
Nahost: Ölkrise in Hormus: Welche Aktien profitieren, wenn es noch schlimmer wird?
Von der am Persischen Golf ausgelösten Ölkrise dürften eine Reihe von Unternehmen profitieren: Allen voran Öl- und Gasproduzenten, die ohne geopolitisches und logistisches Risiko nachfragestarke Märkte bedienen können.
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Am frühen Donnerstagmorgen wurden vor der irakischen Küste zwei Tanker der Londoner Handelsgesellschaft Vitol angegriffen und gerieten in Brand. In den vergangenen 36 Stunden wurden damit fünf Schiffe Opfer von Angriffen. Der Iran macht Ernst mit seiner Drohung, die Straße von Hormuz zu schließen - und zwar ggf. auf Dauer. Mindestens 18 Handelsschiffe wurden laut einer Zählung der FT seit Kriegsbeginn getroffen, etwa 110 Tanker sitzen im Golf fest.
Ob die durch US-Präsident Trump versprochenen Eskorten durch die US-Marine kommen, ist fraglich. US-Energieminister Chris Wright sagte am Donnerstag, am Monatsende könne es so weit sein. Doch Schiffsbetreiber sind angesichts der Beschaffenheit des Nadelöhrs am Persischen Golf und der Berichte über iranische Seeminen skeptisch, ob wirksamer Schutz überhaupt möglich ist.
Ölpreis steigt nach Anzapfen der Reserven wieder
Der Ölpreis, der nach dem Zugriff zahlreicher Staaten auf die nationalen Ölreserven zunächst von seinen Höhen zurückkam, steigt wieder. Die Warnungen der Ökonomen sind eindringlich: Dauert die Krise an, drohen ein Rückgang des Wachstums und ein Anstieg der Inflation, in extremen Szenarien sogar die gefürchtete Stagflation.
Zunächst gilt es zu wissen: Es könnte noch schlimmer kommen. Rund 20 % des weltweit per Schiff transportierten Öls gehen durch die Straße von Hormus, dazu rund ein Viertel des LNG-Erdgases.
Es gibt bislang zwei Ölströme, die nicht von der Sperrung betroffen sind. Dazu zählen zum einen die Lieferungen des Iran durch die Straße von Hormus selbst, die allerdings jederzeit durch die USA unterbunden werden könnten. Zudem kann Saudi-Arabien rund 5 Mio. Barrel pro Tag per Pipeline zu dem bisher von der Krise nicht betroffenen Rote-Meer-Terminal in Yanbu umleiten.
Der Weg zum Indischen Ozean könnte jedoch durch die jemenitischen Huthis versperrt werden, die mit Teheran verbündet sind. Nur ein Teil der Öltanker eignet sich für eine Durchfahrt durch den Suezkanal In der Vergangenheit war der Miliz die Sperrung des Bab al-Mandab bereits für mehrere Monate gelungen, ohne dass die USA wirksame Gegenmaßnahmen hätten ergreifen können.
Wie können Anleger auf die Situation reagieren? Analysten sehen vor allem Energie‑, Transport‑ und Rüstungswerte als potenzielle Profiteure einer länger anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus.
Welche Aktien könnten profitieren?
Ölkonzerne wie Shell (ISIN: GB00BP6MXD84, WKN: A3C99G), BP (ISIN: GB0007980591, WKN: 850517), TotalEnergies (ISIN: FR0000120271, WKN: 850727), ExxonMobil (ISIN: US30231G1022, WKN: 852549) und Chevron (ISIN: US1667641005, WKN: 852552) könnten von höheren Ölpreisen und einer Ausweitung von Nicht‑OPEC‑Projekten profitieren. Ölfelddienstleister wie Schlumberger (ISIN: AN8068571086, WKN: 853390) und Halliburton (ISIN: US4062161017, WKN: 853986) dürften bei dauerhaft hohen Preisen von Investitionen in neue Förderprojekte außerhalb der Konfliktregion profitieren.
Zu den Gewinnern der Krise dürften langfristig vor allem Unternehmen zählen, die Energielieferungen ohne geopolitisches Risiko für Märkte mit hoher Nachfrage realisieren können. Ein solcher Markt ist zum Beispiel der europäische Gasmarkt: Da die Lieferungen aus Russland beendet werden, ist Gas auf dem Kontinent unabhängig von den Ereignissen in Nahost knapp.
Zu den Gewinnern des europäischen Gasmarktes könnten Gasexplorer wie CanCambria Energy (ISIN: CA13740E1079, WKN: A3EKUB) zählen, die heute Gasprojekte in Europa entwickeln und künftig zu verlässlichen, da inländischen, Energielieferanten werden. CanCambria Energy exploriert das Kiskunhalas-Tiefengasfeld in Südungarn.
CanCambria Energy könnte mit ungarischem Gasprojekt zum Gewinner werden
Das kanadische Unternehmen konnte in den letzten Monaten bedeutende Fortschritte vermelden. Im November wurde eine deutlich erweiterte Ressourcenschätzung vorgelegt, im Januar eine mehrfach aufgestockte Privatplatzierung abgeschlossen. Im März meldete CanCambria die Genehmigung des technischen Betriebsplans durch die zuständigen Behörden. Damit steht der Zeitplan für die Entwicklungsaktivitäten für die nächsten vier Jahre.
Paul Clarke, Präsident und CEO des an der Börse mit gut 40 Mio. EUR bewerteten Unternehmens, ist von Kiskunhalas überzeugt. "Angesichts der Angebotsengpässe und der damit verbundenen Rohstoffpreise für Erdgas in Europa sehen wir in diesem Projekt eine bedeutende Chance im europäischen Onshore-Energiesektor." Natürlich lasse sich heute noch nicht absehen, wie die Lage am Persischen Golf ist, wenn CanCambria die Produktion startet. Europa werde aber "weiterhin großen Wert auf stabile, regionale Erdgasquellen" legen. Kiskunhalas, ergänzt Clarke, "liegt in einer strategisch wichtigen Region Mitteleuropas, in der Nähe etablierter Gasinfrastruktur, die wichtige europäische Märkte versorgt."


