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Cloud unter VolllastAlibaba baut seine KI-Offensive im Großformat aus

Mit eigenen Modellen, Chips und Rechenzentren will der chinesische Technologiekonzern Alibaba zentrale Teile seiner KI-Infrastruktur kontrollieren. Das soll Abhängigkeiten senken und das Cloud-Wachstum stützen, doch hoher Rechenbedarf und Lieferengpässe bremsen den Ausbau.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Zihang Zhang / Alibaba Group

Alibaba ISIN KYG017191142 WKN A2PVFU verschärft seinen KI-Kurs mit einem neuen Chip, massivem Ausbau der Cloud-Infrastruktur und größeren Modellen der hauseigenen Qwen-Familie, die Sprach- und multimodale KI-Modelle umfasst. Der Konzern baut damit mehrere Ebenen seiner KI-Wertschöpfung zugleich aus. Die Hongkonger Aktie reagierte am Dienstag mit einem Plus von 5,1 % und erreichte ein Monatshoch.

Modelle, Chips und Rechenzentren wachsen zusammen

Auf der jährlichen Apsara-Konferenz in Hangzhou, einem von Alibaba Cloud ausgerichteten Technologiegipfel, bündelte der Konzern Vorhaben, die mehrere Ebenen des KI-Geschäfts gleichzeitig betreffen. Modelle, Halbleiter und Rechenzentren sollen enger zusammenspielen und Abhängigkeiten innerhalb der technischen Wertschöpfungskette verringern.

Für die eigene Chipversorgung setzt Alibaba auf den KI-Prozessor Zhenwu V900 aus der Halbleitersparte T-Head. Nach Konzernangaben erreicht er die dreifache Leistung seines im Mai vorgestellten Vorgängers M890. Bis zu 500.000 Prozessoren sollen sich zu Clustern verbinden lassen. Serienproduktion und kommerzieller Start sind für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Alibaba bezeichnet den V900 als leistungsstärksten KI-Chip Chinas.

Parallel stößt die Modellfamilie Qwen in eine neue Größenordnung vor. Qwen 4 befindet sich laut Alibaba bereits im Training. Spätere Versionen sollen fünf bis zehn Billionen Parameter erreichen, verglichen mit 2,4 Billionen beim aktuellen Spitzenmodell Qwen3.8-Max. Die Parameterzahl dient dabei als grober Maßstab für die Modellgröße, erlaubt aber keine direkte Aussage über die tatsächliche Leistungsfähigkeit. Nach Angaben von Vorstandschef Eddie Wu machen die Entwickler zudem Fortschritte bei Modellen, die mit begrenzter menschlicher Hilfe eigene Schwächen erkennen, Experimente durchführen und Trainingsdaten erzeugen sollen.

Cloud-Nachfrage erhöht den Ausbaudruck

Die technische Offensive trifft inzwischen auf ein schnell wachsendes Geschäft. Im Quartal bis Ende Juni 2026 erzielten Alibabas KI-Cloud- und Rechendienste 7,1 Mrd. USD Umsatz, 45 % mehr als im Vorjahr. KI-bezogene Produkte steuerten 1,8 Mrd. USD bei und wuchsen damit das zwölfte Quartal in Folge mit dreistelliger Rate.

Auch die Profitabilität verbesserte sich. Das bereinigte EBITA des Cloud-Segments stieg um 133 % auf 830 Mio. USD, die Marge erreichte rund zwölf Prozent. Das Ziel von mehr als 20 Gigawatt weltweiter Rechenzentrumskapazität bis 2032 erhält dadurch einen klareren wirtschaftlichen Hintergrund.

Vorstandschef Eddie Wu spricht von außergewöhnlich robuster Nachfrage nach KI-Diensten. Zugleich begrenzen Lieferkettenprobleme das Expansionstempo. Noch in diesem Quartal will Alibaba erste KI-Superknoten im kommerziellen Maßstab in Betrieb nehmen. Solche eng gekoppelten Recheneinheiten sollen große Modelle effizienter trainieren und betreiben.

Eigene Chips sollen die Versorgung berechenbarer machen

Die Größenordnung des Ausbaus zeigt sich bereits in den Investitionen. Alibaba kündigte im Februar 2025 mindestens 380 Mrd. RMB (rund 53 Mrd. USD) für KI- und Cloud-Infrastruktur innerhalb von drei Jahren an. Das übersteigt laut Konzern die entsprechenden Ausgaben des vorangegangenen Jahrzehnts. Im September 2025 stellte Alibaba zusätzliche Investitionen über diese Summe hinaus in Aussicht, nannte aber keinen neuen Gesamtbetrag.

Allein im Quartal bis Ende Juni 2026 lagen die Investitionsausgaben bei knapp zehn Milliarden USD, 75 % über dem Vorjahreswert. Eigene Prozessoren sollen dabei mehr als die interne Versorgung sichern. Nach Alibaba-Angaben nutzten zuletzt mehr als 650 externe Kunden den M890 über Cloud-Dienste, verteilt auf mehr als 20 Branchen.

Zusätzlichen Anreiz für eigene Hardware schaffen die US-Regeln für Hochleistungschips. So kann der US-Chiphersteller Nvidia ISIN US67066G1040 WKN 918422 bestimmte fortgeschrittene Prozessoren nicht frei nach China liefern. Seit Januar 2026 prüft das US-Handelsministerium Ausfuhranträge für den H200 und vergleichbare Chips unter festgelegten Bedingungen im Einzelfall. Für chinesische Kunden bleibt der Zugang damit genehmigungspflichtig.

Industrielle Skalierung wird zum nächsten Test

Die Strategie reicht vom Modell über den Chip bis zum Rechenzentrum. Sie kann Alibaba mehr Kontrolle über Verfügbarkeit, Kosten und die Abstimmung zwischen Hard- und Software geben. Dafür müssen die einzelnen Ebenen allerdings auch im industriellen Maßstab funktionieren.

Die offenen Punkte liegen nun vor allem in der Umsetzung. Der V900 erreicht die Serienproduktion frühestens 2027, während der Ausbau der Rechenzentren schon heute auf Lieferengpässe trifft. Auch ein deutlich größeres Qwen-Modell muss seine Leistungsfähigkeit erst im praktischen Einsatz beweisen. Für den weiteren Verlauf zählen daher Serienreife, Ausbaugeschwindigkeit und die Frage, ob die hohe Nachfrage in dauerhaft profitables Cloud-Wachstum übersetzt werden kann.