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Investor WocheUS-Arbeitsmarkt schwach, Euro-Inflation bei 1,9 %, SoftBank setzt auf OpenAI, Pasqal vor SPAC-IPO, Lanxess nach geplatztem Envalior-Verkauf unter Druck

Der US-Arbeitsmarkt ist schwächer und die Eurozonen-Inflation höher als erwartet. Lufthansa steigert Umsatz und Gewinn und ist stark gehedged. Merck KGaA erwartet einen Gewinnrückgang. Berkshire Hathaways neuer CEO setzt voll auf die eigene Aktie.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 11 min
Titelbild: picture alliance / Zuma Press Wire / Edna Leshowitz

Marktentwicklung

Die Märkte reagieren uneinheitlich auf den Kriegsausbruch im Iran. Der S&P 500 gibt in dieser Woche nur knapp 1 % ab, der NASDAQ-100 kann sogar leicht zulegen. Der DAX verliert dagegen um mehr als 5 %. Auch der Nikkei büßt mehr als 4 % ein, der koreanische KOSPI bei extremen Schwankungen sogar 10 %. Der Israel TA-35-Index gewinnt mehr als 6 %. Der Goldpreis erringt trotz der Entwicklungen nicht nur kein neues Hoch, sondern notiert sogar unter dem Vorkriegsniveau. Silber unterschreitet dieses sogar deutlich. Der Bitcoin kratzte kurz an der 75.000-USD-Marke, konnte schließlich aber nicht einmal die 70.000 USD halten. Stark ist der Dollar, der zum EUR bei unter 1,16 notiert. Klar ist die Sache bei Energie: WTI legte in dieser Woche von 65 USD auf 88 USD pro Barrel zu. Der Erdgaspreis am TTF stabilisiert sich bei knapp 53 EUR pro MWh - ein Anstieg von 65 %.

Top Meldungen

US-Arbeitsmarkt schwach

In den USA gingen im Februar 92.000 Arbeitsplätze verloren. Die am Freitag vom Arbeitsministerium veröffentlichten Einstellungszahlen folgten auf einen Zuwachs von 126.000 Stellen im Januar und fielen schlechter aus als Ökonomen erwartet hatten. Die Arbeitslosenquote stieg leicht auf 4,4 %. Die Erwartungen an die US-Notenbank im Hinblick auf Zinssenkungen wachsen damit. Demgegenüber steht die absehbar höhere Inflation infolge der kriegsbedingt steigenden Energiepreise.

Euro-Inflation im Februar auf 1,9 % gestiegen

Der Preisanstieg bei Öl und Gas ist darin noch gar nicht enthalten: Die Inflation im Euro-Raum ist im Februar überraschend auf 1,9 % gestiegen. Hauptgrund war die hohe Dienstleistungsinflation, die sich auf 3,4 % beschleunigte. Die Chance auf eine Zinssenkung durch die EZB noch in diesem Jahr dürfte damit gleich Null sein. Vielmehr stehen Zinserhöhungen im späteren Jahresverlauf mit wachsender Wahrscheinlichkeit auf der Tagesordnung, sollte sich der Krieg im Iran länger hinziehen und das erhöhte Öl- und Gaspreisniveau länger anhalten.

OECD sieht Stresstest für Bondmärkte

Die OECD warnt vor einem Stresstest für die Anleihemärkte durch den Iran-Krieg. Die steigenden Öl- und Gaspreise haben die Renditen von Staatsanleihen nach oben getrieben. Sollte dies anhalten, könnten die Bondmärkte aufgrund des hohen Finanzierungsbedarfs vieler Staaten weiter unter Druck geraten. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Staaten die durchschnittliche Laufzeit ihrer Verschuldung in den letzten Jahren verkürzt haben. Dies erhöht das Refinanzierungs-Risiko. Im vergangenen Jahr mussten OECD-Mitglieder 13,5 Billionen US-Dollar an Schulden refinanzieren.

SoftBank setzt alles auf OpenAI

Die SoftBank Group (ISIN: JP3436100006, WKN: 891624) bemüht sich laut Berichten von Insidern um einen Überbrückungskredit mit zwölf Monaten Laufzeit zur Finanzierung der Investitionen in Open AI. An dem involvierten Bankenkonsortium ist unter anderem J. P. Morgan Chase beteiligt. Die geplante Investition von 30 Mrd. USD addiert sich zu den bereits getätigten Investitionen in gleicher Höhe.

Quanten-Einhorn Pasqal vor SPAC-IPO

Der französische Quanten-Spezialist Pascal plant einen Börsengang. Derzeit wird ein SPAC-Deal vorbereitet. Anvisiert wird eine Doppelnotierung an der Nasdaq und an der Pariser Börse. Das IPO in New York steht bereits in diesem Jahr auf dem Plan. Das Startup baut Quantensysteme auf Basis neutraler Atome sowie cloudfähige Software für Industrie, Wissenschaft und Regierungen. Nach der letzten 340 Mio. EUR schweren Finanzierungsrunde wird Pasqal mit 2 Mrd. USD bewertet.

Lanxess wird Envalior-Anteile nicht los

Die Lanxess (ISIN: DE0005470405, WKN: 547040) Aktie gerät unter Druck - der geplante Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Advent ist zunächst gescheitert. Der Finanzinvestor will den restlichen Lanxess-Anteil von 41 % an Envalior anders als im September 2025 angekündigt nun doch nicht übernehmen. Der Verkauf hätte rund 1,2 Mrd. EUR eingebracht. Advent zufolge ist die Finanzierung nicht zustande gekommen.

Lufthansa steigert Umsatz und Gewinn.

Die Lufthansa (ISIN: DE0008232125, WKN: 823212) meldete für das vergangene Jahr einen Umsatzanstieg von 37,6 auf 39,6 Mrd. EUR. Das EBITDA stieg von 1,65 auf 1,96 Mrd. EUR an. Die selbst gesteckten Ziele wurden damit erreicht. Analysten hatten im Schnitt ein bereinigtes EBITDA von 1,9 Mrd. EUR erwartet. Die Dividende soll um 10 % auf 0,33 EUR pro Aktie steigen.

Konzernchef Carsten Spohr verwies auf umfangreiche Hedging-Maßnahmen. "Wir haben uns mit einer Quote beim Hedging von über 80 % im laufenden Jahr relativ zu vielen Wettbewerbern deutlich höher abgesichert", was die Resilienz des Unternehmens gegen steigende Treibstoffpreise erhöhe.

Merck KGaA erwartet Gewinnrückgang

Währungseffekte machen dem Unternehmen zu schaffen: Der deutsche Konzern Merck KGaA (ISIN: DE0006599905, WKN: 659990) rechnet für das laufende Jahr mit einem niedrigeren bereinigten Ergebnis und einem stagnierenden Umsatz. Das EBITDA ohne Sondereinnahmen soll 2026 bei 5,5 bis 6 Mrd. EUR, der Nettoumsatz bei 20 bis 21,1 Mrd. EUR liegen. 2025 lag das EBITDA vor Sondereinflüssen bei 6,11 Mrd. EUR.

Unter der Lupe

Berkshire Hathaway: Was können Anleger nach Buffett von der Aktie erwarten?

Der Warren Buffett Nachfolger bei Berkshire Hathaway, Greg Abel, hat in dieser Woche zum ersten Mal seit zwei Jahren eigene Aktien zurückkaufen lassen. Sein Vorgänger hatte Rückkäufe zuletzt vermieden. Abel gab in einer Meldung an die Aufsichtsbehörden außerdem an, selbst Berkshire-Hathaway-Aktien im Wert von rund 15 Mio. USD gekauft zu haben. Er plant zudem, jährlich weitere Aktien zu erwerben.

"Ich habe mich verpflichtet, das jedes Jahr zu tun", sagte Abel in einem Interview mit CNBC. "Mein gesamtes Gehalt, solange ich CEO bin. Wir reichen unseren Jahresbericht (Formular 10-K) ein, ich schreibe das Schreiben, und nach Ablauf der 48-stündigen Frist kaufe ich die Aktien."

Seitdem Warren Buffett im Mai 2025 seinen Rücktritt angekündigt hatte, ist die Aktie um rund 8 % gefallen und hat sich deutlich schlechter entwickelt als der S&P 500. Die Meldung zu den Rückkäufen und den Käufen durch Abel stützten den Kurs jedoch deutlich.

Samstag hatte Berkshire mitgeteilt, dass der operative Gewinn in Buffetts letztem Quartal gesunken sei. Der operative Gewinn, den Warren Buffett stets als besonders wichtig hervorgehoben hatte, sank um 30 % auf 10,2 Mrd. USD. Ursächlich waren vor allem geringere Einnahmen im Versicherungsgeschäft, wo ein Rückgang um 38 % gemeldet wurde. Im Gesamtjahr sank der operative Gewinn um 6 % auf 44,49 Mrd. USD.

"Das Umsatzwachstum stellt eine Herausforderung dar, und Abel hat die Erwartung geweckt, dass das Wachstum im Rückversicherungs- und Gewerbeversicherungsgeschäft im Jahr 2026 möglicherweise ausbleiben wird", sagte Cathy Seifert, Analystin bei CFRA Research.

Was können Anleger von der Aktie erwarten? Wie stark wird sich die Auspreisung der Buffett Prämie langfristig auswirken? Wann wird das Versicherungsgeschäft wieder bessere Erträge abwerfen?

Morningstar Analyst Greg Warren hält viel von Buffetts Nachfolge Abel. "Er ist anders als Buffett. Er ist ein Mann fürs operative Geschäft. Und ich denke, in dieser Phase von Berkshires Entwicklung brauchen sie genau so jemanden", sagt er im Hinblick auf die allgemeine Erwartung von Analysten, das Abel eine aktivere Rolle bei der Überwachung einiger Geschäftsbereiche einnehmen wird als Buffett.

"Es gibt definitiv Bereiche im Unternehmen, in denen sie von jemandem profitieren würden, der sich stärker auf das operative Geschäft konzentriert und zur Verbesserung beiträgt." Abel könne nun "die Änderungen umsetzen, die er vielleicht schon als stellvertretender Vorsitzender, der viele Bereiche beaufsichtigt hat, im Blick hatte."

Warren hält Berkshire für eine "gute defensive Aktie" und sieht das Unternehmen leicht unterbewertet.

Durch das Wall Street Journal befragte Analysten sind zurückhaltend. Von sieben Analysten empfehlen lediglich zwei die Aktie aktuell zum Kauf. Das Kursziel liegt im Median bei 529,50 USD. Die Aktie notiert bei 495 USD.

Chart der Woche

Emerging Market ETFs mit Kapitalzuflüssen auf Rekordniveau

Emerging Markets stehen bei Investoren hoch im Kurs. Laut Daten von Bloomberg haben Investoren bis Anfang März bereits 46 Mrd. USD in Emerging Market ETFs investiert. Im Vorjahreszeitraum lagen die Zuflüsse bei lediglich 1 Mrd. USD. Allein an diesem Dienstag haben Vermögensverwalter der Agentur zufolge 600 Mio. USD in diesen Bereich des Marktes investiert. Der iShares JP Morgan USD Emerging Markets Bond ETF verzeichnete dabei den größten Zufluss seit Dezember 2023.

Viele Anleger schätzen die Schwellenländer aufgrund ihrer günstigeren Bewertungen und Wachstumsaussichten. Im Hinblick auf den Irankrieg sagt Todd Sohn von Strategas: "Manche Anleger nutzen die Gunst der Stunde und gehen davon aus, dass es sich um eine kurzlebige Episode handelt." Die Kurse haben nach einem längeren Aufwärtstrend einen deutlichen Rücksetzer erlebt: Der MSCI Emerging Markets Index fiel von 1619 Punkten in der vergangenen Woche auf 1496 Punkte am Freitagmorgen.

Quelle: Goldman Sachs, ZeroHedge, x.com/dailychartbook
Quelle: Goldman Sachs, ZeroHedge, x.com/dailychartbook

Fun Fact

Ein einziger Vielflieger kostet American Airlines über 20 Millionen

American Airlines bot in den 1980er Jahren einer kleinen Gruppe von Kunden lebenslange Vielflieger-Pässe an. Für eine Einmalzahlung von 250.000 USD sollten die Inhaber für den Rest ihres Lebens in der ersten Klasse fliegen können. Steven Rothstein, ein Investmentbanker aus Chicago, entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Alptraum für die Airline. Innerhalb von 20 Jahren absolvierte er mehr als 30 Millionen Flugmeilen und über 10.000 Flüge. American Airlines sah sich Kosten von 21 Mio. USD gegenüber und zog den Vielfliegerpass wegen angeblichem betrügerischem Missbrauch ein. Rothstein und die Airline stritten sich vor Gericht. Am Ende stand eine außergerichtliche Einigung.

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