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SentimentDas Vertrauen in Aktien sinkt, die Aktienquote der Fondsmanager steigt

Jüngste Daten zum Sentiment sowie zur Positionierung institutioneller Investoren lassen befürchten, dass die Aktienmärkte kurz vor einer Korrektur stehen. Einige technische Aspekte bestätigen dieses Bild.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / dpa / Arne Dedert

Das Vertrauen in den Aktienmarkt schwindet. "Das ohnehin schwache Grundvertrauen sackt weiter nach unten, und die Dynamik ist hierbei durchaus beachtlich", schreibt Patrick Hussy von Sentix im jüngsten wöchentlichen Update. Dasselbe könne auch für Bonds und Bitcoin beobachtet werden.

Strategischer Bias für Aktienmärkte schwach

Hussy spielt auf die rückläufigen Werte beim strategischen Bias für den deutschen Aktienmarkt an. Der via Umfrage gemessene Wert ist seit Ende Oktober von mehr als +0,11 auf -0,07 zurückgegangen. Der strategische Bias, so erläutert es Sentix, misst die mittelfristigen Markterwartungen auf Sicht von sechs Monaten und "stellt die strategische Sicht der Anleger sowie deren Grundüberzeugungen und Wertvorstellungen" in Bezug auf den jeweils abgefragten Markt dar.

Anders als andere Sentiment-Indikatoren sollte der Wert jedoch keinesfalls antizyklisch betrachtet werden. "In der Regel läuft der Indikator stattdessen oftmals mehrere Wochen dem Gesamtmarkt voraus", so das Analysehaus. Derzeit signalisiert der strategische Bias für DAX, EuroStoxx50, S&P 500, Nasdaq, Nikkei sowie für Bundes- und US-Anleihen und die Kryptowährung Bitcoin sinkende Kurse.

Gute Stimmung ohne mittelfristige Überzeugung

Anlass zur Sorge geben Hussy zufolge auch hohe Werte im Time-Differential-Index (TD). Dieser berechnet sich aus der Differenz der (kurzfristigen) Stimmung und der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung. "Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar", heißt es in der Analyse.

Hussy zufolge sind die TD-Indizes für nahezu alle Aktienmärkte zu hoch. In Deutschland sei das Bild jedoch besonders negativ. "Hinzu kommt auch eine zunehmende strategische Besorgnis, die nicht nur der Querschnitt aller Anleger teilt, sondern nun auch die Institutionellen erfasst, die sich zuletzt in Deutschland ungewöhnlich positiv für Aktien auf mittlere Sicht geoutet hatten."

BofA-Umfrage: Wenig Cash, hohe Aktienquote, gute Stimmung

Dieser Blick auf die Positionierung institutioneller Anleger wird durch andere Analysen geteilt. "Crash in Cash" - so betitelte etwa die Bank of America das Ergebnis ihrer jüngsten Umfrage unter mehr als 200 institutionellen Investoren mit einem AUM von knapp 570 Mrd. USD weltweit. Der Cash-Anteil in den Portfolios ist demnach auf 3,3 % und damit den niedrigsten Wert seit Beginn der Datenerhebung 1998 gesunken. Cash-Quoten unter 3,6 % gelten als Warnsignal.

Die Daten der BofA zeigen noch mehr: 42 % der Befragten berichten über eine Übergewichtung in Aktien. Noch vor einem Monat waren es mit 34 % deutlich weniger. Der Stimmungsindikator der Bank, der Cash-Levels, Wachstumserwartungen und Aktienallokation berücksichtigt, stieg auf 7,4 Punkte und damit auf das höchste Niveau seit 2021.

Interessant ist ein Blick auf die Gewichtung von KI-Aktien in den Portfolios der Profis. Obwohl 38 % der Befragten das Platzen einer KI-Blase für das größte Risiko halten, waren im Dezember 21 %, gemessen an ihren internen Benchmarks, in dem Sektor übergewichtet. Einen Monat zuvor lag diese Quote bei 9 %. Damals hatten noch 44 % die KI-Blase als größtes Risiko bezeichnet.

In der Summe scheint das Risiko einer Korrektur am Aktienmarkt unter diesen Bedingungen hoch. Auch technisch zeigen sich einige Anzeichen von Schwäche.

Der DAX, der seit Mai in einer Seitwärtsrange verläuft, notiert weniger als 400 Punkte über der 200-Tage-Linie. Weder dem S&P 500 noch dem NASDAQ 100 noch dem Nikkei-225 gelang es, die Hochs von Ende Oktober zu übertreffen.