
Investor Woche: BoJ erhöht Zinsen auf 1 %, Yen vor 40-Jahres-Tief, Warsh will Greenspan zurückdrehen, Siemens Energy plant Abspaltung, Evonik baut Stellen ab, QMines entdeckt neue Bohrziele
Die BoJ hat den Leitzins auf den höchsten Stand seit 1995 erhöht, während SNB und BoE untätig blieben und Kevin Warsh zum Einstand bei der Fed Reformen ankündigte. Siemens Energy rechnet eine Abspaltung durch, Evonik trennt sich von Mitarbeitern und dem Polyester-Geschäft, Arctic Minerals startet ein Genehmigungsprogramm, Holcim schließt die Xella-Übernahme ab und QMines definiert neue Bohrziele.
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Marktentwicklung
Der DAX bewegt sich auf Wochensicht wenig, S&P 500 und vor allem NASDAQ-100 können deutlich zulegen. Die Gegenbewegung bei Gold und Silber dagegen scheint bereits beendet, beide Metalle stehen unter Druck. Der Ölpreis gab infolge der erhofften Einigung am Persischen Golf zweistellig nach.
Bank of Japan erhöht Leitzins erstmals seit 1995 auf 1 %
Die Bank of Japan (BoJ) hat den Leitzins erstmals seit 1995 auf 1 % erhöht. Die Erhöhung um 25 Basispunkte entspricht den Erwartungen der Märkte. Die Notenbanker signalisierten weitere Zinsschritte im Sinne eines "Normalisierungsprozesses" der Geldpolitik. Allerdings soll das Volumen der monatlichen Anleihekäufe ab April 2027 nicht weiter reduziert, sondern bei 2 Billionen Yen belassen werden.
Bank of England und SNB lassen Zinsen unverändert
Die Bank of England (BoE) und die eidgenössische Notenbank SNB haben ihre jeweiligen Leitzinsen in dieser Woche unangetastet gelassen. Die SNB hält den Zins bei 0 % – und verweist auf die mit 0,6 % immer noch geringe Inflation und die deflationär wirkende Stärke des Franken. Eine Zinserhöhung im kommenden Jahr bleibt aber möglich.
Die BoE belässt den Zins bei 3,75 % und wartet ab, wie stark sich die Folgen des Iran-Kriegs in der Inflation niederschlagen. "Ein Zinsschritt nach oben scheint dabei ein kleines Stück näher gerückt, da zwei der neun MPC-Mitglieder für eine Anhebung des Leitzinses um 25 Bp votiert haben", sagt LBBW-Analyst Elmar Völker.
Kevin Warsh gibt Einstand bei der Fed
Der neue Fed-Chef Kevin Warsh gab seinen Einstand. Der Leitzins blieb zunächst unverändert: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im zweiten Halbjahr gilt unter Warsh allerdings als gestiegen. Warsh will eine Reihe von Reformen durchsetzen und insbesondere die unter Alan Greenspan einst eingeleitete offene Kommunikationspolitik verändern.
Siemens Energy plant Abspaltung
Siemens Energy DE000ENER6Y0ENER6Y rechnet Medienberichten zufolge eine Abspaltung der Einheit "Transformation of Industry", die Energieinfrastruktur für die Industrie anbietet, durch. Die Sparte produziert etwa Kompressoren für die Ölindustrie und Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff. Im Geschäftsjahr 2024/25 (30. September) hatte "Transformation of Industry" als kleinster der vier Geschäftsbereiche 5,7 Mrd. EUR Umsatz erzielt. Die operative Rendite vor Sondereffekten lag bei 7,4 % und damit niedriger als bei Gasturbinen und Stromübertragungstechnik.
Evonik baut 3.200 Stellen ab und trennt sich von Polyester-Geschäft
Evonik DE000EVNK013EVNK01 verschärft angesichts der Branchenkrise sein Sparprogramm und baut Stellen ab. Insgesamt sollen bis Ende 2029 rund 3.200 Arbeitsplätze wegfallen, 2.150 davon in Deutschland. Außerdem ist für 2027 der Ausstieg aus dem defizitären Polyester-Geschäft vorgesehen. "Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach", begründete Konzernchef Christian Kullmann die Pläne.
Arctic Minerals kommt Genehmigung für Kupfer-Silber-Projekt näher
Der Metallexplorer Arctic Minerals SE0024172779A411LJ meldete den Beginn eines Genehmigungsprogramms für das Kupfer-Silber-Projekt Hennes Bay in Schweden. Das Unternehmen sieht sich damit der Einreichung eines Antrags auf eine Abbaugenehmigung bei der schwedischen Bergaufsichtsbehörde einen Schritt näher gekommen.
Das Genehmigungsprogramm umfasst umfangreiche Umweltgrundlagenstudien, die als Grundlage für eine Umweltverträglichkeitsprüfung zur Unterstützung des EU-Antrags dienen sollen; die Einreichung ist für Ende 2027 geplant. Die Arbeitspakete Stakeholder-Einbindung, PEA, Ressourcenerweiterung und regionale Exploration laufen parallel weiter.
QMines mit neuen Bohrzielen bei Goldprojekt in Australien
QMines AU0000141533A2QSAM berichtet über eine neue strukturelle Interpretation für das Kupfer- und Goldprojekt Mt Chalmers 20 km nordöstlich von Rockhampton in Queensland. Eine Auswertung hat einen strukturellen Korridor mit NNE-Streichung identifiziert, der die mineralisierten Zentren Botos, Mt Chalmers und Woods Shaft miteinander verbindet. Die Interpretation stützt ein Explorationsmodell im größeren Korridormaßstab. Der Korridor zwischen den bekannten Lagerstätten ist bislang weitgehend unerschlossen.
Holcim vollendet Übernahme von Xella
Der Schweizer Baustoffkonzern Holcim CH0012214059869898 hat die 1,85 Mrd. EUR schwere Übernahme des deutschen Baustoffherstellers Xella abgeschlossen. Zu Xella gehören unter anderem Baustoffmarken wie Ytong, Hebel, Silka und Multipor. „Wir glauben, dass sich der Markt in den nächsten fünf bis zehn Jahren erholen wird. Deshalb investieren wir jetzt“, sagte Konzernchef Gutovic.
Unter der Lupe
PepsiCo: Hohe Dividende, niedriges KGV
Eine Forward-Dividendenrendite von 4,17 %, ein Forward-KGV von 16,5 (5-Jahres-Durchschnitt: 21): Die Aktie von PepsiCo US7134481081851995, immerhin Mitglied des erlauchten Clubs der Dividendenkönige (um als Dividendenkönig zu gelten, muss ein Unternehmen seine Dividende 50 Jahre in Folge oder länger erhöhen), scheint günstig bewertet.
Morningstar-Analyst Kristoffer Inton sieht einen breiten ökonomischen Burggraben und geht davon aus, dass dieser auch in Zukunft Bestand haben wird. Und damit nicht genug: Weiteres Wachstum ist mit Getränken und darüber hinaus absehbar. „So sehen wir beispielsweise Pepsis Snack-Sortiment bestens positioniert, um seinen Marktanteil durch die Nutzung seiner unübertroffenen Markenbekanntheit, seiner operativen Größe und seiner engen Beziehungen zum Einzelhandel weiter auszubauen. Im Getränkebereich prüft das Unternehmen verschiedene Optionen, von neuen Eigenmarken bis hin zu Markenlizenzen von führenden Drittanbietern, um seine Absatzpräsenz im Segment der kohlensäurefreien Getränke zu erweitern.“
Ein Blick auf den Chart wirft allerdings Fragen auf. 2023 wurde der seit 2009 laufende langfristige Aufwärtstrend gebrochen. Eine Rückkehr in den Trend erfolgte bislang nicht, die Gegenbewegung zur Korrektur fiel eher schwach und kurz aus.
"Das Wachstum stagnierte in den letzten zwei Jahren", sagt Inton. Er führt dies auf die schwache Performance des nordamerikanischen Snackgeschäfts und Kosteninflation zurück, wodurch das stetige organische Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich mehr als kompensiert worden sei.
PepsiCo habe deshalb gesundheitsorientierte Produktinnovationen, höhere Investitionen in attraktive Angebote und digitales Marketing zur besseren Kundenbindung priorisiert und gleichzeitig sein Portfolio gestrafft. "Der strategische Fahrplan erscheint schlüssig, doch wir gehen davon aus, dass die Umsetzung entscheidend für die Trendwende sein wird und die Initiativen Zeit brauchen." Morningstar sieht den fairen Wert der Aktie bei 169 USD (aktueller Kurs: 142 USD).
Auch eine Analyse von SeekingAlpha sieht das Unternehmen positiv: PepsiCo "übertrifft die Gewinnerwartungen, weist eine solide Bilanz auf und passt seine Wachstumsstrategie an, um die gesundheitsbewussten Konsumenten von morgen zu gewinnen."
Bei den durch das Wall Street Journal befragten Analysten ergibt sich ein gemischtes Bild. Für die kommenden Jahre werden moderat steigende Gewinne erwartet: Von 8,64 USD pro Aktie in diesem Jahr auf 9,65 USD im Jahr 2028. Das Kursziel der Analysten liegt im Median bei 173 USD. Allerdings gibt es nur sieben Kaufempfehlungen – bei 3× Overweight, 14× Hold und 1× Sell.
Grafik der Woche
Der Yen ist so schwach wie seit 40 Jahren nicht
Der japanische Yen steht kurz vor einem 40-Jahres-Tief: Noch ein minimaler Anstieg des Wechselkurses aus USD-Sicht, und JPY ist so günstig zu haben wie seit 1986 nicht mehr, als Argentinien in Mexiko den WM-Titel errang und Diego Maradona für die "Hand Gottes" berühmt wurde. Auch die Zinserhöhung der BoJ, die den maßgeblichen Zins auf 1 % und damit auf das höchste Niveau seit 1995 angehoben hat, half noch nicht gegen die Abwertung. Zuletzt hatte die BoJ am 30. April mit 5,4 Billionen Yen am Devisenmarkt interveniert – doch der Kurs stieg wieder über die als kritisch geltende Marke von 160 an.

Was sind die Ursachen der Yen-Abwertung? Zuvorderst steht hier die erhebliche Zinsdifferenz zwischen Japan und anderen großen Wirtschaftsräumen wie den USA oder der Eurozone. Zum anderen – und dies ist vielleicht der wichtigere Punkt – ist das Bestreben in Japan zur Stärkung der eigenen Währung begrenzt.
Die Bank of Japan (BoJ) weicht nur sehr vorsichtig von ihrer Nullzinspolitik ab. Grund dafür ist die enorme Staatsverschuldung des Landes: Höhere Zinsen würden die Kosten für die Bedienung der Staatsschulden drastisch in die Höhe treiben.
"Eine Aufwertung des Yen reduziert zudem den Wert der riesigen Dollarvermögen von Finanzministerium, Banken und Pensionskassen, gerechnet in Yen", sagt Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. Nicht zuletzt stimuliert ein schwacher Yen die Exporte in andere Länder. Angesichts einer nach wie vor moderaten Inflation scheint der Leidensdruck begrenzt.
Und auch im Rest der Welt ist das Interesse an einer beherzten Intervention der Notenbank mit deutlich steigenden Zinsen und einem stärkeren Yen begrenzt, stünde dann doch endgültig der Carry Trade zur Disposition, der u. a. den USA bei der Finanzierung des Haushaltsdefizits hilft.
Fun Fact
Escort-Services nehmen 6.000 USD pro Stunde von KI-Königen
KI verändert viele Berufe – auch den von Escortdamen. Laut einem Forbes-Bericht zahlen KI-Millionäre im Silicon Valley Summen von bis zu 6.000 Dollar pro Stunde – und 23.000 USD pro Tag – für Escortdamen, die sich mit ihnen über GPUs, künstliche Intelligenz und die Zukunft der Menschheit unterhalten können, bevor es an den eher analogen Teil der Dienstleistung geht.



