
Investor Woche: US-Arbeitsmarkt schwach, ISM Index stark, Euro-Inflation sinkt, Amazon und Alphabet wegen hoher KI-Ausgaben unter Druck, Algo Grande Copper mit starken Bohrergebnissen
Schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt treffen auf einen starken ISM-Index. Elon Musk legt xAi und SpaceX für ein Billionen-IPO zusammen. Rio Tinto und Glencore blasen den Mega-Merger ab, Novo Nordisk büßt Umsätze ein, während Eli Lilly hinzugewinnt. Walmart rückt in den Kreis der Mega-Caps vor und Bayer meldet Erfolge für das Schlaganfallmedikament Asundexian.
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Marktentwicklung
Eine turbulente Woche neigt sich dem Ende zu. Der DAX hält sich wacker und legt bis zum späten Freitagvormittag um 0,7 % zu. Im NASDAQ-100 dagegen beläuft sich das Minus auf 3 %, im S&P 500 auf 1,5 %. Der Goldpreis kann nach starken Schwankungen gemessen an der Eröffnung in der Nacht auf Montag um 1,8 % zulegen. Auch Silber schwankt stark, verliert aber summa summarum 7,5 %. Bitcoin verliert rund 17 %. Der EUR/USD fällt unter 1,18.
Top Meldungen
US-Arbeitsmarkt: So viele Stellenstreichungen wie seit Januar 2009 nicht
Regierungsdaten zeigten im Dezember unerwartet wenige offene Stellen und überraschend viele Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung. Laut einem Bericht von Challenger, Gray & Christmas war der vergangene Monat der schlimmste Januar seit 2009, was geplante Stellenstreichungen in Unternehmen betrifft.
Inflation in der Eurozone sinkt
Die Inflationsrate im Euroraum lag im Januar auf Jahressicht bei 1,7 % und damit auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2024. Im Dezember hatte die Jahresrate noch bei 2,0 % gelegen. Die EZB-Ökonomen hatten im Durchschnitt eine Teuerung von 1,9 % erwartet. In Kombination mit der Aufwertung des Euro dürften damit Forderungen nach Zinssenkungen wieder an Gewicht gewinnen. Am Donnerstag ließ die EZB den Leitzins jedoch erwartungsgemäß unverändert.
Amazon will dieses Jahr 200 Mrd. USD investieren
Amazon (ISIN: US0231351067, WKN: 906866) meldete am Donnerstag einen Anstieg des Umsatzes auf 213,4 Mrd. USD, begünstigt sowohl durch das Weihnachtsgeschäft als auch das Geschäft mit Rechenzentren. Der Nettogewinn lag mit 21,2 Mrd. USD im Rahmen der Erwartungen. Im ersten Quartal wird ein Umsatz von 173,5 bis 178,5 Mrd. USD angepeilt. Entscheidend: Für dieses Jahr rechnet der Versandriese mit Investitionsausgaben in Höhe von 200 Mrd. USD, was einem Anstieg um 56 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Maßgeblich sind hier Ausgaben im Bereich KI.
Alphabet mit Rekordumsatz und Rekordinvestitionen in KI
Alphabet (ISIN: US02079K1079, WKN: A14Y6H) meldete für das 4. Quartal einen Umsatzanstieg um 18 % auf 114 Mrd. USD, was über den Erwartungen der Analysten lag. Der Nettogewinn legte um 30 % auf 34,5 Mrd. USD zu, vor allem durch digitale Werbung und Cloud Computing. Der Umsatz in der Cloud-Sparte wuchs im vierten Quartal um 48 % auf knapp 18 Mrd. USD. Die Google-Mutter will die Investitionsausgaben im Zusammenhang mit KI deutlich steigern: Nach 91 bis 93 Mrd. USD im Jahr 2025 sollen es in diesem Jahr 175 bis 185 Mrd. USD werden.
Algo Grande Copper mit starken Bohrergebnissen bei Adelita
Algo Grande Copper (ISIN: CA0156071049, WKN: A41UK1) meldete im Rahmen erster Bohrergebnisse des Bohrprogramms beim Projekt Adelita im mexikanischen Sonora die Entdeckung dreier bisher unbekannter Skarnhorizonte. Dies bestätigt eine signifikante Tiefenausdehnung des Kupfer-Gold-Silber-Systems von Cerro Grande über die Grenzen bisheriger Bohrungen hinaus. Insgesamt wurden demnach fünf mineralisierte Skarnhorizonte durchschnitten, was auf ein vertikal gestapeltes, mehrhorizontales Skarnsystem und nicht auf ein oberflächennahes, einschichtiges Vorkommen hindeutet.
Insgesamt wurden 41,59 Meter mineralisierter Skarn durchteuft, darunter:
- 14,79 @ 1,4 % Cu, 0,5 g/t Au, 20 g/t Ag
- 9,55 m @ 1,4 % Cu, 0,4 g/t Au, 41,8 g/t Ag
- 1,85 m @ 4,1 % Cu, 11 g/t Au, 150 g/t Ag
Enrico Gay, CEO von Algo Grande Copper Corp., kommentierte: "Die Ergebnisse bestärken uns in unserer Überzeugung vom Adelita-Projekt und unterstützen nachdrücklich die Fortsetzung der Tief- und Erweiterungsbohrungen. Die Identifizierung von drei neuen Skarnhorizonten erweitert das Potenzial von Cerro Grande erheblich und bestätigt, dass Adelita ein größeres und robusteres mineralisiertes System darstellt als bisher angenommen."
Elon Musk plant Mega-IPO für fusioniertes SpaceX und xAI
Elon Musk legt das Weltraum-Unternehmen SpaceX und den KI-Entwickler und X-Betreiber xAI zusammen. Die Unternehmen sollen künftig unter anderem Rechenzentren im Weltall errichten. Bloomberg schätzt die Bewertung des Gesamtunternehmens auf 1,25 Billionen USD. Noch in diesem Jahr soll ein IPO stattfinden. Berater von Elon Musk haben sich bereits an Indexanbieter gewandt, um eine möglichst frühe Aufnahme des Unternehmens in große Indizes zu ermöglichen.
Rio Tinto und Glencore blasen XXL-Merger ab
Rio Tinto (ISIN: GB0007188757, WKN: 852147) und Glencore (ISIN: JE00B4T3BW64, WKN: A1JAGV) haben die Gespräche über einen Zusammenschluss abgebrochen. Wie die beiden Unternehmen mitteilten, war eine Einigung nicht möglich.
"Die wichtigsten Bedingungen des potenziellen Angebots waren, dass Rio Tinto sowohl den Vorsitz als auch die Position des Chief Executive Officer beibehält und eine Pro-forma-Beteiligung an dem fusionierten Unternehmen übernimmt, was unserer Ansicht nach den zugrunde liegenden relativen Wertbeitrag von Glencore zum fusionierten Konzern deutlich unterbewertete, selbst vor Berücksichtigung einer angemessenen Akquisitionsprämie", hieß es in der Mitteilung von Glencore.
Novo Nordisk meldet Umsatzrückgang
Novo Nordisk (ISIN: DK0062498333, WKN: A3EU6F) rechnet im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang aufgrund wachsender Konkurrenz für die Gewichtsmedikamente Ozempic und Wegovy. Auch Preissenkungsbestrebungen der US-Regierung im Medikamentensektor wirken sich negativ auf den Umsatz aus. Der Umsatz dürfte laut einer Mitteilung des dänischen Unternehmens am Dienstag um 5-13 % sinken. Analysten hatten zuvor lediglich mit einem Umsatzrückgang um 1,4 % gerechnet.
Eli Lilly rückt zeitweise in Club der Billionäre auf
Eli Lilly (ISIN: US5324571083, WKN: 858560) ist gewissermaßen das Gegenstück zu Novo Nordisk. Das in Indianapolis ansässige Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum von bis zu 27 % - getrieben vor allen Dingen durch die Abnehm-Medikamente Mounjaro und Zepbound, die im vergangenen Jahr Umsatzsteigerungen von 99 % beziehungsweise 175 % erreichten. Im Laufe der Woche kratzte die Marktkapitalisierung des Unternehmens zeitweise an der 1 Billion Dollar Marke.
Bayer mit starken Ergebnissen für Schlaganfallmedikament Asundexian
Bayer (ISIN: DE000BAY0017, WKN: BAY001) legte starke Ergebnisse aus finalen Tests für den Wirkstoff Asundexian vor. Das Mittel soll Schlaganfälle bei bestimmten Patientengruppen verhindern. Laut Bayer reduzierte der Wirkstoff das Risiko einer bestimmten Art von Schlaganfällen bei den Testpatienten um 26 %. Die Chancen auf eine rasche Zulassung stehen nun gut.
Unter der Lupe
Walmart: Wird der XXL-Supermarkt zum neuen E-Commerce-Superstar?
Walmart (ISIN: US9311421039, WKN: 860853) erreichte diese Woche eine Marktkapitalisierung von einer Billion USD und rückte damit in einen erlauchten Kreis auf, in dem neben Warren Buffetts Berkshire Hathaway vor allem Technologieunternehmen vertreten sind.
Der deutliche Kursanstieg der Aktien in den vergangenen Monaten ist ganz wesentlich auf das Wachstum des Online-Geschäfts zurückzuführen. Auch Investitionen in Automatisierung und KI haben an der Wall Street Fantasien geweckt.
Walmart verfügt nicht nur über ein riesiges Netz an stationären Einzelhandelsgeschäften, sondern beliefert seine Kunden auch und überzeugt dabei, vergleichbar mit Amazon, durch niedrige Preise, schnelle Lieferung und ein breites Sortiment.
An 95 % der Haushalte können Bestellungen noch am selben Tag ausgeliefert werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Führung angekündigt, dass das E-Commerce-Geschäft als eigenständige Einheit erstmals die Gewinnschwelle erreichen würde - aus Anlegersicht ein klarer Katalysator.
Simeon Gutman, Einzelhandelsanalyst bei Morgan Stanley, sieht bei dem in Bentonville (Arkansas) ansässigen Unternehmen den "tiefgreifendsten Wandel, den wir je bei einem Einzelhandelsunternehmen erlebt haben."
Walmart will durch seine Investitionen in E-Commerce, KI und Automatisierung stärker als Technologieunternehmen und weniger als traditionelles Einzelhandelsunternehmen wahrgenommen werden. Dazu passt auch der Wechsel des Konzerns von der New Yorker Börse zur Nasdaq.
Die Wall Street ist überwiegend optimistisch. Analysten erwarten für den Gewinn pro Aktie einen deutlichen Anstieg von 2,65 USD in diesem Jahr auf 2,97 USD im kommenden und 3,33 USD im übernächsten Jahr. 33 der durch das Wall Street Journal befragten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf (bei 8x Overweight, 2x Hold, 1x Underweight und 1x Sell).
"Während der Marktanteil von 67 % im Bereich Supermärkte und Großhandelsclubs eine dominante Stellung widerspiegelt, die voraussichtlich bestehen bleiben wird, unterstreichen Walmarts führender Online-Lebensmittelmarktanteil von 32 % und die digitale Marktdurchdringung von 18 % die erfolgreiche Umwandlung seiner Filialgröße in digitale Reichweite", schrieb Morningstar Analyst Brett Husslein im November.
Der Erfolg basiert auf einer Mischung aus Größe, Daten und logistischer Leistungsfähigkeit. Die 4.600 Filialen in den USA liegen für 90 % der US-Bevölkerung im Umkreis von 16 km. Damit ist der Supermarktriese zugleich ein Logistiknetzwerk mit erheblichem Kostenvorteil im Omnichannel-Bereich.
Neben dem Filialnetz gibt es weitere Argumente für einen ökonomischen Burggraben. Dazu gehört die Walmart Plus-Mitgliedschaft mit rund 32 Millionen Mitgliedern, die Vorteile bei Kundenbindung und Kaufhäufigkeit geradezu garantiert. Und dann gibt es noch Walmart Connect: Die Werbeplattform von Walmart, über die Marken und Agenturen Anzeigen auf Walmart.com und in den physischen Geschäften von Walmart schalten können. Der unschätzbare Vorteil hier: Die Monetarisierung von Kundendaten.
Die teilweise Wandlung hin zu einem Technologieunternehmen spiegelt sich auch in der Bewertung der Walmart-Aktie wider. So liegt das zukunftsgerichtete KGV derzeit bei 39,21 und damit deutlich höher als im 5-Jahresdurchschnitt von 25,72. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt laut Morningstar-Daten bei 10,62 und damit ebenfalls fast doppelt so hoch wie im 5-Jahresdurchschnitt von 5,88.
Chart der Woche
Hat die Sektor-Rotation begonnen? Oder: Die Old Economy schlägt zurück
Steht der Konjunkturzyklus vor einer Erholung, die durch das verarbeitende Gewerbe und damit in weiten Teilen die Old Economy angeführt wird? Verschiebt sich der Fokus der Marktteilnehmer weg von Technologiewerten hin zu zyklischen Value Aktien sowie Small- und MidCaps?
Auf den ersten Blick mag diese These nicht zur trüben bis panischen Stimmung dieser Woche passen. Doch zu dieser Stimmung passen auch andere Entwicklungen nicht. Eine davon: 92 Aktien im S&P 500 erreichten laut Dow Jones Market Data am Mittwoch im Tagesverlauf neue 52-Wochen-Höchststände. Dies markiert den höchsten Wert seit November 2024. 27 dieser Aktien waren Industrieunternehmen, 15 Unternehmen des Finanzsektors und zehn aus dem Energiesektor.
Diese Entwicklung könnte ein starkes Indiz für eine einsetzende Marktrotation sein. Seit 2022 wurde der Markt im Wesentlichen von den großen Technologiekonzernen getragen. In den Jahren 2022, 2023, 2024 und 2025 trugen die sieben größten Unternehmen (bekannt als Mag-7) zwischen 46 % und 63 % zur Gesamtrendite des S&P 500 bei.
Dies könnte sich ändern, sollte ein breiter Aufschwung einsetzen, der nicht nur durch KI-Investitionen getrieben wird. Und hier kommt der ISM-Einkaufsmanagerindex ins Spiel: Einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren für die USA schnellte auf 52,6 Punkte in die Höhe: Alles ab 50 markiert Wachstum. Ökonomen hatten im Durchschnitt 48,5 Punkte erwartet.
Der letzte Aufwärtszyklus des ISM-Index fand von 2020-2022 statt und endete durch steigende Zinsen, hohe Inflation und weitere Schwierigkeiten jäh. Seitdem ist einige Zeit verstrichen: Ein neuer Aufwärtszyklus ist überfällig. Dafür, dass es dazu kommt, sprechen die Auftragseingänge. Der entsprechende ISM-Index stieg auf 57,1 Punkte. Obwohl die Produktion deutlich zulegte, blieb sie hinter den neuen Orders zurück.
Auch das Chicago Business Barometer, ein regionaler Index ähnlich dem ISM, spricht für einen Aufschwung: Der Anstieg um 11,3 Punkte im letzten Bericht beendete eine mehr als zwei Jahre lange Phase im negativen Bereich.

Fun Fact
Menschen können sich durch KI buchen lassen
So weit sind wir schon ... Auf rentahuman.ai können Menschen ihre Fähigkeiten, ihren Standort, ihren Stundensatz und weitere Details angeben. Autonome Software durchsucht die Profile und kann Menschen für bestimmte Aufgaben buchen, die eine reelle Person in der echten Welt erfordern. Auf der Seite ist einiges los: 145.831 "Humans rentable" wurden angezeigt.

