
Investor Woche: Bondrenditen im Höhenflug, BASF greift nach Evonik, Staat steigt bei Condor aus, Novo Nordisk setzt auf Deals, QMines und Algo Grande Copper mit starken Kupferbohrungen
Trotz steigender Bondrenditen und hoher Energiepreise wurde die deutsche Konjunkturprognose nach oben korrigiert. Spekulationen um eine Übernahme durch BASF treiben den Evonik-Kurs. Costco meldet starke Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Chinas Autohersteller verkaufen in Europa deutlich mehr. Visionary Copper and Gold erweitert das Landpaket bei Point Leamington in Neufundland. Wie geht es nach Oracles Force Majeure weiter?
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Marktentwicklung
Gemischte Stimmung an den Aktienmärkten. Die steigenden Bondrenditen trüben das Bild, die wiederkehrende Kauflaune bei Tech-Aktien sorgt dagegen für grüne Vorzeichen. Während der DAX im Wochenverlauf um 0,5 % nachgab, konnte der NASDAQ-100 um 1,9 % gewinnen. Der S&P 500 schafft ein Plus von 0,25 %. Gold kämpft mit der Marke von 4.300 USD.
Top-Meldungen
Bondrenditen weltweit auf Höhenflug
Der globale Anstieg der Bondrenditen bleibt das dominierende Thema an den Finanzmärkten. 10-jährige US-Staatsanleihen notierten in dieser Woche zeitweise bei mehr als 5,2 % und damit dem höchsten Stand seit rund 20 Jahren. Der Anstieg wird auf wachsende Inflationssorgen, die Erwartung weiterer Zinserhöhungen durch die Federal Reserve und die großvolumigen Anleihe-Emissionen im Zusammenhang mit KI-Infrastruktur zurückgeführt.
Auch in anderen Ländern steigen die Renditen drastisch. Die 10-jährige japanische Staatsanleihe notiert mittlerweile bei mehr als 3 % und damit auf dem höchsten Stand seit vielen Jahrzehnten. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei deutschen Bundesanleihen, die bei 10 Jahren Laufzeit mittlerweile 3,6 % bieten müssen.
Herbstgutachten: Wachstumsprognose für Deutschland verdoppelt.
Die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute erwarten für das laufende Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 % und damit mehr als doppelt so viel wie noch im Frühjahrsgutachten mit 0,6 %. Vor allem eine Belebung der Exporte sowie die expansive Fiskalpolitik der Regierung tragen zum Wachstum bei. 2027 rechnen die Institute nun mit 1,1 % Wachstum statt bisher 0,9 %, 2028 mit 0,4 %. Die Ökonomen warnen ausdrücklich vor Risiken wie hohen Energiepreisen und Strukturproblemen.
Spekulationen über Kauf von Evonik durch BASF
Die Financial Times berichtet, BASF ISIN DE000BASF111 WKN BASF11 habe den deutschen Konkurrenten Evonik ISIN DE000EVNK013 WKN EVNK01 bezüglich einer Übernahme kontaktiert. Die Aktien von Evonik legten daraufhin zweistellig zu. Den zitierten Insidern zufolge geht es derzeit darum, Aktionäre und Führungskräfte von Evonik von der Sinnhaftigkeit der Übernahme zu überzeugen und eine ausreichende Prämie zu bieten. 44 % der Anteile an Evonik hält die RAG-Stiftung.
Attestor übernimmt Condor komplett
Während der Corona-Krise und der Insolvenz des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook waren der Bund und das Land Hessen eingeschritten und hatten der Fluglinie Condor Staatshilfen gewährt. Der Mehrheitseigner Attestor übernimmt nun über die Ausübung einer Kaufoption die verbliebenen Anteile von 49 %, die bisher über die SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag des Bundes und des Landes Hessen gehalten werden.
Novo Nordisk kauft Exklusivlizenz für Nanexas Atomic Layer Deposition
Novo Nordisk ISIN DK0062498333 WKN A3EU6F zahlt dem schwedischen Unternehmen Nanexa ISIN SE0007074166 WKN A2JA78 bis zu 1,16 Mrd. EUR und sichert sich dafür eine weltweite Exklusivlizenz für dessen Wirkstoff-Freisetzungsplattform "Atomic Layer Deposition". Diese soll bei der Behandlung von Adipositas und Diabetes zum Einsatz kommen. Novo übernimmt die weltweite Entwicklung und Vermarktung der daraus entstehenden Produkte. Kurz zuvor hatte Novo eine 1,4-Milliarden-Dollar-Partnerschaft mit dem dänischen Unternehmen Orbis Medicines abgeschlossen und sich drei mögliche Adipositas-Wirkstoffe vom New Yorker Biotech-Unternehmen Kallyope gesichert. Anfang des kommenden Jahrzehnts laufen zentrale Patente aus. Die Entwicklungspipeline soll durch Deals gestärkt werden.
Visionary Copper and Gold erweitert Landpaket bei Pt. Leamington
Visionary Copper and Gold ISIN CA9279521012 WKN A41FV3 informierte am Dienstag über die Erweiterung des Landpakets um das Projekt Pt. Leamington in Neufundland. Die neu erworbenen und abgesteckten Flächen umfassen insgesamt ca. 3.575 Hektar, verteilt auf sechs Mineralienlizenzen mit 143 Mineralien-Claims, und erweitern die Landposition auf ca. 33.000 Hektar.
Zum einen wurde entlang der prognostizierten Tiefenrichtung der VMS-Lagerstätte zugekauft und damit die Möglichkeit geschaffen, die Lagerstätte in der Tiefe zu erweitern. "VMS-Lagerstätten sind dafür bekannt, sich bis in beträchtliche Tiefen zu erstrecken, und wir sind überzeugt, dass die Erschließung des vollen Tiefenpotenzials von Pt. Leamington entscheidend ist, um den langfristigen Wert der Lagerstätte zu realisieren", sagt CEO Max Porterfield.
Zum anderen wurde Gelände unmittelbar südlich der Lagerstätte entlang des Pt. Leamington Trends erworben, wo eine moderne elektromagnetische Untersuchung aus der Luft fünf isolierte Leiter identifiziert hat. "Zwei dieser Leiter weisen massive Sulfidblöcke in der Nähe auf. Genau so wurde auch Pt. Leamington selbst entdeckt", erläutert Porterfield.
Costco meldet Zuwächse bei Umsatz und Gewinn
Costco Wholesale ISIN US22160K1051 WKN 888351 meldete für das vierte Geschäftsquartal einen Gewinn von 3 Mrd. USD, gegenüber 2,61 Mrd. USD im Vorjahresquartal. Der Quartalsumsatz des Unternehmens stieg auf 95,72 Mrd. USD und übertraf damit die von den von FactSet befragten Analysten erwarteten 94,97 Mrd. USD.
"Unsere Mitglieder zeigen weiterhin Widerstandsfähigkeit bei ihren Ausgaben und sind bereit, in Bereichen, in denen sie attraktive neue Artikel zu einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis entdecken, auch Geld auszugeben", sagte Finanzvorstand Gary Millerchip in einer Telefonkonferenz mit Investoren.
QMines bohrt bei Mt. Chalmers 44 Meter mit 1,03 % Kupfer
Q-Mines ISIN AU0000141533 WKN A2QSAM legte weitere Bohrergebnisse für das Mount-Chalmers-Projekt in Queensland vor. Unter den Ergebnissen aus dem 10.000 Meter umfassenden Programm waren 44 Meter mit 1,03 % Kupfer, 0,15 Gramm Gold und 2,3 Gramm Silber pro Tonne ab 103 Metern. Das Bohrloch enthielt auch einen Abschnitt über 10 Meter mit 2,2 % Kupfer. 19 Bohrlöcher stehen noch aus, zwei Bohrer sind weiterhin im Einsatz.
"Diese Ergebnisse stärken weiterhin das Vertrauen in die Größe und Kontinuität des mineralisierten Systems am Mt. Chalmers", sagte Explorationsmanager Tom Bartschi.
Chinas Autohersteller fassen in Europa Fuß
Chinas Autohersteller fassen im europäischen Markt zunehmend Fuß. BYD ISIN CNE100000296 WKN A0M4W9 konnte im letzten Monat 26.007 Einheiten in der EU sowie in Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz absetzen. Dies entspricht einem Zuwachs von mehr als 100 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Zulassungen von SAIC Motor ISIN CNE000000TY6 WKN A0M342 stiegen um 32 % auf 21.214 Einheiten, während Leapmotor ISIN CNE100005K77 WKN A3DVG2 einen mehr als dreifachen Anstieg auf 7.630 Fahrzeuge verzeichnete.
Algo Grande Copper bohrt 38 Meter mit 1,0 % Kupferäquivalent
Algo Grande Copper ISIN CA0156071049 WKN A41UK1 legte Analysen einer entscheidenden Bohrung auf dem Adelita-Projekt im mexikanischen Sonora vor. Die Bohrung diente der Untersuchung der vertikalen Ausdehnung und der Streichrichtung des Skarnsystems. Die Analyseergebnisse bestätigen eine Kupfer-Silber-Gold-Mineralisierung in einer Tiefe von 146,70 Metern bis 282,00 Metern, die in zwei Zonen unterteilt ist. Die Bohrung ergab eine zweite Zone von 38,20 Metern mit einem Gehalt von 1,0 % Kupferäquivalent ab 243,80 Metern, etwa 67 Meter unterhalb der Basis der zuvor gemeldeten 30,23 Meter langen Zone mit einem Gehalt von 1,5 % Kupferäquivalent ab 146,70 Metern, was ein mehrhorizontales Skarnsystem bei Cerro Grande bestätigt.
Unter der Lupe
Force Majeure bei Oracle: Was heißt das für den Aktienkurs?
Die Nachricht schickte den Kurs von Oracle ISIN US68389X1054 WKN 871460 auf Talfahrt: Das Unternehmen erklärte gegenüber einer Blu-Owl-Capital-Tochter, die ein riesiges Rechenzentrum (Jupiter) in New Mexico baut, höhere Gewalt im Zusammenhang mit der Erfüllung von Stromlieferverpflichtungen. Sollte das Projekt nicht wie erwartet 2028 in Betrieb gehen, will Oracle Zahlungen aufschieben. Das Unternehmen müsste jedoch weiterhin alle anderen Kosten tragen und die Miete für die gesamte Mietdauer schulden, sobald die Zahlungen beginnen.
Bislang ist nicht sicher, dass sich das Projekt wirklich verzögert. Sollte es dazu kommen, werde "Oracle seine finanziellen Interessen gegenüber dem Rechenzentrumsentwickler wahren" können, sagt Morningstar-Analyst Luke Yang. Er weist jedoch auf ein anderes Problem hin: Die Kapazität des Projekts Jupiter von 2,45 Gigawatt bedeute, dass Oracle den Zeitplan für Umsätze von 25 Mrd. USD oder mehr verschieben müsste, was sich erheblich auf die Umsatzprognosen der Jahre 2028 und 2029 auswirken werde. Yang skizziert die Konsequenzen im Fall ausbleibenden Cashflows: "Eine mögliche Verzögerung könnte auch für Oracle eine Herausforderung bei der Aufrechterhaltung seines Investment-Grade-Ratings darstellen." Er glaubt deshalb nicht, dass die bisherige Marktreaktion die Folgen einer tatsächlichen Verzögerung bereits vollständig eingepreist hat. Mit anderen Worten: Bei schlechten Nachrichten besteht noch Luft nach unten.
Grafik der Woche
KI-Investitionen schlagen das Eisenbahnzeitalter
Kanäle und Eisenbahnen im 19. Jahrhundert, danach Elektrifizierung, Autobahnen und Telekommunikation: Die US-Wirtschaft hat bereits einige Infrastrukturwellen erlebt. Doch die Ausgaben für KI übertreffen selbst das Eisenbahnzeitalter deutlich. Wurden von 1870 bis 1890 jährlich 2,24 % des BIP für Eisenbahninfrastruktur ausgegeben, summieren sich die KI-Investitionen im Zeitraum von 2025 bis 2032 auf 3,63 %. Insgesamt werden Prognosen zufolge in diesem Zeitraum 10,3 Bill. USD investiert.
Solche Größenordnungen haben Folgen. Hyperscaler binden Arbeitskräfte und Strom und erhöhen so die Kosten für andere Unternehmen. Aluminiumhütten entscheiden sich gegen Standorte nahe großer Rechenzentren, weil dort der Strom knapp ist. Die Fertigungsindustrie sieht sich durch steigende Grundstückspreise verdrängt.
Die Knappheit betrifft auch den Anleihemarkt: Ein wachsender Teil der Investitionskosten wird über den Bondmarkt finanziert. Dies treibt zunächst die Renditen, was den Immobilienmarkt zusehends belastet. Zudem wachsen aufgrund der enormen Verbindlichkeiten die Risiken für das gesamte Finanzsystem.

Fun Fact
Milliardenvermögen für Flat-Earther-Selfie geboten
Im Rahmen einer Marketing-Kampagne unterbreitete der CEO des Sportkleidungsherstellers Columbia, Tim Boyle, den Anhängern der Flat-Earth-Theorie Ende vergangenen Jahres ein besonderes Angebot. Der Deal: Wer den Rand der Erde findet und fotografiert und dabei Kleidung von Columbia trägt, kann das gesamte Unternehmensvermögen gewinnen. "Dies ist ein weiteres Beispiel für Columbias Bestreben, die kühne, respektlose Energie, die die Marke seit Langem auszeichnet, zum Ausdruck zu bringen", erklärte Boyle die nicht ganz ernst gemeinte Offerte.




