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Cybercab statt CybertruckTesla fährt Pickup-Produktion in Texas ab Mitte 2027 zurück

Teslas Cybertruck verfehlt die einstigen Absatzziele deutlich. Der US-Elektroautobauer verlagert Fertigungskapazitäten nun auf autonome Taxis und beschleunigt damit seinen Umbau. Doch beim Robotaxi Cybercab sind Sicherheitsfragen ungeklärt, ebenso die Zukunft des Pickups.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Somalia Veteran / Unsplash

Der US-Elektroautobauer Tesla ISIN US88160R1014 WKN A1CX3T richtet seine Fahrzeugproduktion künftig stärker auf das Robotaxi-Geschäft aus. Ab Mitte 2027 soll die Fertigung des elektrischen Pickups Cybertruck in Austin im US-Bundesstaat Texas reduziert werden. Die dadurch freiwerdenden Kapazitäten sind für das fahrerlose Cybercab vorgesehen. Ob der Pickup anschließend an einem anderen Standort weitergebaut wird, hat Konzernchef Elon Musk bislang nicht mitgeteilt.

Musk kündigte am Freitag die Umstellung auf der Kurznachrichtenplattform X an. Für den Cybertruck nutzt Tesla in Austin bislang spezielle Fertigungsanlagen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist das Werk der einzige bekannte Tesla-Standort mit dieser Ausstattung. Eine Verlagerung der Produktion wäre entsprechend kompliziert.

Sicherheitsfragen vor dem Cybercab-Ausbau

Bereits seit September 2026 bietet Tesla in Austin kostenpflichtige Fahrten mit einer kleinen Cybercab-Flotte an. Noch vor Ende 2026 sollen nach den Plänen des Konzerns erste Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden. Nach Angaben aus dem Oktober setzte Tesla die bis dahin produzierten Cybercabs allerdings ausschließlich in seiner eigenen Robotaxi-Flotte ein.

Das Cybercab wurde für den fahrerlosen Einsatz entwickelt und besitzt weder ein herkömmliches Lenkrad noch Pedale oder Außenspiegel. Musk erwartet, dass die meisten Fahrzeuge Tesla gehören und für kostenpflichtige Fahrten genutzt werden. Auf dieser Grundlage soll langfristig ein größeres Netz autonomer Taxis entstehen.

Vor einer Ausweitung des kommerziellen Betriebs müssen allerdings noch Sicherheitsfragen geklärt werden. In den USA bestätigen Hersteller zunächst selbst, dass ihre Fahrzeuge die geltenden Sicherheitsstandards erfüllen. Die zuständige Behörde kann diese Angaben anschließend überprüfen. Die US-Fahrzeugsicherheitsbehörde NHTSA untersucht deshalb die Selbstzertifizierung des Cybercab. Dabei will sie unter anderem wissen, ob Tesla bei der Prüfung der Vorschriften vorübergehend eingebaute Bedienelemente berücksichtigt hat.

Bis Ende Oktober reichte Tesla Antworten ein und beantragte für wesentliche Unterlagen eine vertrauliche Behandlung. Öffentlich ist deshalb nur eingeschränkt nachvollziehbar, wie der Konzern die Einhaltung einzelner Standards begründet. Die Untersuchung ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

Hohe Absatzziele treffen auf schwache Nachfrage

Mit dem 2019 vorgestellten Cybertruck wollte Tesla den großen amerikanischen Pickupmarkt erschließen. Vor den ersten Auslieferungen Ende 2023 stellte Musk einen jährlichen Absatz von mindestens 250.000 Fahrzeugen in Aussicht. Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Financial Times hatte Tesla zeitweise sogar bis zu 500.000 Cybertrucks pro Jahr angepeilt.

Von diesen Größenordnungen ist der tatsächliche Absatz weit entfernt. Nach Daten des US-Autodatenanbieters Kelley Blue Book wurden 2024 in den Vereinigten Staaten 38.965 Cybertrucks verkauft. Im Jahr darauf waren es nur noch 20.237 Fahrzeuge, ein Rückgang um 48 %. Der Jahresabsatz 2025 erreichte damit gerade einmal gut acht Prozent von Musks niedrigerer Zielmarke.

Neben der schwachen Nachfrage belasteten Rückrufaktionen, Qualitätsprobleme und wiederholte Preisänderungen das Modell. Bei der Vorstellung 2019 hatte Tesla eine Basisversion ab 39.900 USD angekündigt. Im August 2026 kostete eine Zweimotorversion nach einer Preiserhöhung 74.990 USD. Die Ausführungen sind zwar nicht direkt vergleichbar, doch der höhere Betrag zeigt die Abkehr vom ursprünglich angekündigten Einstiegspreis.

Auch die ungewöhnlich kantige Edelstahlkarosserie schränkt die Absatzmöglichkeiten ein. Vor allem in Europa kollidiert die Konstruktion mit Vorschriften zum Fußgängerschutz. Weil wichtige Auslandsmärkte damit schwer zugänglich sind, bleibt Tesla beim Cybertruck stark von amerikanischen Käufern abhängig. Allerdings fällt auch dort die Nachfrage nach elektrischen Pickups geringer aus als ursprünglich erwartet.

Der Automobilanalyst Felipe Munoz sieht die schwachen Verkaufszahlen deshalb als Problem des gesamten Segments. Auch Ford ISIN US3453708600 WKN 502391 und andere Hersteller verzeichnen enttäuschende Ergebnisse.

Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Cox Automotive wurden zwischen Januar und September 2026 lediglich 11.586 Cybertrucks verkauft. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang um 28 %. Auf dem amerikanischen Elektroautomarkt erreichte der Pickup damit einen Anteil von nur 1,6 %.

Teslas Modellpalette folgt neuen Prioritäten

Bereits an anderer Stelle hat Tesla sein Fahrzeugangebot verkleinert. Im Jahr 2026 endete die Produktion der Premiumfahrzeuge Model S und Model X. Zugleich soll der humanoide Roboter Optimus zu einem neuen Geschäftsfeld werden.

Musk setzt für das künftige Wachstum also verstärkt auf künstliche Intelligenz, autonome Mobilität und Robotik. Im traditionellen Elektroautogeschäft wächst unterdessen der Wettbewerbsdruck, insbesondere durch Hersteller aus China. Wie stark Tesla weiterhin von klassischen Elektroautos abhängt, zeigt die Absatzverteilung in den USA. Laut Cox Automotive entfielen im dritten Quartal 69 % der Tesla-Verkäufe auf Model Y und weitere 28 % auf Model 3.

Im Markt für elektrische Nutzfahrzeuge bleibt Tesla ebenfalls vertreten. Im April 2026 begann der Konzern nach Angaben der Financial Times mit der Serienproduktion des elektrischen Schwerlastwagens Semi. Er richtet sich an gewerbliche Transportkunden und bedient damit einen anderen Markt als der Cybertruck.

Cybertruck-Chefingenieur Wes Morrill erklärte auf X, dass die Entwicklungsarbeit an dem Modell im Cybercab fortlebe. Welche Bauteile oder Fertigungsverfahren tatsächlich übernommen werden, ist bislang nicht bekannt.

Offene Rechnung hinter Teslas Fabrikumbau

Für Cybertruck und Cybercab gab Tesla im dritten Quartal in Texas eine eingerichtete Fertigungskapazität von jeweils mehr als 125.000 Fahrzeugen im Jahr an. Beim Pickup steht dieser rechnerischen Größe zuletzt ein wesentlich kleinerer Absatz gegenüber. Tesla weist ausdrücklich darauf hin, dass die tatsächliche Produktionsrate hinter den ausgewiesenen Kapazitäten zurückbleiben kann.

Durch die Umwidmung bestehender Fertigungskapazitäten könnte Tesla den Aufbau zusätzlicher Anlagen vermeiden. Wie teuer die Umstellung wird und wie viele Cybercabs anschließend in Austin produziert werden können, hat der Konzern jedoch noch nicht beziffert.

Die Batterieversorgung begrenzte nach Teslas Angaben im dritten Quartal die Ausweitung der Fahrzeugproduktion insgesamt. Gleichzeitig baut der Konzern die Herstellung eigener 4680-Batteriezellen aus, unter anderem für das Cybercab. Der geplante Produktionsanstieg setzt damit neben umgestellten Fertigungsanlagen auch eine ausreichende Versorgung mit Batteriezellen voraus.

Wirtschaftlich ist zudem ungewiss, in welchem Umfang das Robotaxi-Geschäft den schwachen Pickup-Absatz künftig ersetzen kann. Finanzchef Vaibhav Taneja räumte im Oktober ein, dass Tesla sein Kostenziel von 0,30 USD je bezahlter Robotaxi-Meile noch nicht erreicht hat. Dabei spielen auch die Ausgaben für Flottenorganisation, Abholung und Reinigung eine Rolle.

Für einen großflächigen kommerziellen Betrieb benötigt Tesla Fahrzeuge, die entsprechend eingesetzt werden dürfen und im Alltag genügend zahlende Kunden finden. Die Produktionskapazitäten in Austin könnten schneller wachsen als das eigentliche Fahrdienstgeschäft. Wie stark die Cybertruck-Produktion ab Mitte 2027 tatsächlich zurückgehen soll, hat Musk bislang nicht beziffert.