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Payment TechnologieVisa testet Stablecoins und KI-Agenten

Visa bettet KI-Agenten in Zahlungsabläufe ein: Konsumenten können in Zukunft Agenten zum Online-Shopping schicken und zur Bezahlung autorisieren. Auch die Stablecoin-Ambitionen des Kartenriesen wachsen - was der Aktie jedoch nicht hilft.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: Cardmapr Nl / Unsplash

Die Kreditkartengesellschaft VISA hat mit Agentic Ready ein Programm zur Vorbereitung auf den KI-gestützten Handel ins Leben gerufen. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, können Partnerbanken des Programms, darunter DZ Bank und Commerzbank, zusammen mit Visa und ausgewählten Händlern "die Abwicklung von durch KI‑Agenten initiierten Zahlungen in einer kontrollierten Umgebung unter realistischen Bedingungen testen."

Zahlungen durch KI-Agenten in realen Umgebungen testen

In der ersten Phase liege der Schwerpunkt darauf zu validieren, dass von KI-Agenten initiierte Zahlungen in realen Umgebungen von kartenausgebenden Banken sicher und im großen Maßstab funktionieren. Das Programm baue auf etablierten Technologien wie der Tokenisierung und der biometrischen Authentifizierung auf. Diese sollen bei der Freigabe von agentischen Transaktionen zum Einsatz kommen. "So lassen sich von KI-Agenten initiierte Transaktionen künftig eindeutig einer realen Person zuordnen, die damit auch die Kontrolle über die Zahlung behält", teilt der Kreditkartenriese mit.

Das Programm startet in Europa, zielt perspektivisch aber auf die ganze Welt ab. Durch die neuen Prozesse sollen KI-Agenten künftig im menschlichen Auftrag Einkäufe vorbereiten oder vollständig ausführen können. Am Ende soll ein End-to-End-Prozess stehen, der bei der Hinterlegung der Zahlungsdaten beginnt und sich über Authentifizierung und Autorisierung bis hin zur finalen Transaktion erstreckt.

So könnte es in Zukunft möglich sein, einen persönlichen KI-Agenten mit dem Kauf eines Notebooks zu beauftragen, das bestimmte Kriterien erfüllt und einen bestimmten Preis nicht überschreitet.

"Agentic Commerce ist keine Zukunftsversion"

Visa sieht in KI-Agenten beim E-Commerce allerdings keine Zukunftstechnologie, sondern heute bereits bestehende Realität. Arne Rötzmeier, Head of Value Added Services für Zentraleuropa, erklärte: "Was wir Agentic Commerce nennen, ist keine Zukunftsvision, sondern schon Technologie, die da ist und gerade erprobt wird."

Ein weiteres Technologiethema für den Zahlungsdienstleister sind Stablecoins. Albrecht Kiel, Regional Managing Director für Zentraleuropa, sagt: "Wer Geld bewegt, braucht eine Stablecoin-Strategie."Visa unterstützt seine Zahlungspartner dabei, Stablecoins in bestehende Zahlungsinfrastrukturen einzubinden.

Demnach gibt es weltweit bereits mehr als 130 Kartenprogramme, die den Einsatz von Kryptowährungen oder Stablecoins analog zu konventionellen Zahlungsmitteln ermöglichen. Das monatliche Zahlungsvolumen von mit Krypto der Stablecoins verknüpften Karten lag zuletzt bei mehr als 350 Mio. USD pro Monat. Seit September 2025 läuft auf der Plattform Visa Direct ein Programm, das Zahlungspartnern die Inanspruchnahme vorfinanzierter Stablecoins ermöglicht. Dies soll Zahlungen beschleunigen und die Kosten drücken.

Visa Aktie: Kursrückgang trotz breitem Burggraben und hoher Margen

Nicht wenige Analysten halten Visa deshalb für einen möglichen Gewinner im Kontext der Entwicklungen um KI-Agenten und Stablecoins. Morningstar Analyst Brett Horn etwa schrieb in einem Bericht im Dezember: "Trotz der ständigen Weiterentwicklung des Zahlungsverkehrs sind wir der Ansicht, dass Visa über einen breiten Wettbewerbsvorteil verfügt und seine Position in der globalen elektronischen Zahlungsinfrastruktur praktisch unangefochten ist."

Die Aktie hat sich von ihrem Hoch bei 375 USD deutlich entfernt und notiert aktuell bei 301 USD. Zuletzt wurde eine signifikante technische Unterstützung unterschritten. An der Aktivität der Kunden lag dies nicht: 2025 stieg die Zahl der in Deutschland durchgeführten Transaktionen um 26 % gegenüber dem Vorjahr, das Transaktionsvolumen legte um 17 % zu.

"Die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells sollte es dem Unternehmen ermöglichen, seine bereits hohen Margen im Laufe der Zeit moderat zu steigern", sagt Horn. 29 der 39 durch das Wall Street Journal befragten Analysten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf. Das Kursziel liegt im Median bei 408 USD.