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Banken unter DruckKippt das Machtgefüge am globalen Silbermarkt?

Der Silberpreis bleibt trotz massiver Short-Wetten stabil. Extrempositionen deuten auf einen ungewöhnlich angespannten Silbermarkt hin. Vor allem große Banken stehen unter Druck, während die physische Nachfrage den Preis stützt.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / dpa / Sven Hoppe

Der globale Silbermarkt zeigt sich Ende Januar 2026 in einem Zustand, der selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lässt. Aktuelle Daten aus dem Commitments-of-Traders-Report, kurz COT-Report, zeichnen ein Bild extremer Positionierungen. Vor allem große Banken haben massiv auf fallende Preise gesetzt, während der Silberpreis bislang stabil bleibt und sich nahe der Marke von 100 USD je Feinunze bewegt. Das verschärft die Spannungen im Markt deutlich.

Traditionell gelten große Banken als Akteure mit engem Bezug zum physischen Markt. Sie nutzen Terminmärkte häufig zur Absicherung. Doch die aktuell gemeldete Netto-Short-Position erreicht laut den vorliegenden Daten ein historisches Extrem. Der erwartete Preisrückgang blieb bislang aus, was auf wachsende Buchverluste hindeutet.

Großbanken halten hohe Short-Positionen

Auffällig ist die starke Konzentration der Short-Wetten bei wenigen Akteuren. Den Daten zufolge entfallen große Teile der offenen Short-Positionen auf die vier bis acht größten Händler, überwiegend US-Großbanken. Das Volumen dieser Wetten übersteigt die jährliche Weltproduktion von Silber. Bleibt der Preis auf dem aktuellen Niveau, steigt der Druck auf diese Institute.

In der Branche wird zunehmend von einem möglichen Kontrollverlust gesprochen. Gemeint ist die Sorge, dass die Papierverkäufe an den Terminbörsen nicht mehr ausreichen, um den Preis zu drücken, weil die physische Nachfrage stärker wächst. Insbesondere industrielle Abnehmer sichern sich Material, was den Markt zusätzlich verengt.

Hedgefonds verstärken Aufwärtstrend

Auf der Gegenseite stehen vor allem Hedgefonds. Sie folgen klar dem Trend und haben ihre Netto-Long-Positionen stark ausgebaut. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern erreichen diese Positionen ein Niveau, das zuletzt während des sogenannten Silver Squeeze im Jahr 2021 zu sehen war.

Normalerweise gilt eine derart einseitige Positionierung als Warnsignal für eine bevorstehende Korrektur. Derzeit jedoch kaufen Fonds kleinere Rücksetzer konsequent auf. Der Hintergrund ist ein Marktumfeld, in dem physische Knappheit eine größere Rolle spielt als statistische Erfahrungswerte aus der Vergangenheit.

Steigendes Open Interest signalisiert neue Nachfrage

Ein weiteres zentrales Signal liefert das Open Interest, also die Zahl der offenen Kontrakte an den Terminmärkten. Dieses ist im Januar sprunghaft gestiegen. In Kombination mit steigenden Preisen gilt das als Bestätigung eines intakten Aufwärtstrends. Es deutet darauf hin, dass frisches Kapital in den Markt fließt und nicht nur bestehende Short-Positionen geschlossen werden.

Für die großen Leerverkäufer erhöht sich damit das Risiko. Sollte der Silberpreis dauerhaft über der Marke von 100 USD bleiben, könnten Margin Calls drohen. In diesem Fall wären die betroffenen Banken gezwungen, Positionen glattzustellen und physisches Silber oder Kontrakte zurückzukaufen, was den Preis zusätzlich antreiben würde.

Die vorliegenden COT-Daten zeichnen damit das Bild eines Marktes, der extrem überdehnt ist und zugleich von strukturellen Faktoren gestützt wird. Ob es tatsächlich zu einer abrupten Bereinigung kommt oder die Spannungen länger anhalten, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der physischen Nachfrage ab.