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Fahrerlos zur FilialeLidl startet autonomen E-Lkw-Test auf öffentlichen Straßen

Im Pilotbetrieb soll sich zeigen, ob autonome Lieferfahrten in die Logistik von Lidl passen. Gelingt der Versuch, will der Discounter das Konzept ausweiten. Technikpartner Einride führt in den USA und Europa bereits autonome Lieferungen mit realen Transportmengen nach festen Zeitplänen durch.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Lidl

Der Discounter Lidl setzt in Hessen einen kabinenlosen Elektro-Lkw ohne Fahrer für die Belieferung einer Filiale ein. Das Fahrzeug fährt im Testbetrieb auf öffentlichen Straßen zwischen seinem Verteilzentrum in Edermünde bei Kassel und einer nahegelegenen Filiale. Vier Monate lang soll der Versuch zeigen, ob autonome Transporte in den eng getakteten Handelsalltag passen. Vorgestellt wurde das Projekt auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover.

Autonomer Lieferverkehr beginnt im kleinen Maßstab

Zum Einsatz kommt ein Fahrzeug von Einride ISIN US28256A1097 WKN A426XG, einem schwedischen Anbieter autonomer und elektrischer Frachttechnik. Das Fahrzeug entspricht nach der Klassifizierung der internationalen Ingenieursorganisation SAE International der Automatisierungsstufe 4. In einem festgelegten Einsatzbereich übernimmt es die Fahraufgabe vollständig selbst und benötigt weder Fahrer noch Sicherheitsfahrer an Bord. Nach deutschem Recht ist dennoch ein Mensch als technische Aufsicht erforderlich, der den autonomen Betrieb von einer Leitstelle aus betreut. Er muss die Fahrt nicht permanent überwachen, kann aber bei Bedarf Fahrmanöver freigeben oder die autonome Fahrfunktion deaktivieren.

Die Strecke führt vom Lidl-Verteilzentrum in Edermünde zu einer nahegelegenen Filiale. Auf dieser Verbindung übernimmt das Fahrzeug die Belieferung mit ungekühlten Waren vollständig. Der Lkw hat eine Ladefläche mit Platz für 15 Europaletten und fährt bis zu dreimal täglich. Über die vier Monate kann der Lkw nach Unternehmensangaben rechnerisch mehr als 3.000 Paletten bewegen.

Level 4 ohne Fahrer an Bord

Für den Einsatz auf öffentlichen Straßen liegt die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts vor. Lidl spricht von einer Premiere im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Nach Unternehmensangaben ist erstmals ein solcher Lkw zur Filialbelieferung im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs.

In anderen Einsatzformen gibt es in Deutschland bereits autonome Fahrzeuge auf der Straße. Beim Projekt KIRA fahren autonome Shuttles der Stufe 4 in Darmstadt sowie in Langen und Egelsbach im Kreis Offenbach. MOIA erprobt in Hamburg autonome Sammeltaxis im sogenannten Ridepooling, bei dem Fahrgäste mit ähnlichen Strecken gemeinsam befördert werden. Bei KIRA und MOIA sind in der Testphase, anders als bei Lidl, Sicherheitsfahrer an Bord.

Von Kurzrouten zum Liefernetz

Ein weiterer möglicher Nutzen autonomer Transporte liegt in einer verlässlicheren Personalplanung. Lidl und Einride nennen den Fahrermangel ausdrücklich als eine der Herausforderungen, auf die das Projekt zielt. Wie groß der Engpass inzwischen ist, zeigt eine Erhebung des Straßentransportverbands International Road Transport Union (IRU). Demnach waren 2025 in Europa rund 502.000 Lkw-Fahrerstellen unbesetzt, etwa 13 % des Bedarfs. Rund zwei Drittel der befragten Transportunternehmen gaben an, wegen fehlender Fahrer bereits neue Aufträge abgelehnt zu haben.

Verläuft der erste Praxistest erfolgreich, will Lidl das Konzept an einem anderen Standort auf mehrere Stopps ausweiten. Statt zwischen zwei Punkten zu pendeln, würde der Lkw dann mehrere Stationen auf einer Tour bedienen. Weitere Einsätze in anderen Bereichen des Lidl-Mutterkonzerns Schwarz Gruppe werden nach Angaben von Reuters ebenfalls diskutiert.

Die mögliche Größenordnung ergibt sich aus Lidls dichtem Netz. In Deutschland betreibt der Discounter 39 Verwaltungs- und Warenverteilzentren sowie mehr als 3.250 Filialen. Dadurch bestehen viele wiederkehrende Transportbeziehungen, die grundsätzlich für standardisierte Abläufe infrage kommen.

Der Pilotversuch ist räumlich eng begrenzt und stellt andere Anforderungen als wechselnde Fernverkehrsverbindungen oder komplexe Touren mit zahlreichen Kunden. Zunächst zählt, ob der fahrerlose Lkw die täglichen Lieferungen zuverlässig in bestehende Abläufe einfügt.