
Renditen außerhalb Europas: Fremdwährungsanleihen: Wo gibt es welche Rendite?
Die Renditen von Fremdwährungsanleihen liegen teils deutlich höher als in Deutschland. Welche Länder zahlen derzeit wie viel? Wie weit können die Kurse von Anleihen bei steigenden Zinsen noch fallen? Und welche Währungen könnten der Inflation mittelfristig mehr entgegenzusetzen haben als der Euro?
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Die Renditen in verschiedenen Ländern
Auf dem europäischen Anleihemarkt gibt es derzeit ein starkes Zinsgefälle. Die Renditen deutscher Bundesanleihen sind mit 1,56 % sehr niedrig. Deutlich mehr gibt es in Frankreich (2,2 %), Spanien (2,8 %) und Italien (3,9 %). Die höheren Renditen dieser Länder spiegeln das durch die Marktteilnehmer unterstellte größere Risiko wider.
Welche Renditen werden derzeit in verschiedenen Ländern außerhalb Europas gezahlt?
Das Vereinigte Königreich bietet mit fast 3 % (exakt: 2,97 % am Montagmittag) fast doppelt so viel wie Deutschland. In den USA lag die Rendite am Montagmorgen vor Handelsstart bei 3,2 %. Weitere Länder:
Kanada: 3,11 %
Australien: 3,65 %
Neuseeland: 3,98 %
Am niedrigsten ist die Rendite japanischer Anleihen mit lediglich 0,24 %. Dies ist kein Zufall: Die Bank of Japan hält unbeirrt an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Zu den derzeit eingesetzten Instrumenten gehört auch die sogenannte Zinskurvensteuerung. Die BoJ will die Rendite zehnjähriger japanischer Anleihen bei maximal 0,25 % deckeln – und tätigt entsprechende Käufe.
Können Rohstoffwährungen vor Inflation schützen?
Interessant ist, dass unter den Fremdwährungsanleihen mit deutlich höheren Renditen als in Deutschland auch rohstoffreiche Länder wie Kanada und Australien sind. Deren Währungen werden auch als Rohstoffwährungen bezeichnet.
Die Überlegung: Die derzeitige Inflation wird maßgeblich durch die Rohstoffpreise verursacht. Länder mit eigenen Vorkommen erzielen in einem solchen Umfeld höhere Exporterlöse, was den Wechselkurs treibt.
Dieser Überlegung folgend wären Investitionen in kanadische und australische Staatsanleihen mit Renditen im Bereich von 3-4 % und einem im Vergleich zum Euro verbesserten Inflationsschutz attraktiv.
Allerdings könnten die Effekte der hohen Rohstoffpreise bereits im Wechselkurs eingepreist sein. Außerdem könnte ein durch eigene Rohstoffvorkommen verringerter Inflationsdruck in diesen Ländern auch schneller zu einer wieder expansiveren Geldpolitik führen, die wiederum mit niedrigeren Renditen einherginge.
Bei weiter steigenden Zinsen: Wie weit können Anleihekurse sinken?
Ein steigendes Renditeniveau am Anleihemarkt geht mit sinkenden Kursen einher. Halten Anleger Anleihen im Portfolio, ergibt sich aus einem Umfeld steigender Zinsen somit das Risiko von Kursverlusten. Diese können beträchtlich sein – und fallen umso höher aus, je länger die Restlaufzeit von Anleihen ist.
Dazu ein Fallbeispiel. Eine Bundesanleihe (ISIN: DE0001102606, WKN: 110260) mit Fälligkeit am 15. August 2032 ist mit einem jährlichen Zinskupon in Höhe von 1,70 % ausgestattet. Das Papier notiert aktuell mit ca. 101,3 % des Nennwertes. Das ist deutlich weniger als noch Anfang August, als noch knapp 109 % des Nennwertes gezahlt wurden.
Würde das Zinsniveau am Markt deutlich steigen, müsste der Kurs der Anleihe fallen, um die Rendite an den Markt anzupassen. Bereits eine Marktrendite von 4 % müsste zu einem Kursrückgang um ca. ein Fünftel auf 81,5 % führen.
Bei einem Renditeniveau von 6 % ergäbe sich rechnerisch ein Kurs von ca. 68,5 % des Nennwertes – also ein Verlust von rund einem Drittel. Erreichte die Marktrendite gar 8 %, müsste der Anleihekurs auf weniger als 58 % des Nennwertes sinken.
Der Kursverlust von Anleihen bei steigenden Zinsen fällt i.d.R. umso größer aus, je länger die Restlaufzeit und je niedriger der Zinskupon ist. Dies zeigt ein Blick auf eine Bundesanleihe mit 30 Jahren Laufzeit und einem Zinskupon von 0 %.
Die am 15. August 2052 fällige Anleihe notiert derzeit bei ca. 60,20 % des Nennwertes. Aktuell liegt die Rendite bei rund 1,70 %. Ein Anstieg der Rendite auf 4 % würde einen Kurs von rund 31 % erfordern – also eine Halbierung des aktuellen Preises. Ein Anstieg der Marktrendite auf 6 % würde einen Kurs von 17,5 %, eine Rendite von 8 % einen Kurs von ca. 9,80 % erfordern.