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Rechenkraft im VerbundHuawei verschärft mit neuen KI-Chips den Druck auf Nvidia

US-Exportkontrollen begrenzen Chinas Zugang zu Spitzentechnik und erhöhen den Wert leistungsfähiger heimischer KI-Systeme. Huawei setzt dafür auf große Verbundsysteme, während Nvidia mit seinem etablierten Ökosystem einen wichtigen Vorteil bei der Software behält.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: Huawei

Mit zwei neuen KI-Prozessoren für 2027 baut Huawei sein Geschäft mit Rechenleistung für künstliche Intelligenz weiter aus. Das Modell Ascend 960DT soll im ersten Quartal erscheinen, der Ascend 960PR im dritten. David Wang, der seit April 2026 im turnusmäßig halbjährlich wechselnden Vorsitz amtiert, kündigte die Pläne bei einer Huawei-Veranstaltung in Shanghai an. Damit fordert der chinesische Technologiekonzern den US-Chipkonzern Nvidia ISIN US67066G1040 WKN 918422 als etablierten Marktführer heraus.

Mit der Bekanntgabe zieht Huawei beide Termine gegenüber seiner bisherigen Planung vor. Noch im September 2025 hatte der Konzern den Ascend 960 allgemein erst für das vierte Quartal 2027 angekündigt. Der 960PR kommt laut aktuellem Fahrplan nun ein Quartal früher als vorgesehen.

Rechenleistung entsteht im Verbund

Moderne KI-Anwendungen benötigen häufig mehr Rechenkraft, als ein einzelner Prozessor liefern kann. Für Huawei entscheidet sich damit der Wettbewerb unter anderem dadurch, wie leistungsfähig die einzelnen Recheneinheiten zusammenarbeiten. Der Konzern arbeitet daran, sehr viele KI-Chips zu einem gemeinsamen Rechensystem zu verbinden. UnifiedBus, Huaweis Hochgeschwindigkeitsprotokoll zur Verbindung von Prozessoren, Speicher und Netzwerktechnik, soll einen schnellen Datenaustausch ermöglichen. Laut Huawei entfallen in herkömmlichen Clustern mit 100.000 KI-Beschleunigern mehr als 40 % der Trainingszeit auf interne Kommunikation.

Wang zufolge bildet UnifiedBus eine Schlüsselverbindung für die nächste Generation großer KI-Systeme. Huawei hat nach eigenen Angaben elf Halbleiter entwickelt, die auf dieser Technik basieren. Die größten Verbundsysteme nennt der Konzern Supercluster. Sie sollen nach Wangs Angaben bis zu eine Million KI-Prozessoren unterstützen.

Kleinere gekoppelte Systeme bezeichnet Huawei als Supernodes. Mehr als 1.000 davon seien bereits an mehr als 370 Kunden ausgeliefert worden, sagte Wang, machte aber keine Angaben dazu, wie viele Chips ein einzelner Supernode verbindet. Auch Kundennamen und eine Aufschlüsselung der Auslieferungen nannte er nicht.

Exportkontrollen prägen Chinas KI-Strategie

Der technische Ansatz hat auch eine geopolitische Ursache. China und die USA konkurrieren um Chips, Rechenzentren und Software, die für KI-Anwendungen entscheidend sind.

Seit Oktober 2022 beschränken die USA mit Exportkontrollen Chinas Zugang zu bestimmten fortschrittlichen Rechenchips und Anlagen für die Halbleiterfertigung. Im Oktober 2023 wurden die Regeln ausgeweitet. Unter bestimmten Voraussetzungen erfassen sie auch außerhalb der USA hergestellte Güter, die US-Technologie nutzen. Chinesische Unternehmen und politische Entscheidungsträger bauen deshalb verstärkt heimische Alternativen aus.

Seit Januar 2026 prüft das US-Handelsministerium Ausfuhranträge für Nvidias H200 und vergleichbare Chips nach China allerdings fallweise. Das ist eine begrenzte Lockerung: Zuvor galt für diese Chips grundsätzlich eine Ablehnungsvermutung. Genehmigungen setzen unter anderem Compliance-Verfahren beim Käufer und eine unabhängige Prüfung der Chips in den USA voraus.

Der Zugang bleibt damit eingeschränkt, ist aber nicht für sämtliche fortschrittlichen Prozessoren vollständig versperrt. Für chinesische Technologieunternehmen gewinnt die Verbindung vieler verfügbarer Chips dennoch an Bedeutung.

Fehlt der freie Zugriff auf Spitzenprozessoren, lässt sich Rechenkraft durch größere Verbünde lokal verfügbarer Chips erhöhen. Dieser Ansatz setzt allerdings voraus, dass die Prozessoren Informationen schnell genug austauschen können.

Nvidias Softwarevorsprung bleibt groß

Die US-Exportkontrollen haben Huawei zugleich den Aufstieg zu einem wichtigen chinesischen Anbieter von KI-Chips erleichtert. Sie erschweren chinesischen Kunden den Zugang zu bestimmten Nvidia-Chips und geben heimischen Alternativen dadurch mehr Raum. International trifft Huawei jedoch auf einen tief verankerten Wettbewerber. Nvidia selbst erklärte in einem Pflichtbericht, der weitgehende Ausschluss vom chinesischen Markt für Rechenzentren habe Wettbewerbern geholfen, größere Entwickler- und Kundenökosysteme aufzubauen.

Nvidias Hard- und Software werden von Entwicklern weltweit breit genutzt. Dieser Vorsprung macht CUDA zu einem zentralen Teil von Huaweis Herausforderung. Die Plattform und das Programmiermodell dienen parallelen Berechnungen auf Grafikprozessoren. Nvidia bezifferte die eigene Entwicklerbasis in einem Unternehmensbericht auf mehr als sechs Millionen Entwickler und 40.000 Unternehmen. Huawei wiederum nennt für sein KI-Chip-Angebot 5.270 monatlich aktive Entwickler. Eine breite Entwicklerbasis ist wichtig, damit sich neue Hardware leichter einsetzen lässt.

Huawei will die Ascend-Reihe künftig im Jahresrhythmus erneuern. Für 2028 ist der Ascend 970 vorgesehen, für 2029 der Ascend 980. Der jährliche Rhythmus und die größeren Verbundsysteme verschieben Huaweis Aufholjagd stärker auf die Systemebene. Wie weit der Konzern damit kommt, wird sich auch an der Entwicklung seiner aktiven Entwicklerbasis ablesen lassen.