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Investor WocheWeniger Aufträge für die Industrie, mehr Inflation in China, sinkende Gewinne für VW und BMW, mehr Umsatz für Zalando, Private Credit unter Druck

Der Auftragseingang in der deutschen Industrie sinkt, die Inflation in China steigt. Zalando wächst durch About You, die Gewinne der Autobauer VW, Porsche und BMW geraten unter Druck. Die Private Credit Krise spitzt sich zu, der US-Immobilienmarkt wird zum Käufermarkt und Microsoft könnte jetzt günstig bewertet sein.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 8 min
Titelbild: Getty Images / Unsplash

Marktentwicklung

Die Welt blickt in diesen Tagen gespannt zur Straße von Hormus. Wie es mit der Ölversorgung weitergeht, ist kurzfristig relevant für fast alle Märkte. Der DAX liegt am Freitagmorgen ebenso wie der NASDAQ 100 auf Wochensicht leicht im Plus, der S&P 500 leicht im Minus. Der Dollar legt auf 1,14 zu, Gold bleibt in der Konsolidierungsphase.

Top Meldungen

Auftragseingang in deutscher Industrie sinkt

Der Auftragseingang in der deutschen Industrie sank im Januar laut Statistischem Bundesamt um 11,1 % gegenüber dem Vormonat. Ökonomen hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang um 4,3 % gerechnet. Gleichzeitig wurde der Anstieg im Dezember auf 6,4 % nach 7,8 % revidiert. Auch die Produktion verfehlte die Erwartungen. Industrie, Bau und Energieerzeuger drosselten den Output um 0,5 %, wobei Ökonomen ein Plus von 1,0 % erwartet hatten.

China meldet höhere Inflation

Die Inflation in China stieg im Februar um 1,3 % auf Jahresbasis. Dies markiert den stärksten Anstieg seit drei Jahren. Analysten hatten mit einem Anstieg um lediglich 0,8 % gerechnet. Damit sinken die Deflationssorgen in China ein Stück weit.

VW halbiert operativen Gewinn

Volkswagen (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403) meldete am Dienstag einen deutlichen Gewinneinbruch im abgelaufenen Geschäftsjahr. Zwar blieb der Umsatz mit 322 Mrd. EUR in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Das operative Ergebnis halbierte sich jedoch auf 8,9 Mrd. EUR. Die operative Marge sank auf 2,8 %. So niedrig lag die Rendite zuletzt 2016 im Kontext der Diesel-Affäre.

Bei der Sportwagen-Tochter Porsche (ISIN: DE000PAG9113, WKN: PAG911) sank der operative Gewinn nach 5,3 Mrd. EUR im Vorjahr auf nur noch 90 Mio. EUR. Ein weiteres Problemfeld ist das Geschäft in China. Mit den dortigen Joint Ventures verdiente Volkswagen im vergangenen Jahr nur noch 958 Mio. EUR. Früher waren 4 bis 5 Mrd. EUR pro Jahr verdient worden.

Zalando wächst durch About You

Zalando (ISIN: DE000ZAL1111, WKN: ZAL111) meldete für das Geschäftsjahr 2025 ein Umsatzwachstum um 17 % auf 12,3 Mrd. EUR. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebit) stieg um fast 16 % auf 591 Mio. Euro.

Ursächlich für das Wachstum war die Übernahme des Hamburger Unternehmens About You im vergangenen Jahr. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr 2 Mrd. EUR Umsatz erzielt. Für 2026 rechnet Zalando mit einem Umsatz von 13,8 bis 14,4 Mrd. EUR. Bis 2028 werden 8 bis 13 % Wachstum pro Jahr sowie eine bereinigte EBIT-Marge von 6 bis 8 % angepeilt.

BMW meldet Gewinnrückgang um 21 %.

Auch BMW (ISIN: DE0005190003, WKN: 519000) musste einen Gewinnrückgang melden. Das EBIT sank um 21 % auf 6,3 Mrd. EUR. Die EBIT-Marge im Autogeschäft lag mit 5,3 % in der vor einem Jahr durch den Vorschlag angekündigten Spanne von 5 bis 7 %. Im Vorjahr lag die Marge allerdings noch bei 6,3 %.

Für dieses Jahr stellen die Münchener 4 bis 6 % in Aussicht, unter anderem aufgrund negativer Effekte in Folge von Zöllen. Belastend wirken hohe Abschreibungen auf Investitionen in neue Fahrzeuge, Währungseffekte sowie der Preiskampf in China.

Honda meldet Verlust und streicht Elektroautos

Auch bei Honda (ISIN: JP3854600008, WKN: 853226) läuft es nicht besser, der japanische Hersteller musste erstmals seit seinem Börsengang überhaupt einen Verlust melden. Für das am 31. März endende Geschäftsjahr wird nun mit einem Fehlbetrag von umgerechnet 3,8 Mrd. EUR gerechnet, nachdem bislang 1,6 Mrd. EUR prognostiziert worden waren. Drei für den US-Markt geplante Elektroautos werden gestrichen. Problematisch ist generell die Autosparte, während in der Motorradsparte weiter schwarze Zahlen anfallen.

Morgan Stanley und Cliffwater kürzen Auszahlungen aus Private Credit Fonds

Die Krise auf den privaten Kreditmärkten läuft angesichts anderer Entwicklungen derzeit etwas unter dem Radar. Doch das Thema ist relevant und akut. Morgan Stanley (ISIN: US6174464486, WKN: 885836) und der private Kreditgeber Cliffwater haben die Auszahlungen aus privaten Kreditfonds eingeschränkt. Cliffwater beschränkte im ersten Quartal Auszahlungen des größten Fonds (Volumen: 33 Mrd. USD), nachdem Auszahlungsanträge im Wert von 14 % des Fondsvermögens eingegangen waren. Stunden später schränkte auch Morgan Stanley Auszahlungen bei seinem North Haven Private Income Fund ein.

Unter der Lupe

Ist die Microsoft Aktie jetzt ein Schnäppchen?

Die Microsoft Aktie (ISIN: US5949181045, WKN: 870747) hat sich von ihren Hochs bei 550 USD deutlich entfernt und notiert aktuell bei gut 400 USD. Gleichzeitig scheint der seit Oktober 2025 laufende Abwärtstrend zumindest unterbrochen. Ist die Aktie nun günstig bewertet? Oder drohen im Zuge des KI-Scare Trades weitere Kursverluste?

Morningstar Analyst Dan Romanoff hat eine klare Meinung. Während das Analysehaus den fairen Wert für viele Softwareanbieter herabgesetzt und die Bewertung des Burggrabens verringert hat, bleibt Microsoft ein Kauf. Zwar will er Softwareaktien angesichts der Unsicherheit nicht generell empfehlen. Aber: "Unsere Top-Empfehlung ist Microsoft mit seinem starken Wettbewerbsvorteil, dessen fairer Wert auf 600 US-Dollar geschätzt wird, da wir davon ausgehen, dass das Unternehmen unabhängig von KI erfolgreich sein wird."

Auch die durch das Wall Street Journal befragten Analysten sind optimistisch. Es gibt 50 Kaufempfehlungen bei 5x overweight und 5x hold. Das Kursziel liegt im Median bei 600 USD und damit so hoch wie bei Morningstar. Die Wall Street rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Gewinne von 15,45 USD in diesem Jahr auf 22,52 USD im Jahr 2028.

Chart der Woche

Der US-Immobilienmarkt wird zum Käufermarkt

Viele Kaufinteressenten in den USA haben angesichts hoher Preise und Zinsen längst aufgegeben. Doch die verbliebenen Käufer profitieren immer häufiger von Preisnachlässen: Etwa 62 % der Käufer erwarben im vergangenen Jahr ein Haus unter dem ursprünglichen Angebotspreis, was laut Daten des Immobilienmaklers Redfin dem höchsten Wert seit 2019 entspricht. Der durchschnittliche Preisnachlass für die Häuser, die unter ihrem ursprünglichen Angebotspreis verkauft wurden, betrug rund 8 % - der höchste Wert seit 2012.

Von 2020 bis 2022 herrschte ein starker Verkäufermarkt, da extrem niedrige Hypothekenzinsen Scharen von Käufern anlockten. Nun hat sich die Situation umgekehrt. Die Zahl der Verkäufer überstieg zuletzt jene der Käufer um 600.000.

Im Februar kam es zu einem leichten Anstieg der Immobilienverkäufe um 1,7 %. Ursächlich war der Rückgang der Hypothekenzinsen unter die Marke von 6 % - erstmals seit Februar 2022. Zwischenzeitlich sind die Zinsen allerdings wieder gestiegen.

Quelle: MLS data, Redfin Data
Quelle: MLS data, Redfin Data

Fun Fact

Markenmilch frei Haus kostet in Deutschland weniger als Benzin

1,79 EUR - so viel kostet derzeit ein Liter H-Milch der Marke Weihenstephan in München, wenn dieser Liter im Rahmen eines Einkaufs bei einem Bringdienst frei Haus geliefert wird. (Mindestumsatz 20 EUR, keine Liefergebühren für regelmäßige Kunden).

Deutlich günstiger kommen Verbraucher weg, kommen fernab der Markenprodukte im Supermarkt einkaufen: Ab etwa 1,15 EUR im Stadtgebiet und ab circa 0,80 EUR in Gewerbegebieten und Discountern lässt sich der Liter Milch in München derzeit erwerben.

So mancher Autofahrer könnte auf die Idee kommen, sein Fahrzeug mit Milch zu betanken. Selbst die frei Haus gelieferte Milch wäre noch deutlich günstiger als der günstigste Treibstoff in München. 1,99 EUR für Super E10 und 2,16 EUR für Diesel weist das Portal clever-tanken.de als günstigste Option für die bayrische Landeshauptstadt aus.

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