
Investor Woche: Siemens als KI-Gewinner, 30 Mrd. USD für Anthropic, US-Arbeitsmarkt stark, Inflation stabil, 150 Mio. EUR für Quantum Systems, Rivian bremst Verluste, Mercedes enttäuscht
Siemens wird zum KI-Gewinner und Anthropic sammelt 30 Mrd. USD ein. Nach Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten sinkt die Wahrscheinlichkeit für baldige Zinssenkungen in den USA. Quantum-Systems erhält 150 Mio. EUR von deutschen und europäischen Investoren. Rivian bremst die Verluste. Mercedes leidet unter den US-Zöllen.
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Marktentwicklung
Der DAX notierte diese Woche weitgehend seitwärts. Der S&P 500 lag am Freitagnachmittag um 1,2 % niedriger als zum Wochenauftakt. Im NASDAQ 100 lag das Minus bei 1,1 %. Vor allem in der zweiten Wochenhälfte notierten die Kurse schwächer. Der Euro/US-Dollar notiert bei 1,19. Gold kämpft mit der Marke von 5.000 US-Dollar.
Top Meldungen
US-Arbeitsmarkt überrascht
Der US-Arbeitsmarkt hat überrascht: Im Januar wurden 130.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Dies ist die höchste Zunahme seit mehr als einem Jahr und mehr als die meisten Ökonomen erwartet hatten. Die Arbeitslosenquote sank von 4,4 % im Dezember auf 4,3 %.
Arbeitsplatzzuwächse gab es vor allem im Gesundheits- und Sozialbereich. Doch auch im verarbeitenden Gewerbe wurden erstmals seit mehr als einem Jahr wieder neue Arbeitsplätze geschaffen. "Es sieht so aus, als ob sich der Arbeitsmarkt langsam von den traumatischen Ereignissen des letzten Jahres erholt", sagte Diane Swonk, Chefökonomin von KPMG.
US-Inflation bei 2,4 %
Die US-Inflation lag im Januar auf Jahressicht bei 2,4 %. Dies markiert einen deutlichen Rückgang gegenüber den 2,7 % im Dezember. Die Kerninflationsrate lag bei 2,5 %. In Kombination mit den Arbeitsmarktdaten dürfte die Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen in den USA zunächst gesunken sein.
Anthropic sammelt 30 Mrd. USD ein
Das KI-Startup Anthropic hat bei einer Finanzierungsrunde 30 Mrd. USD eingenommen. Die Bewertung des Cloud-Entwicklers liegt nun bei 380 Mrd. USD. Unter den Investoren waren Sequoia Capital und Lightspeed Venture Partners sowie Nvidia, Microsoft und Singapurs Staatsfonds GIC.
Rivian dämmt Verluste ein
Rivian (ISIN: US76954A1034, WKN: A3C47B) meldete überraschend gute Zahlen. Der bereinigte Verlust pro Aktie im vierten Quartal lag bei 54 Cent. Analysten hatten im Durchschnitt mit 69 Cent gerechnet. Der Umsatz lag mit 1,29 Mrd. USD leicht über den Erwartungen. Das Unternehmen bestätigte, dass der neue R2, ein mittelgroßer, günstiger positionierter Elektro-SUV, planmäßig im zweiten Quartal in den Verkauf gehen soll. Die Aktie legte daraufhin zweistellig zu.
Quantum Systems erhält 150 Mio. EUR
Der Drohnenhersteller Quantum Systems hat im Rahmen einer Finanzierungsrunde 150 Mio. EUR eingenommen. 70 Mio. EUR der Summe wurden durch die Europäische Investitionsbank (EIB) bereitgestellt. Auch die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Commerzbank und Deutsche Bank waren beteiligt.
Siemens profitiert von starker Nachfrage nach Rechenzentren
Siemens (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610) hat steigende Quartalszahlen vorgelegt und die Erwartungen nach oben geschraubt. Der Umsatz auf vergleichbarer Basis stieg im vierten Quartal um 8 % auf 19,1 Mrd. EUR und lag damit über den Erwartungen von durchschnittlich 7 %.
Auch die operative Marge lag mit 15,6 % deutlich über den Schätzungen (14,3 %). Für das laufende Geschäftsjahr erwarten die Münchner nun einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 10,70 bis 11,10 EUR. Der Mittelwert liegt damit um 20 Cent höher als zuvor. Das Umsatzwachstum soll in der oberen Hälfte des auf 6 bis 8 % angesetzten Korridors landen. Siemens profitiert vor allem durch die starke Nachfrage nach Rechenzentren.
Mercedes-Benz mit schwachem Ausblick
Mercedes-Benz (ISIN: DE0007100000, WKN: DE0007100000) musste trotz Einsparungen von mehr als 3,5 Mrd. EUR einen deutlichen Rückgang beim EBIT von 57 % auf 5,8 Mrd. EUR melden. Der Umsatz im vergangenen Jahr sank um 9 % auf 132,2 Mrd. EUR. "Belastet wurde die Entwicklung durch globale Zölle, negative Wechselkurseffekte und intensiven Wettbewerb in China", heißt es bei den Schwaben. Analysten hatten im Durchschnitt 134 Mrd. EUR Umsatz und 6,6 Mrd. EUR EBIT erwartet. Der Gewinn des Unternehmens schrumpfte damit zum dritten Mal in Folge. Besonders gravierend: Die Umsatzrendite der Kernsparte sank um 3 Prozentpunkte auf 5,0%.
Unter der Lupe
Gentex: Burggraben-Aktie mit Potenzial
Gentex (ISIN: US3719011096, WKN: 868891) stellt automatisch abblendende und nicht abblendende Rückspiegel sowie Elektronik für die Automobilindustrie her, die zuletzt für 98 % des Umsatzes stand. Diese Spiegel dunkeln sich automatisch ab, um die Blendung durch Scheinwerfer zu minimieren. Gentex verfügt über einen Marktanteil von 85 %, der durch 2.300 Patente (die teilweise bis 2046 laufen) abgesichert wird.
"Die Nachfrage ist weiterhin hoch, und das jährliche Umsatzwachstum übertrifft häufig das Wachstum der Fahrzeugproduktion. Dieses Wachstum wird durch die zunehmende Verbreitung von automatisch abblendenden Spiegeln in Fahrzeugen getragen, da immer mehr Automobilhersteller die Sicherheitsvorteile dieser Technologie anbieten", heißt es in einem Morningstar-Bericht zur Gentex-Aktie aus dem vergangenen Jahr.
Gentex gilt auch im Bereich entscheidender Zukunftstechnologien als gut aufgestellt. So werden in Zukunft mehr Kameras in Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Das Unternehmen entwickelt eigene Lösungen dafür, darunter einen Spiegel, bei dem der Fahrer während der Fahrt zwischen einem normalen, automatisch abblendenden Spiegel und einem Displaybild umschalten kann.
Auch biometrische Spiegel und Sensortechnologien gehören zum Produktportfolio, das in Zukunft auch über die Automobilindustrie hinaus (z.B. im Gesundheitswesen und in der Luftfahrt) an Relevanz gewinnen könnte.
"Gentex' Kostenvorteil durch Skaleneffekte, die Wechselkosten für seine Kunden und immaterielle Vermögenswerte verschafft dem Unternehmen einen schmalen Burggraben", sagt Morningstar-Analyst David Whiston.
Auf dem aktuellen Kursniveau scheint die Gentex Aktie günstig bewertet. Das zukunftsgerichtete KGV liegt bei knapp 12 und damit unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 15,2. Trotz einer zurückhaltenden Ausschüttungspolitik liegt die Dividendenrendite (Forward) bei rund 2 %. Die Aktienrückkaufsrendite liegt mit 4,69 % deutlich höher. Morningstar sieht den fairen Wert der Aktie bei 42 USD. Aktueller Kurs: 24,42 USD.
An der Wall Street werden steigende Gewinne erwartet: 1,96 USD pro Aktie in diesem Jahr, 2,17 USD in 2027 und 2,44 USD in 2028. Vier durch das Wall Street Journal befragte Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf (bei 5x hold).
Chart der Woche
Krypto unter Druck
Die Kurse am Kryptomarkt sind deutlich gefallen - und mit ihnen Kurse von Anlagevehikeln mit direktem Bezug zum Kryptomarkt. Der Bitcoin hat im letzten Jahr rund ein Drittel seines Wertes verloren, ausgehend von den Hochs im vergangenen Jahr sogar noch deutlich mehr.
Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen zusammen erreichte im vergangenen Oktober bei 4,2 Billionen USD ihren Höhepunkt. Seitdem hat sich dieser Wert auf 2,3 Billionen USD fast halbiert.
Besonders hart trifft es Anlagevehikel, die in irgendeiner Form mit einem Hebel verbunden sind. Dazu gehört die Aktie von Strategy (ISIN: US5949724083, WKN: 722713), die allein in den vergangenen sechs Monaten rund 68 % an Wert verloren hat.
Die Entwicklung spiegelt sich in den Nettozuflüssen zu Krypto-ETFs wider. Laut dem Portal Coinmarketcap gab es in den letzten 18 Wochen lediglich 4 Wochen mit positiven Mittelzuflüssen.
Die Ursachen für die Kursrückgänge sind vielfältig. Liquidationen gehebelter Positionen an wichtigen Chartmarken spielen ebenso eine Rolle wie regulatorische Schocks. So hat China Stablecoins, die an den Yuan gebunden sind, sowie bestimmte tokenisierte RWA's de facto verboten, was zur Verringerung der Liquidität im asiatischen Raum geführt hat.
Nicht zuletzt sinkt die Risikobereitschaft an den Märkten durch geopolitische Auseinandersetzungen, Handelskonflikte und hinter den Erwartungen zurückbleibende Zinssenkungen. Einige Marktbeobachter sehen den klassischen Vier‑Jahres‑Zyklus infrage gestellt, andere erwarten weiterhin eine scharfe Zyklus‑Korrektur, die 2026 Tiefpunkte im Bereich unter 50.000-60.000 USD bringen könnte.

Fun Fact
Zehn Tage sind die halbe Rendite
Wer die besten Handelstage an der Börse verpasst, muss auf einen wesentlichen Teil der Rendite verzichten. Eine Studie zum MSCI World Index über 3.375 Handelstage im Zeitraum 2012 bis 2025 kommt zu einem klaren Ergebnis. Insgesamt liegt die annualisierte Rendite in diesem Zeitraum bei 11,36 %, die gesamte Rendite bei 322,15 %. Wer jedoch die besten 10 Handelstage verpasste, muss sich mit einer annualisierten Rendite von 6,34 % und einer Gesamtrendite von 127,82 % zufriedengeben.

