
Investor Woche: Gold & Silber unter Druck, Micron mit starken Zahlen, Merck mit 11 Mrd. USD Zukauf, OpenAI zweifelt an IPO, Zodiac Gold vor Bohrprogramm, Rheinmetall crasht, VW mit Kahlschlag
Gold und Silber geraten unter Verkaufsdruck. Micron erfreut mit starken Zahlen, während VW die nächste Hiobsbotschaft verkünden muss und der Absturz von Rheinmetall auch das KNDS-IPO beeinträchtigt. OpenAI erwägt gar eine Verschiebung des Börsengangs. Zodiac Gold steht vor Bohrungen bei Todi, Merck kauft in den USA zu. Alibaba könnte eine KI- und Robotik-Chance sein, Arista Networks bietet hohe Margen und einen breiten Burggraben.
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Marktentwicklung
Gold und Silber gaben infolge neu bewerteter Zinserwartungen deutlich nach. Der Ölpreis korrigiert weiter und liegt auf Vorkriegsniveau. Der DAX gab in dieser Woche rund 1,5 % ab, beim S&P 500 liegt das Minus mit 2,5 % höher, im NASDAQ-100 mit fast 4 % geht es noch weiter abwärts. Der Dollar gewinnt an Stärke und notiert bei 1,14.
Deutscher Einkaufsmanagerindex fällt auf 48 Punkte
Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Wirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – fiel um 0,8 Zähler auf 48,0 Punkte und damit den niedrigsten Wert seit Dezember 2024. "Die schlechte Nachricht ist, dass die Geschäftstätigkeit den dritten Monat in Folge und stärker zurückgegangen ist als in den beiden Vormonaten", sagte S&P-Global-Ökonom Phil Smith.
Gold und Silber geben deutlich nach – Banken senken Prognosen
Die Preise für Gold und Silber stehen unter Druck. Der Goldpreis rutschte im Wochenverlauf zeitweise unter die Marke von 4.000 USD pro Feinunze. Silber kostete am Freitagmittag 58 USD. Mehrere Banken haben ihre Kursziele gesenkt. Die Deutsche Bank etwa erwartet für das dritte Quartal nun 4.300 USD pro Feinunze Gold und damit mehr als ein Fünftel weniger als in der bisherigen Prognose.
Zodiac Gold schließt Finanzierungsrunde ab und mobilisiert Bohrtürme
Zodiac Gold (ISIN: CA98980T1049, WKN: A3EKSC) schloss eine mehrfach aufgestockte Privatplatzierung im Volumen von 5,6 Mio. CAD ab und erhöhte die Liquidität damit auf rund 9 Mio. CAD. Gemeldet wurde zudem die Mobilisierung eines Bohrgerätes zum Zielgebiet Arthington beim Goldprojekt Todi in Liberia. Dort steht ein 3.000 Meter umfassendes Bohrprogramm an.
Merck kauft Bio-Techne für 11,3 Mrd. USD
Merck (ISIN: DE0006599905, WKN: 659990) übernimmt den US-Anbieter von Life-Science-Werkzeugen und Analysetechnologien Bio-Techne für 11,3 Mrd. USD. Das Unternehmen will sich in seiner Laborsparte in wachstumsstarken Bereichen wie Zell- und Gentherapien und Präzisionsdiagnostik stärker aufstellen.
OpenAI könnte IPO wegen schwachem Marktumfeld verschieben
OpenAI erwägt Medienberichten zufolge eine Verschiebung des geplanten Börsengangs auf das kommende Jahr. Ursächlich ist das Marktumfeld, das nach Auffassung von Chef Sam Altman die angestrebte Bewertung von 1 Billion USD offenbar nicht zulässt. So hätten Berater in der vergangenen Woche vor einer geringen Nachfrage von Kleinanlegern gewarnt.
Argentina Metals holt Enrique Reichhard als VP Exploration an Bord
Argentina Metals (ISIN: CA04022C1095, ISIN: A42CJA) hat Enrique Reichhard zum Vizepräsidenten Exploration ernannt. Reichhard bringt 45 Jahre Erfahrung in der Exploration und Minenentwicklung in Chile, Brasilien, Ecuador, Argentinien, Peru und Südafrika mit. Zuvor war er in leitenden Positionen u. a. bei Codelco Do Brasil Mineração, Billiton Ecuador und Minera Teck Chile tätig.
Die Aktien des Unternehmens sind seit dieser Woche auch an der Frankfurter Börse gelistet. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Dr. Titus Gebel, kommentierte die Notierung: "Als deutscher Unternehmer und Mitgründer der in Frankfurt notierten Deutschen Rohstoff AG weiß ich die Bedeutung des Zugangs zu den europäischen Kapitalmärkten und den Wert einer diversifizierten internationalen Aktionärsbasis zu schätzen."
Volkswagen verkauft 51 % an Everllence an Bain Capital
Volkswagen (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403) plant einem Medienbericht zufolge den Abbau von bis zu 100.000 der weltweit aktuell rund 657.000 Arbeitsplätze. Die Maßnahme entspräche einer Verdoppelung des bisherigen, ohnehin schon ambitionierten Abbauziels.
"Es geht darum, das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen", kommentierte ein VW-Sprecher, der die Berichte ansonsten allerdings nicht kommentieren oder im Detail bestätigen wollte. Am 09. Juli soll der Aufsichtsrat beraten.
Zuvor hatten die Wolfsburger in dieser Woche mitgeteilt, 51 % der Schwerdieselmotoren-Sparte Everllence für 7,4 Mrd. EUR an Bain Capital zu veräußern, um die Finanzen zu stärken.
Micron über den Erwartungen
Micron (ISIN: US5951121038, WKN: 869020) überraschte die Märkte positiv: Für das vierte Quartal rechnet der US-Halbleiterhersteller mit einem Umsatz von 50 Mrd. USD, was deutlich über den Konsenserwartungen von 43,6 Mrd. USD liegt. Im dritten Quartal lagen die Umsätze mit 41,5 Mrd. USD ebenfalls über den Erwartungen. Der bereinigte Gewinn lag mit 25,11 Dollar je Aktie mehr als 13-mal so hoch wie vor einem Jahr.
Rheinmetall-Crash belastet auch KNDS-IPO
Der Kurseinbruch bei Rheinmetall (ISIN: DE0007030009, WKN: 703000) von 20 % allein in dieser Woche infolge eines stornierten Auftrags dürfte sich auch auf das geplante IPO des Panzerbauers KNDS auswirken. Analysten rechnen damit, dass die Platzierung am unteren Ende der Spanne von 15–18 Mrd. EUR erfolgt.
Unter der Lupe
Arista Networks: Netzwerkgeräte-Marktführer mit breitem Burggraben und hohen Margen
Der Netzwerkgeräteanbieter Arista Networks (ISIN: US0404132054, WKN: A40V33) verkauft Ethernet-Switches und Software für Rechenzentren. Seit der Gründung im Jahr 2004 hat das im kalifornischen Santa Clara ansässige Unternehmen seinen Marktanteil stark ausgebaut.
Arista "erzielt weiterhin hohe Margen und einen soliden Cashflow. Investitionen in KI-Infrastruktur stützen die robuste Nachfrage nach Netzwerktechnologie, von der Arista unserer Erwartung nach in den nächsten Jahren profitieren wird", sagt Morningstar-Analyst William Kerwin, der die Aktie derzeit mit einem "seltenen Abschlag" auf den fairen Wert gehandelt sieht, den Morningstar auf 190 USD taxiert (aktueller Kurs: 165 USD).
Das Analyseunternehmen sieht Arista als Technologieführer im Bereich Hochgeschwindigkeits-Switching für Unternehmensnetzwerke und rechnet damit, dass der Marktanteil bei den höchsten Geschwindigkeiten gehalten und bei geringeren Geschwindigkeiten ausgebaut werden kann. "Wir sind überzeugt, dass Arista durch die stark steigenden Ausgaben für KI ein nachhaltig hohes Wachstum erzielen wird", schreibt Kerwin in einem aktuellen Bericht.
Die Aktie wird mit dem 46-fachen der künftigen erwarteten Gewinne gehandelt, das PEG liegt bei 1,4.
Die hohe Bewertung ist aus Sicht des SeekingAlpha-Analysten J. Thesis allerdings gerechtfertigt. Das Unternehmen habe seit seinem Börsengang die Umsatz- und Gewinnschätzungen durchweg übertroffen. "Arista profitiert von mehrjährigen positiven Entwicklungen in den Bereichen Cloud, Rechenzentren und KI sowie von erhöhten Investitionsausgaben großer Technologieunternehmen."
29 der durch das Wall Street Journal befragten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf – vier mehr als noch vor drei Monaten (2x Overweight, 1x Hold).
Grafik der Woche
Alibaba: KI-Riese ohne KI-Bewertung
Alibaba (ISIN: KYG017191142, WKN: A2PVFU) ist gemessen am Bruttowarenvolumen das weltweit größte Online- und Mobile-Commerce-Unternehmen und betreibt Chinas Online-Marktplätze, darunter Taobao (B2C) und Tmall (B2C). Doch auch Cloud- und KI-Services spielen eine wachsende Rolle: Das Unternehmen will hier in den kommenden fünf Jahren die Marke von 100 Mrd. USD Umsatz erreichen.

Die Bewertung ist, gemessen an westlichen Unternehmen aus dem Technologiebereich und mit Bezug zu KI, äußerst moderat. So liegt das Forward-KGV bei knapp 17, das zukunftsgerichtete KBV bei 1,33. Zudem hat das Unternehmen ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm aufgelegt.
Ist Alibaba damit ein günstiges Tech- und KI-Schnäppchen für alle, die den Zug bei westlichen Unternehmen verpasst haben? Bullen sehen jedenfalls die Chance starker Erträge, sollten die Pläne des Managements aufgehen. Bären warnen vor geopolitischen Risiken und hohen, noch zu bewältigenden Ausgaben für KI-Technologie.
Aggressive Investitionen in Quick Commerce/Fulfillment-Kapazitäten sowie in KI- und Cloudfähigkeiten haben zuletzt die Umsätze angetrieben, die Margen aber gedrückt, was den Aktienkurs in den Keller getrieben hat. SeekingAlpha-Analyst Stephen Fiorillo hält die Aktie für "stark unterbewertet, da der Markt seine Transformation vom E-Commerce zum führenden KI- und Cloud-Anbieter Chinas falsch einschätzt."
Astrada Advisor weist auf das verkörperte KI-Modell Qwen-Robot hin. Die Qwen-Robot-Suite ist eine Modellfamilie für Physical AI und Robotik. Es gibt Qwen-RobotNav: ein Navigationsmodell, das Instruktionen in physische Bewegungen umsetzt. Qwen-RobotManip ist ein Modell für präzise Interaktionen und Greifaufgaben und Qwen-RobotWorld ein auf Sprache basierendes Weltmodell, das es Robotern ermöglicht, Aufgaben in der Simulation zu planen und zu testen, bevor sie in der echten Welt ausgeführt werden.
Astrada sieht Alibaba vor einer strukturellen Neubewertung, die "einen entscheidenden Wandel hin zu einer umfassenden KI-Infrastruktur markiert." Das Qwen-Robot-Modell erschließe margenstarke, wiederkehrende MaaS-Einnahmequellen, indem es groß angelegte multimodale KI mit realer Robotik in Industrie- und Handelsbereichen verbinde.
Fun Fact
Der humanoide Roboter Pemba besteigt 6.200 Meter hohen Vulkan
Pemba ist ein humanoider Roboter (ein modifizierter Unitree G1) des französischen Ingenieurs Pablo Berlanga. Pemba bestieg am 5. Juni 2026 als erster humanoider Roboter den 6.200 Meter hohen Vulkan Chimborazo in Ecuador. Im Rahmen des Triple-Crown-Projekts sind weitere Etappen geplant: Als Nächstes steht der Mount Everest an.


