme einer Normalverteilung liegt die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ausreißers bei etwa 1 zu 58 Bill. – statistisch nahezu unmöglich.

Eine zweite Zahl zeigt eine weitere Auffälligkeit: Obwohl der Aktienmarkt abstürzte, brach der brasilianische Volatilitätsindex (S&P/B3 Ibovespa VIX) um rund 42 % ein. Normalerweise steigt die implizite Volatilität bei einem Crash. Die sinkende Volatilität deutet darauf hin, dass ein Großteil der Positionierung bereits vor dem Wahltag in Erwartung eines anderen Ausgangs aufgebaut und anschließend ruckartig wieder abgebaut wurde.

Investor Woche: Fed und EZB pausieren, Anthropic IPO offiziell, Gunnison Copper kommt an NYSE, Alphabet und Intel rauschen ab, Microsoft überzeugt

Fun Fact

Das Wort Bankrott geht auf zerbrochene Tische und Bänke zurück

Das Wort "Bankrott" stammt aus dem italienischen banca rotta – wörtlich "zerbrochene Bank" oder "zerbrochener Tisch". Im Mittelalter, besonders in italienischen Handelsstädten wie Florenz und Venedig, saßen Geldwechsler und frühe Bankiers an Holztischen oder Bänken (banca/banco) auf den Marktplätzen und wickelten dort ihre Geschäfte ab. Geriet ein Wechsler in Zahlungsunfähigkeit oder Betrug, wurde sein Tisch öffentlich zerbrochen. Das diente als sichtbares Zeichen, dass er seinen Geschäften nicht mehr nachgehen konnte und das Vertrauen verloren hatte.

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