
Gewinnsprung, Kurssturz: CVS Health will Apotheken abspalten – die Börse reagiert
Der US-Gesundheitskonzern CVS Health meldet starke Gewinne und hebt seine Prognose an. Dennoch fällt die Aktie: Anleger zweifeln am Nutzen der geplanten Auslagerung des Apothekengeschäfts. Entstehende Kosten und finanzielle Vorteile der Trennung hat CVS noch nicht beziffert.
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CVS Health ISIN US1266501006 WKN 859034 will sein Filialapothekengeschäft ausgliedern und bis zum ersten Halbjahr 2028 zwei börsennotierte Unternehmen schaffen. Nach der Ankündigung fiel die Aktie am Mittwoch um 12,5 % auf 79,96 USD, obwohl CVS überraschend starke Quartalszahlen vorgelegt hatte. Der Börsenwert schrumpfte damit um knapp 15 Mrd. USD.
Anleger müssen künftig zwei sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle bewerten, deren Kosten und Erträge bislang nur teilweise absehbar sind. Die Unsicherheit wiegt umso schwerer, weil mit der Trennung eine über zwei Jahrzehnte gewachsene Konzernstruktur verändert wird.
Zwei neue Firmen, keine vollständige Entflechtung
Mit der 2006 vereinbarten und 2007 abgeschlossenen Fusion mit Caremark begann CVS, sein Geschäft über den klassischen Apothekenbetrieb hinaus auszubauen. Der Kauf des Krankenversicherers Aetna für rund 78 Mrd. USD im Jahr 2018 führte diese Entwicklung fort. Seither verbindet der Konzern die Versicherung von Patienten mit der Organisation ihrer Arzneimittelversorgung und einem landesweiten Apothekennetz.
Künftig soll CVS Health unter David Joyner den Versicherer Aetna, den Arzneimitteldienstleister Caremark und die Spezialapotheken umfassen. Dazu kommen Oak Street Health mit seinen Arztpraxen und Signify Health als Anbieter häuslicher Gesundheitsdienste. Versicherung und Arzneimittelverwaltung bleiben damit unter einem gemeinsamen Dach.
Das zweite Unternehmen, CVS Pharmacy, erhält rund 9.000 Filialen, die MinuteClinics für ambulante Behandlungen und das Versandapothekengeschäft. Auch die digitale Gesundheitsplattform Health100 gehört dazu. An der Spitze soll Prem Shah stehen, der bereits wesentliche Teile des bisherigen Apotheken- und Gesundheitsdienstleistungsgeschäfts verantwortet.
CVS verspricht sich von der Eigenständigkeit seiner Apothekenkette bessere Chancen auf Partnerschaften mit weiteren Versicherern, Arzneimitteldienstleistern und Herstellern. Beide Gesellschaften können ihre Finanzierung und Investitionen künftig unabhängig voneinander steuern. CVS erwartet für beide eine solide Bonität im Investment-Grade-Bereich und die Fähigkeit, Dividenden auszuschütten. Bestehende Aktionäre sollen an beiden Unternehmen beteiligt werden. CVS strebt an, dass die Abspaltung für den Konzern und seine Aktionäre nach US-Bundessteuerrecht steuerfrei erfolgt. Für den Vollzug sind unter anderem noch die endgültige Zustimmung des Verwaltungsrats und behördliche Formalitäten erforderlich.
Bessere Ergebnisse kommen aus dem Kerngeschäft
Im dritten Quartal verdiente CVS bereinigt 2,09 USD je Aktie. Analysten hatten lediglich 1,65 USD erwartet. Damit übertraf der Konzern die Marktschätzungen zum achten Mal in Folge. Der Umsatz wuchs zugleich um 5,4 % auf 108,4 Mrd. USD.
Für das Gesamtjahr 2026 hob das Management die Prognose auf mindestens 8,20 USD bereinigten Gewinn je Aktie an. Den erwarteten Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit erhöhte CVS von mindestens 11,5 auf 15,5 Mrd. USD. Die höhere Finanzkraft verschafft dem Konzern zusätzlichen Spielraum für die geplante Trennung.
Auch das Versicherungsgeschäft hat sich erholt. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank der Anteil der medizinischen Leistungsausgaben an den Prämieneinnahmen von 92,8 auf 91,3 %. Damit blieb ein größerer Teil der Einnahmen für andere Kosten und den Gewinn übrig.
Für 2027 erwartet CVS mindestens 8,65 USD bereinigten Gewinn je Aktie, etwas mehr als der bisherige Analystenkonsens von 8,53 USD. Allerdings vergleichen Anleger diese Perspektive mit den Wachstumschancen anderer Krankenversicherer. Kevin Gade vom US-Vermögensverwalter Bahl & Gaynor hält deren Gewinnaussichten teilweise für attraktiver.
Geschäftsbereiche behalten ihre eigenen Risiken
In den USA verschärfen Onlineanbieter und der Versand verschreibungspflichtiger Medikamente den Wettbewerb im stationären Apothekenhandel. Gleichzeitig setzen die Erstattungssätze für Arzneimittel die Gewinnmargen unter Druck. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank der Umsatz des Apotheken- und Verbrauchergeschäfts um zwei Prozent auf 35,5 Mrd. USD, obwohl mehr Rezepte abgegeben wurden.
Bei Aetna wiederum bereiten vor allem steigende Behandlungskosten Probleme. Besonders betroffen war zuletzt Medicare Advantage, ein Bereich mit privat organisierten Versicherungsplänen für überwiegend ältere US-Bürger. Trotz der jüngsten Erholung besteht weiterhin das Risiko erneuter Kostensteigerungen.
Für 2027 erwartet Finanzchef Brian Newman zudem zusätzliche Belastungen bei den Arzneimitteldienstleistungen. Dazu zählt das US-Rabattprogramm 340B, über das bestimmte Krankenhäuser und andere Einrichtungen Medikamente verbilligt beziehen können. Schwächeres Neugeschäft und rückläufige Versichertenzahlen bei Kunden kommen hinzu. CVS rechnet in diesem Geschäftsbereich für 2027 zunächst mit einem Ergebnistiefpunkt und anschließend wieder mit Wachstum.
Anleger verlangen mehr finanzielle Details
Investoren zweifeln trotz der guten Geschäftszahlen weiterhin am wirtschaftlichen Nutzen der Aufspaltung. Barclays-Analyst Andrew Mok vermisst konkrete Finanzdaten, um die beiden künftigen Gesellschaften bewerten zu können. Das Management rechnet mit einmaligen Trennungskosten und zusätzlichem Aufwand für getrennte Konzernfunktionen, hat dafür aber noch keine Summen genannt.
Große US-Gesundheitskonzerne stehen wegen möglicher Interessenkonflikte zwischen Versicherern, Arzneimitteldienstleistern und Apotheken auch unter regulatorischer Beobachtung. Morningstar-Analystin Julie Utterback hält CVS aufgrund seiner umfangreichen Verflechtungen für besonders stark betroffen. UBS-Analyst Kevin Caliendo glaubt, dass Anleger die Aufspaltung als Vorsorge gegen strengere Regulierung verstehen könnten.
CVS-Chef Joyner begründet die Neuordnung hingegen mit operativen Fortschritten der vergangenen zwei Jahre. Dazu zählen verbesserte Apothekentechnologie, überarbeitete Vergütungsmodelle und die Erholung des Versicherungsgeschäfts.
Für eine fundierte Bewertung der neuen Konzernstruktur muss CVS nun die Kosten der Trennung und den zusätzlichen Aufwand für eigenständige Konzernfunktionen beziffern. Ebenso muss das Unternehmen darlegen, welche finanziellen Vorteile die beiden künftigen Gesellschaften erwarten dürfen.