
Währung im Höhenflug: Der starke Franken wird für die Schweiz zum Bumerang
Der Schweizer Franken erlebt einen historischen Höhenflug: Um 3,5 % hat er allein im Januar 2026 gegenüber dem US-Dollar zugelegt. Schon 2025 lag der Zuwachs bei 12,7 %. Aktuell notiert er bei 0,7667 USD/CHF - der höchste Stand seit elf Jahren.
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Dieser Aufschwung kommt nicht überraschend. Als klassische "sichere Währung" profitiert der Franken von der globalen Unsicherheit. Handelskonflikte, Zweifel an der US-Notenbank und Drohungen militärischer Interventionen treiben Anleger in den Schweizer Hafen.
Eine starke Währung bringt neue Schwächen
Doch die Entwicklung hat Schattenseiten. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) schlägt Alarm: "Es ist nicht gut für den Franken oder für die Schweiz", sagte SNB-Präsident Martin Schlegel beim Weltwirtschaftsforum in Davos dem US-Sender CNBC. Die Aufwertung erschwere die Geldpolitik massiv.
Der Grund: Ein starker Franken drückt auf die Importpreise und verstärkt damit die ohnehin geringe Inflation. Im Januar lag die Teuerung bei nur 0,1 %. Die Leitzinsen stehen bei 0 %. Damit droht die Schweiz in den Bereich negativer Zinsen und Disinflation zu rutschen - eine gefährliche Kombination für eine exportorientierte Volkswirtschaft.
Pharma, Maschinenbau und Luxus trotzen dem Kurs
Ein Paradoxon erschwert die Lage zusätzlich. Viele Schweizer Exporte - etwa Medikamente, Präzisionstechnik und hochwertige Dienstleistungen - sind preisunelastisch. Selbst bei höheren Preisen bleibt die Nachfrage stabil. Das schützt zwar Umsätze, dämpft aber den Wechselkursausgleich.
"Die starke Währung senkt die importierte Inflation, schmälert die Margen der Exporteure und belastet Löhne und Investitionen", sagte Giuliano Bianchi von der EHL Hospitality Business School gegenüber CNBC.
SNB will Handlungsfähigkeit behalten
Die SNB hat in der Vergangenheit mehrfach am Devisenmarkt interveniert. Doch angesichts der politischen Lage ist sie nun vorsichtiger. Die USA hatten 2025 Strafzölle auf Schweizer Produkte verhängt - bis zu 39 % -, unter anderem mit dem Vorwurf der Währungsmanipulation.
Ein jüngstes Handelsabkommen reduzierte diese auf 15 %. Neue Interventionen könnten diese Fortschritte gefährden. Dennoch bleibt Schlegel entschlossen: "Wenn nötig, greifen wir ein - auch mit negativen Zinsen", so der SNB-Chef.
Langfristig sehen Experten den Franken weiter im Aufwind, gestützt durch hohe Goldpreise, geopolitische Spannungen und einen soliden Leistungsbilanzüberschuss. Doch in der kurzen Frist gilt: Die Schweiz bezahlt für ihren Ruf als Stabilitätsanker - mit zunehmenden wirtschaftlichen Risiken.