
Edelmetalle im Bärenmarkt?: Analysten erwarten Goldpreiserholung trotz Kurseinbruch
Der Goldpreis ist seit Januar um mehr als 20 % gefallen. Während Analysten auf 10.000 USD hoffen, verlieren Goldfirmen teils mehr als die Hälfte ihres Werts.
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Der internationale Goldpreis hat seit seinem Jahreshoch Ende Januar deutlich nachgegeben. Der Spotpreis fiel von 5.5945 USD auf zuletzt 4.336 USD je Feinunze - ein Rückgang von rund 22 %. Die Gold-Futures büßten im gleichen Zeitraum ebenfalls etwa 22 % ein und notierten zuletzt bei 4.318 USD. Beide Kursentwicklungen markieren den Eintritt in einen Bärenmarkt, der allgemein als ein Rückgang von mehr als 20 % gegenüber dem jüngsten Höchststand gilt.
Die Ursachen für den Einbruch sind vielschichtig. Als unmittelbarer Auslöser gilt die jüngste Erstarkung des US-Dollars, der seit dem Beginn des Iran-Konflikts rund 3 % zulegen konnte. Parallel dazu wurden militärische Eskalationen vorerst vertagt: US-Präsident Donald Trump ordnete einen fünftägigen Stopp geplanter Luftangriffe auf iranische Energieinfrastruktur an. Dies nahm geopolitischen Druck aus dem Markt - ein Faktor, der den Goldpreis zuvor gestützt hatte.
Analysten sehen günstigen Einstiegszeitpunkt
Trotz der aktuellen Schwäche bleiben viele Marktbeobachter langfristig optimistisch. Der Präsident von Yardeni Research, Ed Yardeni, bekräftigte seine ambitionierte Prognose von 10.000 USD je Unze bis Ende der Dekade. Zwar senkte er seine kurzfristige Jahresendprognose auf 5.000 USD (zuvor 6.000 USD), doch selbst das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 15 % gegenüber dem aktuellen Kurs.
Auch Justin Lin, Investmentstratege bei Global X ETFs, hält an seinem Ziel von 6.000 USD bis Jahresende fest und sieht aktuell eine "überzeugende Einstiegschance". Die Korrektur sei vor allem durch kurzfristige Effekte wie höhere Zinsen, Umschichtungen in schwachen Aktienmärkten und nachlassende Kriegsängste getrieben.
Zentrale Nachfragefaktoren bleiben bestehen
Langfristig stützen fundamentale Faktoren die Goldnachfrage. Dazu zählt laut Lin insbesondere das anhaltende Kaufinteresse asiatischer Gold-ETFs sowie die kontinuierlichen Reservenaufstockungen von Notenbanken aus Schwellenländern. Diese versuchen, ihre Devisenreserven breiter aufzustellen und setzen dabei zunehmend auf physisches Gold.
Auch Rajat Bhattacharya, leitender Anlagestratege bei Standard Chartered, hält die strukturellen Treiber für intakt. In seiner Einschätzung nennt er neben der geopolitischen Unsicherheit ebenfalls die strategische Diversifikation institutioneller Anleger als langfristige Stütze des Goldpreises. Die Bank rechnet mit einer Erholung auf 5.375 USD innerhalb der nächsten drei Monate. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei ein nachlassender US-Dollar.
Technisch sehen Analysten die nächste wichtige Unterstützungsmarke bei etwa 4.100 USD. Sollte diese halten, rechnen viele Marktteilnehmer mit einem baldigen Rebound. Eine potenzielle Zinssenkung durch die US-Notenbank könnte zusätzlichen Auftrieb geben, da ein schwächerer US-Dollar Gold attraktiver macht.
Goldunternehmen unter Druck
Der deutliche Rückgang des Goldpreises hat auch die Bewertungen börsennotierter Goldunternehmen massiv belastet. Der NYSE Arca Gold Miners Index, der große Produzenten wie Barrick und Newmont abbildet, fiel seit seinem Hoch Ende Januar von rund 3.200 Punkten auf zuletzt etwa 2.395 Punkte - ein Rückgang von rund 25 %.
Auch Einzelwerte verzeichneten kräftige Verluste: Fresnillo (ISIN: GB00B2QPKJ12, WKN: A0MVZE) gab seit Ende Januar rund 38 % nach, Endeavour Mining (ISIN: GB00BL6K5J42, WKN: A3CSCF) verlor seit Anfang März etwa 28 %. Beide Unternehmen hatten zuvor vom steigenden Goldpreis profitiert, gerieten nun jedoch durch die Korrektur erneut stark unter Druck.
Noch stärker traf es einige kleinere Entwickler und Explorer: Barton Gold (ISIN: AU0000153215, WKN: A3DJY0) liegt derzeit rund 31 % unter seinem Hoch Ende Januar, Aftermath Silver (ISIN: CA00831V2057, WKN: A2DMFN) verzeichnet ein Minus von etwa 55 % im selben Zeitraum, und Dryden Gold (ISIN: CA26245V1013, WKN: A3E1GE) verlor rund 37,5 %. Auch FireFox Gold (ISIN: CA31816R8369, WKN: A419WJ), das zunächst stabil geblieben war, büßte seit Anfang März etwa 33 % ein. Diese Unternehmen reagieren besonders sensibel auf Marktstimmung und Kapitalzugang, da sie sich noch in der Projektentwicklungs- oder Explorationsphase befinden.
Die Entwicklung zeigt deutlich: Während große Produzenten und Branchenindizes wie der NYSE Arca Gold Miners Index direkt mit dem Goldpreis korrelieren, können sich Explorationswerte nur vorübergehend entziehen - vor allem, wenn Projektfortschritte oder Finanzierungsnachrichten ausbleiben. Das Umfeld bleibt herausfordernd, insbesondere für Juniors mit begrenztem Spielraum.
Weiterer Preissprung bedeutet Sektor-Neubewertung
Sollte der Goldpreis in den kommenden Jahren tatsächlich auf 6.000 USD bis 10.000 USD steigen, erwarten Marktbeobachter eine umfassende Neubewertung des gesamten Sektors. Produzenten würden mit massiven Margensteigerungen profitieren, da ihre Förderkosten deutlich unter dem Marktpreis liegen. Entwickler mit fortgeschrittenen Projekten könnten dadurch mehr und mehr in den Fokus von Übernahmen rücken. Explorationsfirmen dürften spekulativ stark nachgefragt werden - vor allem, wenn sie Ressourcenpotenzial mit positiver Nachrichtenlage verbinden. Ein solches Szenario könnte die nächste Gold-Hausse mit weitreichenden Effekten für Kapitalmärkte, Minenstrategien und Investorenportfolios auslösen.

