
Investor Woche: Hawkishe Fed erhöht Zinsen, Exxon vor Venezuela-Comeback, Berkshire befördert Howard Buffett, QMines kauft Explorationsland, PTX bohrt bei W2 wieder
Die Fed erhöht die Zinsen, die BoJ zieht nach. Virtuix gewinnt das US-Veteranenministerium als Kunden. OpenAI arbeitet an einer Finanzierungsrunde mit 1,2-Billionen-Bewertung. Lucid und Bolt planen 25.000 Robotaxis in Europa. Bilfinger Berger enttäuscht mit schwachem Ausblick. Steht Nike vor dem Turnaround?
Lesezeit 11 min
Marktentwicklung
Steigende Bondrenditen, steigende Ölpreise und wachsende Sorgen um KI-Sicherheitsrisiken prägten die Handelswoche. Der DAX gab leicht nach, S&P 500 und NASDAQ-100 legten leicht zu. Gold hält auf Wochensicht die Marke von 4.300 USD.
Top-Meldungen
Hawkishe Fed erhöht Zinsen
Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch zum ersten Mal seit drei Jahren die Zinssätze angehoben. Die einstimmig beschlossene Erhöhung hebt den Leitzins um einen Viertelpunkt auf 3,75 % bis 4 % an. Der Vorsitzende Kevin Warsh hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Mai versprochen, die seit nunmehr sechs Jahren andauernde Überschreitung des 2-Prozent-Ziels der Fed zu beenden. "Die heutigen Maßnahmen zeigen, dass wir es ernst meinen", sagte Warsh.
Yen trotz BoJ-Zinserhöhung unter Druck
Der geldpolitische Ausschuss der Bank von Japan (BoJ) stimmte am Freitag mit 7 zu 2 Stimmen für eine Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte, wodurch der Zielzins auf etwa 1,25 % angehoben wird. Das entspricht dem höchsten Wert seit 31 Jahren. Dennoch gab der Yen nach. Der Grund: Zweifel an der Bereitschaft Japans zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik.
Virtuix verkauft Omni-One-System an US-Kriegsveteranenministerium
Virtuix Holdings ISIN US92835U1016 WKN A41H19 hat das KI-gestützte Ganzkörper-Simulationssystem Omni-One an das U.S. Department of Veterans Affairs verkauft. Die Systeme werden im Valor Center des VA Medical Center in Detroit, Michigan, eingerichtet, um dort evaluiert und potenziell in therapeutischen Anwendungen sowie ganzheitlichen Gesundheitsprogrammen eingesetzt zu werden. "Der erste Einsatz führt Omni One in das größte integrierte Gesundheitssystem der Nation ein und stellt einen wichtigen Meilenstein für die Expansion von Virtuix in den Gesundheits- und Therapiebereich dar", kommentiert das Unternehmen in der Mitteilung.
Exxon verhandelt über Rückgabe venezolanischer Ölfelder
ExxonMobil ISIN US30233Q1085 WKN A426ZY verhandelt mit der venezolanischen Regierung über eine Rückkehr in das Land. Firmenvertreter flogen Medienberichten zufolge am Dienstagabend nach Caracas, um dort über den Zugang zu mehreren Feldern mit Schweröl-Vorkommen zu verhandeln. Der Konzern will demnach die Kontrolle über seine zwei früheren großen Felder im Orinoco-Gürtel zurückgewinnen – Petrovictoria und Petromonagas. Diese waren vor Jahrzehnten unter dem damaligen Präsidenten Hugo Chávez verstaatlicht worden. Zusätzlich will sich der Konzern den Berichten zufolge die Rechte an zwei weiteren Feldern in der nahegelegenen Region Carabobo sichern.
QMines erweitert Mt Chalmers um weitere Lagerstätte
QMines ISIN AU0000141533 WKN A2QSAM hat zwei strategische Grundstücke bei Mt Chalmers in Queensland erworben und dadurch den Zugang zum Gelände der Lagerstätte Botos wesentlich verbessert. Der Explorer will Botos nun als zusätzliche Erzquelle für den geplanten Verarbeitungs-Hub in Mt Chalmers bewerten.
Die Lagerstätte weist derzeit ein Explorationsziel von 1,5–2,5 Mio. t bei 0,5–0,8 g/t Au, 0,1–0,2 % Cu und 1,1–1,4 % Zn bei einem Cut-off-Gehalt von 0,5 g/t Au auf. Historische Bohrungen ergaben unter anderem 33 m mit 0,80 g/t Au, 0,16 % Cu, 1,82 % Zn, 0,93 % Pb und 47 g/t Ag ab 75 m.
Ein Bohrprogramm mit neun Bohrlöchern über 1.500 m läuft derzeit. Es stellt die erste systematische, moderne Erprobung von Botos dar.
Berkshire Hathaway ernennt Howard Buffett zum Chairman
Warren Buffett tritt als Vorsitzender von Berkshire Hathaway ISIN US0846707026 WKN A0YJQ2 zurück. Dies teilte er in einem Brief an Investoren mit. Er werde dem Aufsichtsrat erhalten bleiben und Ehrenvorsitzender werden, erklärte er. Seine Nachfolge übernimmt sein Sohn Howard Buffett mit sofortiger Wirkung. Howard ist seit 1993 Mitglied des Aufsichtsrates.
PTX Metals nimmt Bohrungen bei W2 wieder auf
PTX Metals ISIN CA69380V2057 WKN A40KHN hat das 5.000 Meter umfassende Diamantbohrprogramm im bisher wenig erforschten zentralen Bereich des W2-Kupfer-Nickel-PGE-Projekts wieder aufgenommen. Die Bohrungen waren aufgrund der Einbindung der First Nations zeitweise unterbrochen worden.
"W2 schreitet voran, sowohl im Feld als auch durch die Beziehungen, die wir uns hart erarbeitet haben", sagte Greg Ferron, Präsident und CEO von PTX Metals. "Unsere nächste Explorationsphase ist ein wichtiger Schritt, um eines der strategisch günstigsten Kupfer-Nickel-PGE-Projekte am Eingang zum Pazifischen Feuerring weiter voranzutreiben."
OpenAI denkt über Finanzierungsrunde mit 1,2-Billionen-USD-Bewertung nach
Inmitten der Diskussion um eklatante Sicherheitsrisiken der KI hat OpenAI einem FT-Bericht zufolge erste Gespräche mit Investoren über die Durchführung einer weiteren privaten Finanzierungsrunde mit einer Bewertung von 1,2 Bill. USD im Vorfeld des nun für 2027 geplanten Börsengangs geführt. Zuletzt waren im März 122 Mrd. USD bei einer Bewertung von 852 Mrd. USD eingesammelt worden.
Lucid und Bolt planen 25.000 Robotaxis in Europa
Der US-Elektroautobauer Lucid Group ISIN US5494982029 WKN A41FLM und die europäische Mobilitätsplattform Bolt kooperieren bei Robotaxis in Europa: Bolt plant laut einer Mitteilung den Einsatz von 25.000 vollautonomen Lucid-Taxis in europäischen Metropolen. Die Fahrzeuge sollen den Plänen zufolge auf einer künftigen Mittelklasse-Plattform von Lucid basieren und die "Hyperion"-Architektur für autonomes Fahren des Chipkonzerns Nvidia nutzen.
Bilfinger Berger mit schwachem Ausblick und 1.500 Stellenstreichungen
Bilfinger Berger ISIN DE0005909006 WKN 590900 senkte die Prognose für 2026 und erwartet nun einen Umsatz zwischen 5,3 und 5,7 Mrd. EUR nach zuvor 5,4 bis 5,9 Mrd. EUR. Die EBITDA-Marge wird nun auf 4,6 bis 5,0 nach zuvor 5,8 bis 6,2 % taxiert. Das Unternehmen kündigte außerdem an, im Rahmen der Initiative "Program Agile" weltweit bis zu 1.500 Stellen abzubauen. Dadurch sollen jährlich 75 Mio. EUR eingespart werden.
Unter der Lupe
Nike: Nimmt der Ausverkauf bald ein Ende?
Der Aktienkurs von Nike ISIN US6541061031 WKN 866993 gehörte in den letzten knapp fünf Jahren zu den prominentesten Dauerflops am Aktienmarkt. Kostete das Papier Ende 2021 noch rund 175 USD, werden aktuell nur noch gut 36 USD gezahlt. Aus technischer Sicht zeigt sich ein bestens intakter Abwärtstrend.
Nimmt die Talfahrt bald ein Ende? Zumindest ein Blick auf die Bewertung macht Hoffnung. Das aktuelle Kurs-Cashflow-Verhältnis liegt bei 11,85 und damit weit unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 22,56. Das KBV erreicht mit 3,63 nicht einmal die Hälfte des langfristigen Durchschnitts (8,66), das Forward-KGV liegt bei 21,14. Die zukunftsgerichtete Dividendenrendite liegt bei 4,51 %.
Was hat den Kurssturz verursacht? Als zentrale Probleme des Sportartikelherstellers gelten eine schwache Produktentwicklung, eine geringe Nachfrage nach Sportbekleidung und angespannte Beziehungen zu Großhandelskunden.
Morningstar-Analyst David Swartz ist "überzeugt, dass sich das Unternehmen von seinen jüngsten Problemen erholen wird". Im Rahmen seiner "Win Now"-Strategie konzentriere sich Nike verstärkt auf seine wichtigsten Partner, seine Produkte und seine Verbindungen zur internationalen Sportwelt. Dies habe die Abhängigkeit von Einzelhändlern mit undifferenziertem Angebot reduziert und Partnerschaften mit strategisch besser geeigneten Händlern gestärkt. Dieser Prozess habe jedoch Umsätze bei Stammkunden gekostet.
Das Unternehmen gehe jedoch vom weitgehenden Abschluss der "Win Now"-Strategie bis zum Jahresende aus und könne 2027 "zahlreiche innovative Produkte" auf den Markt bringen. Gleichzeitig seien die Schwierigkeiten in China aufgrund der Marktexpansion durch Wohlstandszuwachs und staatliche Investitionen in den Sport beherrschbar.
Morningstar sieht den fairen Wert der Nike-Aktie deshalb bei 94 USD, was eine aktuell starke Unterbewertung impliziert. Weniger optimistisch sind die durch das Wall Street Journal befragten Analysten, die das Kursziel im Median auf 45 USD taxieren. Es gibt neun Kaufempfehlungen bei 3× Overweight, 26× Hold und 5× Sell.
Was folgt daraus für Anleger? Die Aktie wird seit Jahren verprügelt und ist definitiv "out", was durch ein aktuelles Short Interest von knapp 6,5 % der umlaufenden Aktien bestätigt wird. Bessern sich Zahlen und Nachrichtenlage, kann die günstige Bewertung jedoch rasch Käufer auf den Plan rufen. Wer an den fundamentalen Turnaround glaubt, wartet mit dem Einstieg bis zur technischen Bodenbildung.
Grafik der Woche
Chinas Notenbank kauft mehr Gold als offiziell verlautbart
Die chinesische PBoC hat laut Schätzungen von Goldman Sachs im Juli am Londoner OTC-Markt mehr als 35 Tonnen Gold zugekauft. Daten der Investmentbank zufolge handelt es sich um den drittgrößten monatlichen Zukauf seit Mitte 2025. Gemeldet hat die Notenbank für Juli lediglich 20 Tonnen und damit einen Bruchteil ihrer tatsächlichen Aktivitäten.
Die chinesischen Goldkäufe für Mai und Juni schätzt Goldman Sachs auf 48 bzw. 40 Tonnen, womit sich die Käufe der letzten drei Monate auf 123 Tonnen summieren. Gemeldet hat die PBoC lediglich einen Zuwachs von 80 Tonnen – und zwar für die ersten acht Monate des Jahres insgesamt.
Goldman Sachs berechnet die Käufe aus Zoll- und Tresordaten. So gelten UK-Exporte großer 400-Unzen-Barren nach China als Hinweis auf Käufe durch offizielle Stellen. Die jüngste Aktivität deutet darauf hin, dass die PBoC die Konsolidierung am Goldmarkt als Einstiegschance betrachtet.

Fun Fact
Amazon patentierte ein fliegendes Lager – vor zehn Jahren
Bereits im Jahr 2016 meldete Amazon ein Patent für ein fliegendes Lager an. Das Lager sollte mit Drohnenflotten ausgestattet sein, die Waren in kürzester Zeit an verschiedene Standorte liefern. Das Patent sieht außerdem eine Reihe von Unterstützungsfahrzeugen vor, die zum Nachfüllen der fliegenden Strukturen eingesetzt werden sollen. In den Dokumenten, in denen das Vorhaben detailliert beschrieben wird, erklärte Amazon, dass die Kombination aus Drohnen und fliegenden Lagern oder "luftgestützten Logistikzentren" Waren wesentlich schneller liefern würde als die in den bodengebundenen Lagern stationierten.




