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RegulierungKryptoindustrie sammelt für die Midterms

Die Kryptoindustrie wird zum Großunterstützer bei den Midterms im Herbst: Von kryptofreundlichen Kandidaten erhofft sich die Branche nicht zuletzt eine deutliche Aufwertung von Stablecoins. Banken warnen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Coinwire Japan / Unsplash

193 Mio. USD: So groß ist die "Kriegskasse" der US-Kryptoindustrie für die im Herbst anstehenden Midterm-Wahlen. Gebündelt wird das Geld in einem Political Action Committee (PAC) namens Fairshake, das bereits bei den vorangegangenen Wahlen mit mehr als 130 Mio. USD für die Unterstützung kryptofreundlicher Kandidaten eine entscheidende Position unter den Geldgebern einnahm. Jedenfalls gewannen die meisten unterstützten Kandidaten deutlich. Die größten Spenden: Je 25 Mio. USD von Coinbase und Ripple und 24 Mio. USD von der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz.

Fairshake will Krypto-freundliche Kandidaten im Kongress helfen

Das Ziel der Spender: Kryptofreundliche Gesetze auf dem Weg in den Kongress unterstützen. Ein Fairshake-Sprecher will die Branche gern in der Opferrolle sehen: "Angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen stehen wir geeint hinter unserer Mission: Fairshake wird sich weiterhin gegen kryptofeindliche Politiker stellen und kryptofreundliche Führungskräfte unterstützen." Man wolle Verbraucher schützen, Innovationskraft fördern und das Finanzsystem "für mehr Amerikaner öffnen."

Von den Spenden erhofft sich die Kryptoindustrie eine Gegenleistung, wie es sie im vergangenen Jahr zu bejubeln galt: In den USA wurde ein umfassender Regulierungsrahmen für Stablecoins geschaffen. Diese stehen auch bei der Diskussion um ein neues Gesetz im Mittelpunkt: Es geht darum, ob Emittenten von Stablecoins berechtigt sein sollen, Anlegern für das Halten der Coins Zinsen zu zahlen.

Die aktuelle, d. h. seit dem letzten Jahr geltende Gesetzeslage gefällt weder der Kryptoindustrie noch den Vertretern des traditionellen Finanzsektors. Kryptounternehmen sehen im Verbot von Zinsen auf Stablecoins eine Möglichkeit für Banken, den Wettbewerb auszuschalten. Banken wiederum stören sich an einer aus ihrer Sicht gefährlichen Gesetzeslücke: Kryptobörsen wie Coinbase, Kraken oder Gemini dürfen anders als Stablecoin-Emittenten sehr wohl Zinsen oder Renditen bieten.

Banken verlangen, auch dies zu unterbinden und argumentieren, dass Kryptobörsen durch die Zinszahlung faktisch wie Kreditinstitute agieren und damit Risiken für das gesamte Finanzsystem bergen. So drohe der Abzug von Einlagen bei regulierten Banken zugunsten von unregulierten Kryptoplattformen, schrieb eine Gruppe von US-Bankenverbänden letzten Monat in einem Brief an den US-Senat.

Zinsen auf Stablecoins: Banken fürchten Mittelabflüsse

Wie groß dieser Effekt ist, ist sehr umstritten. Die Bandbreite der Schätzungen reicht von 65 Mrd. USD (diesen Wert ergaben Untersuchungen von Jessie Wang, einer leitenden Ökonomin der US-Notenbank Federal Reserve für ein Szenario mit geringer Nachfrage) bis hin zu 6,6 Billionen USD (diesen Wert nennt eine Analyse des Finanzministeriums vom April 2025).

Auch Auswirkungen über den Finanzsektor hinaus werden befürchtet. So könnten Banken weniger Geld für Kredite an Unternehmen der Realwirtschaft oder für Hypotheken an Hausbesitzer zur Verfügung haben, wenn Einlagen das traditionelle System verlassen und stattdessen in Stablecoins gehalten werden. "Die Liquidität im gesamten Finanzsystem würde sinken, Kredite verteuern, Banken weniger profitabel machen und systemisch gesehen das traditionelle Finanzsystem instabiler machen", warnt etwa Philipp Paech, außerordentlicher Professor an der London School of Economics und ehemaliger Vorsitzender der Expertengruppe der Europäischen Kommission für Fintech.

Führen Stablecoins zur Kreditklemme?

Auch mögliche Risiken für den Bondmarkt werden als Argument gegen eine regulatorische Aufwertung von Stablecoins ins Feld geführt. Der Hintergrund: Emittenten von Stablecoins wie Tether und Circle müssen liquide Sicherheiten vorhalten, um die Bindung ihrer Coins an den USD zu gewährleisten. Dazu investieren die Unternehmen Milliarden in US-Staatsanleihen. Kommt es zu einem großen Verkauf von Stablecoins durch Anleger, müssen die Emittenten zur Einlösung Sicherheiten verkaufen, was Druck auf die Kurse ausüben und die Renditen nach oben treiben könnte.

In dieser Woche treffen sich Vertreter der Wall Street und der Kryptoindustrie, um einen Kompromiss für einen gemeinsam unterstützten Gesetzentwurf auszuhandeln. Coinbase hatte im Januar die Unterstützung für den vorliegenden Entwurf zurückgezogen.

Die Kursentwicklung am Kryptomarkt war zuletzt enttäuschend: Bitcoin fiel auf den niedrigsten Stand seit April 2025. Die Rallye an den Edelmetallmärkten - oft auf eine Dollar Debasement-Szenario zurückgeführt - ist an Bitcoin, Ethereum, XRP und Co. weitgehend spurlos vorübergegangen.