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Renditen und RisikenDem Bondmarkt steht ein Rekordjahr mit Turbulenzen bevor

Rekordverdächtige Emissionen durch Regierungen und KI-Hyperscaler, die Normalisierung der japanischen Renditen und hohe Volatilität haben die Bondmärkte in den ersten Wochen des Jahres begleitet.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Zoonar / Andrii Yalanskyi

Der globale Bondmarkt startete gemessen am Platzierungsvolumen stark ins neue Jahr: Bereits in den ersten sieben Tagen 2026 hatten Unternehmen und Regierungen in den USA, Europa und Asien bereits 260 Mrd. USD in verschiedenen Währungen aufgenommen, was den höchsten jemals verzeichneten Wert für den Vergleichszeitraum darstellt.

Es gibt eine Reihe von Gründen für die hohen Platzierungen. Zum einen liegt die Neuverschuldung vieler großer Volkswirtschaften wie USA, Deutschland, Frankreich und Japan weiter auf hohem Niveau. Zum anderen finanzieren sich auch Unternehmen in großem Umfang über Anleihen. Ein wesentlicher Treiber dabei: KI.

Morgan Stanley: Hyperscaler platzieren 400 Mrd. am Bondmarkt

Sowohl die Verschuldung der Regierungen als auch die Verbindlichkeiten der Unternehmen sorgen am Bondmarkt dabei zunehmend für Unruhe und Volatilität. Es sind die Ausmaße, die aufhorchen lassen.

Apollo Global Management schätzt, dass bis 2030 die Hälfte der zehn größten Kreditnehmer auf dem US-amerikanischen Markt für Investment-Grade-Unternehmensanleihen sogenannte Hyperscaler sein werden. Diese lösen Banken und Telekommunikationsunternehmen als größte Schuldner ab. Morgan Stanley schätzt das Platzierungsvolumen der US-Hyperscaler allein für 2026 auf 400 Mrd. USD. Die Folge: Die Risiken des Technologiemarktes machen sich am Bondmarkt breit.

Zu diesen Risiken zählt die wachsende Kluft zwischen Investitionen in KI und den damit erzielten Renditen. Ein Blick auf Schuldtitel von Oracle (ISIN: US68389XDM48, WKN: A4EHY8) mit Fälligkeit im Jahr 2035 und 5,2 % Zinskupon verdeutlicht die Sorgen der Marktteilnehmer: Der Kurs sank von 101 % Anfang Oktober auf zuletzt 94,7 %.

Doch die Auswirkungen der hohen KI Investitionen beschränken sich nicht auf steigende Risikoprämien für diejenigen, die sie tätigen. Von dem Boom sind zunehmend weitere Sektoren betroffen, darunter Versorger und Industrieunternehmen. Apollo sieht "einen einzigen Makro-Trade im Bereich KI" heraufziehen.

Hohe Renditen am langen Ende in Japan und den USA

Nicht nur der Markt für Unternehmensanleihen wirkt angespannt: Die Lage am Markt für Staatsanleihen verkompliziert sich. Die 10-jährige US-Rendite erreichte in der vergangenen Woche mit 4,3 % den höchsten Stand seit August. Die Rendite der 30-jährigen US-Schuldtitel liegt mit 4,88 % sogar nahe jahrzehntelanger Höchststände.

In Japan sieht es nicht besser aus. Vor den im kommenden Monat angesetzten Neuwahlen wächst dort die Sorge vor ausufernden Staatsausgaben. Eine Verkaufswelle am Anleihemarkt trieb die Renditen in die Höhe.

Die Rendite der zehnjährigen Anleihen erreichte mit 2,35% den höchsten Stand seit 1999, bei 20 Jahren Laufzeit wurde mit 3,45 % ein Rekordwert erreicht. Die Renditen der 30- und 40-jährigen Anleihen des Landes stiegen um mehr als 25 Basispunkte. Bei 40 Jahren Laufzeit wurde sogar an der Marke von 4 % gekratzt. In diesem Laufzeitbereich erlitten Investoren in den letzten zwölf Monaten Kursverluste von rund 20 %.

Die Entwicklung in Japan gilt als weltweit bedeutsam, da das Land infolge seiner jahrzehntelangen Handelsüberschüsse ein Nettogläubiger der Finanzmärkte ist. Im November hielten japanische Investoren rund 1,8 Billionen USD in US-Staats- und Unternehmensanleihen. Da sich das Renditeniveau in Japan nach Jahrzehnten nun normalisiert, könnte es zu einer massenhaften Repatriierung japanischer Assets kommen - mit entsprechendem Abwertungsdruck auf u. a. US-Anleihen.

Grund zur Besorgnis besteht im Hinblick auf die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen allerdings noch nicht: In den USA, UK, Deutschland und Frankreich haben sich diese in den letzten zwei Jahren im Wesentlichen seitwärts bewegt. Das absolute Niveau ist historisch gesehen noch unauffällig.