
Solar federt Ölkrise ab: Elektromobilität und Photovoltaik stärken Energiesicherheit weltweit
Erneuerbare Energie wird zur Sicherheitsfrage: Wer auf Photovoltaik, Batterien und E-Autos setzt, steht bei Energiekrisen stabiler da.
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Die Energiepreise ziehen weltweit an. Öl kostet inzwischen über 100 USD je Barrel, Gasimporte nach Asien und Europa steigen im zweistelligen Prozentbereich. Auslöser ist die Eskalation im Nahen Osten: Die Straße von Hormus, durch die ein Viertel des weltweiten Öl- und Gasvolumens fließt, ist gesperrt. Qatar hat seine LNG-Produktion gestoppt - ohne klares Enddatum.
Doch nicht alle Staaten trifft diese Entwicklung gleich hart. Einige Länder haben in den vergangenen Jahren massiv in erneuerbare Energien investiert - und profitieren nun. Pakistan zählt laut dem britischen Thinktank Ember zu den am besten vorbereiteten Staaten. Seit 2023 importierte das Land rund 41 Gigawatt (GW) an Solarpaneelen aus China. Zum Vergleich: Alle anderen Stromquellen des Landes - von Kohle über Gas bis Atomkraft - kamen 2024 zusammen auf rund 46 GW.
Photovoltaik ersetzt fossile Energie nicht komplett aber lindert Krisenfolgen
Diese Entwicklung entkoppelt Pakistan zunehmend von Preisschocks bei Gas und Öl. Zwar ist das Land weiterhin auf importierte Kraftstoffe für den Verkehrssektor angewiesen. Doch im Stromsektor verringert die Photovoltaik die Abhängigkeit spürbar. Die Regierung reagierte auf die steigenden Kraftstoffpreise zuletzt mit Schulschließungen und Homeoffice-Anordnungen, um den Autoverkehr zu reduzieren.
Der flächendeckende Solarausbau und die Batterien bieten quasi eine Versicherung gegen fossile Preiskrisen. Auch die LNG-Importe Pakistans aus Qatar sind laut Energieministerium zuletzt gesunken - nicht nur wegen der geopolitischen Lage, sondern auch wegen wachsender Kapazitäten bei Solar und Wind.
Auch kleine Märkte setzen auf E-Mobilität und dezentrale Lösungen
Ein weiterer Stabilitätsfaktor sind Elektrofahrzeuge. Während in China bereits mehr als 50 % der Neuwagen elektrisch fahren, sind es in Nepal sogar über 70 %. Die Elektromobilität federt dort Preissteigerungen bei Benzin ab, wie Analyst Kingsmill Bond vom Energie-Thinktank Ember erklärt: "Das ist eine Lösung für Versorgungssicherheit und Kosten zugleich."
Nepal ist kein Einzelfall. Auch einige afrikanische und lateinamerikanische Staaten wägen aktuell ab, ob sie in fossile Infrastruktur investieren oder direkt auf erneuerbare Energien und Batterien setzen. Für Bond ist klar: "Hat man erst einmal das Solarpanel gekauft, kostet die Sonne nichts mehr. Beim Gaskraftwerk zahlt man jeden Tag für den Brennstoff."
Europa zieht gemischte Bilanz aus der Ukraine-Krise
Die Idee, erneuerbare Energien als geopolitisches Stabilitätsinstrument zu nutzen, ist nicht neu. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 setzte die EU auf Photovoltaik und Wind als Alternative zu russischem Gas. Länder wie Spanien und Portugal bauten seither ihre Kapazitäten stark aus. Andere Staaten ersetzten russische Importe jedoch durch Flüssiggas aus den USA und Qatar - ein Fehler, wie Bond meint.
"Einige europäische Politiker fordern inzwischen verstärkt den Ausbau der Erneuerbaren, um diesen Fehler nicht zu wiederholen", sagt der Analyst. Die aktuellen Preissteigerungen machen deutlich: Wer auf Sonne und Wind setzt, ist unabhängiger.

