
Investor Woche: KI-Sorgen nach den Midterms, BoE erhöht Zinsen, US-Jobmarkt stark, Rheinmetall kassiert Prognose, Nintendo feiert Super Mario-Movie, WB Electronics vor IPO, Firefox Gold erneut mit hochgradiger Bohrung
Die Einzelhandelsumsätze in Europa bleiben schwach – auch wegen hoher Energiepreise, die Chevron und Exxon dagegen zu starken Quartalzahlen verhelfen. Maersk enttäuscht trotz höherer Frachtraten, Swiss Re dagegen punktet mit einer starken Eigenkapitalrendite. Brandpilot AI startet einen Testlauf mit einem Dermatologie- und Medical-Aesthetics-Anbieter, Q2 Metals erhält einen Award für das Lithiumprojekt Cisco.
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Marktentwicklung
Eine turbulente und hochvolatile Woche neigt sich dem Ende zu. Nachdem die Märkte die Midterms in den USA zunächst mit sattgrünen Zahlen aufgenommen hatten, startete am Donnerstag der neueste KI-Scare-Trade. Die Sorge der Marktteilnehmer, durch die neuen Verhältnisse im Kongress könnte der Ausbau von Rechenzentren massiv verlangsamt werden, schickte KI- und vor allem Chipaktien auf Talfahrt. Der Philadelphia Semiconductor Index gab an einem Tag um mehr als 12 % ab. Auf Wochensicht verliert der NASDAQ-100 um rund 5 %, der S&P 500 um 2,5 %, während der DAX nahezu unverändert bleibt. Gold hält die Marke von 4.000 USD, während Bitcoin unter 76.000 USD rutscht. Die US-Bondrenditen liegen wieder unter 5 %.
Top-Meldungen
Bank of England erhöht Zinsen
Die Bank of England hob den Bank Rate um 0,25 Prozentpunkte auf 4 % an – die erste Erhöhung seit August 2023. Acht Mitglieder des Monetary Policy Committee stimmten für den Schritt, eines für eine noch stärkere Anhebung auf 4,25 %. Hintergrund sind die anhaltend hohen Energiepreise infolge des Konflikts im Nahen Osten. Die Notenbank rechnet mit einem Anstieg der Inflation auf rund 5 % bis Mitte 2027 und signalisiert, dass weitere Erhöhungen möglich bleiben.
US-Jobmarkt über den Erwartungen
In den USA wurden im Oktober 165.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, womit die von den vom WSJ befragten Ökonomen erwarteten 59.000 neuen Arbeitsplätze übertroffen wurden. Die US-Arbeitslosenquote sank im Oktober auf 4,1 %, während die Beschäftigungszahlen für August und September um insgesamt 84.000 nach oben korrigiert wurden. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 % und damit den siebten Monat in Folge langsamer als die Inflation.
Einzelhandelsumsätze in der Eurozone sinken um 0,7 %
Die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone sind im September um 0,7 % zum Vormonat zurückgegangen – der stärkste Rückgang seit Juni 2024. Besonders deutlich fiel der Einbruch in Deutschland mit minus 2,0 % aus. In Frankreich fiel die Stimmung der Verbraucher auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren – auch angesichts wachsender Sorgen um die Haushaltslage des Landes und der gewaltsamen Proteste.
Nintendo steigert Gewinn dank Super Mario Movie
Nintendo ISIN JP3756600007 WKN 863186 steigerte den Halbjahresgewinn um 11 % auf 220,9 Mrd. Yen. Der Umsatz sank zwar um 12 %, weil die Switch-2-Verkäufe auf 6,49 Mio. Einheiten zurückgingen. Starkes Software-Geschäft und der Erfolg des Films "The Super Mario Galaxy Movie" (IP-Erlöse stiegen um rund 88 %) konnten das jedoch mehr als ausgleichen. Die Jahresprognose bleibt unverändert, inklusive 16,5 Mio. erwarteter Switch-2-Konsolen.
Exxon und Chevron schlagen die Erwartungen
ExxonMobil ISIN US30233Q1085 WKN A426ZY und Chevron ISIN US1667641005 WKN 852552 haben im dritten Quartal 2026 die Analystenschätzungen übertroffen, getragen von stark gestiegenen Raffineriemargen. ExxonMobil erzielte ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 4,23 USD, Chevron von 5,28 USD. Bei Exxon lag das Downstream-Geschäft erstmals seit mindestens sechs Jahren über dem Upstream. Chevron verzeichnete im Downstream den höchsten Quartalsgewinn in demselben Zeitraum.
WB Electronics bringt IPO auf den Weg
Die polnische Drohnen- und Rüstungsfirma WB Electronics bereitet ein Börsendebüt an der Warschauer Börse vor. Die Eigentümer haben Banken wie J.P. Morgan und Morgan Stanley zur Einreichung von Angeboten für die Begleitung des Börsengangs aufgefordert. Eine Bewertung von bis zu 30 Mrd. Zloty (rund 5–7 Mrd. Euro) wird diskutiert. Der Jahresumsatz des Konzerns hat sich zwischen 2021 und 2025 verzehnfacht und liegt nun bei über 1 Mrd. USD. Der Auftragsbestand für die nächsten vier Jahre beträgt 9 Mrd. USD.
Brandpilot AI startet nächsten Testlauf
BrandPilot AI ISIN CA1053241073 WKN A40FP4 hat einen bezahlten Testlauf mit einem Dermatologie- und Medical-Aesthetics-Anbieter gestartet, der jährliche Umsätze von rund 200 Mio. USD ausweist. Der Übergang von der ersten Ansprache zum bezahlten Trial erfolgte in weniger als zwei Monaten – deutlich schneller als der branchenübliche Zyklus von 19 bis 24 Monaten. Die Zusammenarbeit wurde über eine Agentur mit einem Kundenstamm von über 38 Mrd. USD Umsatz angebahnt.
Rheinmetall nach schwacher Prognose unter Druck
Rheinmetall ISIN DE0007030009 WKN 703000 senkte die Umsatzprognose für 2026 erneut – diesmal auf rund 13,2 Mrd. Euro (zuvor 13,7–14,2 Mrd.). Ursache sind Verzögerungen beim Arminius-Boxer-Programm, das sich noch in der Endphase der Verhandlungen befindet, und die genehmigungsbedingt langsamer verlaufende Abnahme von Artilleriemunition. Die Aktie verlor zeitweise rund 17 % an Wert und gehörte zu den schwächsten DAX-Werten.
Maersk enttäuscht hohe Anlegererwartungen
A.P. Moller-Maersk hob die Jahresprognose zwar erneut an (underlying EBITDA 14–14,5 Mrd. USD nach zuvor 10,5 bis 12,5 Mrd. USD), doch die Quartalszahlen verfehlten die Erwartungen. Das EBITDA lag bei 4,7 Mrd. USD (unter Konsens). Höhere Frachtraten halfen, Volumen und Kosten enttäuschten jedoch. Die Aktie verlor zeitweise über 11 %.
Firefox Gold bohrt in Lappland 6,15 Meter mit 4,1 Gramm Gold pro Tonne
FireFox Gold ISIN CA31816R8369 WKN A419WJ hat am Mustajärvi-Projekt in Lappland weitere positive Bohrergebnisse gemeldet. Bohrloch 26MJ057 am Gabbro-Target lieferte 6,15 Meter mit 4,10 Gramm Gold pro Tonne, darunter 1,05 Meter mit 14,65 Gramm pro Tonne. Die goldführende Streichlänge entlang der Mustajärvi-Shear-Zone erweitert sich damit auf über 2,5 Kilometer. Zwei weitere Erkundungsbohrungen am zuvor ungetesteten Triangle-Target bestätigten die vermutete Struktur und lieferten unter anderem 2,7 Meter mit 2,15 Gramm pro Tonne.
Swiss Re erreicht Eigenkapitalrendite von 22,5 %
Swiss Re ISIN CH0126881561 WKN A1H81M steigerte den Nettogewinn in den ersten neun Monaten um 3 % auf 4,2 Mrd. USD. Die Eigenkapitalrendite lag bei 22,5 %. Geringere Naturkatastrophenschäden und solide Ergebnisse in allen Sparten trugen dazu bei. Das Management bestätigte das Ziel eines Konzerngewinns von 4,5 Mrd. USD. Die Aktie erreichte den höchsten Stand seit 2002.
Q2 Metals erhält Award für Lithiumprojekt Cisco
Q2 Metals ISIN CA74739G1072 WKN A3D4CR erhielt den Discovery of the Year Award der Quebec Mineral Exploration Association für das Cisco-Lithium-Projekt in der James-Bay-Region. Das Projekt weist eine umfangreiche Ressourcenbasis auf. Bohrungen laufen weiter, eine Preliminary Economic Assessment ist für Herbst 2026 geplant.
Unter der Lupe
Alphabet-Aktie: Lohnt der Einstieg nach dem Kursrückgang?
Die Aktie von Alphabet ISIN US02079K3059 WKN A14Y6F hat seit Mitte Oktober rund ein Fünftel ihres Wertes verloren. Nach den Quartalszahlen am 28.10. ging es deutlich abwärts. Anleger sorgen sich vor allem um das verlangsamte Wachstum im Suchgeschäft (von 17 auf 12 %) und die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur.
Morningstar sieht die Aktie dennoch attraktiv bewertet. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 25 % auf 128 Mrd. USD, die operative Marge verbesserte sich um 130 Basispunkte auf 31,8 %. Besonders stark entwickelte sich Google Cloud: Der Umsatz legte um 103 % auf 31 Mrd. USD zu und macht inzwischen 24 % des Konzernumsatzes aus (vor einem Jahr: 15 %). Der Auftragsbestand entspricht dem Fünffachen der annualisierten Quartalsumsätze und sorgt für gute Sichtbarkeit.
Morningstar hat den Fair-Value von 433 auf 450 USD angehoben. Die Analysten halten die Aktie für deutlich unterbewertet und sehen in Google Cloud den zentralen Wachstumstreiber. "Wir prognostizieren für Alphabet ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 20 % pro Jahr über die nächsten fünf Jahre. Google Cloud sehen wir als zentralen Wachstumstreiber und erwarten ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 51 % über die nächsten fünf Jahre", sagt Analyst Malik Ahmed Khan. Der breite wirtschaftliche Burggraben bleibe intakt – gestützt durch Marke, Netzwerkeffekte, Wechselkosten und Kostenvorteile.
Risiken gibt es auch: Die hohe Kapitalintensität der KI-Investitionen belastet den freien Cashflow kurzfristig, und die Monetarisierung von KI-gestützten Suchanfragen (AI Mode) läuft noch hinter der klassischen Suche her. Gleichzeitig eröffnet der Verkauf eigener TPUs (unter anderem an Anthropic und Oracle) zusätzliches Potenzial.
Für Anleger, die mit diesen Risiken leben können, eröffnet der Rückgang eine günstige Einstiegschance. Im Zuge des jüngsten Abwärtstrends wurde das letzte signifikante charttechnische Tief vom März 2026 bei 280 USD nicht nach unten durchbrochen. Die Marke fungiert dementsprechend als wichtige Unterstützung.
Grafik der Woche
Das NIMBY-Problem der KI
Der Tech-Sektor hatte eine schwere Woche. Besonders die großen Halbleiter- und Speicherwerte sowie mehrere Hyperscaler gaben stark nach. Ein Grund: Bei den Midterms und zahlreichen lokalen Abstimmungen haben Wähler in den USA massiv gegen den ungebremsten Ausbau von KI-Rechenzentren gestimmt. So wurden in entscheidenden Bundesstaaten Kandidaten und Bürgerentscheide unterstützt, die den Bau neuer Rechenzentren bremsen oder stoppen wollen.
Die Dimension ist erheblich. Texas, Ohio und Georgia allein stehen für mehr als 40 % der geplanten US-Rechenzentrumskapazität. In Texas gewann die Demokratin Gina Hinojosa die Gouverneurswahl und hatte im Wahlkampf ein Moratorium in Aussicht gestellt, bis strengere Regeln zu Strom, Wasser und lokalen Belastungen beschlossen sind. Ähnliche Signale kamen aus Ohio und Georgia. Eine NBC-Exit-Umfrage ergab, dass 76 % der Wähler neue Rechenzentren in ihrer Gemeinde ablehnen.
Für die KI-Unternehmen ist das ein ernstes Problem. Verzögerungen oder Stopps bei neuen Anlagen könnten den Ausbau weiter verlangsamen – und damit auch den Markt zunehmend vehement eingeforderten freien Cashflow aus den Investitionen nach hinten verschieben.
Die Entwicklung könnte jedoch sowohl Gewinner als auch Verlierer hervorbringen. Amazon, Microsoft und Google verfügen bereits über große bestehende Kapazitäten und starke Beziehungen zu den Versorgern. Kleinere, reine AI-Cloud-Anbieter wie CoreWeave oder Nebius, die stark auf neue Standorte angewiesen sind, leiden deutlich stärker. Die großen Player könnten von höheren Preisen für vorhandene Rechenleistung und einem weiteren Konzentrationsprozess profitieren.

Fun Fact
Der Dow Jones liegt fast jeden zweiten Tag im Minus
Der Dow Jones Industrial Average schreibt an fast jedem zweiten Handelstag rote Zahlen. Eine Auswertung von Mike Patton für Forbes aus dem Jahr 2016 ergab für den Zeitraum Oktober 1928 bis Januar 2016 bei insgesamt 21.931 Handelstagen einen Anteil positiver Tage von 52,1 %, während 47,5 % der Tage im Minus endeten. Die durchschnittliche Tagesveränderung lag bei lediglich 0,03 %. Neuere Analysen bestätigen dieses Bild weitgehend. PortfoliosLab kommt auf Basis der Daten seit dem 2. Januar 1992 auf einen Anteil von 53 % positiver Handelstage. Allerdings endeten in diesem Zeitraum 64 % Monate im Plus und nur 36 Monate im Minus.




