
Rohstoff-Engpässe: Anhaltende Engpässe für kritische Metalle: Rio Tinto, Lynas, Q2 Metals, International Graphite, Electric Metals und Purecore setzen auf westliche Lieferketten
Die IEA warnt trotz weltweit geplanter Minen vor Engpässen bei kritischen Rohstoffen. Der Flaschenhals verlagert sich in die Verarbeitung: Wer Lithium, Graphit, Seltene Erden oder Mangan außerhalb dominanter Lieferländer raffiniert, gewinnt an strategischem Gewicht.
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Der Global Critical Minerals Outlook 2026 der IEA rechnet im Szenario der bereits beschlossenen politischen Maßnahmen bis 2040 annähernd mit einer Verdoppelung der Gesamtnachfrage nach kritischen Metallen. Lithium wächst demnach am stärksten und soll sich mehr als verdreifachen. Für Nickel, Graphit und Seltene Erden erwartet die Agentur Zuwächse zwischen 50 und 90 %. Kupfer liefert mit zusätzlichen rund sieben Millionen Tonnen den größten absoluten Nachfrageanstieg.
Nachfrage wächst schneller als Lieferketten
Die Projektpipeline reicht nach Einschätzung der IEA dennoch nicht aus, um den Bedarf überall zu decken. Für Kupfer und Lithium bleiben bis 2035 Angebotslücken bestehen. Zugleich sank die weltweite Investitionstätigkeit bei kritischen Mineralien 2025 um neun Prozent. Bei Batterierohstoffen gingen die Ausgaben um mehr als 20 % zurück, bei Lithium sogar um rund 40 %. Bis 2040 wären laut IEA mehr als 750 Mrd. US-Dollar für Bergbau und Raffination erforderlich.
Die größere Verwundbarkeit liegt jenseits der Minen. China kontrolliert nach den von der IEA ausgewerteten Daten rund 70 % der Lithiumraffination, etwa 85 % der Trennung magnetrelevanter Seltener Erden und mehr als 90 % der Herstellung von Graphit in Batteriequalität. Neue westliche Minen lösen dieses Problem erst, wenn parallel chemische Verarbeitung, Produktqualifizierung und industrielle Abnahme entstehen.
Exportkontrollen haben aus dieser Konzentration ein unmittelbar kalkulierbares Produktionsrisiko gemacht. Die IEA beziffert den außerhalb Chinas gefährdeten Wert nachgelagerter Industrien bei einer vollständigen Unterbrechung der Versorgung mit schweren Seltenen Erden auf bis zu 6,5 Billionen US-Dollar pro Jahr. Bei Graphit in Batteriequalität wären mehr als 300 Mrd. US-Dollar betroffen. Weil die Rohstoffe nur einen kleinen Anteil am Preis eines Fahrzeugs oder Energiespeichers ausmachen, hält die Agentur einen Aufschlag für diversifizierte Beschaffung grundsätzlich für wirtschaftlich tragbar. Entscheidend sind langfristige Abnahmeverträge und politische Instrumente, die diese Sicherheitsprämie finanzierbar machen.
Rio Tinto und Lynas setzen industriellen Maßstab
Rio Tinto (ISIN: GB0007188757, WKN: 852147) zeigt, welche Kapitalkraft für den Aufbau mehrerer Rohstoffketten nötig ist. Der Konzern produzierte im ersten Halbjahr 2026 auf konsolidierter Basis 442.000 Tonnen Kupfer und 27.300 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent. Der Hochlauf der Kupfermine Oyu Tolgoi sowie die ersten Mengen aus Sal de Vida und der Erweiterung Fénix 1B vergrößern das Angebot aus bestehenden Industrieplattformen. Nach der Übernahme von Arcadium Lithium strebt Rio Tinto bis 2028 eine Lithiumkapazität von 200.000 Tonnen jährlich an. Projektkosten, technische Hochläufe und volatile Preise bleiben selbst für einen Konzern dieser Größe wesentliche Variablen.
Dagegen bildet Lynas Rare Earths (ISIN: AU000000LYC6, WKN: 871899) eine spezialisierte Vergleichsebene. Das Unternehmen gewinnt Erz aus dem Mount-Weld-Projekt in Westaustralien, verarbeitet das Konzentrat in Kalgoorlie und trennt Seltene Erden in Malaysia. Im Märzquartal 2026 produzierte Lynas 1.996 Tonnen Neodym-Praseodym und erstmals Samariumoxid. Auch Dysprosium und Terbium wurden hergestellt. Diese Metalle werden für Hochleistungsmagnete in Elektroantrieben, Windkraftanlagen, Elektronik und Rüstung benötigt. Die IEA führt zusätzliche Produktion in Malaysia ausdrücklich als Grund an, weshalb die Konzentration bei der Raffination Seltener Erden zuletzt leicht sank. Stromversorgung, Genehmigungen und der Ausbau weiterer Trennstufen begrenzen jedoch das Tempo.
Neue Projekte müssen Rohstoff und Verarbeitung verbinden
Q2 Metals
Q2 Metals (ISIN: CA74739G1072, WKN: A3D4CR) adressiert die von der IEA erwartete Lithiumlücke mit dem Cisco-Projekt in der kanadischen Region James Bay. Die erste Ressourcenschätzung umfasst 295 Mio. Tonnen mit 1,36 % Lithiumoxid in der Kategorie "Inferred". Das Unternehmen bohrt 2026 rund 20.000 Meter, um Teile der Ressource in die höhere Kategorie "Indicated" zu überführen, die Lagerstätte zu erweitern und eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie vorzubereiten. Die Nähe zum Billy-Diamond-Highway erleichtert den Zugang, ersetzt aber keine metallurgischen Nachweise, Umweltstudien, Genehmigungen und Finanzierung. Cisco besitzt Größe, befindet sich aber weiterhin vor einer Bauentscheidung.
International Graphite
Genau an der von der IEA beschriebenen Verarbeitungslücke setzt International Graphite (ISIN: AU0000210957, WKN: A3DJY5) an. Das Springdale-Projekt in Westaustralien enthält laut JORC-Schätzung 49,3 Mio. Tonnen mit 6,5 % Gesamtgraphit; 27 % der Ressource sind als "Indicated" klassifiziert. In Collie entsteht eine Anlage für mikronisierten Graphit, für die das Unternehmen im Juni 2026 einen Bauvertrag meldete. Bis Springdale eigenes Konzentrat liefert, soll Fremdmaterial verarbeitet werden. Eine Vereinbarung mit dem Rohstoffhändler Wogen soll Absatz und Einsatzmaterial unterstützen. Der Ansatz verbindet Mine und Veredelung, doch die geplanten Anlagen müssen erst termingerecht gebaut, finanziert und für Kundenspezifikationen qualifiziert werden.
Electric Metals USA
Ein ähnliches Modell verfolgt Electric Metals USA (ISIN: US2848981039, WKN: A41ZEN) beim North-Star-Manganprojekt in Minnesota. Eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie weist 7,6 Mio. Tonnen angezeigte Ressourcen mit 19,1 % Mangan sowie 3,7 Mio. Tonnen abgeleitete Ressourcen mit 17,0 % aus. Geplant ist hochreines Mangansulfat-Monohydrat für Batteriekathoden aus einer vollständig US-amerikanischen Lieferkette. Die Studie kalkuliert einen Kapitalbedarf von rund 475 Mio. US-Dollar für Mine und erste Verarbeitung. Ihre Wirtschaftlichkeitswerte beruhen auf langfristigen Preis-, Ausbeute- und Kostenannahmen; außerdem fließen abgeleitete Ressourcen ein. Genehmigung, Finanzierung und technische Umsetzung stehen noch aus.
Purecore Metals
Purecore Metals (ISIN: CA7459371026, WKN: A42ABN) repräsentiert eine aussichtsreiche Frühphasen-Strategie. Das Unternehmen sicherte sich im Juli 2026 eine 100%-Option am Erwerb des rund 35.000 Hektar großen Yurchison-Projekts im Athabasca-Becken. Historische Arbeiten verweisen dort neben Uran auf Thorium, Seltene Erden und Basismetalle. Auf dem Bankier-Projekt in British Columbia schloss Purecore daneben die erste Phase eines Feldprogramms für ein breites Spektrum kritischer Metalle ab.
Aufbau verlässlicher Lieferketten entscheidend
Die kommenden Jahre werden damit durch deren Übergang von Projekten in finanzierte Minen, Raffinerien und qualifizierte Produkte entschieden. Etablierte Produzenten können Kapital, Verfahrenstechnik und Kundenbeziehungen schneller bündeln. Entwickler erweitern die Pipeline um neue Vorkommen und regionale Verarbeitung, tragen jedoch deutlich höhere Genehmigungs-, Finanzierungs- und Ausführungsrisiken. Recycling kann den Primärbedarf dämpfen, ersetzt den Kapazitätsaufbau laut IEA aber nicht. Für den Markt zählt daher, welche Projekte ihre Rohstoffbasis in verlässliche industrielle Lieferketten übersetzen.





