Bild zum Artikel: Stablecoins holen auf: Fintech-Investoren setzen auf künstliche Intelligenz und stabile Digitalwährungen

Stablecoins holen aufFintech-Investoren setzen auf künstliche Intelligenz und stabile Digitalwährungen

Künstliche Intelligenz dominiert weiter den VC-Markt. Doch auch stabile Digitalwährungen und spezialisierte Trade-Fintechs rücken in den Fokus.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: Jonas Leupe / Unsplash

Trotz Marktkorrekturen und wachsender Vorsicht bei der Auswahl neuer Investments bleibt der Fintech-Sektor auch 2026 im Visier internationaler Wagniskapitalgeber. Besonders drei Felder ziehen Kapital an: künstliche Intelligenz (KI), stabile Digitalwährungen und spezialisierte Angebote in der Handelsfinanzierung.

KI bleibt Herzstück der Infrastruktur

Laut Daten der Silicon Valley Bank floss 2025 rund 58 % des gesamten Fintech-Risikokapitals in KI-Projekte. Auch 2026 zeichnet sich keine Trendwende ab. Für Iulia Tudor, Partnerin bei Ascension VC, liegt die Zukunft in den "unsichtbaren" Systemen: "Vor allem in der Infrastruktur hinter Gehaltsabrechnungen und Marktplätzen sehen wir Potenzial - dort, wo künstliche Intelligenz Zahlungsprozesse effizienter und verlässlicher macht."

Smartere Risikobewertungen, automatisierte Abgleiche und eine verbesserte Zahlungsabwicklung sind laut Tudor entscheidend, um Menschen mit knappen Budgets finanziell besser zu unterstützen. Auch Patrick Molyneux von KPMG sieht einen Wandel: "KI wird nicht mehr nur als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil von Kundendienst, Vertrieb und Finanzprozessen gedacht." Gleichzeitig wachse das Interesse an KI-Risikoabschätzung und Cybersicherheit - eine direkte Folge der zunehmenden Komplexität.

Sicherheit wird zur Grundvoraussetzung

Die Verbindung von KI und Cybersicherheit ist inzwischen eng - auch für Investoren. Nach Zahlen von Pinpoint Group sammelten Cybersicherheitsfirmen im Jahr 2025 knapp 14 Mrd. USD in 392 Finanzierungsrunden ein. Besonders gefragt: Lösungen, die auf moderne KI-Umgebungen zugeschnittene Kontrollmechanismen bieten.

Allein auf KI spezialisierte Cybersicherheitsfirmen erhielten laut Crunchbase in den Jahren 2024 und 2025 rund 8,5 Mrd. USD. Carey Ransom von BankTech Ventures rechnet mit weiterem Wachstum: "Kapital wird in Sicherheitslösungen fließen, die KI-Bedrohungen adressieren, ebenso in neue Bezahlmethoden wie Stablecoins."

Zu den Unternehmen, die von dieser Entwicklung profitieren, zählt auch Sekur Private Data (ISIN: CA81607F1036, WKN: A3DKJ0), ein Anbieter von datenschutzfokussierten Kommunikationslösungen mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen bietet unter anderem verschlüsselte E-Mail- und Messaging-Dienste an, die ohne Nutzung von Big Tech-Infrastruktur auskommen – ein Ansatz, der laut Brancheninsidern zunehmend auf das Interesse sicherheitsbewusster Nutzer und institutioneller Investoren stößt.

Stablecoins auf dem Vormarsch

Auch stabile Digitalwährungen - sogenannte Stablecoins - gewinnen an Akzeptanz. Laut FXC Intelligence investierten Risikokapitalgeber allein im ersten Halbjahr 2025 über 100 Mio. USD in Infrastrukturprojekte rund um Stablecoins. Citi Ventures setzte im Oktober mit einer Beteiligung am Anbieter BVNK ein klares Signal.

Für Nigel Morris von QED Investors liegt der Reiz vor allem im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. "Stablecoins bieten einen stabilen digitalen Zugang zum US-Dollar, was insbesondere in Ländern mit instabilen Währungen interessant ist", sagt er. Das Marktvolumen bestätigt den Trend: Das Transaktionsvolumen im Stablecoin-Zahlungsverkehr stieg von 2024 bis 2025 um 87 % auf rund 9 Bio. USD.

Handelsfinanzierung rückt in den Fokus

Abseits der dominanten Tech-Trends entdecken Investoren auch alte Märkte neu. Der Londoner Frühphaseninvestor Verb Ventures sieht großes Potenzial in der Handelsfinanzierung - konkret in der Finanzierung von Rohstoffrechnungen. Gründer Alex Chikunov spricht von einer "neuen Welle spezialisierter Lösungen, die statt allgemeinem Kreditangebot ganze Kontrollketten abdecken".

Ein Beispiel: Die Finanzierung verifizierter Rechnungen im Rohstoffhandel - etwa für Metalle oder Agrarprodukte - ermöglicht schnellere Liquidität ohne große Ausfallrisiken. Für Investoren ist dies ein lukrativer Nischenmarkt.

Mehr Geld für die gefährliche Wachstumsphase

Doch nicht nur Sektoren verschieben sich - auch die Finanzierungsstrategie verändert sich. Mei Lim, Managing Partner bei Anthemis, verweist auf das Problem der "valley of death": den oft tödlichen Finanzierungsspagat zwischen Seed-Phase und Skalierung. "Viele gute Ideen scheitern nicht am Anfang, sondern am fehlenden Kapital für die zweite Wachstumsstufe", so Lim.

Laut dem KPMG-Report "Pulse of Fintech H2 2025" stiegen die weltweiten Fintech-Investitionen 2025 auf 85,4 Mrd. GBP bei 4.719 Deals - trotz rückläufiger Anzahl der Deals. Ob 2026 diese Zahlen hält, bleibt offen. Klar ist: Wer skalierbare Technologie mit tiefem Fachwissen kombiniert, bleibt im Rennen.