
Biotech an der Börse: Iambic-IPO bringt 150 Millionen USD für Krebsmedikamente
Das US-Biotechunternehmen Iambic setzt bei neuen Krebsmedikamenten auf künstliche Intelligenz. Mit dem frischen Börsenkapital will es klinische Studien voranbringen und seine Forschungstechnik ausbauen. Zugleich liefern Kooperationen mit Pharmakonzernen bereits Einnahmen.
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Der US-amerikanische Medikamentenentwickler Iambic ISIN US45076A1016 WKN A42JXE hat bei seinem Börsengang brutto 150 Mio. USD eingesammelt. Seit dem 15. Oktober 2026 wird die Aktie unter dem Kürzel IAM an der US-Börse Nasdaq gehandelt. Das frische Kapital soll vor allem die Entwicklung neuer Krebsmedikamente voranbringen.
Insgesamt gab Iambic rund 9,3 Mio. Aktien zu je 16 USD aus. Die begleitenden Banken können innerhalb von 30 Tagen gut 1,4 Mio. weitere Papiere erwerben. Nutzen sie diese Möglichkeit vollständig, erhöht sich der Bruttoerlös um 22,5 Mio. USD. Am ersten Handelstag notierte die Aktie zum Schluss bei 18,91 USD und damit rund 18 % über dem Ausgabepreis.
Wachsende Forschungsausgaben treffen auf hohe Reserven
Iambic verfügt über eine wachsende Forschungsplattform, verkauft bislang aber keine zugelassenen Medikamente. Die Forschungskooperationen brachten dem Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 Umsätze von 12,8 Mio. USD. Dem stand ein Nettoverlust von 50,1 Mio. USD gegenüber. Bereits 2025 hatte sich der Fehlbetrag auf 77,3 Mio. USD belaufen. Die Kosten für Forschung und Entwicklung steigen ebenfalls deutlich. In den ersten sechs Monaten 2026 erhöhten sich die Ausgaben gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 74 % auf 57,1 Mio. USD. Mit dem Fortschreiten der klinischen Studien dürfte der Kapitalbedarf hoch bleiben.
Finanziell besitzt Iambic dafür einen beträchtlichen Spielraum. Ende Juni lagen die flüssigen Mittel bei 207,9 Mio. USD. Zwischen August und September folgten Wandelkredite über 66,5 Mio. USD, die im Zuge des Börsengangs in Aktien umgewandelt werden sollen.
Der Börsenerlös vergrößert diesen finanziellen Spielraum nochmals. Nach eigener Schätzung kann Iambic damit Forschung und laufenden Betrieb bis ins vierte Quartal 2028 finanzieren. Die Prognose setzt allerdings voraus, dass sich die Kosten der geplanten Studien und Forschungsprogramme im erwarteten Rahmen bewegen. Weitere Verluste sind nach Einschätzung des Unternehmens auch in den kommenden Jahren zu erwarten.
Drei Wirkstoffe für unterschiedliche Tumorarten
Den größten Teil der geplanten Ausgaben beansprucht IAM1363, der bislang am weitesten entwickelte Medikamentenkandidat von Iambic. Rund 75 Mio. USD sind für dieses Programm vorgesehen. Das oral einzunehmende Mittel soll das Protein HER2 hemmen, dessen Veränderungen das Wachstum bestimmter Tumoren begünstigen können.
Der Wirkstoff wurde so konzipiert, dass er auch ins Gehirn gelangen kann. Bei Krebserkrankungen mit Hirnmetastasen könnte diese Eigenschaft von Bedeutung sein. Derzeit wird IAM1363 in einer frühen klinischen Studie an Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren und HER2-Veränderungen geprüft. Anschließend plant Iambic weitere Studienphasen, deren Durchführung und Ergebnisse allerdings noch offen sind.
Jeweils 15 Mio. USD sollen in zwei weitere Wirkstoffe fließen. IAM217 greift das für die Zellteilung relevante Protein KIF18A an. Entwickelt wird das Mittel unter anderem gegen Eierstockkrebs und triple-negativen Brustkrebs, eine besonders schwer behandelbare Form dieser Erkrankung. Für den Beginn klinischer Studien hat Iambic Ende September einen entsprechenden Antrag bei der US-Arzneimittelbehörde eingereicht.
Mit IAM-C1 entwickelt Iambic einen Hemmstoff der beiden Enzyme CDK2 und CDK4, die den Zellzyklus steuern. Das Präparat richtet sich unter anderem gegen bestimmte Formen von Brustkrebs sowie Tumoren, bei denen das Gen CCNE1 vervielfacht vorliegt. Auch für dieses Mittel sind erste klinische Studien geplant. Eine Marktzulassung besitzt bislang keines der drei Präparate.
KI-Forschung und Pharmapartner stützen das Geschäft
Weitere 20 Mio. USD will Iambic in seine eigene Forschungsplattform investieren. Dort verbindet das Unternehmen KI-gestützte Wirkstoffentwicklung mit automatisierten Laborversuchen. Das KI-Modell Enchant soll Eigenschaften möglicher Arzneistoffe vorhersagen, während NeuralPLexer deren räumliche Wechselwirkungen mit biologischen Zielstrukturen modelliert. Anschließende Labortests liefern Daten, mit denen sich die Systeme weiterentwickeln lassen.
Die Verbindung von Computertechnik und Arzneimittelforschung prägt Iambic seit der Gründung 2019 durch Tom Miller und Fred Manby. Miller hatte zuvor am California Institute of Technology gelehrt, während Manby an der britischen Universität Bristol geforscht hatte. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen 171 Mitarbeiter.
Neben der eigenen Medikamentenentwicklung vermarktet Iambic seine Technologie über Forschungskooperationen mit etablierten Pharmakonzernen. Im Februar vereinbarte das Unternehmen mit dem japanischen Pharmakonzern Takeda ISIN JP3463000004 WKN 853849 eine mehrjährige Zusammenarbeit. Neben fest vereinbarten Vergütungen sind bei Erreichen entsprechender Erfolgsziele zusätzliche Zahlungen von insgesamt mehr als 1,7 Mrd. USD möglich.
Zu den weiteren Partnern zählen der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer ISIN DE000BAY0017 WKN BAY001 und der US-Chipentwickler Nvidia ISIN US67066G1040 WKN 918422. Letzterer gehört laut Börsenprospekt auch zum Kreis der bisherigen Investoren.
Mit seinem Börsengang reiht sich Iambic in ein Jahr mit zahlreichen Biotech-Neuemissionen ein. Für Investoren verbindet sich damit die Aussicht, dass künstliche Intelligenz die Entwicklung neuer Arzneimittel beschleunigt.