
Investor Woche: Anthropic IPO soll 2 Billionen schwer werden, Maersk erhöht Prognose erneut, CanCambria Energy wertet Gasprojekt auf, VW darf Everllence verkaufen, Adyen mit 49 % Marge
Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten aus den USA erweitern den Spielraum der Fed. Sekur Private Data geht auf Kunden aus Nachrichtendiensten zu. Gunnison Copper erreicht einen Quartalsgewinn von 0,03 USD pro Aktie, Lenovo steigert den Umsatz um 43 % und Albemarle gilt unter Analysten als deutlich unterbewertet.
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Marktentwicklung
Eine eher unspektakuläre Sommerwoche neigt sich dem Ende zu. Der NASDAQ-100 legt um rund 1,5 % zu, der S&P 500 liegt rund 1 % im Plus und knackte zeitweise die Marke von 7.800 Punkten. Auch der DAX schleicht sich vorübergehend auf ein Allzeithoch. Gold bleibt zunächst unter 4.400 USD.
Top-Meldungen
US-Inflation im Juli bei 3,4 %, Erzeugerpreise unverändert
Die US-Inflationsrate sank im Juli auf 3,4 % und lag damit unter dem Wert von 3,5 % im Juni. Die Kerninflation stieg auf Jahressicht auf 2,5 %, nach 2,6 % im Juni. Der moderate Anstieg der Kerninflation könnte den unmittelbaren Druck auf die Fed, die Zinssätze im September anzuheben, etwas mindern. Der US-Erzeugerpreisindex blieb im Juli unverändert – nach einem Rückgang um 0,10 % im Juni. Ökonomen hatten mit einem Anstieg um 0,2 % gerechnet. Auch dies eröffnet der Notenbank mehr Spielraum.
Anthropic-Investoren erwarten Zwei-Billionen-Dollar-IPO
Die Investoren des KI-Startups Anthropic erhoffen sich vom IPO im Oktober eine Bewertung von mindestens 2 Bill. USD. Ein halbes Dutzend der Geldgeber des Unternehmens erklärte dies gegenüber der FT unter Hinweis auf die rasant steigenden Umsätze. So soll der Jahresumsatz des Herstellers von Claude bis Ende 2026 zwischen 100 und 120 Mrd. USD erreichen, gemessen an den Umsätzen der jüngsten Geschäftstätigkeit.
Sekur Private Data bei DoDIIS Worldwide Conference vertreten
Sekur Private Data CA81607F1036A3DKJ0 hat an der DoDIIS Worldwide Conference 2026 vom 9. bis 12. August 2026 im Tampa Convention Center in Tampa in Florida teilgenommen. DoDIIS Worldwide ist die jährliche Technologiekonferenz der Defense Intelligence Agency für die Nachrichtendienstgemeinschaft. Ziel war es, SekurOne und andere Sekur-Lösungen im Kontext nachrichtendienstlicher Erfordernisse zu erörtern.
Maersk erhöht Prognose für 2026 zum zweiten Mal in sechs Wochen
Maersk DK0010244425861929 hat im zweiten Quartal dank gestiegener Frachtraten mehr verdient als erwartet und die Jahresprognose zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit angehoben. Das EBITDA stieg auf 3,0 Mrd. USD nach 2,3 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwarten die Dänen nun ein bereinigtes EBITDA von 10,5 bis 12,5 Mrd. USD – an jedem Ende der Spanne rund 2,5 Mrd. mehr als zuvor.
CanCambria Energy erhöht Kapitalwert von Gasprojekt auf 2,04 Mrd. USD
CanCambria Energy CA13740E1079A3EKUB meldete eine Wertsteigerung der unabhängigen bedingten Ressourcenbewertung des Unternehmens für sein Tiefgasprojekt Kiskunhalas in Südungarn. Die neue Bewertung berücksichtigt einen höheren langfristigen europäischen Erdgaspreis von 12,00 USD/MMBtu sowie den Beginn der ersten Gasförderung Mitte 2027. Auf Basis der aktualisierten Preisannahmen erhöhte sich der geschätzte Nettobarwert des Basisszenarios um 16 % von 1,762 Mrd. USD auf 2,04 Mrd. USD.
EU genehmigt Verkauf von VW-Großmotorentochter Everllence
Die EU-Kommission genehmigt Volkswagen den Verkauf von 51 % der Anteile an seiner Großmotorentochter Everllence an den US-Finanzinvestor Bain Capital. Die beiden Unternehmen hatten sich Ende Juni auf einen Kaufpreis von 7,4 Mrd. EUR geeinigt. Die fünf deutschen Standorte von Everllence sollen auch unter der neuen Eigentümerstruktur mindestens bis 2030 erhalten bleiben, betriebsbedingte Kündigungen sind bis dahin ausgeschlossen.
Gunnison Copper mit Quartalsgewinn von 0,03 USD pro Aktie
Gunnison Copper CA4028801088A40TP4 meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 23,6 Mio. USD und einen Gewinn von 0,03 USD pro Aktie. Im ersten Quartal waren noch 20,1 Mio. USD erlöst und ein Gewinn von 0,004 USD pro Aktie erzielt worden. Im Vorjahreszeitraum hatte der Umsatz noch bei 0,1 Mio. USD gelegen, der Verlust pro Aktie bei 0,01 USD.
Ein wesentlicher Grund sind die operativen Fortschritte bei der Johnson-Camp-Mine, deren Ausbau voranschreitet. Die kommerzielle Produktion wird für das dritte Quartal erwartet. Bis zum Jahresende soll die Nennproduktionsrate erreicht werden. Das Unternehmen informierte zudem über die Teilnahme von CEP Craig Hallworth am "American Mining Industry and Critical Minerals Roundtable" im US-Außenministerium.
Adyen erreicht Marge von 49 % und gewinnt OpenAI als Kunden
Im ersten Halbjahr stieg der Nettoumsatz von Adyen NL0012969182A2JNF4 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 % auf 1,3 Mrd. EUR. Gleichzeitig erhöhte sich das verarbeitete Volumen um 24 % auf 803,8 Mrd. EUR. Das EBITDA belief sich auf 641,5 Mio. EUR, was einer Marge von 49 % entspricht. Das währungsbereinigte Nettoumsatzwachstum stieg im zweiten Quartal auf 22 % und übertraf damit die Analystenerwartungen von 21 %. Außerdem wurde OpenAI als Kunde gewonnen.
Lenovo steigert Umsatz um 43 %
Der Umsatz der Lenovo Group HK0992009065894983 stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres um 43 % auf 26,94 Mrd. USD und übertraf die Markterwartungen damit vor allem aufgrund der starken Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Der bereinigte Nettogewinn des Unternehmens stieg um 176 % auf 1,075 Mrd. USD. Das Unternehmen blieb trotz geringerer Auslieferungen im Quartal mit einem Marktanteil von 24,2 % der weltweit führende PC-Hersteller.
Unter der Lupe
Albemarle: Als kostengünstiger Lithiumproduzent 35 % unter Wert gehandelt?
Der Aktienkurs des Lithiumproduzenten Albemarle US0126531013890167 hat in den letzten Jahren eine regelrechte Achterbahnfahrt erlebt.
Im Zuge des Preisverfalls auf dem Lithiummarkt stürzte das Papier von 290 USD Anfang 2023 auf 55 USD im Jahr 2025 ab. Danach folgte infolge wieder steigender Lithiumpreise ein Comeback auf bis zu 215 USD, gefolgt von einer neuerlichen Korrektur bis auf 112 USD.
Aktuell notiert die Albemarle-Aktie bei gut 130 USD. Geht es nach den Analysten von Morningstar, deutlich zu niedrig: Das Bewertungsmodell des Hauses sieht den fairen Wert bei 200 USD.
Am 05. August legte das Unternehmen Zahlen vor: Höhere Lithiumpreise bescherten im zweiten Quartal ein Gewinnwachstum von 150 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Aktien legten daraufhin deutlich zu.
"Der enorme Gewinnanstieg steht im Einklang mit unserer Einschätzung, dass Albemarles kostengünstige Lithium-Aktivitäten (…) es dem Unternehmen ermöglichen werden, starke Gewinne und einen positiven freien Cashflow zu erzielen", sagt Morningstar-Analyst Seth Goldstein.
Er fügt hinzu: "Albemarle dürfte von der steigenden langfristigen Lithiumnachfrage aufgrund des wachsenden globalen Absatzes von Elektrofahrzeugen und des Ausbaus von Energiespeichern im Versorgungsmaßstab profitieren. Wir sehen kostengünstige Lithiumproduzenten als die Profiteure des Wachstums im Bereich Elektromobilität und Energiespeichersysteme".
Die Unterbewertung führen die Analysten auf Befürchtungen am Markt zurück. Die Wiederinbetriebnahme der Lithiumminen von CATL könnte zu einem Überangebot und sinkenden Preisen führen. "Wir erwarten jedoch, dass die steigende Nachfrage den Markt im Gleichgewicht hält", sagt Goldstein.
Die durch das Wall Street Journal befragten Analysten erwarten für 2027 einen Gewinn von 10,27 USD pro Aktie, für 2028 dann 11,33 USD. 14 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf (1× Overweight und 9× Hold).
Grafik der Woche
US-Renditen gehen durch die Decke: Die Ursache ist entscheidend für den Aktienmarkt
Die US-Regierung verkaufte 30-jährige Anleihen zum höchsten Zinssatz seit einem Vierteljahrhundert. Die Rendite der 25 Mrd. Dollar schweren Anleiheemission am Donnerstag lag bei 5,216 % und damit so hoch wie seit 2001 nicht mehr. Kurz zuvor hatten die Renditen 10-jähriger Anleihen bei einer Auktion den höchsten Wert seit 2007 erreicht.
Für den Anstieg der Renditen wird eine Vielzahl von Gründen genannt. Zum einen befürchten die Anleger, dass die Inflationsraten und damit die Leitzinsen lange auf einem hohen Niveau bleiben könnten.
Zum anderen hat sich die Käuferseite strukturell verändert: "Da der Markt zunehmend von preissensiblen Anlegern abhängig wird, kann es sein, dass für die gleiche Menge an Staatsanleihen ein größerer Renditenachlass erforderlich ist, um abgewickelt zu werden", schrieben Barclays-Analysten in einer Notiz. Gemutmaßt wird zudem, dass der Markt aufgrund der ausufernden US-Verschuldung eine Risikoprämie einpreist.
Argumentiert wird jedoch auch mit der wohl größten technologischen Innovation unserer Zeit: KI. Diese erfordert durch den Bau von Rechenzentren viel Kapital, das nicht für Staatsanleihen zur Verfügung steht. Die beteiligten Akteure sind bereit, höhere Zinsen zu zahlen, weil sie sich von einem Vorsprung im KI-Markt Vorteile versprechen (z. B. einen temporären Monopolgewinn, auch als Schumpeter-Rente bezeichnet).
Wichtig zu erwähnen ist, dass hohe Anleiherenditen kein US-Phänomen sind: In anderen westlichen Ländern wie Japan und Südkorea und in europäischen Staaten notieren viele Bondrenditen ebenfalls nahe bei oder auf Rekordhochs. Auch eine De-Dollarisierung scheint nicht das bestimmende Thema zu sein: Laut Daten von JP Morgan sind Spekulanten derzeit so stark mit Longpositionen im Greenback vertreten wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr.
Die Ursache für die steigenden Renditen zu identifizieren, ist nicht zuletzt für die Prognose des Aktienmarktes von größter Bedeutung. Ohne weiteren Kontext spräche ein (auch real) höheres Renditeniveau für eine schwächere Entwicklung der Aktienkurse. Sollte der Aufschlag eine Risikoprämie darstellen, wäre dieser Zusammenhang mindestens teilweise entkräftet. Sollten wir vor einem technologiebedingten Aufschwung im Sinne Schumpeters stehen, wäre das Herleiten einer negativen Aktienmarktprognose aus steigenden Bondrenditen ein klassischer Fehlschluss.

Fun Fact
Der Kobra-Effekt: Regulierungsversagen wie im Bilderbuch
Die einstigen britischen Kolonialherren sahen sich in Indien einer Plage durch giftige Kobras gegenüber. Die Lösung der Regulatoren: Es wurde eine Prämie für jede tot abgelieferte Kobra ausgesetzt. Doch die Maßnahme wurde zu einem der berühmtesten Beispiele für Fehlsteuerung. Die Bürger begannen, Kobras zu züchten, um sie bei der Regierung gegen eine Prämie abzuliefern. Die Regierung erfuhr davon und stellte die Prämie ein. Die Folge: Die Züchter entließen die nun wertlos gewordenen Tiere in die Freiheit, sodass die Kobra-Plage noch weiter an Fahrt aufnahm.




