
Geld, Kontakte, Marktzugang: Quantum Systems: Mit In-Q-Tel zum US-Durchbruch
Kontakte zu US-Behörden halfen dem Drohnenhersteller Quantum Systems weit über das kleine Anfangsgeschäft hinaus. Die US-Hilfe zeigt zugleich, wie schwer Europas Streben nach Rüstungsautonomie mit der Abhängigkeit von US-Kapital, Märkten und Regeln vereinbar ist.
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Beim Aufbau seines US-Geschäfts profitierte Quantum Systems früh von In-Q-Tel. Die CIA-nahe US-Beteiligungsgesellschaft erleichterte dem Unternehmen nach Angaben seines Co-Chefs Sven Kruck die Ansprache staatlicher Stellen in Washington. Später erhielt Quantum Systems Aufträge vom US-Auslandsgeheimdienst CIA und der US-Bundespolizei FBI.
Kleiner Vertrag mit großer Signalwirkung
Der Wert amerikanischer Geldgeber bemisst sich für Quantum Systems offenbar nicht allein am investierten Kapital. Kruck zufolge erleichterten ihre Verbindungen zu Behörden und staatlichen Kunden den Einstieg in den US-Markt.
Eine wichtige Rolle spielte dabei ein früher Aufklärungsvertrag mit US-Geheimdiensten. Finanziell fiel das Geschäft nach Kruck kaum ins Gewicht. Wertvoller war der Vertrauenseffekt: Der Auftrag erhöhte die Glaubwürdigkeit von Quantum Systems und erleichterte die weitere Etablierung in den USA.
Wie stark das Unternehmen seither gewachsen ist, zeigt seine heutige Größenordnung. Quantum Systems wird mit rund 8 Mrd. USD bewertet und zählt zu den größten europäischen Rüstungs-Start-ups. Aufklärungs- und Angriffsdrohnen liefert das Unternehmen unter anderem an die Ukraine und Deutschland. Anfang Juli gab Quantum Systems eine Finanzierungsrunde über 1,2 Mrd. USD bekannt. Nach Unternehmensangaben hatte sich die Bewertung damit mehr als verdoppelt.
In-Q-Tel verbindet Kapital mit Zugang
Die CIA gründete In-Q-Tel 1999 als unabhängige, gemeinnützige strategische Beteiligungsgesellschaft. Investiert wird in Technologien, die für die nationale Sicherheit der USA von Interesse sind. Dazu gehören beispielsweise autonome Systeme.
Die finanziellen Einsätze bleiben häufig überschaubar und liegen bei einzelnen Beteiligungen oft unter 3 Mio. USD. Für die geförderten Firmen kann jedoch etwas anderes wertvoller sein: In-Q-Tel verfügt über enge Verbindungen zu staatlichen Beschaffungsstellen. Solche Kontakte können jungen Rüstungsfirmen den Eintritt in den US-Markt erleichtern.
Deutschland soll in diesem Modell künftig eine größere Rolle spielen. In-Q-Tel sucht hier insbesondere Unternehmen, deren Technologien sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können. Jennifer Nelson, die Leiterin des internationalen Geschäfts, bezeichnete Deutschland als besonders wichtigen Innovationspartner und strategischen Verbündeten. Mit dem Berliner Kampfdrohnen-Start-up Stark hat In-Q-Tel bereits ein deutsches Unternehmen im Portfolio.
Europas Autonomie trifft auf amerikanische Regeln
Das amerikanische Modell steht allerdings in einem Spannungsverhältnis zu Europas Streben nach größerer sicherheitspolitischer Eigenständigkeit. Dringlicher wurde dieses Ziel angesichts Trumps wiederholter Zweifel an den amerikanischen Bündnisverpflichtungen und seiner scharfen Kritik an der Nato. Zugleich sind US-Kapital, amerikanische Rüstungsaufträge und Kontakte zu staatlichen Käufern für viele junge Verteidigungsfirmen wirtschaftlich schwer zu ersetzen.
Für Quantum Systems bringt die enge US-Verflechtung konkrete Vorgaben mit sich. Das Unternehmen darf Technologien, die in den USA entwickelt wurden, nicht ohne amerikanische Genehmigung in andere Länder verkaufen. US-Geschäft und internationale Expansion lassen sich daher nicht vollständig voneinander trennen.
Auch die Unternehmensstruktur folgt amerikanischen Anforderungen. In Deutschland hat Quantum Systems seinen Hauptsitz in Gilching bei München sowie weitere Standorte in Berlin und Rheinbach. Nach Angaben von Kruck verlangt die US-Regierung von ausländischen Rüstungslieferanten eigene Niederlassungen im Land.
Quantum Systems eröffnete bereits 2022 in Moorpark bei Los Angeles seinen nordamerikanischen Hauptsitz. Seit 2025 bündelt dort eine rund 12.500 Quadratmeter große Anlage Fertigung, Entwicklung und Flugtests. Erst vor wenigen Tagen richtete Quantum Systems zudem ein Entwicklungsbüro in Huntsville im Bundesstaat Alabama ein. Nach Unternehmensangaben soll die Nähe zu wichtigen US-Verteidigungskunden die Zusammenarbeit und Entwicklung beschleunigen. Die US-Verankerung reicht damit inzwischen weit über den Vertrieb hinaus.
Politischer Preis für schnellen Marktzugang
Kritik entzündet sich vor allem daran, dass In-Q-Tel neben wirtschaftlichen auch sicherheitspolitische Ziele verfolgt. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung des EU-Parlaments, sieht die Gesellschaft deshalb nicht als gewöhnlichen Kapitalgeber. Nach Einschätzung der FDP-Politikerin soll das Modell den US-Geheimdiensten frühzeitig den Zugriff auf relevante Technologien ermöglichen.
Aus Beteiligungen, Entwicklungsvereinbarungen und staatlichen Aufträgen kann nach ihrer Einschätzung Einfluss entstehen, der über einzelne Geschäfte in den USA hinausgeht. Auch das Bundesverteidigungsministerium beobachtet möglichen Investoreneinfluss in der Branche. Anteilseigner sollten sich demnach nicht in Betrieb, Technologie oder Forschung eines Unternehmens einmischen.
Europa verfügt bislang über kein vergleichbares Instrument. Während Brüssel über mehr strategische Eigenständigkeit diskutiert, verbindet In-Q-Tel Kapital, staatliche Nachfrage und sicherheitspolitische Interessen bereits in einem etablierten Modell.