
Investor Woche: EZB hält still, Lufthansa stellt Cityline ein, Netflix und Alstom enttäuschen, Algo Grande vor Bohrungen bei Adelita, 20 Mrd. USD Gebot für SFR
Die EZB wird die Zinsen im April nicht senken, die Bundesregierung halbiert ihre Wachstumsprognose, China legt ein starkes erstes Quartal hin. Netflix und Alstom enttäuschen beim Ausblick, ein Konsortium bietet mehr als 20 Mrd. USD für den Telekommunikationskonzern SFR. Algo Grande Copper startet in die Vorbereitungen für neue Bohrungen bei Adelita. Analysten sehen bei Broadcom Potenzial.
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Marktentwicklung
Der S&P 500 steigt über 7.000 Punkte und markiert damit ein neues Allzeithoch. Dasselbe Bild im NASDAQ 100, der am Freitagnachmittag bei 26.330 Punkten notiert und im Wochenverlauf damit 1.200 Punkte zugelegt hat. Der Dollar gibt wieder nach und notiert zum EUR bei 1,18, Gold kostet rund 4.800 USD.
Top Meldungen
EZB wird Zinsen im April nicht erhöhen
Trotz steigender Inflation wird die EZB den Leitzins im April nicht erhöhen, wie Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern und das Protokoll der Zinssitzung im März durchblicken lassen. Frankreichs Notenbankpräsident François Villeroy de Galhau sagte, die EZB sei nicht in Eile, auf den Irankrieg zu reagieren. Isabel Schnabel äußerte die Einschätzung, die Geldpolitik sei derzeit in etwa neutral und die Notenbank könne sich deshalb Zeit bei der Analyse der Situation nehmen.
Bundesregierung kassiert Wachstumsprognose
Weniger Wachstum und mehr Inflation durch den Irankrieg: Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Wachstumserwartung für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 von 1,0 % auf 0,5 % gesenkt. 2027 soll die Wirtschaft um 0,90 % wachsen. Die Inflation soll in diesem Jahr bei 2,7 % und im kommenden Jahr bei 2,8 % liegen, 0,6 % bzw. 0,8 % mehr als zuvor prognostiziert.
Chinas Wirtschaft mit starkem erstem Quartal
In den ersten drei Monaten legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Volksrepublik nach vorläufigen Daten um 5,0 % im Jahresvergleich zu. Dies ist das kräftigste Wachstum seit drei Quartalen und liegt über den Erwartungen der Analysten. Eine Abschwächung der Exporte ist aufgrund des Irankriegs jedoch wahrscheinlich. Zudem dürfte sich der Außenbeitrag, der maßgeblich für das starke Wachstum im ersten Quartal war, aufgrund der hohen Ölpreise reduzieren." Als weltweit größter Ölimporteur führen höhere Ölpreise zu teureren Importen und könnten den Handelsüberschuss schmälern", sagte ING-Analyst Lynn Song.
Netflix mit schwacher Gewinnprognose
Die Netflix (ISIN: US64110L1061, WKN: 552484) Aktie gab im nachbörslichen Handel um 9 % nach: Der Streamingdienst rechnet für das laufende Quartal mit einem Gewinn von 0,78 USD pro Aktie. Analysten hatten im Schnitt 0,84 USD erwartet. Im ersten Quartal steigerte Netflix den Umsatz um 16 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 12,3 Mrd. USD. Der Gewinn legte um fast 83 % auf 5,28 Mrd. USD bzw. 1,23 USD pro Aktie zu.
Lufthansa legt Cityline wegen Streiks still
Die Lufthansa (ISIN: DE0008232125, WKN: 823212) stellte den Betrieb der Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline mit sofortiger Wirkung ein. Die Kernmarke Lufthansa Classic beendet den Vertrag über Zubringerflüge wegen der anhaltenden Streiks. "Alle betroffenen Mitarbeiter im Cockpit und in der Kabine werden widerruflich - bis auf wenige Ausnahmen - freigestellt", heißt es in einem internen Schreiben.
Bouygues, Orange und Iliad legen 20 Mrd. EUR Angebot für SFR vor
Die französischen Telekommunikationsunternehmen Bouygues (ISIN: FR0000120503, WKN: 858821), Orange (ISIN: FR0000133308, WKN: 906849) und Iliad haben ein gemeinsames Angebot für SFR, ein Unternehmen der Altice Group, abgegeben und planen, dessen Festnetz-, Mobilfunk- und Geschäftskundendienste unter sich aufzuteilen. Das Angebot liegt bei 20,4 Mrd. USD und damit deutlich höher als die Offerte im Oktober, die abgelehnt worden war. Bei einer Einigung würde der Deal die Rentabilität der Käufer steigern, indem er den intensiven Wettbewerb in Frankreich verringert und große Synergien ermöglicht.
Algo Grande bereitet Phase-2-Bohrprogramm bei Adelita vor
Algo Grande Copper (ISIN: CA0156071049, WKN: A41UK1) bereitet ein rund 8.000 Meter umfassendes Phase-II-Bohrprogramm auf dem Adelita-Projekt im mexikanischen Sonora vor. Der Kupferexplorer hat mit den Erdarbeiten zur Vorbereitung der Bohrungen begonnen, einschließlich des Baus von Bohrplattformen in mehreren vorrangigen Zielgebieten. Zudem wurde ein Bohrdienstleister beauftragt.
Alstom Aktie nach Gewinnwarnung auf Talfahrt
Die Alstom (ISIN: FR0010220475, WKN: A0F7BK) Aktie brach am Freitag um rund 30 % ein, nachdem der französische Zughersteller eine Gewinnwarnung herausgegeben und seine mittelfristige Prognose zurückgezogen hatte. Erwartet werden nun ein organisches Umsatzwachstum von rund 5 %, eine bereinigte EBIT-Marge von rund 6,5 % sowie ein positiver freier Cashflow. Zuvor lautete die Prognose für den kumulierten freien Cashflow über drei Jahre auf 1,5 Mrd. EUR. Erwartet wurde zudem eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 8 % und 10 % bis zum Geschäftsjahr 2027.
Unter der Lupe
Broadcom nach Deals mit Meta und Google: 25 % Unterbewertung?
Die Broadcom Aktie (ISIN: US11135F1012, WKN: A2JG9Z) besitzt nach Ansicht von Morningstar Analyst William Kerwin "erhebliches Aufwärtspotenzial." Das Unternehmen aus dem kalifornischen Palo Alto ist eines der größten Halbleiterunternehmen der Welt und hat sein Angebot auch auf Infrastruktursoftware ausgeweitet. Einen Großteil des Geschäfts machen mittlerweile kundenspezifische KI-Beschleuniger.
In dieser Woche kündigte das Unternehmen eine mehrjährige Partnerschaft mit Meta Platforms für seine kundenspezifischen MTIA-XPU-Chips an. Die erweiterte Partnerschaft umfasst zunächst eine Rechenkapazität von über einem Gigawatt, soll aber nur die erste Phase eines "nachhaltigen Multi-Gigawatt-Ausbaus" darstellen.
"Wir sind überzeugt, dass XPUs eine entscheidende Ergänzung zu GPUs für Kunden im Bereich der groß angelegten Inferenzsysteme darstellen, die bessere Kosten, höhere Leistung und eine geringere Herstellerabhängigkeit anstreben", sagt Kerwin. Morningstar sieht den fairen Wert der Aktie bei 500 USD und damit rund 25 % höher als die aktuelle Bewertung. Die Analysten unterstellen dabei ein jährliches Gewinnwachstum von 35 % in den kommenden fünf Jahren, basierend auf der Prognose eines jährlichen Umsatzwachstums von 75 % für XPU über fünf Jahre bis 2030.
Gut eine Woche vor dem Deal mit Meta hatte Broadcom eine Vereinbarung mit Google über eine langfristige Liefervereinbarung für TPUs und Netzwerkchips bis 2031 bekanntgegeben. "Die Nachricht passt zu unseren optimistischen Wachstumserwartungen für Broadcoms XPU-Segment bis 2030", so Kerwin.
An der Wall Street wird ebenfalls ein deutliches Gewinnwachstum erwartet: Von 11,31 USD pro Aktie im laufenden Jahr auf 17,95 USD 2027 und 22,40 USD im Jahr 2028.42 der durch das Wall Street Journal befragten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf (bei 9x overweight und 3x hold). Das Kursziel liegt im Median bei 475 USD.
Chart der Woche
Die Zinsausgaben der USA steigen in Lichtgeschwindigkeit
Das US-Finanzministerium hat die monatlichen Einnahmen und Ausgaben für März veröffentlicht. Die US-Bundesregierung meldete, dass das Haushaltsdefizit im März um 4 Mrd. USD bzw. 2 % auf 164,1 Mrd. USD gestiegen ist. Die Steuereinnahmen im März beliefen sich auf insgesamt 385 Mrd. USD, ein Anstieg um 17 Mrd. USD bzw. 4,7 % gegenüber März 2025. Die Ausgaben beliefen sich auf insgesamt 549 Mrd. USD, ein Anstieg um 21 Mrd. USD bzw. 3,9 % gegenüber dem Vorjahr.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. "Die Gesamtsumme für März war ein buchhalterischer Trick. Nach Berücksichtigung kalenderbedingter Anpassungen der Sozialleistungen hätte das Defizit im März 250 Milliarden Dollar betragen und damit deutlich höher ausfallen können als im Vorjahr", heißt es in einer Analyse von Zerohedge.
"Noch schlimmer: Die monatlichen Budgetdaten zeigten keinen signifikanten Anstieg der Ausgaben für den Iran-Krieg." Diese Kosten werden also erst in den kommenden Monaten das buchhalterische Licht der Welt erblicken.
Das anhaltende Defizit erhöht die Zinslasten, die in diesem Jahr auf 1.300 Mrd. USD steigen könnten.
Das Schuldenproblem in den USA ist besonders bedrohlich für die Finanzmärkte, liegt ansonsten aber im globalen Trend. Wie der IWF im Fiscal Monitor 2026 in dieser Woche berichtet, ist die globale öffentliche Verschuldung im vergangenen Jahr auf 94 % der Wirtschaftsleistung (BIP) gestiegen und nimmt bis 2029 weiter auf 100 % zu - 120 % in einem ungünstigen Szenario.
In nur vier Jahren hat die Zinsausgabenquote der Staaten von 2 auf fast 3 % des BIP zugenommen, warnt der IWF. Die Organisation hebt China und die USA besonders hervor, da hier die primären Defizite tief im negativen Bereich verharren. In den USA weise zudem ein Viertel der Verbindlichkeiten eine Laufzeit von unter einem Jahr auf.

Fun Fact
Die japanische Phillips-Kurve sieht aus wie Japan
Die Phillips-Kurve beschreibt die Beobachtung, dass Arbeitslosigkeit und Inflation kurzfristig negativ korreliert sind. Der Ökonom Gregor Smith von der Queen's University in Kanada untersuchte die Phillips-Kurve im Mai 2006 für Japan über einen Zeitraum von 26 Jahren, von 1980 bis 2005. Zuerst stellte er in einem XY-Diagramm die Inflation der Arbeitslosigkeit gegenüber. Danach kehrte er die X-Achse um. Das optische Ergebnis verblüffte: Die Punktwolke zeigte eine fast identische Form zu Japan auf der Landkarte.
"Deutlich zu erkennen sind die Inseln Hokkaido und Honshu, während es etwas schwierig ist, die südlichen Inseln Kyushu und Shikoku voneinander zu unterscheiden. Die Halbinsel Noto-Hanto ist nördlich des südlichen Endes der Hauptinsel Honshu zu erkennen. Auch die Bucht von Tokio ist zu sehen. Der Datenpunkt ganz links in Abbildung 2 ist die Insel Fukue-Jima", schrieb er in seinem Bericht, der heute unter Ökonomiestudenten weltweit bekannt ist.


