
Investor Woche: Deutsche Exporte im Aufwind, Apollo kauft EasyJet, Deutz kauft FFG, VW Aufsichtsrat bremst Blume, Xavier Niel kauft Vodafone-Anteil, Argentina Metals verstärkt sich
Die deutsche Wirtschaft lieferte zuletzt etwas bessere Zahlen. Bayer beschafft sich 3 Mrd. EUR von Apollo, das auch EasyJet übernimmt. Der VW-Aufsichtsrat lehnt die Pläne von Oliver Blume zunächst ab. Ablehnung empfiehlt auch Hugo Boss seinen Aktionären bei der Fraser-Offerte. Argentina Metals holt namhafte Berater an Bord und Integrated Cyber Solutions benennt sich um.
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Marktentwicklung
Der Krieg im Iran verschärft sich wieder, die Ölpreise legten deutlich zu. Die Aktienmärkte entwickelten sich uneinheitlich. Der DAX gab im Wochenverlauf um mehr als 3 % nach, der NASDAQ-100 konnte um knapp 1 % zulegen, der S&P 500 ebenfalls. Gold kämpft mit der Marke von 4.100 USD, Silber notiert unter 60 USD, Bitcoin entfernt sich von der 60.000-USD-Marke.
Top-Meldungen
Deutsche Exporte legen erneut zu
Gute Meldungen von der deutschen Konjunktur: Nach Einzelhandelsumsätzen, Industrieaufträgen und Produktion wuchsen im Mai auch die Exporte. Waren im Wert von 137,9 Mrd. EUR wurden ausgeführt, was einem Plus von 0,90 % gegenüber dem Vormonat entspricht. Verglichen mit Mai 2025 legten die Exporte sogar um 6,1 Prozent zu. Ökonomen hatten mit einem Rückgang gerechnet.
Apollo sticht Castlelake im Rennen um EasyJet aus
Apollo bietet 5,7 Mrd. GBP für EasyJet (ISIN: GB00B7KR2P84, WKN: A1JTC1). Am Freitag wurde eine grundsätzliche Einigung über ein Angebot von 7,15 Pfund pro Aktie mitgeteilt. Der Vorstand der Fluggesellschaft empfiehlt den Aktionären die Annahme des Angebots. Zuvor hatte die US-Kreditgruppe Castlelake 5,5 Mrd. GBP geboten.
Deutz kauft FFG für 1,6 Mrd. EUR
Deutz (ISIN: DE0006305006, WKN: 630500) übernimmt die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG), einen Entwickler und Hersteller von gepanzerten Ketten- und Radfahrzeugen, für 1,6 Mrd. EUR komplett. Bezahlt wird mit ca. 1,0 Mrd. EUR Cash und 0,6 Mrd. EUR in neu auszugebenden Deutz-Aktien. Die bisherige Eigentümerfamilie der FFG soll künftig 29,9 Prozent der Deutz-Anteile halten.
Bayer beschafft sich 3 Mrd. EUR zur Verbesserung der Kapitalstruktur
Der Finanzinvestor Apollo beteiligt sich am Geschäftsbereich Verhütungsmittel von Bayer (ISIN: DE000BAY0017, WKN: BAY001). Apollo investiert laut einer Mitteilung am Freitag 3 Mrd. Euro Eigenkapital in eine neue Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva (LARC) einbringt. Der Konzern behält dabei die operative Kontrolle. Durch den Deal soll die Kapitalstruktur verbessert werden. "Wir steigern damit unsere finanzielle Flexibilität angesichts des in diesem Jahr erhöhten Liquiditätsbedarfs durch Anleihefälligkeiten und Rechtsstreitigkeiten", sagte Finanzchefin Judith Hartmann.
VW-Aufsichtsrat stimmt gegen Pläne von Oliver Blume
Der Aufsichtsrat von Volkswagen (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403) hat am Freitag die Pläne von Konzernchef Oliver Blume zur Restrukturierung des Autobauers abgelehnt. Dies wird auf Widerstand von Arbeitnehmerseite und seitens des Landes Niedersachsen zurückgeführt. Am Donnerstagabend hatte das Unternehmen erste offizielle Details des Zukunftsplans kommuniziert. Diese sehen unter anderem eine Ausdünnung der Modellpalette und eine Reduzierung der Produktionskapazität von zehn auf neun Millionen Stück vor. Auch die Schließung mehrerer Werke ist im Gespräch.
Argentina Metals holt neue technische Berater an Bord
Argentina Metals (ISIN: CA04022C1095, WKN: A42CJA) hat Chris Paul und Joaquin Marias zu technischen Beratern ernannt. Paul ist derzeit CEO und Direktor von Hercules Metals. Dort identifizierte und erwarb er 2021 das Hercules-Projekt im Westen Idahos und leitete anschließend 2023 die Entdeckung des Kupferporphyrsystems Leviathan. Marías ist derzeit CEO, Präsident und Direktor von Argenta Silver das das Projekt El Quevar in der argentinischen Provinz Salta exploriert.
Integrated Cyber Solutions benennt sich in Integrated Quantum Technologies um
Integrated Cyber Solutions (ISIN: CA45828F1018, WKN: A3EGAC) hat sich in Integrated Quantum Technologies umbenannt. Das Unternehmen arbeitet derzeit an der fortlaufenden Umsetzung seiner Strategie für eine unternehmensweite KI-Infrastruktur. Zuletzt wurden dazu eine Reihe strategischer Initiativen umgesetzt. So investierte das Unternehmen in geistiges Eigentum, Technologieentwicklung und Kommerzialisierung, um das Wachstum eines skalierbaren KI-Infrastrukturgeschäfts für Unternehmen zu unterstützen.
Xavier Niel wird größter Vodafone-Aktionär
Der französische Geschäftsmann Xavier Niel plant, einen Anteil von 16,2 % an der Vodafone Group (ISIN: GB00BH4HKS39, WKN: A1XA83) von Emirates Telecommunications für rund 5,90 Mrd. USD zu erwerben. Der Gründer des französischen Mobilfunk- und Internetanbieters Iliad und Miteigentümer der französischen Tageszeitung Le Monde hat ein Portfolio an Telekommunikationsunternehmen unter anderem in Frankreich, Italien, Polen, der Schweiz, Zypern und der Ukraine aufgebaut. Über seine Akquisitionsgesellschaft Vega zahlt er insgesamt 112,5 Pence je Vodafone-Aktie.
Hugo Boss fordert Aktionäre zur Ablehnung von Fraser-Offerte auf
Hugo Boss (ISIN: DE000A1PHFF7, WKN: A1PHFF) fordert seine Aktionäre auf, ein Übernahmeangebot der Frasers Group in Höhe von 2,2 Mrd. USD abzulehnen, da das Angebot das Unternehmen unterbewerte. Frasers bietet für die restlichen 73,42 % der Anteile an Hugo Boss, die sich noch nicht in seinem Besitz befinden, 38 EUR je Aktie.
Unter der Lupe
MercadoLibre: Ein verspäteter E-Commerce-Gewinner mit Bewertungspotenzial?
MercadoLibre (ISIN: US58733R1023, WKN: A0MYNP) ist der größte E-Commerce-Marktplatz Lateinamerikas mit über 120 Millionen aktiven Käufern und 1 Million aktiven Verkäufern. Die Aktie hat von ihrem Allzeithoch vor einem Jahr aus gesehen rund 30 % an Wert verloren. Ein Grund dafür sind hohe Investitionen unter anderem in die Plattformen Mercado Envios und Mercado Pago sowie das brasilianische Logistiknetzwerk. Im vergangenen Jahr wurde die Grenze für kostenlosen Versand in Brasilien gesenkt. Zudem verdoppelte MercadoLibre sein Kreditportfolio. Der Bruttogewinn stieg um 34 %, die operative Marge sank jedoch zum zweiten Mal in Folge.
"Das Unternehmen profitiert weiterhin von der zunehmenden Verbreitung des E-Commerce in Lateinamerika und der verstärkten Nutzung digitaler Zahlungsmethoden", sagt Morningstar-Analyst Michael Miller. Das Unternehmen habe sich als führende E-Commerce-Plattform in Lateinamerika etabliert, insbesondere in seinen Kernmärkten Argentinien, Brasilien und Mexiko. Miller sieht in Mercado Envios und Mercado Pago "Alleinstellungsmerkmale" gegenüber seinen E-Commerce-Wettbewerbern und hält die Investitionen deshalb für richtig.
Amrita Roy von SeekingAlpha spricht eine Kaufempfehlung aus. "Im Konsens wird für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 ein Umsatzwachstum von 42 % und ein Rückgang des Gewinns je Aktie um 12 % erwartet; ein Übertreffen der Gewinnschätzungen je Aktie könnte eine signifikante Neubewertung auslösen." Kurz: Zeichnet sich ab, dass die Investitionen Früchte tragen und das Gewinntal durchschritten ist, geht es mit der Aktie wieder bergauf.
Grafik der Woche
Tokenisierte Aktien erleben SpaceX-Boom
Das Handelsvolumen tokenisierter Aktien erreichte im Juni 3,4 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 279 % gegenüber dem Vormonat und 1.400 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser Anstieg wurde maßgeblich durch den tokenisierten Börsengang von SpaceX befeuert.
Tokenisierung bezeichnet die Abbildung von klassischen Finanzinstrumenten wie Aktien als digitale Token auf einer Blockchain. Dies ermöglicht theoretisch eine höhere Effizienz bei der Abwicklung (Settlement), eine Teilbarkeit der Vermögenswerte sowie den Zugang zu Märkten außerhalb der begrenzten Handelszeiten traditioneller Börsen.
Auch andere Zahlen sprechen dafür, dass tokenisierte Aktien an Bedeutung gewinnen: So stieg das monatliche Transfervolumen um 91,66 % auf 8,70 Mrd. USD. Die Zahl der Anteilseigner stieg um 15,59 % auf 409.240.
Ein Großteil des Handelsvolumens wird über das Solana-Netzwerk abgewickelt. Dieses stellt als technisches Fundament eine dezentrale Blockchain. Auf der Solana-Blockchain läuft die Plattform Jupiter. Diese versteht sich als DEX-Aggregator: Anstatt nur auf einer einzigen Börse zu handeln, durchsucht Jupiter automatisch alle verfügbaren dezentralen Börsen auf Solana, um den bestmöglichen Preis zu finden. Jupiter verzeichnete einen Anstieg des Handelsvolumens um 56 %.

Fun Fact
Hasbro druckt NICHT mehr "Bargeld" als die USA
Die Behauptung ist immer wieder im Netz zu finden: Der Monopolyhersteller Hasbro drucke mehr "Bargeld" in Form von Spielgeld als die Notenbank der USA. Doch der Mythos basiert auf einem Rechenfehler, bei dem die Anzahl der Scheine mit deren Gesamtwert verwechselt wurde. Während jährlich Monopoly-Geld im Wert von etwa 30 Milliarden Dollar produziert wird, druckt das US Bureau of Engraving and Printing tatsächlich Banknoten im Wert von oft mehreren hundert Milliarden USD.



