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BondmarktUS-Kapital fließt in Schwellenländer-Anleihen - die nun vor einer Korrektur stehen könnten

Schwacher Dollar, Fed-Zinssenkungen, Dollar-Flucht: Zuletzt gab es eine Reihe von Trends, die Schwellenländerbonds begünstigten, was sich sichtbar in der Performance niederschlug. Nun könnte eine Korrektur anstehen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Getty Images / Unsplash

Schuldtitel der Schwellenländer verzeichneten in den letzten zwölf Monaten erhebliche Mittelzuflüsse. Dieser Trend gilt für Schwellenländer-Lokalwährungsanleihen, globale, USD-gesicherte Anleihen und sonstige Schwellenländer-Anleihen gleichermaßen. "Alle drei Kategorien wuchsen schneller als der Gesamtmarkt [für Taxable Bonds]", notierte Morningstar Analyst Dan Lefkovitz in einem Bericht aus der vergangenen Woche.

Schwellenländeranleihen verzeichnen Nettomittelzuflüsse

So verzeichneten Schuldtitel aus der Kategorie Global Bonds USD Hedged in den vergangenen zwölf Monaten Nettomittelzuflüsse in Höhe von gut 54 Mrd. USD. Emerging Markets Bonds verzeichneten Nettomittelzuflüsse von 8,0 Mrd. USD, Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen genossen unterm Strich Mittelzuflüsse von 5,95 Mrd. USD.

Es gibt verschiedene Gründe für die Kapitalflüsse. Zum einen sind Bondinvestments außerhalb der USA derzeit so attraktiv wie lange nicht. "Staatsanleihen entwickelter Länder außerhalb der USA bieten erstmals seit Jahren wieder attraktive Renditechancen", heißt es dazu bei Morningstar Investment Management. Durch steigende Zinsen seien die lokalen Renditen in vielen Ländern gestiegen.

Verbesserte Fundamentaldaten, wiedererwachtes Anlegervertrauen, der fallende US-Dollar und die Zinssenkungen der US-Notenbank führten zu einem Rückgang der Spreads des Morningstar Emerging Markets Composite Bond Index gegenüber US-Staatsanleihen um 30 Basispunkte. Der Renditeaufschlag von Schwellenländeranleihen fiel bis Ende 2025 auf ein 18-Jahres-Tief.

Emerging Market Bonds lassen US Bonds hinter sich

In den vergangenen Jahren waren Investments in Schwellenländeranleihen deutlich renditefreundlicher als US-Bonds. Der Morningstar Emerging Markets Composite Bond Index kletterte in den drei Jahren bis zum 13. März um 23,79 %, während der Morningstar US Bond Core Index im selben Zeitraum nur um 11,84 % zulegen konnte.

Ein weiterer Grund neben höheren Renditen in den Emerging Markets ist der De-Dollarisation Trade. Die Staatsverschuldung in den USA ist hoch, die Risiken für den ohnehin überstrapazierten Haushalt sind durch den Krieg im Iran noch weiter gestiegen. Irritationen im Zusammenhang etwa mit einer US-Übernahme Grönlands haben die Unsicherheit weiter verstärkt.

"Die Kursgewinne von Schwellenländeranleihen in den letzten Jahren sind sowohl auf den Wertverfall des Dollars als auch auf die verbesserte makroökonomische Lage der Schwellenländer zurückzuführen. In gewisser Weise haben sich die Rollen umgekehrt: Die Regierungen der Industrieländer agierten verschwenderisch, während die Schwellenländer disziplinierter vorgingen", fasst Levkovitz eine Marktentwicklung zusammen, die nun vor einer Korrektur stehen könnte.

Korrektur wie 2022? Veränderte Zinserwartungen sind Risiko für EMs

River Meng (ebenfalls Morningstar) jedenfalls warnt, es könne angesichts der hohen Kursgewinne in den Bondmärkten der Emerging Markets Zeit für Gewinnmitnahmen sein. Er erinnert daran, dass es Marktumfelder gibt, in denen Emerging Market Bonds besonders unter Druck geraten - etwa im Zeitraum von September 2021 bis Oktober 2022.

"Dieser Zeitraum war besonders herausfordernd für Schwellenländer, die sich noch von der globalen Pandemie erholten und unter den Folgen der aggressiven Zinserhöhungen der US-Notenbank litten", schreibt Meng in einem aktuellen Bericht.

Vor allem die veränderten Zinserwartungen für die USA infolge des Irankriegs - in Kombination mit makroökonomischen Herausforderungen für die Schwellenländer aufgrund des Konflikts - könnten das Blatt zumindest zeitweise wenden und zu einer Kurskorrektur bei Emerging Market Bonds führen.

Ein frühes Zeichen dieser Korrektur könnten Anpassungen in Positionen in ungarischen und brasilianischen Titeln sein, die unter der Annahme sinkender Zinsen in den USA eröffnet worden waren.