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Softwareaktien unter KI-DruckMorningstar hält ServiceNow Aktie nach Kursrutsch für günstig bewertet

KI ersetzt Software. Dieses Schreckgespenst hat die Kurse eines ganzen Sektors auf Talfahrt geschickt. Ein Massensterben großer Softwareunternehmen ist wahrscheinlich jedoch nicht zu erwarten. Im Gegenteil, der jüngste Kurzrutsch hat die Bewertungen gut aufgestellter Spezialisten deutlich zurückgeschraubt und möglicherweise Einstiegskurse geschaffen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Getty Images / Unsplash

Softwareaktien stehen seit geraumer Zeit unter Druck. Der S&P North American Expanded Technology Software Index - abgebildet z.B. durch den IGV ETF von iShares - markierte am 24. Oktober sein letztes Hoch und gab seitdem um mehr als 30 % ab.

Softwareaktien seit Oktober unter Druck

Der Index enthält das Who-is-Who der Softwarewelt. Die fünf Schwergewichte waren am vergangenen Freitag laut Morningstar-Daten Microsoft (ISIN US5949181045, WKN: 870747), Palantir (ISIN: US69608A1088, WKN: A2QA4J), Salesforce (ISIN: US79466L3024, WKN: A0B87), Oracle (ISIN: US68389X1054, WKN: 871460) und Intuit (ISIN: US4612021034, WKN: 886053).

Seit November 2022, als ChatGPT veröffentlicht wurde, hat der Softwareindex um 41,1% zugelegt. Der S&P 500 konnte im selben Zeitraum um 75,8% gewinnen. die Underperformance des Software-Sektors ist ganz maßgeblich auf die Zeit ab Oktober 2025 zurückzuführen. Seitdem scheinen die Marktteilnehmer zu fürchten, dass die Entwicklung rund um KI der Branche gefährlich werden könnte.

In der vergangenen Woche war die Veröffentlichung neuer Funktionen für den Co-Work-Assistenten Claude von Anthropic Anlass für deutliche Kursverluste. Die neuen Funktionen adressieren juristische Anwender und dienen der Automatisierung von Geschäftsprozessen wie Vertragsprüfungen und juristischen Gutachten. Aktien von Unternehmen wie Salesforce, ServiceNow (ISIN: US81762P1021, WKN: A1JX4P), Adobe (ISIN: US00724F1012, WKN: 871981) und Workday (ISIN: US98138H1014, WKN: A1J39P) gaben stark nach.

Die Gretchenfrage für Anleger: Sind die Kursaufschläge berechtigt? Niemand geringeres als NVIDIA (ISIN: US67066G1040, WKN: 918422)-CEO Jensen Huang glaubt nicht daran. "Es gibt diese Vorstellung, dass die Softwarebranche im Niedergang begriffen ist und durch KI ersetzt wird. Das ist das Unlogischste überhaupt, und die Zeit wird es zeigen."

Die Branche müsste nun den Beweis antreten, sich nicht in einem strukturellen Niedergang zu befinden. Erschwert wird dies durch das konjunkturelle Umfeld. Stellenstreichungen in großem Ausmaß bei Unternehmen wie Amazon (ISIN: US0231351067, WKN: 906866), UPS (ISIN: US9113121068, WKN: 929198) und weiteren Kunden wirken sich negativ auf die Anzahl der gebuchten Lizenzen aus.

Softwaresektor könnte von KI profitieren

Morningstar Analyst David Sekera geht nicht davon aus, dass Unternehmen ganze Software-Plattformen neu entwickeln und dadurch den Software-Unternehmen den Rücken kehren werden. "Wir halten es für wahrscheinlicher, dass Drittanbieter künstliche Intelligenz einsetzen werden, um ihre Plattformen zu verbessern, ihren Kunden einen höheren wirtschaftlichen Mehrwert zu bieten und dass es langfristig weiterhin kosteneffizienter sein wird, Software von Drittanbietern zu nutzen." Mit anderen Worten: Es ist wahrscheinlicher, dass die Branche langfristig von KI profitiert, als dass sie untergeht.

Im Hinblick auf die Aktienauswahl empfiehlt Sekera "nach den komplexesten und anspruchsvollsten Softwareplattformen Ausschau zu halten - Software, die die meisten Schnittstellen zu den Kundenunternehmen aufweist." in diesen Fällen seien die Wechselkosten am höchsten.

ServiceNow mit höchster KI-Nutzung

Der Analyst nennt ServiceNow als Beispiel für das Potenzial von KI im Softwarebereich. Das gesamte Geschäftsmodell zielt auf die Optimierung von Geschäftsprozessen der Kunden ab. "Aktuell weist das Unternehmen die beste KI-Nutzung im Softwarebereich auf; ich glaube, sie ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt der meisten anderen Softwareunternehmen. Daher ist es meiner Meinung nach ein wirklich interessantes Unternehmen (...)."

Die Bewertungen im Sektor jedenfalls sind deutlich zurückgegangen. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Unternehmen im IGV-Index ist laut Daten von FactSet die auf Analystenschätzungen beruhen, von 39 auf aktuell etwa 21 gefallen.

Die ServiceNow-Aktie hat seit Oktober rund 44 % an Wert verloren. Das zukunftsgerichtete KGV liegt laut Morningstar-Daten bei 31,88 und damit deutlich unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 58,08. Auch das Kurs Cashflow-Verhältnis liegt mit 20,08 weit unter dem langjährigen Durchschnitt (43,88). Die PEG-Ratio liegt bei 0,89 (5-Jahresdurchschnitt 2,16).

Die Wall Street rechnet für ServiceNow in den kommenden Jahren mit deutlich steigenden Gewinnen. Nach 1,67 USD pro Aktie im vergangenen Jahr sollen es 4,18 USD im laufenden Jahr, 5,04 USD im Jahr 2027 und 6,19 USD im Jahr 2028 werden. 40 durch das Wall Street Journal befragte Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf (vor einem Monat waren es 38). Das Kursziel wird im Median mit 185 USD angegeben (aktueller Kurs: 107,41 USD).

Auch Unternehmen mit Lösungen, die KI absehbar nicht bieten kann, könnten zu den Profiteuren zählen. Der Cybersicherheitsspezialist Sekur Private Data (ISIN: CA81607F1036, WKN: A3DKJ0) etwa bietet eine SaaS-Lösung mit Server-Infrastruktur in der Schweiz an und garantiert seinen Kunden sichere und private Kommunikation - eine Schwachstelle der derzeitigen LLMs.