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Zweifel am MarktpotenzialNeue Studiendaten setzen BioNTech-Aktie unter Druck

BioNTech hat bei einem neuen Mittel gegen fortgeschrittenen Brustkrebs einen Behandlungseffekt nachgewiesen, der allerdings nur moderat ausfällt. Schwere Nebenwirkungen und bereits verfügbare Therapien schmälern die Marktchancen des Mainzer Biotechnologiekonzerns.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: Stefan Albrecht / BioNTech

Neue Daten aus einer Krebsstudie haben Zweifel an den Aussichten eines wichtigen Wirkstoffs von BioNTech ISIN US09075V1026 WKN A2PSR2 ausgelöst. Die Aktie verlor am Montag in Frankfurt zeitweise bis zu 4,7 %. Am Ende des US-Handels lag der Kurs an der Nasdaq rund 1,4 % unter dem Vortag. Dabei hatte das experimentelle Medikament das wichtigste Ziel einer weit fortgeschrittenen klinischen Studie erreicht. Die Anleger reagierten vor allem auf den begrenzten Behandlungsvorteil und zusätzliche Sicherheitsbedenken.

BioNTech entwickelt das experimentelle Krebsmedikament Trastuzumab Pamirtecan gemeinsam mit dem chinesischen Biotechnologieunternehmen Duality Biotherapeutics ISIN KYG2929M1087 WKN A414LZ. Die Partner wollen die Ergebnisse nun auswerten und über die weitere Entwicklung bei der untersuchten Brustkrebsform entscheiden.

Studienerfolg mit begrenztem Behandlungsvorteil

An der internationalen Studie DYNASTY-Breast02 nahmen 541 Personen mit fortgeschrittenem Brustkrebs teil. Ihre Erkrankung hatte sich trotz einer vorherigen Hormonbehandlung weiter verschlimmert. Untersucht wurden Tumoren, bei denen das Eiweiß HER2 auf den Krebszellen nur in geringen Mengen vorkommt. Die Forscher verglichen das neue Medikament mit einer herkömmlichen Chemotherapie.

Das Fortschreiten der Erkrankung konnte Trastuzumab Pamirtecan statistisch nachweisbar verzögern. Die Entwickler sprechen allerdings von einer eher mäßigen Verbesserung, ohne deren Ausmaß bislang mit konkreten Zahlen zu beziffern. Für eine Aussage darüber, ob die Behandlung auch die gesamte Überlebenszeit verlängert, reichen die bisherigen Studiendaten also noch nicht aus.

Trastuzumab Pamirtecan gehört zu den sogenannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. Bei dieser Medikamentenklasse soll ein Antikörper den krebsbekämpfenden Stoff gezielt zu bestimmten Tumorzellen transportieren. Das soll eine präzisere Behandlung ermöglichen, schließt Nebenwirkungen jedoch nicht aus. In der Studie traten entzündliche Lungenerkrankungen häufiger auf als in früheren Untersuchungen desselben Mittels. Die Lungenerkrankungen verliefen überwiegend leicht bis mittelschwer, vereinzelt jedoch schwer oder sogar tödlich.

Für die medizinische Bewertung müssen Nutzen und Risiken gegeneinander abgewogen werden. Je geringer der Behandlungsvorteil ausfällt, desto schwerer wiegen mögliche Nebenwirkungen, besonders wenn andere Therapien zur Verfügung stehen.

Vorhandene Therapien verschärfen den Wettbewerb

Nach Einschätzung von BioNTech und DualityBio bietet das Medikament der untersuchten Patientengruppe angesichts bestehender Behandlungsmöglichkeiten nur einen begrenzten zusätzlichen Nutzen. Mit dem Krebsmedikament Enhertu von AstraZeneca ISIN GB0009895292 WKN 886455 und Daiichi Sankyo ISIN JP3475350009 WKN A0F57T ist für bestimmte Patienten bereits eine weitere Behandlung zugelassen. In den USA erhielt Enhertu im Januar 2025 eine erweiterte Zulassung für hormonempfindlichen Brustkrebs mit niedriger HER2-Ausprägung nach einer Hormonbehandlung. Damit steht eine Behandlung auch Patienten offen, die gegen ihre fortgeschrittene Erkrankung noch keine Chemotherapie erhalten haben.

In der aktuellen Studie wurde Trastuzumab Pamirtecan allerdings ausschließlich mit Chemotherapie verglichen, nicht direkt mit Enhertu. Welches der beiden Medikamente wirksamer ist, lässt sich aus den vorliegenden Ergebnissen daher nicht unmittelbar ableiten.

Die bestehende Konkurrenz erschwert die wirtschaftlichen Aussichten. Ein neu zugelassenes Medikament muss sich neben bereits verfügbaren Behandlungen behaupten. Fällt sein zusätzlicher Nutzen gering aus und bestehen zugleich Sicherheitsrisiken, können Ärzte und Patienten andere Therapien bevorzugen.

Auch Analysten beurteilen die Ergebnisse skeptisch. Laut dem Branchenmedium Fierce Biotech hatten Experten der Investmentbank BMO Capital Markets einen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber der Chemotherapie weitgehend erwartet. Dass BioNTech zunächst keine genaueren Zahlen zur Stärke dieses Effekts veröffentlichte, werteten sie zusätzlich negativ. Sie halten eine Fortsetzung der Entwicklung für die untersuchte Brustkrebsindikation inzwischen für weniger wahrscheinlich. Eine entsprechende Entscheidung hat BioNTech bisher allerdings nicht bekannt gegeben.

Hohe Forschungsinvestitionen und finanzielle Reserven

Für den Mainzer Konzern reicht die Bedeutung solcher Studien über den einzelnen Wirkstoff hinaus. BioNTech will nach den Einnahmen aus seinem Corona-Impfstoff langfristig ein Geschäft mit Krebsmedikamenten aufbauen. Dafür setzt das Unternehmen auf eigene Forschung und Partnerschaften mit anderen Entwicklern.

Finanziell verfügt BioNTech weiterhin über erhebliche Mittel. Zum 30. Juni 2026 beliefen sich die Barmittel und Wertpapieranlagen auf rund 16,6 Mrd. EUR. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern bereinigte Forschungs- und Entwicklungsausgaben zwischen 2,0 und 2,3 Mrd. EUR. Eine unmittelbare Finanzierungskrise folgt aus den jüngsten Studienergebnissen daher nicht. Allerdings wächst die Unsicherheit darüber, welche Forschungsinvestitionen später tatsächlich wirtschaftliche Erträge bringen werden.

Bereits 2023 sicherte sich BioNTech durch die Zusammenarbeit mit DualityBio Rechte an zwei experimentellen Krebsmedikamenten. Für beide Wirkstoffe wurden Vorauszahlungen von insgesamt 170 Mio. USD sowie mögliche weitere Erfolgszahlungen und Umsatzbeteiligungen vereinbart.

Weiterer Forschungsrückschlag im Oktober

Bereits am 13. Oktober hatte BioNTech mitgeteilt, dass das mRNA-basierte Krebsprojekt BNT113 das erste von zwei primären Studienzielen verfehlt hatte. Die Untersuchung läuft weiter, um eine mögliche Verlängerung der gesamten Überlebenszeit zu prüfen. Beide Projekte beruhen auf unterschiedlichen Behandlungsansätzen. Gemeinsam erhöhen die Enttäuschungen jedoch die Unsicherheit über künftige Produkteinnahmen.

BioNTech untersucht Trastuzumab Pamirtecan auch bei Gebärmutterschleimhautkrebs und anderen fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Die enttäuschenden Brustkrebsdaten erlauben deshalb keinen unmittelbaren Schluss auf die Ergebnisse dieser Studien.

Anleger dürften nun besonders auf die vollständigen Studiendaten und die daraus abgeleiteten Entwicklungsschritte von BioNTech und DualityBio achten. Auch die Ergebnisse weiterer Krebsprojekte sind für die Beurteilung der langfristigen Umsatzaussichten des Konzerns maßgeblich.