
Investor Woche: Fed noch gegen Zinssenkungen, UK-Inflation rückläufig, Rio Tinto mit Gewinnanstieg, BAE mit Rekordumsatz, Warner und Paramount verhandeln wieder, Dominos Pizza als KI-sichere Buffett-Aktie
Die Fed-Protokolle sprechen ebenso wie die Januar-Daten zur US-Industrieproduktion gegen schnelle Zinssenkungen. Rio Tinto meldet einen steigenden Gewinn; Glencore muss einen Gewinnrückgang hinnehmen. Walmart fällt beim Umsatz hinter Amazon zurück und enttäuscht mit der Prognose. Danaer übernimmt Masimo für 10 Mrd. USD. Kaffee könnte bald wieder günstiger werden.
Lesezeit 10 min
Marktentwicklung
Eine impulsarme Woche geht zu Ende. DAX, S&P 500 und Nasdaq 100 tendieren am frühen Freitagnachmittag im Vergleich zum Wochenauftakt im Wesentlichen unverändert. Der EUR/USD stabilisiert sich im Bereich von 1,18, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind in Richtung 4 % zurückgegangen. Gold kämpft weiter mit der Marke von 5,000 USD.
Top Meldungen
Fed-Protokoll spricht gegen Zinssenkungen
Die Vertreter der US-Notenbank zeigten bei ihrer Januar-Sitzung wenig Fokus auf Zinssenkungen; die meisten strebten eher weitere Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung an. So wurde im Protokoll die Möglichkeit berücksichtigt, dass Zinserhöhungen gerechtfertigt sein könnten, wenn die Inflation weiterhin über dem Zielwert der Fed läge. Powell dämpfte auf der Pressekonferenz die Erwartungen an eine Zinserhöhung. "Das ist nicht das, was die Leute im Moment erwarten", sagte er.
Laut CME Fedwatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im März bei unter 6 %. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung liegt bei 0 %. Die Skepsis einiger FOMC-Teilnehmer im Hinblick auf weitere Zinssenkungen dürfte auf den Umstand zurückgehen, dass die letzte Zinssenkung unter ungewöhnlich kontroversen Umständen im Ausschuss entstand.
US-Industrie mit starkem Jahresauftakt
Die US-Industrie ist überraschend stark ins neue Jahr gestartet. Wie die Federal Reserve berichtet, stieg die Fertigung im Januar im Vormonatsvergleich um 0,7 % und auf Jahressicht um 2,3 %. Erwartet hatten Bankvolkswirte ein Plus von 0,4 %. Im verarbeitenden Gewerbe steigerten Hersteller ihre Produktion gegenüber dem Vormonat um 0,6 % und auf Jahressicht um 2,4 %. Die Jahresrate ist die höchste seit Februar 2025. Langlebige Güter verzeichneten ein Plus von 0,8 %, Konsumgüter von 0,4 %. Die US-Notenbank revidierte die Zahlen für die vier vorangegangenen Monate teilweise allerdings deutlich nach unten.
Britische Inflation sinkt deutlich auf 3,0 %
Die Inflation in Großbritannien ist im Januar auf Jahressicht von 3,4 % auf 3,0 % zurückgegangen. Dies entspricht dem niedrigsten Stand seit März 2025. Die Kerninflation sank allerdings lediglich um 0,1 % auf 3,1 %. Obwohl die Inflation weiterhin über dem Ziel der Notenbank liegt, spricht die Entwicklung für eine Zinssenkung.
Rio Tinto meldet EBITDA Anstieg um 9 %
Rio Tinto (ISIN: GB0007188757, WKN: 852147) verzeichnete im vergangenen Jahr einen Gewinnanstieg. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg im Geschäftsjahr bis Dezember um 9 % auf 25,4 Mrd. USD. Der Bergbaukonzern meldete einen Produktionsanstieg von 11 % bei Kupfer, Rekordmengen an Eisenerz sowie einen Gewinnanstieg von 29 % bei Aluminium und Lithium. Das operative Ergebnis lag bei 10,87 Mrd. USD und damit im Rahmen der Markterwartungen. Der Nettogewinn sank jedoch aufgrund höherer Abschreibungen, Steuern und Finanzierungskosten um 14 % auf 10 Mrd. USD, den niedrigsten Wert seit fünf Jahren.
Glencore-EBITDA sinkt
Glencore (ISIN: JE00B4T3BW64, WKN: A1JAGV) erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatzanstieg um 7 % auf 247,5 Mrd. USD. Das bereinigte EBITDA sank dagegen um 6 % auf 13,5 Mrd. USD. Der Rückgang ist vor allem auf gesunkene Preise für Energie und Stahlkohle zurückzuführen.
BAE Systems mit Rekordumsatz
BAE Systems (ISIN: GB0002634946, WKN: 866131) meldete für 2025 einen Umsatzanstieg von 10 % auf einen Rekordwert von 30,66 GBP. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 7-9 %. BAE Systems profitiert von den höheren Budgets der europäischen Verteidigungsministerien. Insbesondere Großaufträge europäischer Regierungen für Eurofighter Typhoon-Jets, Fregatten und Kampffahrzeuge treiben die Erlöse.
Warner Bros und Paramount verhandeln wieder
Warner Bros (ISIN: US9344231041, WKN: A3DJQZ) und Paramount (ISIN: US69932A2042, WKN: A412AL) verhandeln wieder über eine Übernahme, nachdem Paramount das Übernahmeangebot nachgebessert hat. Paramount bietet nun 77,9 Mrd. USD. Netflix (ISIN: US64110L1061, WKN: 552484) hat 72 Mrd. USD geboten. Der Streaming-Dienster klärte in einer Stellungnahme, dass es sein Angebot weiterhin für überlegen hält, Warner jedoch eine siebentägige Ausnahmeregelung von bestimmten Verpflichtungen aus dem Fusionsvertrag gewährt hat, um mit Paramount in Kontakt zu treten und "diese Angelegenheit vollständig und endgültig zu klären".
Walmart gibt Umsatzkrone an Amazon ab und enttäuscht mit Prognose
Walmart (ISIN: US9311421039, WKN: 860853) ist nach jüngsten Zahlen zufolge nicht mehr das nach Umsatz größte Unternehmen der Welt. Im vierten Quartal setzte der Einzelhändler 713,2 Mrd. USD um - weniger als Amazon (ISIN: US0231351067, WKN: 906866) mit 717 Mrd. USD. Der operative Walmart-Gewinn stieg 2025 um 1,6 % auf 29,8 Mrd. USD. Enttäuschend fiel die Gewinnprognose aus: Der Gewinn pro Aktie soll im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bei 0,63 bis 0,65 USD liegen.
Danaher übernimmt Masimo für 10 Mrd. USD
Der US-Laborausrüster Danaher (ISIN: US2358511028, WKN: 866197) übernimmt den Medizintechnikkonzern Masimo (ISIN: US5747951003, WKN: 578074) für rund 10 Mrd. USD. Das Angebot in Höhe von 180 US-Dollar je Masimo-Aktie entspricht einem Aufschlag von mehr als 38 % auf den letzten Schlusskurs. Danaher verspricht sich Synergien im Bereich der Patientenüberwachung.
Unter der Lupe
Dominos Pizza: Moderate Bewertung und günstiges Konsumentenumfeld
Warren Buffett hat seinen Anteil im vierten Quartal aufgestockt, laut den Analysten von Morningstar ist die Aktie günstig und KI-sicher scheint das Geschäftsmodell auch: Dominos Pizza (ISIN: US25754A2015, WKN: A0B6VQ) könnte für wertorientierte Investoren einen Blick wert sein.
Laut den 13F-Berichten eröffnete Warren Buffetts Berkshire Hathaway im 4. Quartal lediglich eine neue Position (in der New York Times Aktien) und stockte die Anteile an vier Unternehmen auf. Unter diesen vier Unternehmen war auch Domino's Pizza, dessen Aktien Buffett auch in den Vorquartalen gekauft hatte. Mittlerweile hält die Investmentholding knapp 10 % der Anteile.
Domino's ist die weltweit größte Pizzakette mit einem Systemumsatz von über 19 Mrd. USD und mehr als 21.300 Filialen in über 90 Ländern, wobei rund ein Drittel der Filialen in den USA ansässig ist.
"Investitionen in Technologie, innovative Speisen, ein Fokus auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und eine höhere Filialdichte festigen die Marktstellung. Dank starker internationaler Franchisenehmer konnte das Unternehmen in den letzten fünf Jahren ein Systemumsatzwachstum von 7,5 % erzielen und damit den Branchendurchschnitt von 2 % deutlich übertreffen", notierte Morningstar-Analyst Ari Felhandler in einem Bericht im Januar.
Die Analysten gehen auch weiter von Wachstum aus. "Wir erwarten ein Systemumsatzwachstum von 6,3 % in den nächsten fünf Jahren, was über unserer globalen Foodservice-Schätzung von 4 % liegt", sagt Felhandler. Dazu trage auch die solide Pipeline für die Entwicklung neuer Filialen in unterversorgten Märkten, China und Indien bei.
Das zukunftsgerichtete KGV der Aktie liegt aktuell bei knapp 21, was den 5-Jahresdurchschnitt (knapp 27) deutlich unterschreitet. Die Wall Street erwartet moderat steigende Gewinne: 19,54 USD pro Aktie im Geschäftsjahr 2026 und 21,25 USD pro Aktie im Geschäftsjahr 2027. 18 durch das Wall Street Journal befragte Analysten empfehlen die Aktie aktuell zum Kauf.
Chart der Woche
Kaffee wird bald wieder günstiger
Kaffeeliebhaber haben es unter Schmerzen zur Kenntnis genommen. Die belebende Bohne wird immer teurer. Jedenfalls kannte der Preis in den Regalen lange Zeit nur eine Richtung: Nach oben. Damit könnte es bald vorbei sein. Am Terminmarkt jedenfalls ist der Kaffeepreis deutlich gefallen.
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen waren diehohen Preise in den Vorjahren auf extreme Knappheit infolge von Ernteausfällen zurückzuführen. Die Situation in vielen wichtigen Anbauländern hat sich jedoch entspannt. 2025-26 werden in Brasilien und Vietnam gute Ernten erwartet.
Außerdem haben Vietnam und Indonesien die Exporte der Sorte Robusta deutlich ausgeweitet, was im unteren Preissegment zu einem deutlich höheren Angebot geführt hat. Nicht zuletzt haben die hohen Preise zu einer Verringerung der Nachfrage geführt. Die gesunkenen Weltmarktpreise für Kaffee dürften nun, nach und nach, auch bei Verbrauchern ankommen.

Fun Fact
JP Morgans Skyline-Pub hat nur 55 Plätze für 10.000 Mitarbeiter
Ein Blick aufs Empire State Building, hochkarätige Geschäftskontakte - und dazu ein Guiness: Im Pub von JP Morgan (ISIN: US46625H1005, WKN: 850628) ist diese Kombination möglich. Im 13. Stock des Wolkenkratzers der Bank an der 270 Park Avenue befindet sich das Morgan's. Der Haken für die 10.000 Mitarbeiter im Gebäude: Es gibt lediglich 55 Sitzplätze. "Es kann ein nahezu unmögliches Unterfangen sein, hineinzukommen", sagt ein Banker.

