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StudieDie KI-Entlassungsfalle: Rutscht die Weltwirtschaft in den Abgrund?

Hocheffiziente KI-Systeme produzieren perfekte Produkte optimal angepasst auf die Bedürfnisse von Kunden, die es nicht mehr gibt. Genau dieses Szenario sieht eine neue Studie als unabwendbares Schicksal an - fast jedenfalls.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 4 min
Titelbild: Galina Nelyubova / Unsplash

Es ist das Paradoxon des Jahres 2026: Während Tech-Giganten ihre Belegschaft reduzieren und wie etwa Salesforce Tausende von Agenten durch "Agentic AI" ersetzen, steuert die Wirtschaft auf ein bedrohliches Szenario zu. Eine neue Studie der Wharton School und der Boston University mit dem Titel "The AI Layoff Trap" warnt: Wir befinden uns in einem rasanten Wettlauf in den Abgrund, bei dem Unternehmen im Kampf um Wettbewerbsfähigkeit letztlich ihre eigene Existenz untergraben.

Das Gefangenendilemma der Automatisierung

Das Problem ist so simpel wie erschreckend. Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter durch KI ersetzt, spart es zunächst Kosten. Doch die entlassenen Beschäftigten sind aus makroökonomischer Sicht gleichzeitig Konsumenten. Fällt ihr Einkommen weg, sinkt die Kaufkraft. Das Ergebnis im Extrem: Die Produktivität steigt ins Unermessliche, während die Nachfrage gegen Null geht.

Die Autoren Brett Hemenway Falk und Gerry Tsoukalas zeigen mathematisch auf, dass Firmen diese Klippe zwar kommen sehen, aber nicht bremsen können. In einem kompetitiven Markt ist die Automatisierung eine "streng dominante Strategie". Das bedeutet: Wer nicht automatisiert, gibt Marktanteile an die Konkurrenz ab. Automatisierung ist deshalb auch dann zwingend, wenn beide Unternehmen dadurch am Ende ohne Kunden (und ohne Gewinn) dastehen.

Bedingungsloses Grundeinkommen hilft nicht

Die Studie geht hart mit den in diesem Kontext üblicherweise vorgebrachten Lösungsvorschlägen ins Gericht. Weder das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) noch Umschulungsprogramme oder Mitarbeiterbeteiligungen können den Kern des Problems lösen:

Ein BGE sichert zwar das Überleben der Menschen, ändert aber nichts an dem Anreiz für Firmen, immer weiter zu automatisieren. Wie ein Medikament, das die Symptome lindert, aber die Infektion ignoriert.

Die Abwärtsspirale trägt ihre eigene Beschleunigung in sich: Bessere KI vergrößert das Problem. Je produktiver die KI wird, desto größer wird der Druck, der Konkurrenz durch noch mehr Entlassungen zuvorzukommen.

Lohnanpassungen sind keine Lösung: Selbst wenn Mitarbeiter ihre Löhne drastisch senken würden, um mit Maschinen zu konkurrieren, führt das nur zur "Verarmung der Arbeiterschaft", ohne das Nachfrageproblem zu lösen.

Die Lösung: Eine Pigou-Steuer auf Roboter?

Die Forscher bringen ein anderes Instrument ins Spiel: Nur eine Pigou-Automatisierungssteuer könne den Markt retten. Eine solche Steuer müsste genau den Teil der zerstörten Nachfrage internalisieren, den die Unternehmen bisher als "Externalität" auf die Gesellschaft abwälzen.

Die Studie betont, dass es um ein strukturelles und nicht um ein moralisches Problem geht. Selbst ein hypothetischer Planer, dem das Wohl der Arbeiter völlig egal sei und der nur die Profite der Firmen maximieren wolle, würde die KI-Adoption bremsen, um den Markt zu stabilisieren.

Wenn wir nicht handeln, droht der Studie zufolge eine Wirtschaft, in der hocheffiziente KI-Systeme perfekte Produkte für Kunden produzieren, die nicht mehr existieren. Die "KI-Entlassungsfalle" erinnert an die Henry Ford Frage. Fords Logik vor mehr als 100 Jahren: Wenn sich die Arbeiter die von ihnen hergestellten Autos nicht leisten konnten, würde es niemals einen Massenmarkt für Automobile geben. Nicht nur wegen Lohnerhöhungen kam es bekanntlich anders.