Bild zum Artikel: Rohstoffe: KI und Netzausbau forciert Kupferdefizit: BHP, Boliden, Arctic Minerals, Algo Grande und Argentina Metals liefern Lösungen

RohstoffeKI und Netzausbau forciert Kupferdefizit: BHP, Boliden, Arctic Minerals, Algo Grande und Argentina Metals liefern Lösungen

Kupfer entwickelt sich vom klassischen Konjunkturmetall zum Engpassfaktor für Stromnetze, Rechenzentren, Elektrofahrzeuge und Rüstung. Antworten auf die drohende Lücke reichen vom milliardenschweren Großprojekt und neuen Raffineriekapazitäten bis zu frühen Explorationsprogrammen.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: Tifonimages / Bigstock

Der Nachfrageimpuls kommt aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Klassische Anwendungen in Bau, Maschinen und Konsumgütern bleiben der größte Block. Hinzu kommen Stromnetze, erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge, Rechenzentren und elektrifizierte Verteidigungssysteme. Alle benötigen leitfähige Kabel, Motoren, Transformatoren und Kühlsysteme.

Das Angebot hält mit dem Mehrbedarf nicht Schritt

S&P Global veranschlagt allein für das Ökosystem aus KI und Rechenzentren bis 2040 einen zusätzlichen Kupferbedarf von rund zwei Millionen Tonnen gegenüber 2025. Erwartet wird zudem, dass die globale Nachfrage von rund 28 Mio. Tonnen im Jahr 2025 auf 42 Mio. Tonnen 2040 steigt. Ohne einen kräftigen Ausbau des Angebots könnte dann eine Lücke von zehn Millionen Tonnen entstehen.

Die Internationale Energieagentur kommt mit einer anderen Methodik zu einem ähnlichen Befund. Ihr Global Critical Minerals Outlook 2026 sieht bis 2040 einen absoluten Nachfragezuwachs von etwa sieben Millionen Tonnen. Für 2035 deckt die erwartete Förderung aus bestehenden und angekündigten Projekten im Basisszenario nur rund drei Viertel des Primärbedarfs. Die rechnerische Angebotslücke bleibt mit etwa 25 % erheblich.

Mehr Recycling dämpft den Bedarf an Primärmetall, kann neue Minen jedoch nicht ersetzen. S&P Global hält selbst bei stark verbesserten Sammel- und Verarbeitungsquoten höchstens rund ein Drittel der Versorgung bis 2040 für erreichbar. Gleichzeitig sinken die Erzgehalte, Kosten steigen und neue Kupferminen benötigen nach der Studie im Durchschnitt 17 Jahre von der Entdeckung bis zur Produktion. Auch die Verarbeitung ist konzentriert: China verfügt über 40 bis 50 % der globalen Schmelzkapazität. Der Markt braucht daher dringend Erz, Finanzierungen, Genehmigungen und zusätzliche Verarbeitungswege.

BHP und Boliden setzen Standards

BHP Group AU000000BHP4850524 zeigt am Vicuña-Distrikt, welche Kapitalbeträge hinter neuer Großproduktion stehen. Der Konzern hält gemeinsam mit Lundin Mining jeweils 50 % an dem Joint Venture mit Filo del Sol und Josemaria im Grenzgebiet von Argentinien und Chile. Für eine erste Ausbaustufe nennt BHP einen Kapitalbedarf von sieben bis acht Milliarden US-Dollar. Eine Investitionsfreigabe durch die Partner könnte frühestens Ende 2026 erfolgen; der Produktionsbeginn ist für 2030 vorgesehen. Im Durchschnitt sollen mehr als 300.000 Tonnen Kupferäquivalent pro Jahr erreicht werden.

Als etablierter europäischer Kupferplayer produziert Boliden AB SE0020050417A3D69V Kupferkonzentrat unter anderem in Aitik, Europas größter Kupfermine, und verarbeitet Material in den Hütten Rönnskär in Schweden und Harjavalta in Finnland. In Rönnskär entsteht für 4,8 Mrd. Schwedische Kronen ein neues Elektrolysewerk mit einer jährlichen Kathodenkapazität von 230.000 Tonnen. Der Hochlauf ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Bestehende Minen, Hütten und Kundenbeziehungen verkürzen den Weg zum marktfähigen Metall, beseitigen aber nicht die Bau- und Hochlaufrisiken und die Abhängigkeit von ausreichendem Konzentrat.

Neue Projekte für steigende Kupfernachfrage

Arctic Minerals

Für das Hennes-Bay-Projekt von Arctic Minerals SE0024172779A411LJ im Südwesten Schwedens liegt bereits eine erste JORC-konforme Ressourcenschätzung vor. Sie umfasst 55,39 Mio. Tonnen mit 1,0 % Kupferäquivalent in der Kategorie "Inferred". Darin enthalten sind nach Unternehmensangaben 447.000 Tonnen Kupfer und 36,99 Mio. Unzen Silber. Die Schätzung bezieht sich bislang nur auf Dingelvik. Weniger als fünf Prozent des ausgedehnten Zielhorizonts im 414 Quadratkilometer großen Lizenzpaket wurden durch Bohrungen getestet.Eine geophysikalische Kampagne lieferte Anfang 2026 zusätzliche Bohrziele. Nach einer Kapitalaufnahme von 40 Mio. Schwedischen Kronen begann Arctic Minerals mit einer Bohrkampagne. Parallel laufen Arbeiten für Metallurgie, Geotechnik, Hydrogeologie und Genehmigungen auf Hochtouren. Vor einer robusten Wirtschaftlichkeitsbewertung müssen Gehalte und Geometrie nun durch neue Bohrungen bestätigt und durch Ressourcen aufgewertet werden.

Algo Grande Copper

Algo Grande Copper CA0156071049A41UK1 exploriert das vollständig kontrollierte, 5.895 Hektar große Adelita-Projekt im Kupfergürtel von Sonora in Mexiko. Die erste Bohrphase traf bei Cerro Grande auf übereinanderliegende Skarnhorizonte. Über mehrere Intervalle wurden zusammen 36,0 Meter mit mehr als 1,0 % Kupfer gemeldet, darunter 14,79 Meter mit 1,4 %. Für die zweite Phase ist ein Programm über rund 8.000 Meter vorgesehen, das die bekannte Mineralisierung entlang eines 2,5 Kilometer langen Korridors erweitern und tiefere Porphyrziele prüfen soll. Ende Juli meldete das Unternehmen in der zweiten Bohrung 28,37 Meter sichtbare Kupfermineralisierung in Skarn- und andesitischem Porphyrgestein. Die im Februar abgeschlossene Finanzierung über rund 6,5 Mio. CAD stärkt das laufende Bohrprogramm.

Argentina Metals

Noch früher in der Entwicklung steht aktuell Argentina Metals CA04022C1095A42CJA. Das Unternehmen hält 26 Projektgebiete mit zusammen knapp 150.000 Hektar in der argentinischen Provinz Mendoza. Am Leitprojekt Las Estrellas definierten Kartierung, Bodenmagnetik sowie 144 Gesteins- und 14 Bachsedimentproben zwei Zielzonen. Die höchsten Gesteinsproben erreichten 9.978 beziehungsweise 6.673 ppm Kupfer. Im Norden prüft das Geologenteam nun ein flach lagerndes Kupfer-Silber-Modell, im Süden deuten Begleitelemente laut Unternehmen auf ein Porphyrsystem.

Umsetzung entscheidet über die Kupferbilanz

Das erwartete Kupferdefizit ist keine Erfolgsgarantie für Einzelprojekte. Großkonzerne müssen erst Milliardeninvestitionen genehmigen, danach Minen bauen und planmäßig hochfahren. Kleinere Projektentwickler müssen aus geologischen Projektionen zunächst Ressourcen und finanzierbare Minenkonzepte formen. Für den Markt zählt deshalb die gesamte Kette: Bohrerfolg, Metallurgie, Infrastruktur, Umweltprüfung, lokale Akzeptanz, Kapital und Verarbeitung. Die Versorgungslücke wird erst schrumpfen, wenn zusätzliche Primärproduktion und Raffineriekapazität tatsächlich ans Netz gehen.

Goldaktien Spezialreport
Diese 10 Fragen sollten Sie sich stellen, bevor Sie in Goldaktien investieren. Diese 11 Goldaktien sollten Sie kennen! Hier geht es zum PDF.Jetzt kostenlos herunterladen
Verumo Logo-ZeichenVorschau des Goldaktien SpezialreportsIllustration von Goldbarren