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Polymarket, Kalshi und Co.Prediction Markets boomen in den USA - und strecken ihre Fühler nach Europa aus

Polymarket, Kalshi und Co ziehen immer mehr Kunden an. Kritiker warnen vor Insidergeschäften, US-Bundesstaaten fürchten um ihre Wetteinnahmen. Doch Prediction Markets genießen die Unterstützung von Donald Trump - und breiten sich nach Europa aus.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: [M] Verumo / Unsplash / Edge2edge Media

Prediction Markets haben sich in Rekordzeit etabliert: Das monatliche Transaktionsvolumen auf den Prognosemärkten stieg von 1,2 Milliarden US-Dollar Anfang 2025 auf über 20 Milliarden US-Dollar im Januar 2026. Diese Zahlen nennt jedenfalls die Blockchain Intelligence Plattform TRM Labs.

Das Wachstum fußt dabei auf zwei Säulen: Bestehende Nutzer wetten immer häufiger und neue Kunden strömen zu Polymarket, Kalshi und Co. So hat sich TRM Labs zufolge die Anzahl der einzigartigen Wallets in den sechs Monaten bis Februar 2026 auf 840.000 mehr als verdreifacht.

Auf den Plattformen können Nutzer auf fast alles Wetten: Sport und Kryptowährungen zum einen, jedoch auch auf Geopolitik, Makroökonomie und Politik. Wie lange hält die Waffenruhe im Iran? Wer gewinnt die Wahlen in Ungarn? Welchen Preis wird WTI Öl im April erreichen, wie hoch die Inflation 2026 steigen und wer die WM 2026 gewinnen?

Prediction Markets: Global ein Renner, in Deutschland illegal

Prediction Markets boomen aus den USA heraus und sprechen Nutzer weltweit an, wenngleich ein Großteil der Verbraucher in Europa noch nie auf einen Prognosemarkt tätig war (aus Deutschland heraus wäre dies auch ein Verstoß gegen das Glücksspielgesetz).

Doch die Anbieter wollen auch Europa und breitere Zielgruppen für sich einnehmen - und sind in den letzten Tagen einen ganz entscheidenden Schritt vorangekommen. In Gibraltar wurde die erste europäische Lizenz für einen Prognosemarkt ausgestellt. Laut dem Glücksspiellizenzregister von Gibraltar wurde Predict Street Ltd am 26. März gemäß dem Glücksspielgesetz von 2005 als Wettvermittler lizenziert.

Das Angebot ist unter adipredictstreet.com seit dem 09. April verfügbar - und umfasst vor allem Sportwetten. Das ist kein Zufall: Das Unternehmen ist offizieller Partner für Vorhersagemärkte der bevorstehenden FIFA-Weltmeisterschaft 2026. "Diese bahnbrechende Vereinbarung unterstreicht das kontinuierliche Engagement der FIFA für Innovation und die Einbindung der Fans", heißt es beim Fußball-Weltverband.

Fußballfreunde können der FIFA und Predict Street zufolge "an dynamischen, vorhersagebasierten Erlebnissen teilnehmen, die auf den offiziellen historischen Daten der FIFA basieren" und können "Spielergebnisse, Turnierstatistiken, herausragende Spieler und Schlüsselmomente vorhersagen."

Nach Gibraltar erwägt auch Malta eine Zulassung

Nicht nur in Gibraltar zeigen sich die Aufsichtsbehörden gegenüber Prognosemärkten offen. Auch im EU-Mitgliedstaat Malta wird an einem Regulierungsrahmen gearbeitet. Maltas Wirtschaftsminister Silvio Schembri nannte einen "klaren, zukunftsorientierten Rechtsrahmen" als Ziel, "der eine verantwortungsvolle und umfassende Entwicklung" ermöglichen solle.

Prognosemärkte funktionieren wie Finanzbörsen für reale Ereignisse. Die Teilnehmer kaufen und verkaufen Verträge, die an bestimmte Ergebnisse gekoppelt sind. In den USA ist darüber ein Rechtsstreit entbrannt: Mehrere Bundesstaaten fürchten um ihre Einnahmen aus dem Sportwettengeschäft und gehen gegen Polymarket und Co. vor.

Die CFTC schlägt sich jedoch auf die Seite der Betreiber und argumentiert, nur sie sei für die Regulierung zuständig. Ein erstes Berufungsurteil vom Montag schien die Auffassung der Behörde, die auch der Linie des Weißen Hauses entspricht, zu bestätigen. Die Familie des US-Präsidenten ist über Beraterposten mit der Branche verbunden.

Kritik wegen Insidergeschäften

Doch nicht nur Glücksspielaufsichtsbehörden üben Kritik an den Plattformen. Es wird befürchtet, dass Insiderinformationen über die Kontrakte zu schnellem Geld gemacht werden können. Vorgänge dieser Art stehen etwa im Zusammenhang mit der Verhaftung des venezolanischen Ex-Präsidenten Maduro im Raum. Auch im Zuge des Irankriegs gab es auffällige Bewegungen. So erzielten drei Konten auf Polymarket Gewinne von über 600.000 USD durch korrekte Wetten auf den Zeitpunkt der iranischen Waffenruhe in dieser Woche.

Der Popularität von Prognosemärkten tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Nun hat mit LaLiga auch eine europäische Fußballliga einen Vertrag mit Polymarket abgeschlossen. LaLiga Nordamerika räumt dem Prognosemarkt die Rechte zur Verwaltung der mit LaLiga verbundenen Vorhersagemarktaktivitäten in den USA ein.