Bild zum Artikel: Robuste Renditequellen: Smart Money setzt auf Momentum statt Buy-and-Hold

Robuste RenditequellenSmart Money setzt auf Momentum statt Buy-and-Hold

Momentum-Investing erlebt ein Comeback - doch vielen Privatanlegern bleibt der Zugang verwehrt. Während Hedgefonds entsprechende Signale systematisch nutzen, predigen Anlageberater weiter Buy-and-Hold Strategien.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 4 min
Titelbild: Getty Images / Unsplash

Buy-and-Hold gilt als das Mantra der Geldanlage. Doch während Anlageberater und Plattformen auf Geduld und Diversifikation pochen, handelt das "Smart Money" längst nach einem anderen Muster. Hedgefonds und institutionelle Anleger orientieren sich zunehmend an Momentum-Strategien - und das mit bemerkenswertem Erfolg.

Breakout statt Langfristdepot

Hedgefonds verwalten Milliarden mit hochentwickelten Algorithmen, die Preisbewegungen analysieren und Handelsmuster erkennen. Im Zentrum steht dabei das sogenannte Momentum - ein Phänomen, bei dem starke Kursentwicklungen oft über längere Zeit anhalten. Der Medallion Fund von Renaissance etwa erzielte so laut Bloomberg über Jahrzehnte durchschnittliche Jahresrenditen von mehr als 60 %.

Zahlreiche Studien belegen seit den 1990er-Jahren, dass Momentum eine der robustesten Renditequellen an den Aktienmärkten ist. Diese Erkenntnisse flossen auch in die bekannten Fama-French-Faktormodelle ein. Inzwischen haben selbst Großbanken Momentum-Komponenten in ihre Anlageprodukte eingebaut.

Die vier Phasen eines Trends

Das Fundament dieser Strategie ist das sogenannte Stage-Modell, das auf die Arbeit des US-Traders Stan Weinstein zurückgeht. Es unterteilt den Kursverlauf einer Aktie in vier Phasen:

  • Stage 1: Seitwärtsbewegung - geringe Volatilität, wenig Interesse.
  • Stage 2: Ausbruch - steigendes Volumen und institutionelles Interesse führen zu einem starken Aufwärtstrend.
  • Stage 3: Verteilung - die Dynamik flacht ab, erste Abverkäufe beginnen.
  • Stage 4: Abwärtstrend - Kursverluste und negative Stimmung dominieren.

Nur die zweite Phase, der sogenannte Breakout, erzeugt laut der Theorie substanzielle Renditen. Der Rest ist Risiko oder Stillstand.

Ein Beispiel: Die Aktie von Kratos Defense (ISIN: US50077B2079, WKN: A0YBZT) wurde Mitte 2023 als klassischer Stage-2-Kandidat erkannt. Der Einstieg erfolgte laut dem Analysehaus InvestorPlace bei 13,57 USD. Heute notiert das Papier bei rund 90 USD - ein Plus von mehr als 460 %.

Warum Berater bei Buy-and-Hold bleiben

Trotz der belegten Wirksamkeit solcher Strategien bleiben viele Anlageberater beim klassischen Buy-and-Hold. Das hat strukturelle Gründe: Einerseits vermeiden Banken und Plattformen durch standardisierte Empfehlungen rechtliche Risiken. Ein Portfolio aus Indexfonds ist regulatorisch unbedenklich - selbst wenn es Verluste bringt.

Andererseits basiert das Geschäftsmodell der Vermögensverwaltung auf kontinuierlich investiertem Kapital. Strategien, die in Cash gehen oder selektiv handeln, reduzieren das verwaltete Volumen - und damit die Gebühren.

Hinzu kommt die institutionelle Trägheit. Alternative Methoden wie Momentum-Analyse wurden lange als spekulativ abgetan. Bis neue Ansätze in die Schulungsmaterialien und Compliance-Vorgaben der Finanzberater Eingang finden, vergeht oft eine ganze Generation.

Algorithmen schließen die Lücke

Der Zugang zu diesen Methoden war lange institutionellen Investoren vorbehalten. Doch inzwischen ermöglichen algorithmische Tools auch Privatanlegern, Breakout-Kandidaten frühzeitig zu erkennen.

Ob diese Strategien nun für jeden Anleger geeignet sind, bleibt offen. Fest steht jedoch: Die Finanzwelt ist im Wandel - und wer nur hält, verpasst womöglich den nächsten Ausbruch und lässt damit erhebliches Kurspotenzial auf der Straße liegen.