
Neue Käufer am Goldmarkt: Tether greift nach physischem Gold: Newmont, Agnico Eagle, Barton Gold und FireFox Gold stehen für die nächste Angebotsgeneration
Tether kauft Gold in Zentralbank-Dimensionen, während das Minenangebot nur langsam wächst. Newmont, Agnico Eagle und Entwickler wie Barton Gold zeigen, wie lang der Weg zu neuen Unzen ist.
Lesezeit 10 min
Ein Stablecoin-Anbieter gehört inzwischen zu den größten Goldkäufern der Welt. Tether hat nach Berechnungen der Investmentbank Jefferies im ersten Halbjahr 2026 mehr als 27 Tonnen Gold gekauft. Damit bewegte sich das Unternehmen in einer Größenordnung mit Kasachstan und lag unter den großen institutionellen Käufern nur hinter Polen, Usbekistan und China. Tether wird damit zu einem relevanten zusätzlichen Nachfrager am physischen Goldmarkt.
Tether verfolgt mit den Goldkäufen eine Diversifizierung seiner Reserven und will sich gegen Inflation sowie eine mögliche Schwäche des US-Dollars absichern. Jefferies sieht insbesondere die beschleunigten Käufe im zweiten Quartal als möglichen Faktor für die Erholung des Goldpreises während des Sommers. Damit entsteht neben Zentralbanken, klassischen Anlegern und ETFs eine weitere Quelle physischer Nachfrage.
Hinzu kommt Tether Gold (XAUT). Das blockchainbasierte Produkt bildet physisches Gold digital ab und verbindet damit den Kryptomarkt unmittelbar mit dem Edelmetall. Für den physischen Goldmarkt entstehen dadurch zwei getrennte Kanäle: Tether hält Gold im Rahmen seiner eigenen Reservepolitik, während XAUT durch physisches Gold gedeckt wird.
Neue Goldnachfrage trifft auf ein träges Minenangebot
Parallel zu Tethers Goldkäufen bleibt die weltweite Nachfrage auf hohem Niveau. Die weltweite Goldnachfrage einschließlich außerbörslicher Geschäfte erreichte nach Angaben des World Gold Council im ersten Halbjahr 2026 rund 2.522 Tonnen und lag damit zwei Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Aufgrund des hohen Goldpreises erreichte der Gegenwert mit rund 380 Mrd. USD einen Rekord. Allein die Zentralbanken kauften im zweiten Quartal 289 Tonnen.
Auf der Angebotsseite fällt die Bewegung deutlich kleiner aus. Das gesamte Goldangebot erreichte im zweiten Quartal rund 1.269 Tonnen und stagnierte damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Minenproduktion legte um zwei Prozent auf knapp 966 Tonnen zu, während das Recycling um sechs Prozent zurückging. Auch für die zweite Jahreshälfte sieht der World Gold Council lediglich begrenztes zusätzliches Wachstumspotenzial bei Minenproduktion und Recycling.
Zusätzliche Investmentnachfrage kann innerhalb kurzer Zeit entstehen, während neue Minen Jahre für Exploration, Ressourcendefinition, technische Studien, Genehmigungen, Finanzierung und Bau benötigen. Das Goldangebot reagiert deshalb deutlich langsamer auf steigende Preise.
Selbst die Branchenriesen benötigen Jahre für neue Produktion
Die Größenordnung wird beim Blick auf Newmont US6516391066853823 deutlich. Der weltgrößte Goldproduzent förderte im zweiten Quartal 2026 rund 1,3 Mio. zurechenbare Unzen Gold und hält an seiner Jahresprognose von 5,3 Mio. Unzen fest. Gleichzeitig plant der Konzern 2026 rund 1,4 Mrd. USD Entwicklungskapital. Beim Red-Chris-Block-Cave-Projekt in British Columbia wurden zuletzt wichtige regulatorische Genehmigungen erreicht, bevor über die endgültige Investition entschieden werden kann.
Auch Agnico Eagle Mines CA0084741085860325 treibt seine nächste Projektgeneration voran. Für 2026 gilt weiterhin eine Produktionsprognose von 3,3 bis 3,5 Mio. Unzen Gold, wobei das Unternehmen inzwischen das untere Ende dieser Spanne anvisiert. Gleichzeitig fiel im Mai die positive Investitionsentscheidung für Hope Bay im kanadischen Nunavut. Die zugrunde liegende Planung sieht langfristig eine jährliche Produktion von rund 400.000 bis 435.000 Unzen Gold vor.
Neue Produktionskapazitäten verlangen damit selbst bei finanzstarken Produzenten erhebliche Investitionen und mehrjährige Entwicklungsphasen. Gleichzeitig beteiligen sich große Bergbaugesellschaften frühzeitig an Explorationsunternehmen und aussichtsreichen Projekten - eine Verbindung, die sich später bei FireFox Gold und Agnico Eagle wiederfindet.
Barton Gold verbindet Millionen-Unzen-Ressourcen mit vorhandener Infrastruktur
Eine Stufe unterhalb der großen Produzenten rücken Unternehmen in den Blick, die bereits umfangreiche Ressourcen definiert haben und an deren wirtschaftlicher Erschließung arbeiten. Dazu gehört Barton Gold Holdings AU0000153215A3DJY0 im zentralen Gawler-Kraton in Südaustralien.
Barton verfügt nach Unternehmensangaben über 2,25 Mio. Unzen Goldressourcen und besitzt mit der Central Gawler Mill zugleich die einzige Goldverarbeitungsanlage der Region. Langfristig strebt das Unternehmen eine Produktion von rund 150.000 Unzen Gold pro Jahr an. Die Entwicklungsstrategie sieht mehrere Stufen vor, in denen vorhandene Ressourcen und Infrastruktur miteinander verbunden werden sollen.
Den Auftakt bildet der Challenger-Komplex. Dort läuft eine definitive Feasibility-Study für die erste Entwicklungsstufe, wobei die bestehende Central Gawler Mill für einen Neustart der Produktion genutzt werden soll. Challenger verfügt über eine umfangreiche Bergbauhistorie: Zwischen 2002 und 2018 wurden dort rund 1,2 Mio. Unzen Gold produziert. Die bestehende Verarbeitungsanlage und Infrastruktur eröffnen Barton einen anderen Entwicklungspfad als bei einem vollständigen Greenfield-Projekt. Erste Arbeiten vor Ort werden bis Ende 2026 angestrebt.
Parallel entwickelt Barton das deutlich größere Tunkillia-Projekt weiter. Dort sollen eine Pre-Feasibility-Study und der Antrag auf eine Bergbaulizenz die nächste Entwicklungsstufe vorbereiten. Barton verbindet damit eine große Ressourcenbasis mit vorhandener Infrastruktur und einem stufenweisen Entwicklungsplan.
Lode Gold bringt Fremont in Richtung Machbarkeitsstudie
Auch Lode Gold ResourcesCA54019J1049A415CV arbeitet mit einer umfangreichen Goldressource. Das Unternehmen entwickelt die historische Fremont-Goldmine in Kalifornien, für die im Juli ein aktualisierter NI-43-101-Bericht eingereicht wurde.
Bei einem Cut-off von 0,82 g/t Gold umfasst die Ressource 1,15 Mio. Unzen Gold in der angezeigten Kategorie sowie weitere 2,17 Mio. Unzen in der abgeleiteten Kategorie.
Am 10. August folgte der nächste Entwicklungsschritt: Mariposa County erteilte eine für drei Jahre gültige Genehmigung für Oberflächenexploration und Bohrungen auf dem vollständig kontrollierten Privatland des Projekts. Damit kann Lode Gold das für die zweite Jahreshälfte vorgesehene Bohrprogramm über 3.500 bis 4.500 Meter umsetzen. Die Arbeiten sollen die technische Grundlage für eine geplante Pre-Feasibility-Study im Jahr 2027 verbreitern.
Die nächste Ressourcengeneration entsteht im Bohrkern
Noch früher in der Entwicklungskette setzt Dryden GoldCA26245V1013A3E1GE an. Das Unternehmen exploriert den Dryden-Golddistrikt im Nordwesten Ontarios und konzentriert sich insbesondere auf das Gold-Rock-System.
Das Bohrprogramm für 2026 wurde auf 45.000 Meter erweitert. Zwei Bohrgeräte sollen bekannte hochgradige Zonen ausbauen und gleichzeitig neue Strukturen innerhalb des Systems testen. Zu den Ergebnissen aus Gold Rock gehörten zuletzt 14,77 Meter mit 3,24 g/t Gold, darunter 1,35 Meter mit 29,55 g/t Gold. Parallel läuft ein vollständig finanziertes regionales Explorationsprogramm, das weitere Zielgebiete innerhalb des Distrikts untersucht.
Ende Juli meldete Dryden zudem zwei weitere goldführende Strukturen bei Gold Rock. Die laufenden Arbeiten dienen damit weiterhin der Frage, wie groß und zusammenhängend das mineralisierte System tatsächlich ist.
Agnico Eagle setzt bei FireFox Gold frühzeitig auf Finnland
Die Verbindung zwischen großen Produzenten und früher Exploration zeigt sich bei FireFox GoldCA31816R8369A419WJ. Das Unternehmen konzentriert sich auf den finnischen Teil des Central Lapland Greenstone Belt, wo Agnico Eagle mit Kittilä bereits Europas größte primäre Goldmine betreibt.
Beim vollständig gehaltenen Mustajärvi-Projekt hat FireFox seit August 2025 insgesamt 56 Bohrungen über 13.945 Meter niedergebracht und damit das ursprünglich geplante Programm von rund 10.000 Metern deutlich übertroffen. Parallel startete ein weiteres Bohrprogramm bei Sarvi, das rund fünf Kilometer nördlich der inzwischen von Agnico Eagle kontrollierten Ikkari-Lagerstätte liegt.
Agnico Eagle ist zugleich strategischer Aktionär von FireFox. Laut der aktuellen AGM-Unterlage hält der Produzent rund 10,7 % der ausstehenden Aktien. Darüber hinaus betreibt eine Agnico-Tochter die Exploration auf dem mehr als 120 Quadratkilometer großen Kolho-Projekt im Rahmen eines Earn-in-Abkommens. Bis Ende 2025 hatte Agnico dort insgesamt rund 2,94 Mio. USD in Exploration investiert.
Das Abkommen ermöglicht Agnico zunächst den Erwerb von 51 % an Kolho durch Explorationsausgaben von insgesamt 5 Mio. USD. Mit weiteren Investitionen von 7,5 Mio. USD kann die Beteiligung später um weitere 24 Prozentpunkte auf bis zu 75 % steigen. FireFox verbindet damit eigene Explorationsprogramme in Lappland mit einer strategischen Beteiligung und einem separaten Projektengagement eines der weltweit größten Goldproduzenten.
Neue Käufer erhöhen den Druck auf die Projektpipeline
Tethers Goldkäufe erweitern die Nachfrageseite um einen Käufer aus dem digitalen Finanzsektor. Neben Zentralbanken und klassischen Anlegern können damit auch Stablecoin-Reserven und tokenisierte Goldprodukte physisches Metall binden. Gleichzeitig wächst die Minenproduktion bislang deutlich langsamer, als die Nachfrageimpulse entstehen können.
Für die Goldbranche rückt damit die Projektpipeline stärker in den Mittelpunkt. Große Produzenten investieren in neue Minen, Entwickler führen vorhandene Ressourcen durch technische und wirtschaftliche Studien durch, während Explorer die Lagerstätten suchen und abgrenzen, die erst später in diese Pipeline einrücken können. Bleibt die physische Goldnachfrage auf hohem Niveau, gewinnt die Frage an Gewicht, welche Projekte ausreichend Größe, Qualität, Finanzierung und Infrastruktur besitzen, um langfristig tatsächlich zusätzliche Produktion zu ermöglichen.





