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DevisenmarktMar-a-Lago Accord: Einigen sich Fed und BoJ auf einen schwächeren USD?

Trump macht kein Geheimnis daraus, dass er einen schwachen Dollar für vorteilhaft hält. An den Märkten wird nach Rate Checks durch die New York Fed eine Intervention zur Schwächung des Dollar durchgespielt.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Zoonar / Oliver Boehmer

Der schwache Dollar sei "großartig", sagte US-Präsident Donald Trump am Dienstag in Iowa auf die Frage eines Journalisten nach der laufenden Abwertung des Greenbacks. Trump sieht - diese Erkenntnis ist nicht neu - in einem schwachen USD ein Werkzeug zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Dollar-Index (DXY), der den Wert des Dollars gegenüber einem Korb wichtiger Währungen misst, fiel zum ersten Mal seit vier Jahren unter die Marke von 96 Punkten.

Wie weit wertet der USD noch ab?

Für Anleger diesseits des Atlantiks stellen sich andere Fragen. Insbesondere: Wie weit könnte die Abwertung des USD noch führen? Wer in US-Aktien investiert ist, verliert bei einem sinkenden Wert der US-Währung. Diese Erkenntnis brennt sich in diesen Tagen schmerzhaft in die Performanceanzeigen von Millionen Depots.

Klar ist: Die Abkehr vom USD ist keine vorübergehende Erscheinung. Die Studie "Emerging Trends in Wealth Management 2026" von MSCI unter 250 Vermögensverwaltern liefert ein klares Ergebnis: Dass die Portfoliomanager ihre Assets weg von US-Aktien hin zu entwickelten (77 %) und aufstrebenden Märkten (49 %) verlagern.

Und die Sicht der Asset Manager ist nicht das einzige Argument, das für einen schwächeren Dollar spricht. Das zweite Argument ist das Zinsumfeld bzw. seine Entwicklung. In den USA dürften die Zinsen in diesem Jahr sinken - wenn auch noch nicht in dieser Woche.

In Europa dagegen stagnieren die Zinsen, Ende 2026 oder Anfang 2027 scheint sogar eine Zinserhöhung möglich. Auch in Japan stehen die Zeichen in Richtung steigender Zinsen, ebenso in Australien. In Kanada wird für dieses Jahr ein weitgehend stabiles Zinsniveau erwartet.

Sinkende Zinsen in den USA, steigende oder stagnierende Zinsen in weiten Teilen der Welt: Dies spricht für eine weitere Abwertung des USD, wenngleich die Zinserwartungen mittlerweile zum Teil eingepreist sein sollten.

Eine globale konjunkturelle Erholung würde die Schwäche des Greenbacks noch verstärken, weil der Inflationsdruck in anderen Ländern weiter zunehmen und kleinere zyklische Währungen wie die skandinavischen Währungen, AUD und NZD aufwerten dürften.

Die Dollar-Schwäche und der Yen

Neben den Äußerungen Trumps gibt es weitere Risiken für den USD: Die psychologisch wichtige Marke von 1,20 im EURUSD, die anstehenden Auktionen von US-Staatsanleihen, die Bilanzsaison und nicht zuletzt die Gefahr eines neuerlichen Regierungsstillstands. Auch die Sorge um die Unabhängigkeit der US-Notenbank, bei der in diesem Jahr ein Wechsel an der Spitze ansteht, spielt eine Rolle. Nicht zuletzt sichern viele Marktteilnehmer ihre USD-Assets durch FX-Hedging ab.

Die aktuelle Schwäche des Dollars ist allerdings nicht ohne Blick nach Japan zu verstehen. Tokyo will die Abwertung des Yen stoppen, der von April 2025 bis Mitte Januar von 142 auf 158 Yen pro USD nachgab. Die Märkte spekulieren, dass eine gemeinsame Marktintervention Japans und der USA zur Stützung des Yen bevorstehen könnte. Diese wäre gleichbedeutend mit einer Abwertung des USD.

An den Märkten wird also eine Art Mar-a-Lago-Accord durchgespielt: Die abgesprochene Abwertung des USD durch zwei Notenbanken. Als starker Hinweis darauf gilt, dass der New Yorker Ableger der US-Notenbank Fed bei Geschäftsbanken die aktuellen Kurse für Yen-Dollar-Geschäfte abgefragt hat. Diese "Rate Checks" erregten große Aufmerksamkeit.

Der Mar-a-Lago Accord - eine Anspielung auf den Plaza Accord aus den 1980er Jahren und Donald Trumps aktuelles Anwesen in Florida - war bereits zu Beginn der aktuellen Amtszeit des Präsidenten diskutiert worden.

Kommt es zur Intervention von Fed und BoJ?

Marktteilnehmer versuchen, dieser Entwicklung zuvorzukommen - und verkaufen USD zugunsten von JPY. Dies startete um den 23. Januar: Am 22. Januar kostete ein USD noch 158,50 JPY. Aktuell sind es 153,5 JPY pro USD.

Zuvor war es zu bemerkenswerten Bewegungen am japanischen Bondmarkt gekommen: Die JGB-Renditen erreichten jahrzehntelange Höchststände. Die BoJ ist weitgehend machtlos: QE-Maßnahmen würden die Yen-Abwertung verstärken und den Inflationsdruck im Land erhöhen.

Namik Immelbäck, Chefstratege der SEB, schrieb am späten Dienstagabend in einer Mail: "Das US-Finanzministerium hat natürlich ein Interesse daran, dass sich der japanische Anleihemarkt stabilisiert, ohne dass es zu einer Rotation aus US-Staatsanleihen kommt, und hofft vielleicht, dass eine koordinierte Devisenmarktintervention ausreicht, um die Stimmung zu ändern." Dazu könne die Fed neue Dollar-Liquidität schaffen und damit Yen kaufen.

In Japan stehen Wahlen an

Ein wichtiger Termin für den USD sind die Wahlen in Japan am 8. Februar. Sollte das Ergebnis der neuen Regierungskoalition unter Premierministerin Takaichi enttäuschend ausfallen - was derzeit viele Beobachter für möglich halten - dürfte dies den Yen stützen.

Doch das ist nicht alles: Nach den Wahlen könnte die neue Regierung zudem eine weitere, wenig spektakuläre, aber doch sehr wirksame Maßnahme zur Stützung des Yen und zur Beruhigung des heimischen Bondmarktes aufgreifen: Eine Regeländerung beim Government Pension Investment Fund. Dessen Anteil an ausländischen, nicht währungsgesicherten Anleihen war zuletzt gestiegen, die Allokation in inländischen Anleihen dagegen zurückgegangen.