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DevisenmarktWie weit geht die Dollar-Schwäche noch?

Die Stimmung gegenüber dem Greenback ist so schlecht wie lange nicht mehr. Vielleicht ist aber gerade dies der Grund dafür, dass die Abwertung sich zunächst nicht fortsetzen wird.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / imageBroker / Piotr Dziurman / imageBroker.com

Die Ergebnisse der regelmäßigen Bank of America Umfrage unter Fondsmanagern erregten Aufsehen. Die Profis vertreten eine so pessimistische Haltung gegenüber dem US-Dollar wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Stimmung unter den Managern ist sogar noch schlechter als im vergangenen April, als US-Präsident Donald Trump den Liberation Day ausrief und es zu weitreichender Verunsicherung im Zusammenhang mit Einfuhrzöllen kam.

Die Stimmung passt zu anderen Entwicklungen. Ein Blick auf Daten zum Optionshandel an der Chicago Mercantile Exchange (CME) lässt vermuten, dass es vor allem Absicherungsaktionen sind, die den Kurs drücken. Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren kaufen Verkaufsoptionen, deren Verkäufer sich wiederum durch Short-Positionen am Devisen-Terminmarkt absichern.

Absicherungsgeschäfte drücken Dollarkurs

Roger Hallam vom Vermögensverwalter Vanguard etwa sagt: "Einige der Volatilitätsschwankungen im vergangenen Jahr haben Investoren dazu veranlasst, die historisch niedrigen Dollar-Absicherungsquoten, die sie für US-Vermögenswerte gehalten haben, in Frage zu stellen." Dies sei ein wesentlicher Faktor für den jüngsten Rückgang des Greenback gewesen.

Ein anderer Grund für den Rückgang ist die Repatriierung von Kapital durch ausländische Investoren, die bislang im Dollarraum investiert waren. "Wir beobachten verstärkte Rückführungsströme, da ausländische US-Dollar-Inhaber ihr Kapital wieder in ihre Heimatwährung umschichten", sagte Caroline Houdril von Schroders. Manche Marktteilnehmer fürchten eine systematische Abwertung des Dollars und schenkten deshalb bestimmten Ereignissen wie der Überprüfung der Yen-Dollar-Zinssätze der Banken im letzten Monat höchste Aufmerksamkeit.

In den USA jedenfalls stößt ein schwacher Dollar auf wenig politischen Widerstand. Viele innerhalb der Trump-Regierung vertreten die Auffassung, dass ein schwacher Dollar den US-Exporten zugutekommt und die angestrebte Reindustrialisierung unterstützen kann.

Kevin Warsh beruhigt Märkte vorerst nicht

Viele Analysten sehen den Dollar deshalb jetzt noch nicht am Ende seiner Abwertung. Dabei spielen auch die erwarteten Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve eine Rolle. Diese Zinssenkungen werden die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen verringern.

Die Ernennung von Kevin Warsh zum Nachfolger von Jerome Powell als Fed-Vorsitzenden hat die Devisenmärkte nur kurzzeitig beruhigt. Zwar gilt Warsh nicht als die befürchtete Taube, die zu starken Zinssenkungen neigt. Allerdings wird befürchtet, dass die Unabhängigkeit der Notenbank beeinträchtigt ist.

"Der Dollar ist eines der größten Risiken für einen Euro-Investor", sagt Vincent Mortier von Amundi. "Die Staatsverschuldung in den USA wächst stetig, es gibt immer mehr Dollar, und die Nicht-US-Investoren sind immer weniger geneigt, in den Dollar zu investieren."

Der weitreichende Pessimismus gegenüber dem Dollar sollte allerdings zur Vorsicht mahnen. Die Abwertung des Greenbacks ist keine Einbahnstraße und könnte in wesentlichen Teilen bereits vorbei sein. Vor der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten galt der Dollar als leicht überbewertet. Seit der Wahl ist die Währung um etwa 7 % gefallen - für mehr hat all die Verunsicherung und schlechte Stimmung nicht gereicht.

Die mitunter behauptete globale Abkehr vom Dollar als Leitwährung jedenfalls wird sich zumindest hinziehen. 54 % aller Exportrechnungen sind in Dollar, rund 60 % aller internationalen Kredite und Einlagen sowie 70 % der internationalen Anleihe-Emissionen sind in Dollar denominiert. Fast neun von zehn Transaktionen am Devisenmarkt werden in US-Dollar abgewickelt. Trotz des Anstiegs des Goldpreises und der Diversifizierung durch viele Zentralbanken weltweit macht der Greenback immer noch fast 57 % der weltweiten Währungsreserven aus.

Kurz gesagt: Es gibt gute, fundamentale Gründe, sich aus dem US-Aktienmarkt zurückzuziehen. Die Angst vor einem permanent abwertenden Dollar ist jedoch nicht zuletzt aufgrund der bereits sehr schlechten Stimmung wahrscheinlich übertrieben.