
Rohstoffmärkte: Venezuela verdoppelt Ölproduktion - doch Trump drängt auf mehr
Venezuela hat die Ölproduktion deutlich hochgefahren und profitiert dabei auch von wieder einsetzenden Lieferungen von Verdünnungsmittel. Washington will noch deutlich mehr. Der US-Innenminister sprach in Caracas vor einer Reihe von Führungskräften von Energie- und Bergbauunternehmen und warb um Investitionen.
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Venezuela hat im Februar beinahe doppelt so viel Rohöl exportiert wie im Januar. Laut Frachtdaten und dem Seefhart-Thinktank Kpler wurden im vergangenen Monat täglich 788.000 Barrel exportiert. Im Januar lag der Wert noch bei 383.000 Barrel pro Tag. Nach der Festnahme von Nicolas Maduro durch US-Spezialeinheiten war die Produktion zunächst auf ein zweijähriges Tief gefallen.
Venezuela erhält wieder schweres Naphtha
Entscheidend für die Produktionssteigerung ist der Zugang zum Verdünnungsmittel Naphtha (Rohbenzin). Im Februar wurden fünf Lieferungen gemeldet - nach zwei im Januar. Die Entwicklung der venezolanischen Ölproduktion wird vor dem Hintergrund des Iran-Krieges mit größter Aufmerksamkeit verfolgt.
Das venezolanische Öl ist Schweröl und muss mit anderen Sorten gemischt werden, um marktgängige Produkte zu produzieren. Die derzeitige Produktion ist jedoch bei Weitem zu klein, um Engpässe auszugleichen, die aus der Blockierung der Straße von Hormuz resultieren.
Der größte Teil venezolanischer Öllieferungen fließt in die USA. Käufer sind der Ölkonzern Chevron (ISIN: US1667641005, WKN: 852552), der Rohstoffhändler Vitol und Trafigura. Diese Händler wurden durch die US-Regierung mit dem Kauf von bis zu 50 Millionen Barrel Öl in Venezuela beauftragt.
Das Öl sucht nach Abnehmern: Rund die Hälfte des seit Anfang Januar verschifften Rohöls wurde in den USA, in der Karibik und auf Schiffen eingelagert. Ein Grund dafür: Bis zur Festnahme Maduros war China der wichtigste Abnehmer venezolanischen Öls. Die Volksrepublik hat seit der US-Intervention in dem Land jedoch kein Öl mehr gekauft.
US-Innenminister wirbt vor Führungskräften in Caracas um Investitionen
Wenn es nach Washington geht, besitzt Venezuela noch sehr viel mehr Potenzial, sowohl in der Ölproduktion als auch im Bergbau. US-Innenminister Doug Burgum sprach am Mittwoch in Caracas mit Führungskräften verschiedener Bergbau- und Rohstoffunternehmen.
Anwesend waren Jim Grech von Peabody, Jack Lundin von Lundin Mining, Frank Fannon von Orion CMC, Govind Friedland, Sohn des Bergbau-Milliardärs Robert Friedland, Marcelo Kim von Paulson & Co. sowie Führungskräfte von Caterpillar.
"Sie alle wissen, wie reichhaltig die Ressourcen sind. Durch Zusammenarbeit können wir die richtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, damit Kapital, Technologie und Talente partnerschaftlich fließen können", warb um den Einsatz von US-Unternehmen zur Hebung des Rohstoffpotentials Venezuelas. Neben Öl besitzt das Land Kohle, Gold, Diamanten und kritische Mineralien wie Bauxit, Kupfer und Coltan, ein Metallerz, das zur Gewinnung von Tantal und Niob raffiniert werden kann.
Caracas könnte also eine gewisse Rolle bei der Diversifizierung der Lieferketten für Energie und kritische Mineralien spielen. Ähnliche Worte wie Kanadas Energieminister Tim Hodgson auf der PDAC gefunden hatte ("Kanada ist heute wichtiger als vor einer Woche"), wählte auch Burgum.
"So attraktiv Venezuela vor einer Woche auch gewesen sein mag, es erscheint jetzt wahrscheinlich noch attraktiver, und ich bin sicher, dass Sie alle, die Unternehmen und das Kapital, das Sie vertreten, das ebenfalls verstehen."
Die US-Botschafterin in Venezuela, Laura Dogu, sagte, die venezolanische Übergangsregierung sei offen für Entwicklung, unter anderem im Rohstoffbereich. "Wenn Sie mit der Präsidentin sprechen (...), werden Sie sehen, dass sie voll und ganz dahintersteht."

