Bild zum Artikel: Takaichi Trade: Japan: Yen und Anleihen unter Druck, Nikkei auf Rekordhoch

Takaichi TradeJapan: Yen und Anleihen unter Druck, Nikkei auf Rekordhoch

Gewinnt Takaichi die Neuwahlen, stehen die Zeichen auf fiskalische Expansion und Lockerungsdruck auf die BoJ. Aktien-, Bond- und Devisenmarkt spielen das Szenario bereits durch.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 4 min
Titelbild: picture alliance / Kyodo

Japan steht wieder einmal vor turbulenten Zeiten. Am Mittwoch kündigte Ministerpräsidentin Sanae Takaichi die Auflösung des Parlaments an, vorgezogene Neuwahlen könnten am 08. oder 15. Februar stattfinden. Die 64 jährige war erst Ende Oktober als erste Regierungschefin ins Amt gewählt worden.

Kann Takaichi bald durchregieren?

Die Aktienmärkte hatten bereits die Gerüchte über die Auflösung des Unterhauses zu neuen Rekordkursen zum Anlass genommen. Der Nikkei erreichte in dieser Woche zeitweilig 54.461 Punkte. Marktteilnehmer wetten darauf, dass das Kalkül der beliebten Ministerpräsidentin aufgeht und sie künftig, durch zusätzliche Stimmen gestärkt, mehr von ihrer wirtschaftsfreundlichen Agenda umsetzen kann, die unter anderem eine Reform der Sozialversicherungen und höhere Rüstungsausgaben vorsieht und generell auf fiskalische Stimuli setzt und niedrige Zinsen befürwortet.

Die Reaktion am Devisen- und Anleihemarkt war deutlich: Der japanische Yen kratzte an der Marke von 160 USD und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren. Die Märkte rechnen mit Druck Takaichis auf die Bank of Japan in Richtung niedriger Leitzinsen. Damit würde die Strategie der BoJ über den Haufen geworfen: Die Notenbank hatte erst im Dezember den Leitzins auf 0,75 % und damit auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten angehoben - und für das laufende Jahr weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Schon allein die weitere Abwertung des Yen in den vergangenen Tagen erhöht dabei den Druck auf die BoJ, die Geldpolitik zu straffen: Durch den sinkenden Außenwert der Währung steigt die Inflation. Die Kerninflation im Land hält sich weiter über 3 % und liegt damit deutlich über den Zielwerten der Zentralbank.

30-jährige japanische Renditen bei 3,5 %

Am Bondmarkt ist der Takaichi Trade ebenfalls sichtbar: Die Renditen japanischer Staatsanleihen (Japan Government Bonds, JGBs) ziehen an. 10-jährige japanische JGBs markierten in dieser Woche das höchste Renditeniveau seit 1999. Die Rendite 30-jähriger Anleihen kratzte sogar an der Marke von 3,5 %.

Diese Entwicklungen rücken die Logik des Yen Carry Trades wieder in den Fokus: Bei diesem Trade verschulden sich Marktteilnehmer im Yen, um das aufgenommene Geld in anderen Assets mit höherer Verzinsung anzulegen. Die steigenden Renditen drohen jedoch, den Carry Trade zum Einsturz zu bringen.

"Wegen wachsender relativer Attraktivität von JGBs könnten japanische Investoren Anlagegelder verstärkt auf den heimischen Markt umschichten. Dies würde Aufwärtsdruck für Renditen 10-jähriger US-Treasuries sowie für langlaufende EUR-Staatstitel bringen. Wie schon 2024 könnte eine zu rasche Rückabwicklung von Carry-Trades auch an den Aktien- und Währungsmärkten spürbar sein", warnt die LBBW in einer aktuellen Notiz.

Die Wahl ist noch lange nicht gewonnen

Doch gewettet wird nicht nur an den Märkten: Sanae Takaichi selbst geht eine Wette ein und verlässt sich dabei auf ihre guten, persönlichen Zustimmungswerte von 70 %. Ihr Ziel: Die absolute Mehrheit für die LDP im Unterhaus zurückerobern. Dann wäre sie nur noch im Oberhaus auf Stimmen anderer Parteien angewiesen.

Doch ob der Plan aufgeht, ist nicht gewiss. Die LDP steht in Meinungsumfragen bei gut 30 % und kann damit vom Glanz Takaichis nur begrenzt profitieren. Außerdem tritt die Partei erstmals seit Jahrzehnten nicht mit dem Partner Kōmeitō an, was die Opposition dazu nutzen könnte, durch gemeinsame Kandidaten möglichst viele Wahlkreise gegen die LDP zu entscheiden. Und nicht zuletzt gewinnt die rechtsgerichtete Partei Sanseito an Zustimmung.