
Regulierer prüfen zwei Plattformen: Der 53-Milliarden-Griff nach PayPal
Stripe und Advent International wollen PayPal gemeinsam übernehmen. Die Milliardenfinanzierung steht, doch Margendruck, Turnaround und ein absehbar harter Kartellcheck machen aus der Prämie eine riskante Wette.
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Der private Zahlungsdienstleister Stripe und der Finanzinvestor Advent International bieten 60,50 Dollar je Aktie für PayPal Holdings (ISIN: US70450Y1038, WKN: A14R7U). Die Offerte bewertet PayPal mit mehr als 53 Milliarden Dollar und liegt rund 28 Prozent über dem Dienstagsschluss. Banken haben zudem rund 50 Milliarden Dollar an Finanzierung zugesagt.
Stripe kauft sich Zugang zu PayPals Kundenbasis
Das Angebot wurde informierten Kreisen zufolge Anfang Juli eingereicht. Vorausgegangen war eine erste Annäherung im April; PayPal hat bislang keine Antwort gegeben. Stripe und Advent wollen den Konzern vollständig übernehmen und jeweils die Hälfte halten. Der vorliegende Plan sieht PayPal als geschlossenes Unternehmen vor.
Die strategische Logik liegt in der Verbindung zweier bislang unterschiedlich ausgerichteter Plattformen. Stripe liefert die Zahlungsinfrastruktur für Unternehmen, PayPal den direkten Zugang zu Verbrauchern. Ende März zählte PayPal 439 Millionen aktive Konten; Stripe erreicht nach eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Unternehmen direkt oder über Partnerplattformen. Eine Übernahme würde Stripe damit auf einen Schlag im Endkundengeschäft verankern.
Finanziell bringt Stripe erhebliches Gewicht mit. Bei einem Mitarbeiteranteilsverkauf im Februar wurde das Unternehmen mit 159 Milliarden Dollar bewertet. 2025 liefen Zahlungen im Umfang von 1,9 Billionen Dollar über seine Systeme, 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Stripe arbeitet nach eigenen Angaben profitabel. Gemeinsam könnten beide Anbieter Händlerzugang, Zahlungsabwicklung und Verbraucherreichweite bündeln.
Die Finanzierung macht den Vorstoß außergewöhnlich
Besonders aggressiv ist die Finanzierung. Das zugesagte Kreditpaket würde fast den gesamten Kaufpreis abdecken. Damit käme der Großteil des Kaufpreises aus Fremdkapital. PayPal selbst wies Ende März 13,5 Milliarden Dollar an Barmitteln und Anlagen sowie 11,6 Milliarden Dollar Schulden aus. Für die Käufer erhöht das den Druck, PayPals Ertragskraft rasch zu stabilisieren und die laufenden Kosten zu senken. Zugleich müssten Stripe und Advent eine der größten Übernahmen der jüngeren Finanztechnologie-Geschichte operativ zusammenführen.
Der Preis wirkt opportunistisch. PayPal war 2021 an der Börse zeitweise rund 360 Milliarden Dollar wert, in diesem Jahr sank die Marktkapitalisierung bis auf etwa 36 Milliarden Dollar. Das Gebot bleibt zudem deutlich unter den Kursniveaus des Vorjahres. Am Morgen des 15. Juli lag der vom Finanzdatenanbieter FactSet erfasste Analystenkonsens bei "Halten"; das mittlere Kursziel betrug 47 Dollar, das höchste 63 Dollar und damit nur 2,50 Dollar mehr als die Offerte. Stripe und Advent setzen darauf, dass der jahrelange Kursverfall die Verkaufsbereitschaft unter den Aktionären erhöht.
Die erste Marktreaktion auf die Offerte fiel deutlich aus: Im frühen vorbörslichen US-Handel legte die PayPal-Aktie zeitweise um mehr als 15 Prozent zu. Dennoch blieb sie klar unter dem Gebot. Der damalige Abschlag spiegelte die anfänglichen Zweifel der Anleger wider, ob die Übernahme zu den genannten Konditionen zustande kommt. PayPal könnte einen höheren Preis verlangen, während die umfangreiche Kreditfinanzierung den Spielraum der Bieter begrenzt.
Der Konsolidierungsdruck ist 2026 deutlich sichtbar. Der Zahlungsabwickler Global Payments schloss im Januar die Worldpay-Übernahme ab, während der kanadische Zahlungsdienstleister Nuvei im Juni den Kauf von Payoneer Global – einem Spezialisten für grenzüberschreitende Unternehmenszahlungen – für 2,75 Milliarden Dollar ankündigte. Für Stripe erhöht diese Welle den strategischen Druck, weil größere Zahlungsplattformen Reichweite, Händlerzugang und grenzüberschreitende Angebote bündeln.
PayPals Umbau gerät unter zusätzlichen Druck
Für PayPal kommt der Vorstoß mitten in einem Führungswechsel. Enrique Lores, seit März Vorstandschef, hat den Konzern in drei Bereiche gegliedert: Checkout-Lösungen und PayPal, Verbraucherfinanzdienste und Venmo sowie Zahlungsdienste und Krypto. Der Umbau soll Zuständigkeiten verkürzen und das Wachstum beschleunigen. PayPal führt dabei seine Zahlungsinfrastruktur und Kryptodienste in einer Sparte zusammen. Mehrere Führungsposten wurden dafür neu besetzt.
Im ersten Quartal stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 8,35 Milliarden Dollar. Das abgewickelte Zahlungsvolumen wuchs um elf Prozent auf rund 464 Milliarden Dollar. Gleichzeitig sank die operative Marge nach US-Bilanzregeln um 1,82 Prozentpunkte auf 17,8 Prozent; der bereinigte freie Mittelzufluss – nach Investitionen und ohne bestimmte zeitliche Effekte aus Kreditverkäufen – erreichte 1,72 Milliarden Dollar. Beim Zahlungsvolumen bleibt der Wachstumsabstand zu Stripe jedoch groß. Vor allem beim klassischen Bezahlvorgang für Verbraucher drängen neue Angebote auf PayPals angestammtes Terrain.
Lores plant außerdem, mit künstlicher Intelligenz Doppelarbeit abzubauen und die Organisation zu verschlanken. PayPal stellt über zwei bis drei Jahre Einsparungen von rund 1,5 Milliarden Dollar in Aussicht und will das Geld in neue Wachstumsfelder lenken. Für 2026 erwartet der Konzern bestenfalls eine weitgehend stagnierende bereinigte Gewinnentwicklung. Die Offerte zwingt PayPals Führungsgremium nun zu einem harten Vergleich: sofortige Prämie gegen den möglichen Wert einer eigenständigen Erholung. Entscheidend wird, ob Stripe und Advent ihr Angebot erhöhen oder PayPal mit schnellen Fortschritten seine Verhandlungsposition stärkt.
Die Aufseher werden zum entscheidenden Dealrisiko
In den USA muss die Transaktion vor dem Vollzug bei den Wettbewerbsbehörden angemeldet werden. Eine vertiefte Informationsanforderung der US-Wettbewerbsbehörde oder des US-Justizministeriums könnte den Abschluss erheblich verzögern. Weil Stripe und PayPal mehrseitige Zahlungsplattformen betreiben, dürften die Prüfer besonders untersuchen, ob der Zusammenschluss den Wettbewerb um Händler, Verbraucher, Daten und Bezahlwege schwächt.
Bei Erreichen der europäischen Umsatzschwellen käme zusätzlich die EU-Wettbewerbsbehörde ins Spiel. Der im April veröffentlichte Entwurf neuer Fusionsleitlinien rückt Digitalisierung, Marktmacht und Innovation stärker in den Fokus. Das unterstreicht für die Käufer das Risiko einer langen Prüfung oder einer Freigabe unter Auflagen.