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TechnologieaktienVanEck launcht ersten Quantencomputer-ETF für Europa

Ist Quantencomputing der nächste Megatrend? Wer davon überzeugt ist, kann einen Blick auf den neuen VanEck ETF werfen. Auch mehrere deutsche Unternehmen sind darin vertreten.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / dpa / Sven Hoppe

Mit dem VanEck Quantum Computing ETF (ISIN: IE0007Y8Y157, WKN: A418QM) listet VanEck den ersten in Europa zugelassenen börsengehandelten Indexfonds (ETF), mit dem Anleger in Aktien von Unternehmen investieren können, die mit Quantencomputer-Technologien in Verbindung stehen.

"Wir erleben den Start des Quantencomputer-Zeitalters"

Martijn Rozemuller, CEO bei VanEck Europe, kommentierte den Launch: "Wir erleben gerade den Start des Quantencomputer-Zeitalters. Zwar wurde bereits Ende des letzten Jahrhunderts bewiesen, dass Quantencomputer theoretisch möglich sind.

Aber gerade seit den vergangenen paar Jahren steckten sowohl Tech-Riesen als auch Regierungen Milliardenbeträge in die Entwicklung und den Bau von Quantencomputern, so wurden in den letzten fünf Jahren weltweit über 10.000 relevante Patente zu dieser Technologie erteilt."

Konventionelle Computer speichern Daten in Bits. Jedes Bit kann eine 0 oder eine 1 darstellen. Quantencomputer verwenden dagegen Qubits oder Quantenbits - die grundlegende Informationseinheit im Quantencomputing. Ein Qubit kann gleichzeitig in einem Zustand von 0 und 1 sein. Dadurch sind sehr viel schnellere Berechnungen möglich.

Google etwa hat im letzten Jahr mit dem Quantenprozessor Willow eine Rechenaufgabe in weniger als fünf Minuten gelöst, für die einer der schnellsten Supercomputer der Welt rund 10 Septillionen Jahre benötigt hätte.

"Kleine wissenschaftliche Durchbrüche"

Noch steht der ganz große Durchbruch aus: Forscher kämpfen noch gegen die Fehleranfälligkeit der Prozesse. Der Quantenvorteil gilt als erreicht, wenn Quantencomputer besser als herkömmliche Rechner arbeiten. Wann es so weit ist, lässt sich kaum seriös sagen.

Claudia Linnhoff-Popien, Informatik-Professorin an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) sieht dafür "immer mehr Anzeichen wie kleine wissenschaftliche Durchbrüche."

Die Potenziale von Quantencomputern gelten als enorm, weil die Super-Rechner Probleme lösen können, die bislang nicht lösbar sind und dadurch einen enormen Produktivitätsschub auslösen dürften. Egal ob Medikamentenforschung, Logistik, Finanzsektor, Maschinelles Lernen: Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten sind groß.

Der VanEck Quantum Computing UCITS ETF basiert auf dem MarketVector Global Quantum Leaders Index und investiert derzeit in 30 Unternehmen weltweit. Das Volumen des am 21. Mai aufgelegten ETFs gab die Fondsgesellschaft am Dienstag mit 1,1 Mio. USD an. Die TER beträgt 0,55 %.

VanEck räumt selbst ein: "Obwohl erste Anwendungsfälle sichtbar werden, bleibt der kommerzielle Erfolg des Quantencomputings noch ungewiss." Das finanzielle Exposure könne sich somit auch auf verwandte Technologietreiber mit indirekter Wertschöpfung erstrecken.

Die größten Positionen im Quantencomputer ETF

Die drei größten Positionen im ETF sind IonQ (ISIN: US46222L1089, WKN: A3C4QT), D-Wave Quantum (ISIN: US26740W1099, WKN: A3DSV9) und Rigetti Computing (ISIN: US76655K1034, WKN: A3DE3J).

IonQ will das "NVIDIA des Quantencomputings" werden. Das in Maryland ansässige Unternehmen entwickelt und produziert Quantencomputer. D-Wave Quantum entwickelt und liefert Quantencomputersysteme, -software und -dienste. Kunden erhalten Zugriff auf die Quantencomputersysteme des Unternehmens über die Cloud in Form von Quantencomputing as a Service. Rigetti Computing bietet umfassende Quantencomputing-Dienste über seine Rigetti Quantum Cloud Services-Plattform an.

Mit der Deutschen Telekom (ISIN: DE0005557508, WKN: 555750), Infineon (ISIN: DE0006231004, WKN: 623100) und Siemens (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610) sind auch drei deutsche Unternehmen im Quantencomputer ETF von VanEck enthalten. Linnhoff-Popien zufolge nicht zu Unrecht: "Deutschland ist in der Forschung zu Software und Algorithmen der Quantencomputer weltweit ganz vorne dabei." Bei der Hardware seien allerdings die USA in der Pole Position.