
Warnsignal aus London: Britische Cyberanalyse zeigt Nachholbedarf bei der Abwehr
Sicherheitsexperten des Nachrichtendienstes GCHQ rechnen bereits in naher Zukunft vermehrt mit KI-Attacken auf Unternehmen und kritische Infrastruktur. Der Schutz alter Systeme wird dringlicher. Integrated Quantum Technologies entwickelt indes Lösungen zur sicheren KI-Nutzung.
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Künstliche Intelligenz dürfte Cyberangriffe bis 2028 deutlich schneller und zahlreicher machen. Das National Cyber Security Centre (NCSC), die Cybersicherheitsbehörde des britischen Nachrichtendienstes GCHQ, rechnet insbesondere bei staatlich gesteuerten Cyberoperationen mit einem regelmäßigen Einsatz der Technologie. Auch eine Attacke mit KI-gestützter Erpressungssoftware auf kritische Infrastruktur in Großbritannien hält die Behörde bis dahin für sehr wahrscheinlich.
Auch die EU-Cybersicherheitsagentur ENISA erwartet laut ihrem Bericht vom September einen zunehmenden Einsatz von KI bei kriminellen Cyberoperationen. Erpressungssoftware bezeichnet sie als die kurzfristig folgenreichste Angriffsmethode in der Europäischen Union.
KI erleichtert Angreifern bereits die Vorarbeit
Bei bekannten Angriffsmethoden setzen Täter KI ein, um Ziele auszuwählen, Softwarelücken aufzuspüren und betrügerische Nachrichten auf einzelne Empfänger zuzuschneiden. Die Technik verkürzt damit Arbeitsschritte, die bislang Zeit und Fachwissen verlangen. Wird ein entdeckter Zugang geschlossen, lässt sich nach NCSC-Einschätzung mit geringem Aufwand nach weiteren Schwachstellen suchen.
Planung und Steuerung solcher Attacken bleiben überwiegend menschlich. Vollständig automatisierte Cyberangriffe sind laut NCSC bislang untypisch. Erfahrene Täter können allerdings wesentlich mehr Versuche in kürzerer Zeit unternehmen und gewonnene Erkenntnisse schneller nutzen.
Einen Eindruck vom Ausmaß der gegenwärtigen Cyberbedrohung vermittelt der am Dienstag vorgelegte Jahresbericht des NCSC. Zwischen September 2025 und August 2026 gingen bei der Behörde 1.831 Meldungen über Cyberangriffe auf britische Organisationen ein. In 337 Fällen unterstützte sie die betroffenen Organisationen bei der Bewältigung der Vorfälle, 80 davon wurden als national bedeutsam eingestuft. Auch erste Einsätze von KI-Werkzeugen hat das NCSC bereits beobachtet. Bislang kamen dabei allerdings bekannte Angriffsmethoden zum Einsatz.
Digitale Angriffe treffen den realen Betrieb
Besonders gefährdet sind Bereiche, deren digitale Systeme physische Prozesse steuern. In Stromnetzen, der Wasserversorgung oder Produktionsanlagen können Eingriffe den Betrieb unterbrechen. Die wirtschaftlichen Folgen reichen häufig über die angegriffene Organisation hinaus.
China besitzt nach Einschätzung des NCSC besonders gute Voraussetzungen, KI für Angriffe auf strategische Ziele einzusetzen. Russland und weitere Staaten dürften ihre Fähigkeiten ebenfalls ausbauen. Kriminelle Gruppen könnten unterdessen ihre Erpressungsangriffe ausweiten, indem sie wiederkehrende Arbeitsschritte zunehmend automatisieren.
Viele technische Anlagen bleiben jahrzehntelang im Einsatz und werden nur zögerlich modernisiert. Sobald solche Systeme an Netzwerke angeschlossen sind, können bekannte Schwachstellen zu Einfallstoren werden. Zugleich schafft der eigene KI-Einsatz in kritischen Einrichtungen nach Einschätzung des NCSC zusätzliche mögliche Angriffspunkte.
Cyberattacken auf Fabriken und Kühlanlagen
Wie teuer ein solcher Stillstand werden kann, zeigte sich bereits 2025 beim britischen Automobilhersteller Jaguar Land Rover. Nach einem Cyberangriff ruhte die Produktion in britischen Werken rund fünf Wochen. Das Cyber Monitoring Centre, eine unabhängige Organisation zur Bewertung wirtschaftlicher Folgen großer Cybervorfälle, bezifferte die modellierten gesamtwirtschaftlichen Schäden auf 1,9 Mrd. GBP (rund 2,6 Mrd. USD). Berücksichtigt wurden auch Folgen für Zulieferer und Autohändler. Die Ausfälle veranschaulichen, welche Schäden Cyberangriffe bereits ohne nachgewiesenen KI-Einsatz verursachen können.
Dass vernetzte Betriebstechnik verwundbar sein kann, zeigte sich Anfang November auch in mehreren europäischen Ländern. Unbekannte manipulierten aus der Ferne Kühlanlagen von Supermärkten, wodurch große Mengen an Lebensmitteln verdarben. In Frankreich waren außerdem Kühllager des französischen Blutspendedienstes betroffen. In letzterem Fall schlugen die Überwachungssysteme rechtzeitig Alarm. Auch hier fanden Fachleute bislang keine Hinweise auf einen KI-Einsatz. Vielmehr nutzten die Täter offenbar bekannte Sicherheitslücken in älteren Steuerungssystemen.
Unternehmen müssen Cyberabwehr dauerhaft finanzieren
NCSC-Chef Richard Horne sieht die Unternehmensführung beim Schutz vor Cyberangriffen in der Verantwortung. Viele Organisationen hätten notwendige Modernisierungen aufgeschoben und grundlegende Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigt, kritisiert er. Er fordert, technische Altlasten abzubauen und die Ausgaben für Sicherheit dauerhaft einzuplanen.
Dazu gehören regelmäßige Softwareaktualisierungen, begrenzte Zugriffsrechte und abgesicherte Verbindungen zu Lieferanten. Technische Anlagen sollten nur dann über das Internet erreichbar sein, wenn es betrieblich erforderlich ist. Im Berichtsjahr erhielten rund 8.500 Organisationen über das Frühwarnsystem des NCSC Hinweise auf möglicherweise kompromittierte Systeme. Derartige Benachrichtigungen sollen helfen, Angriffe frühzeitig einzudämmen.
KI kann zugleich die Verteidigung verbessern. Sie hilft, Schwachstellen früher zu erkennen, Sicherheitsvorfälle schneller auszuwerten und Gegenmaßnahmen zu automatisieren. Gut ausgestattete Unternehmen können davon profitieren, während Betriebe mit veralteter IT und knappen Mitteln weiter zurückfallen könnten. Für die Zeit bis 2028 skizziert das NCSC drei mögliche Entwicklungen. Im Basisszenario nimmt die weltweite Bedrohung durch KI-gestützte Angriffe zu. Im pessimistischen Szenario verbreiten sich entsprechende Angriffsmöglichkeiten schneller, als die britische Cyberabwehr darauf reagieren kann. Ein optimistischer Verlauf setzt dagegen eine langsamere technologische Entwicklung voraus, die Zeit für wirksame Gegenmaßnahmen schafft.
Bei einer Veranstaltung der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times sprach sich am Mittwoch auch der Technologieunternehmer Bill Gates für strengere Sicherheitsvorgaben bei künstlicher Intelligenz aus. Er fordert verbindliche Prüfungen von KI-Modellen und unabhängige Kontrollen, um Missbrauchsmöglichkeiten frühzeitig zu erkennen und einzudämmen. Besondere Risiken sieht er bei frei zugänglichen Modellen, deren Schutzvorkehrungen verändert werden können.
Eine weitere Sicherheitsfrage entsteht innerhalb der Unternehmen. Das NCSC warnt vor Mitarbeitern, die vertrauliche Informationen über private Geräte in nicht genehmigte KI-Anwendungen übertragen. Betriebe verlieren dabei die Kontrolle darüber, wer auf diese Daten zugreifen kann und wie sie verarbeitet werden. Für den Umgang mit solchen Risiken entwickeln Technologieunternehmen neben klassischer Cyberabwehr zunehmend Lösungen, die sensible Informationen unmittelbar beim Einsatz künstlicher Intelligenz schützen sollen.
Von IT-Überwachung zum Schutz sensibler KI-Daten
Zu den Anbietern, die beide Bereiche verbinden wollen, gehört Integrated Quantum Technologies ISIN CA45836R1055 WKN A423XJ. Der kanadische Anbieter von Cybersicherheitsdiensten und KI-Datenschutztechnologien verbindet die Absicherung bestehender IT-Systeme mit eigenen Technologien für den Umgang mit vertraulichen Daten in KI-Anwendungen.
Zum klassischen Angebot gehören Sicherheitsschulungen, Schwachstellenanalysen, fortlaufende Überwachung und betreute Erkennung und Abwehr von Angriffen. Mit SecureGuard360 verfolgt Integrated Quantum Technologies einen Ansatz, bei dem Sicherheitsmeldungen aus verschiedenen bestehenden IT-Schutzprogrammen in einer gemeinsamen Softwareoberfläche zusammengeführt werden sollen. Statt einzelne Werkzeuge getrennt auszuwerten, könnten Sicherheitsteams dort Warnhinweise, erkannte Schwachstellen und Informationen über mögliche Angriffe gebündelt betrachten. Die Plattform soll damit eine bessere Übersicht über die Sicherheitslage der Unternehmens-IT ermöglichen und helfen, dringliche Risiken zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu priorisieren.
Mit der Entwicklung eigener KI-Infrastruktur geht Integrated Quantum Technologies über diese Dienstleistungen hinaus. VEIL ist eine Technologie, die sensible Informationen vor ihrer Verarbeitung durch KI-Modelle in geschützte mathematische Darstellungen überführen soll. Technisch handelt es sich um eine Software, die zwischen Unternehmensdaten und KI-Anwendungen geschaltet werden kann. Sie lässt sich innerhalb der IT-Umgebung des Kunden einsetzen, sowohl auf eigenen Servern als auch in Cloud- und kombinierten Umgebungen. Die Originaldaten verbleiben nach Unternehmensangaben in der Infrastruktur des Kunden. KI-Anwendungen arbeiten stattdessen mit verdichteten Repräsentationen, die relevante Muster für Analysen erhalten sollen. Für VEIL verfolgt das Unternehmen ein nutzungsabhängiges Geschäftsmodell. Ende September nannte es einen Basispreis von rund 0,90 USD je verarbeitetem Gigabyte, abhängig von Datenmenge und Vertragsbedingungen.
VEIL und MASQ begrenzen unterschiedliche Risiken
Bei VEIL steht die Umwandlung sensibler Ausgangsdaten im Mittelpunkt. Herkömmliche Verschlüsselung schützt Informationen in ihrer ursprünglichen Form durch kryptografische Verfahren. VEIL soll dagegen die Daten selbst so umwandeln, dass sich die Ausgangsinformationen aus den Darstellungen nicht rekonstruieren lassen. Integrated Quantum Technologies bezeichnet diese Bauweise als quantenresilient. Sie bietet also Schutz vor künftigen leistungsfähigen Quantencomputern, die bestimmte heute verwendete Verschlüsselungsverfahren gefährden könnten. Die geschützten VEIL-Darstellungen sollen sich auch mit solchen Rechnern nicht in ihre ursprünglichen Daten zurückverwandeln lassen.
Ergänzend entwickelt Integrated Quantum Technologies mit MASQ eine Lösung zur Kontrolle autonomer KI-Systeme. Solche Programme können eigenständig Aufgaben erledigen und dafür auf Unternehmensanwendungen oder externe Werkzeuge zugreifen. MASQ soll festlegen und überwachen, welche Daten und Programme diese Systeme nutzen und welche Aktionen sie ausführen dürfen. Für die Technologie hat das Unternehmen bereits eine vorläufige Patentanmeldung in den USA eingereicht.
Die Sicherheitseigenschaften von VEIL wurden bereits extern untersucht. Das kanadische IT-Sicherheitsunternehmen Forward Security prüfte die technische Architektur und mögliche Risiken der Datenverarbeitung. Bei einem öffentlichen Wettbewerb auf der Plattform Kaggle versuchten Teilnehmer zudem, die ursprünglichen Informationen aus geschützten VEIL-Daten wiederherzustellen. Nach Angaben von Integrated Quantum Technologies gelang ihnen dies nicht vollständig.
Erste Praxistests und Einsatz auf Datenplattformen
Seit Juni ist VEIL als Anwendung auf der Datenplattform des US-amerikanischen Anbieters Snowflake ISIN US8334451098 WKN A2QB38 verfügbar. Auf diese Weise soll sich die Technik direkt dort einsetzen lassen, wo Unternehmen Daten für KI-Anwendungen verarbeiten.
Einen ersten Kundenversuch zur Geschwindigkeit und Ergebnisqualität von VEIL schloss Integrated Quantum Technologies im September mit Pivotly, einem KI-Softwareanbieter für die Auswertung von Bauplänen, ab. Bei dessen Anwendung sank die Bearbeitungszeit nach gemeinsam veröffentlichten Messungen von Stunden auf meist drei bis fünf Sekunden. Zugleich verbesserte sich die Modellleistung bei der untersuchten Aufgabe um rund fünf bis acht Prozentpunkte.
Finanzbranche und US-Behörden als weitere Zielgruppen
Ende Oktober unterzeichnete Integrated Quantum Technologies eine Pilotvereinbarung mit Inverite Insights ISIN CA46125M2031 WKN A41A0V, einem kanadischen Anbieter von Finanzdaten und Risikobewertungen. VEIL soll in die bestehende Infrastruktur für KI-gestützte Risikoanalysen integriert werden. Die Partner wollen prüfen, ob sich vertrauliche Verbraucherinformationen nutzen lassen, ohne Originaldatensätze für die KI-Verarbeitung offenzulegen.
Für den Vertrieb gründete Integrated Quantum Technologies im Oktober eine US-Tochtergesellschaft und schloss mit dem Technologieberater ARMI Solutions eine nicht exklusive Vertriebs- und Vermittlungspartnerschaft. Über diesen Weg sollen vor allem Behörden, Regierungsauftragnehmer und größere Unternehmen in den USA angesprochen werden.
Mit der zunehmenden Verbreitung künstlicher Intelligenz steigen auch die Anforderungen an die digitale Sicherheit. Neben der Abwehr von Cyberangriffen gewinnt der Schutz sensibler Daten bei der KI-Nutzung an Bedeutung. Unternehmen wie Integrated Quantum Technologies entwickeln dafür Technologien und positionieren sich in einem zunehmend wichtigen Markt für IT- und KI-Sicherheit.
